Ein Wendepunkt im arabisch-israelischen Konflikt?

von Daniel Pipes, 15. Mai 2011
Englischer Originaltext: A Turning Point in the Arab-Israeli Conflict?
Übersetzung: H. Eiteneier

Vor einigen Wochen sagte ich voraus, dass die arabischen Unruhen die Palästinenser dazu inspirieren könnte „die anderen in der Region nach[zu]ahmen, indem sie von der Führung von Krieg und Terrorismus zugunsten nicht gewalttätigem politischen Handeln abgehen. Dazu könnte massive nicht gewalttätige Demonstrationen gehören, wie gegen israelische Städte, Grenzen und Kontrollpunkte zu marschieren.“

Wie aufs Stichwort fanden an dem, was die Palästinenser „Nakba-Tag“ nennen, der Ablehnung der Unabhängigkeit Israels am 15. Mai 1948, heute koordinierte und nie da gewesene Massenaktivitäten statt. Eine Schlagzeile der New York Times fasst die Ereignisse treffend zusammen: „Israel gerät an vier Grenzen mit Protestlern aneinander.“ Diese vier Grenzen sind die zum Libanon, Syrien der Westbank und dem Gazastreifen.

Aus diesen vier sticht die Demonstration auf den normalerweise friedlichen Golanhöhen heraus. Nach Angaben von Joel Greenberg von der Washington Post

Der ernsteste Vorfall fand an der Grenze zwischen Syrien und den besetzen Golanhöhen statt; dort versammelten sich Tausende Demonstranten auf der syrischen Seite und Hunderte fluteten in das von Israel gehaltene Territorium, nachdem sie den Grenzzaun einebneten. Jede Menge Menschen begaben sich in das [von Israel kontrollierte] Drusendorf Majdal Shams, versammelten sich auf den Platz im Zentrum, wo sie die palästinensische Flagge hissten.

Aber weil die Palästinenser Palästinenser sind, konnten sie dem Rückgriff auf Gewalt nicht widerstehen, womit sie vielleicht die gesamten Anstrengungen untergruben. Nach Angaben eines Berichts in Yedi’ot Aharonot trampelten die Syrer den Grenzzaun nieder, schleuderten Steine auf israelische Soldaten, verletzten zehn und verließen Israel am frühen Abend mit Rufen „Wir kommen wieder“, dem Dorfbewohner Applaus spendeten.

Syrische Untertanen, die ohne israelische Erlaubnis massenhaft die Grenze auf den Golanhöhen überquerten, hat es (nach allem, was ich weiß) bisher nie gegeben. Und natürlich ist im totalitären Syrien diese Art von Vorkommnis die Genehmigung durch die Regierung benötigen. Man kann diese Proteste zwar dem Wunsch in Damaskus zuschreiben die Aufmerksamkeit von seinen internen Problemen abzulenken, aber sie passen auch ins größere Bild.

Danny Danon, ein führender Likud-Politiker, stellte die Herausforderung von vier Seiten als eine Übung für September dar; für dann erwartet die Palästinensische Autonomiebehörde, dass die UNO-Vollversammlung einen souveränen Staat „Palästina“ erklärt. Ich gehe weiter und sage voraus, dass dieses Zwischending aus zivilem Ungehorsam und Gewalt auf niedriger Ebene für einige Zeit zur Lieblingstaktik der Palästinenser wird. Ich sage auch voraus, dass dies fehlschlagen wird, wenn es, wie heute, Tote gibt. Aber die Taktik kann Israel auch richtig Schaden, wenn die Führung es schafft die Menschenmengen gewaltfrei zu halten.

Syrische Staatsbürger führen palästinensische und syrische Flaggen mit, als sie sich der Grenze zu Israel nähern.

Etwas Neues: Syrer klettern am 15. Mai über den Grenzzaun, um auf die Golanhöhen zu gelangen.

Israelische Soldaten auf der Hut vor dem unvorhersehbaren Zustrom.