Wo war denn die UNDOF am Sonntag?

Elder of Ziyon, 6. Juni 2011

UNDOF ist die United Nations Disengagement Observer Force (UNO-Entflechtungs-Beobachtertruppe) in Syrien. Ihr Mandat lautet:

·         Den Waffenstillstand zwischen Israel und Syrien erhalten.

·         Die Entflechtung israelischer und syrischer Streitkräfte zu überwachen.

·         Die Gebiete von Trennung und Begrenzung überwachen, wie von der Entflechtungsvereinbarung vom Mai 1974 vorgesehen.

Hier ist eine Landkarte, die das Operationsgebiet der UNDOF zeigt. Ich habe Majdal Shams herausgehoben, wo die Krawalle vom 6. Juni und vom 15. Mai stattfanden:

Die Karte zeigt, dass die arabischen Randalierer Kilometer weit durch UNDOF-Gebiet marschierten, das vom österreichischen UNDOF-Kontingent kontrolliert wird. Die gesamte UNDOF-Streitmacht besteht aus rund 1.200 leicht bewaffneten Friedensschützern.

Was machten diese am Sonntag, um die Spannungen an der Grenze zu entschärfen?

Ein faszinierender Eintrag in Tom Lehners Blog, geschrieben nach den Nakba-Tag-Protesten, beschreibt, wie UNDOF, besonders die österreichische Einheit, normalerweise während Demonstrationen agiert:

EGG – die Eingreifgruppe – ist eine kleine Einheit, die rund um die Uhr, 7 Tage in der Woche in Alarmbereitschaft steht.

Im Fall von Protesten (Nakba, Familien-Gebrüll, Quneitra-Proteste und weitere) wird diese Einheit gerufen. Sie fährt in LKW zum Ort des Protests, bewaffnet mit leichten Waffen (Ausbatt: Glock-Handfeuerwaffen für Offiziere und STG 77-Sturmgewehre für Soldaten) und Stacheldraht-Rollen.

Nachdem sie den Draht ausgerollt hat, der die Demonstranten auf Linie halten soll, nehmen die Soldaten ihre Positionen ein und warten auf den syrischen „Verbindungsoffizier“, gewöhnlich einen jungen Leutnant, der Englisch spricht; man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass er dem Militärgeheimdienst angehört (das wird niemals offiziell bestätigt, aber jeder weiß es).

Frieden ohne Gewalt, einfach durch Präsenz.

Seit 1967 haben die österreichischen Streitkräfte großartige Arbeit geleistet. Die Männer und Frauen sind hoch professionell, wenn es um die Befolgung von Befehlen geht. Sie haben sogar (Anfang der 1990-er Jahre) den Friedensnobelpreis für ihre herausragende Arbeit erhalten.

Warum machte aber die UNDOF nicht, was sie normalerweise tut, um die Protestierenden von der Grenze fernzuhalten? Warum verschwanden die Soldaten?

Lehner glaubt, dass die UNO absichtlich weg blieb, weil sie auf Opfer hoffte, um Israel für Zugeständnisse unter Druck setzen zu können.

Ich bin nicht sicher, ob ich so weit gehen würde, aber die Abwesenheit der UNDOF in der Gegend während der Proteste ist sehr wichtig.

Da die UNDOF jeden 15. Mai hier ist, ist es noch bemerkenswerter, dass sie genau das in diesem Jahr nicht war, insbesondere, da die Proteste im Vorhinein geplant waren. Und das gilt doppelt für die Proteste am „Nakba-Tag“.

Die einzige Erklärung der UNO, die die UNDOF erwähnt, war: „Die UN Disengagement Observer Force (UNDOF) versucht Fakten zu bestätigen und zu helfen eine weiterhin explosive Lage in dem Gebiet zu beruhigen.“ Sollte die UNDOF nicht die Eskalation der Spannungen verhindern, statt hinterher Fakten zu bestätigen?

Die UNO muss diese einfache Frage beantworten: Wo war die UNDOF während der Krawalle und warum handelte sich nicht, um menschliches Leben zu retten?

8 Gedanken zu “Wo war denn die UNDOF am Sonntag?

  1. Na, wo war sie wohl? Ist doch klar: Sie hatte den Auftrag, sich rauszuhalten, damit den Israelis alles Böse in die Schuhe geschoben werden kann. Dem gutmenschlichen Publikum hier, aber auch in anderen Ländern, ist ja überhaupt nicht bewußt, daß es dort eine UNO-Truppe gibt – also läßt man sie gleich „verschwinden“.
    Und ich schätze mal, daß die Ösis das mit einer „klammheimlichen Freude“ gemacht habe.

    • Den Soldaten vor Ort würde ich erstmal keine Vorwürfe machen. Wir wissen nicht, wie das entstanden ist – woher ggf. die Befehle kamen sich nicht zu rühren und ihren Aufgaben nicht nachzukommen.

  2. Könnte gut sein, man hat ihnen pro Person mehr als $1.000 geboten, wenn sie sich nicht sehen lassen!
    Und der „blinde“ und „taube“ Ban Ki Moon will sich auch noch zur Wiederwahl stellen. Da wird wohl künftig kein neuer Geist bei der UNO einziehen, nach dem alten Spruch: Wie der Herr, so’s Gescherr.
    Die Toten, die es trotz An- bzw. Abwesenheit der UNO-Soldaten gab, gehen leider in die Tausende!
    Margot

    • Das mit dem Herrn und dem G’scherr könnte man besser umgekehrt sagen. Die UNO ist nicht das Produkt des Herrn Ban, sondern Herr Ban ist das Produkt der UNO und ihres Willens.

  3. Ein Hoch auf die foranschreitende Modernisierung: „Die Männer und Frauen sind hoch professionell, wenn es um die Befolgung von Befehlen geht“. In der juristischen Nachbereitung des Zweiten Weltfriedensprozesses (1939-45) hiess derselbe Sachverhalt noch: „Ich habe doch nur Befehle befolgt“. Die Russen waren da wie stets etwas schneller mit dem Fortschritt, indem es hiess: „Die Partei wird schon wissen, warum sie das befiehlt“. Aber in Oesterreich hat der Fortschritt halt ein menschlich angemessenes Tempo…

  4. Das Problem Sie dürfen gar nicht eingreifen! ihr Mandat bezieht sich ausschließlich aud TRUPPEN! – und die dürfen auch nicht mit Waffengewalt aktiv auseinandergehalten werden! das ist eben das problem der Chater VI (UN Charta) Missionen!

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.