Operation Embarrass: Briten legten Bomben in jüdischen Flüchtlingsschiffen

Elder of Ziyon, 26. Mai 2011

Aus The Daily Beast (19. September 2010):

Während jüdische Überlebende des Holocaust, kläglichen Überbleibsel des größten Verbrechens der Geschichte, am Ende des Zweiten Weltkriegs versuchten sich auf den Weg durch das oft feindselige Europa zu machen, hin zu einer wenigstens scheinbaren Sicherheit im Heiligen Land, stießen sie auf nicht gerade wenige Probleme, mit denen sie zu ringen hatten, einschließlich Krankheit und Unterernährung, polnischem Antisemitismus, sowjetischer Gleichgültigkeit, alliierter Bürokratie und arabischem Nationalismus. Jetzt entdecken wir, dass sie noch einer weiteren Gefahr in Form von vom britischen Geheimdienst – besser bekannt als MI6 – auf ihren Transportschiffen gelegten Bomben ausgesetzt waren.

Nächste Woche wird ein neues Buch veröffentlicht; es trägt den Titel „MI6: The History of the Secret Intelligence Service 1909-1949“ (MI6: Die Geschichte des Secret Intelligence Service von 1909 bis 1949) und wurde vom hervorragenden britischen Historiker Keith Jeffery geschrieben. Es offenbart die Existenz der „Operation Embarrass“ (etwa: Operation Blamieren), eines Plans, mit dem zu verhindern versucht wurde, dass Juden 1946 bis 1948 nach Palästina kamen, indem Desinformation und Propaganda ebenso genutzt wurde wie auf Schiffen gelegter Sprengstoff. Das ist auch keine spekulative Spionagegeschichte, die von den Behörden geleugnet werden kann: Denn Dr. Jefferys Buch wird – in deren eigenen Worten – „mit Erlaubnis des Secret Intelligence Service und dem Controller of Her Majesty’s Stationery Office veröffentlicht“.

Als die britische Regierung am 1. Juni diesen Jahres die Art und Weise, wie israelische Soldaten auf der türkischen Flottille nach Gaza landeten, als „völlig inakzeptabel“ bezeichnete, wussten wir nicht, dass ihre Vorgängerin so ziemlich dasselbe getan hatte; sie hatte tatsächlich sogar ein Schiff in die Luft gejagt und zwei weitere beschädigt, die zu einer authentisch humanitären Flottille gehörten, die versuchte jüdische Überlebende der Todeslager der Nazis in das historische Heimatland ihres Volkes zu bringen.

Jetzt kommt ans Licht, dass die Labour-Regierung von Celemnt Attlee Ende 1946 die den MI6 zu „Vorschlägen zu Aktionen zur Abschreckung  von Schiffseigentümern und Besatzungen von der Tielnahme an illegaler jüdischer Einwanderung und Verkehr“ aufforderte und hinzufügte: „Die in Betracht gezogene Natur der Handlungen ist eine Form der Einschüchterung und Einschüchterung ist vermutlich nur dann effektiv, wenn einige Mitglieder der Gruppe der einzuschüchternden Menschen tatsächlich unangenehmen Folgen erleiden.“ Zu den in Betracht gezogenen Optionen gehörten „nach der Reise des Schiffs die Entdeckung einer Sabotagevorrichtung, die nicht funktionierte“, „Manipulation an der Frischwasserversorgung des Schiffs oder dem Essen der Besatzung“ und „Feuer an Bord eines im Hafen liegenden Schiffs“. SIS-Chef Sir Stewart Menzies schlug vor, dass dies einer erfundenen arabischen Terrorgruppe namens „Verteidiger des arabischen Palästina“ in die Schuhe geschoben werden könnte.

Operation Embarrass wurde nach einem am 14. Februar 1947 abgehaltenen Treffen von Vertretern des MI6, der Streitkräfte, des Kolonialministeriums und des Außenministeriums gestartet; das Außenamt wurde von William Hayter vertreten, dem Kopf des Foreign Office Services Liaison Department, einem Überflieger, der später Botschafter in Moskau wurde. Ich kannte Sir William Hayter in seinem späteren Leben, aber es erübrigt sich zu sagen, dass er niemals auch nur ansatzweise ein Wort über diese Operation verlor. Zu seiner Verteidigung muss gesagt werden, dass Hayter dem MI6 befahl sicherzustellen, dass Brandstiftung „wenn sie denn sein muss, nur vorgenommen wird, wenn das Schiff leer ist.“

Dem Team der Operation Embarrass wurde gesagt, „die vordringliche Überlegung war, dass nie Beweise zwischen positivem Handeln gegen diesen Verkehr und der Regierung seiner Majestät [HMG] festgestellt werden könne“. Ein besonderes Kommunikationsnetzwerk mit dem Codenamen Ocean wurde mit einem Budget von £30,000 aufgebat – 1947 verdammt viel Geld. Die Operation hatte drei Aspekte: direktes Handeln gegen Flüchtlingsschiffe, eine „schwarze“ Propaganda-Kampagne und ein Ablenkungsprogramm zur Störung der Einwanderung aus Häfen am Schwarzen Meer. Ein Team ehemaliger Agenden der Special Operations Operations – mit der Tarngeschichte einer Segelreise – wurde nach Frankreich und Italien geschickt; es führte Haftminen und Zeitzünder mit. Sollten sie gefangen genommen werden, „durften sie unter keinen Umständen ihre Verbindung zu HMG zugeben“, sondern stattdessen behaupten sie seien in New York „von einer antikommunistischen Organisation angeworben worden, die sich aus einer Gruppe internationaler Industrieller, hauptsächlich aus der Öl- und Flugzeugindustrie zusammensetzte“, d.h. die Verantwortung sollte reichen, rechtsgerichteten, nicht genannten Amerikanern in die Schuhe geschoben werden. Ihnen wurde gesagt, dass diese Tarnung „ihre letzte Verteidigung sei und sie selbst im Fall einer Gefängnisstrafe keine Hilfe von HMG erwarten konnten“.

Während des Sommers von 1947 und Anfang 1948 wurden fünf Anschläge auf Schiffe in italienischen Häfen ausgeführt, von denen eines als „Totalverlust“ ausgewiesen wurde, zwei weitere wurden beschädigt. Zwei weitere britische Haftminen wurden entdeckt, bevor sie hoch gingen, aber die italienischen Behörden fanden das Herkunftsland nicht verdächtig, „da die Araber natürlich britische Vorräte benutzen würden“. Operation Embarrass zog sogar in Betracht das Baltimore-Dampfschiff President Warfield zu sprengen, als es in Frankreich vor Anker lag; es wurde später in der israelischen Geschichte als „Exodus“ berühmt, dem Schiff, das „eine Nation gründete“.

Das Land, das wegen Operation Embarrass blamiert sein – eigentlich sich schämen – sollte, ist Großbritannien, das bei dem Versuch nach dem Holocaust wirklich humanitäre Flottillen zu stoppen, Sprengstoff benutzte, jetzt aber das umkämpfte Israel verurteilt, weil es rein politisch inspirierte Flottillen in den Gazastreifen aufhält, trotz seiner Recht auf legitime Selbstverteidigung. Die tief gehende Feindlichkeit, die das Establishment Britain, insbesondere das Außenamt, gegenüber den Juden Palästinas empfand, ging deutlich noch weiter, als wir uns jemals vorstellten; und selbst 70 Jahre danach ist sie keinesfalls erloschen.

2 Gedanken zu “Operation Embarrass: Briten legten Bomben in jüdischen Flüchtlingsschiffen

  1. Wundert mich gar nicht …

    Vor einiger Zeit bin ich auf diesen sehr langen, aber auch sehr aufschlussreichen Artikel bei „Emperor’s Clothes“ gestossen: http://emperor.vwh.net/history/br.htm

    Es handelt sich um ein Momorandum vom April 1948 zuhanden der UNO (über die Zeit seit dem UN-Votum vom November 1947), das sich auf „British intelligence documents“ stützt.

    Es geht darin um „Britain’s role in the Arab attempt to kill Israel in the cradle.“
    „[It] shows that during the half year prior to the all-out Arab invasion on 15 May, Britain incited, micro-managed and did public relations work for a campaign of Arab troop infiltration and terror.“ Und manch sehr Aufschlussreiches mehr (habe es vor einiger Zeit vollständig gelesen, sollte es aber nochmals, da es sehr viel Info enthält).

    Pikant: Ein Mitarbeiter von „Emperor’s Clothes“ fand den Artikel in „The Nation“ von 1948 rein zufällig in Papierform; in den sonst vollständigen digitalen Archiven ist er unauffindbar, da er nicht mehr in deren heutiges „Weltbild“ passt.

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