Grundlagen für antiisraelisches Flottillen-Narrativ gelegt

Just Journalism, 1. Juni 2011

Jede Reportage zum Aufbau der anstehenden Juni-Flottille weit auf eine Rückkehr zu Trends der Vergangenheit nahe, die fälschlich die Organisatoren als friedfertig und Israel als aggressiv darstellen.

Die IHH als extremistische islamische Organisation

Am 7. April hielt IHH-Chef Bülent Yildirim eine hitzige Rede, in der er seiner Feindschaft gegenüber dem Staat Israel und seiner Bereitschaft dessen Soldaten die Stirn zu bieten vollen Ausdruck verlieh. Nach Angaben einer Übersetzung von MEMRI machte Yildirim klar, dass die Ansichten der angeblich humanitären Expedition, die Ende Juni als „Intifada zur See“ stattfinden soll, Teil eines Versuchs ist Jerusalem zurückzuholen, statt in erster Linie Hilfe nach Gaza zu liefern:

Wir haben ein Problem mit einem Ort und wir erklären das mutig, ohne Furcht und ohne Zögern: Unser Problem ist der Zionismus, der die gesamte Menschheit wie ein Virus infiziert hat.

Nur weil wir Schahide [„Märtyrer“] hatten, heißt das nicht, dass wir Angst haben. Wir werden nicht zurückgehen. Lasst jedermann wissen, dass, bis diese Blockade von Gaza aufgehoben und bis unser Marsch zur Al-Aqsa vollendet ist, diese Intifada zur See und zu Land weiter gehen wird!

Diese Rede wurde in den britischen Mainstream-Medien nicht berichtet.

Am Montag, 30. Mai fanden in der gesamten Türkei Demonstrationen statt, die der Flottille des letzten Jahres gedachten, bei der neun Passagiere der Mavi Marmara von israelischen Spezialtruppen während einer massiven Auseinandersetzung getötet wurden.

Die Internetseite der BBC News berichtete zu diesem Vorfall in „Gaza flotilla vow as thousands rally in Istanbul“, doch von Bülent Yildirim wurden Zitate gebracht, die eine stark reingewaschenere Version seiner Absichten abgeben:

„Wir fahren nicht in den Tod“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Weder die BBC noch Reuters berichteten, was er dem türkischen Kanal 5 am 8. Mai sagte:

„selbst wenn wir Schahide für diese Sache opfern, werden wir die Gerechtigkeit auf unserer Seite haben.“

2010, nach dem Vorfall mit der Mavi Marmara, veröffentlichte Just Journalism ausgiebig zum Hintergrund der IHH und vermerkte, dass die Teilnehmer der Flottille religiöse Kriegssprüche wie „Oh Juden, die Armee Mohammeds wird zurückkehren“ unmittelbar vor der Abfahrt nach Gaza skandierten.

Fehlende Berichterstattung zu Israels Angebot die Hilfe der Flottille über Aschdod nach Gaza zu bringen

Die BBC, der Presseverband und Reuters haben allesamt nicht über Israels wiederholte Angebote berichtet jegliche durch die anstehende Flottille gebrachte Hilfe nach Gaza zu liefern. Im Gegenzug präsentierten sie allesamt Behauptungen der Organisatoren, die Hilfe direkt nach Gaza zu bringen sei die einzige Möglichkeit das Material zu überbringen.

Am 12. April bot Israel den Transfer jeglicher Hilfe von Aktivisten über Land an. Ha’aretz berichtete von Israels Appell an die Türkei:

„Israel kontaktierte die Türkei bezüglich einer Gaza-Hilfsflottille, die für den Mai diesen Jahres geplant ist“, sagte ein israelischer Offizieller am Dienstag, der einmal mehr Israels Einwand gegen den Bruch der Seeblockade Gazas und seine Bereitschaft  betonte Hilfe für den Strip über legale Kanale zu transferieren.

Dieses Angebot wurde in den britischen Medien nicht berichtet, genauso wenig Israels weitere Wiederholung am 27. Mai, es werde die Hilfsfracht der Flottille für Gaza weiterleiten.

„Israel ruft [die Organisatoren] außerdem auf das Angebot zur Weiterleitung ihrer Fracht nach Gaza über den israelischen Hafen Aschdod anzunehmen…

Israel steht zu seinem Angebot die Fracht der Flottille in Aschdod zu löschen und … die Inhalte nach angemessener Untersuchung nach Gaza zu transferieren.“

Doch der gestrige BBC-Artikel wie auch Reuters und die PA unterlassen es nicht nur Israels entgegenkommende Haltung in der Frage der Lieferung der Hilfe zu erwähnen, sondern erheben Behauptungen, mit denen sie verfechten, der Bruch der Seeblockade sei der einzige Weg Hilfe nach Gaza zu bekommen. Die BBC zitiert IHH-Chef Bülent Yildirim:

„Wir machen von dem von den Vereinten Nationen und der Genfer Konvention zur Verfügung gestellten Recht gebrauch. Wir fahren dort hin, um einen Korridor zur Lieferung humanitärer Hilfe zu öffnen.“

Die Gesellschaft zitierte dazu auch einen namentlich genannten Koordinator der Flottille, Vangelis Pisias:

„Israel hindert Palästinenser immer noch daran ihr Meer zu nutzen und kontrolliert und schränkt gravierend alle Waren vom Import nach und vom Export aus Gaza ein.“

Auch Reuters zitiert Pisias und sagte, der Konvoi würde „1.500 Personen aus rund 100 Staaten, humanitäre Hilfe und Baumaterial mitführen“.

Der Artikel der Pressevereinigung, den der Independent brachte, zitierte Ismail Patel, den Vorsitzenden der Freunde der Al-Aqsa:

„Wir müssen auch die Aufmerksamkeit auf die verzweifelte Lage im Gazastreifen lenken, wo die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln und Material zum Wiederaufbau verboten sind.“

Wieder wurde nichts davon erwähnt, dass Israel einem Transfer jeglicher Hilfe des Konvois über Land zustimmte, obwohl der Artikel erwähnt, dass Israel plante die Flottille zu blockieren:

„Israelische Militärvertreter haben bestätigt, dass Vorbereitungen getroffen werden jede neue Flottille zu stoppen, während man versucht Opfer zu vermeiden und das man diesmal andere Taktiken anwenden werde.“

Just Journalism analysierte die Berichterstattung der Medien zum Flottillenvorfall von 2010 umfassend in Gaza flotilla raid: Media presentation of Israeli video evidence. Der Bericht zeigt, dass Israels Videobeweise der Gewalt der Protestler in einigen Bereichen der Medien erheblich heruntergespielt wurden.

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