Des Friedens pawlow’sche Hunde

Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder.Paul Spiegel

Nie war dieser Satz von Paul Spiegel wohl wahrer als heute. Und die „Friedens“-Aktivisten geben sich offensichtlich alle Mühe ihn immer zutreffender werden zu lassen – jedenfalls als Schreibtischtäter und Hetzer gegen alle, die versuchen die Freiheit zu verteidigen.

Nicht, dass alles, was zur Verteidigung der Freiheit unternommen wird, immer und überall als richtig angesehen werden muss. Oder gar richtig ist. Da gibt es genügend, was falsch läuft/lief und wo man sich einfach auch mächtig verschätzt hat. Aber wenn man den Vertretern des Friedenslagers zuhört, dann wird eindeutig: Die wollen, dass die Tyrannen, Diktatoren, Unterdrücker, Massen- und Völkermörder in Ruhe gelassen werden. Wer denen in den Arm fallen will, ist schlimmer und verbrecherischer als die Tyrannen, Diktatoren, Unterdrücker, Massen- und Völkermörder selbst.!

Das jüngste Beispiel für diesen Wahn konnte man gerade in Tübingen erleben, wo die „Friedensstadt Tübingen“ vom grünen Stadtoberhaupt Boris Palmer behauptete, die Veranstaltung stehe für andere Menschen ein. So allgemein formuliert mag das richtig klingen, aber schaut man sich an, für welche Menschen dort eingestanden wird oder nicht, kann das durchaus ein differenzierteres Bild ergeben. Denn wie vermerkt das tagblatt in seiner (unkritischen) Berichterstattung: Viele Redner erhoben ihre Stimme für den Frieden und gegen Krieg – und vor allem gegen die „imperialistischen USA“.

Wird sonst noch jemand gesondert erwähnt? Ach ja, Israel natürlich, von Herrn Moskovitz. Weitere Täter – nicht in der Zeitung. Lohnt sich nicht, denn wir haben die größten Übeltäter der Weltgeschichte genannt bekommen. Moskovitz bezeichnete Israel als Albtraum und dessen Umgang mit den Terrorschiffern musste er auch kritisieren. Natürlich hat Israel kein Recht sich zu wehren, wo kämen wir denn da hin. Aber auch der „Professor“ wurde erwähnt. Im Gegensatz zu einem 80-jährigen Norweger, dem besonders viel Gewicht zugemessen wird, weil er schon so alt ist und auch noch „Friedensforscher“. Johan Galtung

kritisierte die westliche Außenpolitik, besonders die der Vereinigten Staaten: „Die USA haben seit 1805 weltweit 17 bis 20 Millionen Menschen getötet, das sind viel mehr als Hitler, wenn auch in einem größeren Zeitraum“, sagte der 80-jährige Träger des Alternativen Nobelpreises.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: „wenn auch in einem größeren Zeitraum“. Deutsche Mordgeschichte (z.B. Hitler oder die Herrero-Vernichtung in „Südwest“) besteht aus unabhängigen, singulären Ereignissen, während die USA „seit 1805“ ein Gesamtereignis sind? Die Beinahe-Vernichtung der Indianer dasselbe wie Versuche Völker zu befreien? Die industrielle Art der Vernichtung von 6 Millionen Juden dasselbe wie Korea?

Der Mann bekam Applaus. Ob nun besonders für das Hitler-Maß oder für das Folgende, bleibt beim Tagblatt offen:

Deutschland sei „Teil des US-Imperialismus“, fügte er an. „Der Herr Deutschlands sitzt seit 1945 in Washington und der heilige Geist ist die Nato.“ Auch Galtung betonte die wachsende Bedeutung von Städten bei Friedensinitiativen weltweit und appellierte an Palmer: „Verbünden Sie sich mit anderen Städten!“

Das Herumreiten auf angeblichem US-Imperialismus ist DAS Mantra der Antiamerikanismus schlechthin. Dafür braucht es keinerlei Fakten, das ist so und damit basta. Genauso, dass Deutschland den USA hörig ist und sich zu deren Sklaven macht. So wie im Irak, in Libyen? Und die Missstimmungen zwischen Deutschland und den USA sind nur über die Frage entstanden, ob Deutschland EU-Europas Klassensprecher dafür sein darf, wie tief die EU sich vor dem Präsidenten verneigt oder es einen solchen Sprecher nicht geben darf?

Außerdem plädierte er gegen die westlichen Militäroperationen in Libyen.

Das sagt wiederum alles. Mehr muss er nicht sagen, als dass er gegen die Militär-Aktion in Libyen ist. Das ist selbstverständlich, das muss nicht begründet werden. Es gibt Gründe für und gegen diesen Einsatz, aber die dagegen wird ein Johan Galtung gar nicht nennen wollen, denn er differenziert nicht.

Geht man mal recherchieren, was „Friedensstadt Tübingen“ ist, dann gibt es dazu eine Internetseite. Dort heißt es für die Zeit vom 16.-24.07.2011:

… Themenschwerpunkte sind die Situation in der arabischen Welt, der kriegerische Konflikt zwischen Israel und Palästina, friedenspolitische Entwicklungen in Lateinamerika, Afrika und die neuen demokratischen Proteste in Europa wie in Griechenland, Italien und Spanien.

Eine Hommage an den griechischen Komponisten Mikis Theodorakis wird durch eine Ausstellung, eine Diskussion, einen Film, eine Lesung, ein Konzert und eine Nacht der Lieder von Theodorakis, sein künstlerisches und politisches Wirken deutlich machen…

Man sieht, wo der Schwerpunkt ist: Nahost. Von kriegerischem Konflikt z.B. im Sudan ist nicht die Rede, dort geht es um „friedenspolitische Entwicklungen“. Dasselbe Bild für Lateinamerika – die Machenschaften eines Hugo Chavez, seine Unterstützung des Terrors in Kolumbien? Hm. Demokratische Proteste in Griechenland, Italien und Spanien – na ja, in Griechenland hat das wenig mit Demokratie zu tun und viel mehr damit, dass man dort nicht zu Veränderungen bereit ist, die dem Staat das Überleben ermöglichen könnten. Und Italien? Ach ja, da sind sie gegen Berlusconi, das allein ist wohl schon demokratisch in der Diktatur des Bunga-Bunga-Mannes. Da ist es natürlich etwas ganz anderes, wenn der unverbesserliche Antisemit Mikis Theodorakis hommagiert wird, besonders, wenn es ums sein „künstlerisches und politisches Wirken“ geht. Seine künstlerisches Können und Werk ist unbestritten – aber macht ihn das zu einem anständigeren Antisemiten? Einen Mann, der seine Landsleute weniger gegen Israel (und Juden) aufhetzt?

Zur ersten „Friedensstadt“ wurde 2009 eingeladen:

Die „Stimmen einer Kultur des Friedens“ werden von Gloria Cuartas aus Kolumbien oder von Ismail Khatib aus Palästina eingebracht. Der US-Kriegsdeserteur André Shepherd, die israelische Menschenrechtsanwältin Felicia Langer und Gisela May, die legendäre Brechtinterpretin werden ebenfalls ihre Stimme für den Frieden erheben.

Frau Langer als „Stimme der Kultur des Friedens“ ist ein Oxymoron. Das schrille Kreischen dieser Alibijüdin hat mit allem anderen, aber nichts mit Frieden zu tun.

Ismail Khatib – auch dieses Jahr wieder dort aktiv – ist ein Held, befand Avi Primor, weil er die Organe seines von israelischen Soldaten getöteten Sohnes spendete – (auch) an jüdische Empfänger. Dafür bekam er 2010 den Hessischen Friedenspreis (als erster „Nichtpromi“) und Primor attestierte ihm Einzigartigkeit. Für das palästinensische Umfeld ist das absolut so zu sehen, denn dort wird lieber schon mal auf Leben rettende Blutkonserven verzichtet, wenn es sich um jüdisches Blut handelt. Dass in Israel die Organspende ohne Ansehen des Empfängers ziemlich normal ist und auch feindliche Araber solche bekommen, wird unter den Teppich gekehrt. Dafür hob Primor lieber darauf ab, dass „Israel“ mit dieser Organspende als Friedensgeste große Probleme gehabt habe. Ganz Israel besteht in diesem Moment aus einer jüdisch-orthodoxen Familie, die das Organ des Jungen zunächst nicht annehmen wollte.

Wer sich etwas umsieht, erkennt das Muster: Eine ungewöhnliche, positive Einzeltat eines Arabers wird in die Welt posaunt (finde ich nicht falsch!), dabei aber übersehen, dass das gleiche Verhalten auf der anderen Seite ziemlich normal ist; ein negatives Einzelverhalten repräsentiert gleich ganz Israel. Das Strickmuster der Israelfeinde schlechthin, wo ihnen die Umkehrung der Tatsachen und die Verleumdung des jüdischen Staates nicht von vornherein möglich ist.

Ich möchte kein allzu viel Essig in den Wein des Heldentums des Ismail Khatib gießen; aber seine Behauptung über seinen Sohn, „seine einzige Schuld war das Spielen auf offener Straße gewesen“, entbehrt einer wichtigen Information: Wieso hat er Ahmed mit einem Spielzeuggewehr auf dieser Straße spielen lassen? Der Junge wurde erschossen, weil er von den Soldaten als Bedrohung wahrgenommen wurde. Ohne dieses Plastikgewehr hätte er auf der Straße spielen können, so viel er wollte und wäre heute wohl noch am Leben! Und dass Ärzte in Haifa – Israel – Stunden lang um das Leben des Jungen kämpften, ist auch selbstverständlich; wäre ein von Terroristen verletzter Israeli in einem PA-Krankenhaus auch so behandelt worden?

Viel mehr als seine Organspenden-Aktion ist über den Mann konkret nicht zu erfahren; was er denkt und wie er vor westlichem Publikum redet, ist zumindest auf den ersten 10 Seiten bei Google nicht zu finden. Hoffen wir, dass er keine Kinder mehr mit Spielzeugwaffen (oder gar echten) auf die Straße lässt und sehen uns mehr zur „Friedensstadt“ an. Im Kulturprogramm finden wir reichlich Linkslastiges: „Recht auf gutes Leben, Alternativen zum derzeitigen westlichen Produktions- und Konsummodell“ als Vortrag des bolivianischen Botschafters (Bolivien wird von „Coca-Edo“ Morales regiert, der sich vor allem als Verstaatlicher und USA-Hasser hervortut); die „Hommage an den Komponisten und Kultur des Friedens Mitgründer Mikis Theodorakis“, „Friedenserfahrungen in Lateinamerika“ (mir schwant leider nichts Gutes dabei), „Arabischer Frühling – Eiszeit in Israel/Palästina?“, „Staatsmacht contra Zivilgesellschaft?“ – Diskussion über die sozialen Bewegungen international und regional. „S21 ist überall“; ein „friedenspolitischer Aktionstag“ mit u.a. „attac“. Die Einseitigkeit regiert und die Terroristen sind harmlose Freiheitskämpfer.

Sie lassen Tauben flattern, die Regenbogenfarben-Fahne wehen – aber die Adressaten, die von ihnen zum „Frieden“ aufgefordert werden, beschränken sich auf ganz wenige, die immer Üblichen. Sudan? Somalia? Muslimischer Eroberungsterror in den Philippinen oder Thailand? Taliban-Massenmorde? Iranischer Staatsterror oder seine Unterstützung von Terroristen weltweit? Christenverfolgung in Pakistan, Malaysia usw.? Nein. Aber ein Vorgehen gegen die Gaddafis, Assads und sonstigen Massenmörder muss verboten sein.

Diese Friedensengel schützen die Mörder und machen diese stark. Sie reagieren wie Pawlows Hunde auf jede Aktion, die mit einer Waffen gegen die Mörder unternommen wird. Die USA werden immer und überall angeklagt, Israel sowieso. Frankreich und die übrigen Koalitionäre gegen Gaddafi müssen nicht mit der gleichen Kritik rechnen wie die USA und Israel.

Friedensbewegte sind heute gegen alle, die Terroristen, Tyrannen und Völkermörder bekämpfen. Sie hofieren und folgen schrill schreienden Ideologen, die nichts zu bieten haben außer Hetze. Gratulation!

2 Gedanken zu “Des Friedens pawlow’sche Hunde

  1. Mich würde übrigens interessieren, wie der Herr Galtung reagieren würde, wenn man ihm sagt, dass Mao für die Ermordung von weit mehr Menschen verantwortlich ist als Hitler (oder die Amerikaner) – und das in einem deutlich kürzeren Zeitraum als die USA. Und wenn man ihm vorrechnet, für wie viele Millionen die Sowjetunion getötet hat – oder für wie viele auch nur Stalin allein verantwortlich ist. Ich habe so meine Meinung, wie er darauf reagieren würde…

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