Vertu‘ dich nicht oder: Die ‚Freuden‘ des Ramadan

Am Donnerstag kam ich in Jerusalem an. Donnerstag war auch der erste Tag des Ramadan. Und wie ich mit meinem Koffer so die Stadtmauer vom Neuen Tor zum Damaskustor runterschlenderte, befand ich, dass der Ramadan so seine Vorteile haben kann: Am Damaskustor war (zu dieser Zeit) bedeutend weniger Betrieb als sonst. Das war angenehm, denn so musste ich weniger aufpassen und hatte weniger Probleme mit dem großen Koffer bei anderen nicht anzuecken.

Das scheint allerdings der so ziemlich einzige Vorteil des Ramadan für den Jerusalemreisenden zu sein. Schon am Abend durfte ich dann feststellen, dass – und das weiß man ja eigentlich – nach Anbruch der Dunkelheit die Chose so richtig abgeht. Gerade – und das wusste ich bis dato nicht – am Damaskustor, wo mächtig gefeierrt und geböllert wird. Und wer dann in einer Unterkunft in unmittelbarer Umgebung des Tores Quartier bezogen hat, darf sich richtig ‚freuen‘: Vor Mitternacht kommt man nicht zur Ruhe und danach sind noch jede Menge Aufräumarbeiten auditiv zu bewunden. Vor 2 Uhr nachts komme ich hier nicht zum Schlafen. Wenn das Frühstück morgens um 7 Uhr eingenommen wird, heißt es dann: tagsüber auch mal schlafen.

Ganz heftig ist es am Freitagabend gewesen. Da war ein arabisches Konzert, das bis kurz vor Mitternacht dauerte und gut besucht war. Der Musiker machte mächtig Dampf und brachte das Publikum in Wallung. Nicht nur mit der Musik, die zugegebenermaßen fremd/befremdlich aber mitreißend war, selbst für mich. Doch bei jedem dritten Lied gab es immer Abschnitte, wo das Publikum ein dreifaches ‚Allahu Akbar‘ brüllen durfte. Und dieses Gebrülle hörte sich nicht unbedingt sympathisch an.

Zwischen den Nummern gab es immer wieder Mini-Ansprachen des Künstlers. Und einmal wurde ich ziemlich hellhörig. Da konnte ich sehr deutlich ‚al-Jahud‘ vernehmen, dem ein tosender Beifall der Menge folgte. Was das wohl gewesen sein mag? Kurz darauf kam eine kleine Sprechpause, der ein deutlich vernehmbares ‚al-Shabab‘ mit zustimmendem Gebrülle des Publikums folgte. Als nächtes ‚Sudan‘ mit der gleichen Reaktion. Vom Rest bekam ich wieder nicht wirklich viel mit. Ich kann schließlich kein Arabisch. (Wer es nicht weiß: al-Shabab ist die Islamisten-Miliz, die in Somalia massenmordet und verhindert, dass Hilfsorganisationen die hungernde Bevölkerung versorgen können.)

Das Geschehen erzählte ich gestern einem befreundeten Journalisten. Der meinte nur lapidar: ‚Das kann nichts Positives gewesen sein.‘ So sehe ich das auch. Und wenn ich wieder mal während des Ramadan in Jerusalem sein sollte, muss ich mir eine andere Unterkunft suchen…

Ein Gedanke zu “Vertu‘ dich nicht oder: Die ‚Freuden‘ des Ramadan

  1. […] Zwischen den Nummern gab es immer wieder Mini-Ansprachen des Künstlers. Und einmal wurde ich ziemlich hellhörig. Da konnte ich sehr deutlich „Al-Jahud’ vernehmen, dem ein tosender Beifall der Menge folgte. Was das wohl gewesen sein mag? Kurz darauf kam eine kleine Sprechpause, der ein deutlich vernehmbares ‘Al-Shabab’ mit zustimmendem Gebrülle des Publikums folgte. Als nächstes ‘Sudan’ mit der gleichen Reaktion. Vom Rest bekam ich wieder nicht wirklich viel mit. Ich kann schließlich kein Arabisch. (Wer es nicht weiß: Al-Shabab ist die Islamisten-Miliz, die in Somalia massenmordet und verhindert, dass Hilfsorganisationen die hungernde Bevölkerung versorgt.) Das Geschehen erzählte ich gestern einem befreundeten Journalisten. Der meinte nur lapidar: ‘Das kann nichts Positives gewesen sein.’ So sehe ich das auch. Und wenn ich wieder mal während des Ramadan in Jerusalem sein sollte, muss ich mir eine andere Unterkunft suchen… {Quelle: http://www.heplev.wordpress.com} […]

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