Logenplatz mit Tränengas oder: Die Freuden des Ramadan 2


Polizeikräfte nahe Jerusalems Nablustor von Mob gesteinigt

Polizisten, die zur Verstreuung einer großen Prügelei in der Nähe des Nablustores in Jerusalems Altstadt gerufen wurden,  wurden bei ihrer Ankunft vor Ort von dem Mob mit Steinen beworfen. Zwei Polizisten wurden bei dem Vorfall leicht verletzt.
Die Polizisten verstreuen die Menge mit berittener Polizei und Blendgranaten. Zwei Personen wurden verhaftet.

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Polizist bei Prügelei am Damaskustor verletzt

Ein Polizist wurde Sonntagabend verletzt, als er versuchte eine Schlägerei dutzender Araber am Damaskustor der Altstadt von Jerusalem aufzulösen. Andere Beamte, einschließlich berittener Polizei, brauchte Tränengas, um den Job zu erledigen.
Der Polizist wurde zur Behandlung ins Hadassah-Krankenhaus auf dem Skopusberg gebracht. Der Mann, der ihn verletzte, wurde zusammen mit einem weiteren Schläger verhaftet.

So Montagabend YNet (oben) und Arutz-7 (unten) zu einem Vorfall, bei dem ich einen Logenplatz hatte und deshalb die Probleme der Darstellung des Geschehens beurteilen kann. Insbesondere YNet gibt hier kein gutes Bild ab – abgesehen davon, das der Vorfall noch gar nicht wirklich beendet war, als dort die Meldung eingestellt wurde.

Eine kurze Einführung:

Erstens: Andere Gäste des Hauses berichteten, dass schon den ganzen Tag über bei den Arabern in der Altstadt eine ziemlich gespannte Stimmung herrschte. Es brodelte. Sie glaubten dafür die Lage im Ramadan verantwortlich machen zu können, weil die Menschen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken. Das, fanden sie, kann nicht spurlos an ihnen vorübergehen.

Zweitens: Gegenüber vom Damaskustor (YNet benutzt einen „Palästinenser“-Begriff dafür) beginnt die Nablus Road – eng und auf der einen Seite mit einigen kleineren Geschäften beginnend, auf der anderen Seite liegt das Gelände des Paulushauses mit der Schmitt-Mädchenschule. Die Bürgersteige wurden in den letzten Jahren immer stärker von Händlern in Beschlag genommen, die haufenweise Pröll, aber auch Brot und Getränke verkaufen.

Die Menschen, die hier ständig in großer Zahl aus der Altstadt kommend die große Straße überqueren und in die Nablus Road hinein (oder die, die aus ihr heraus) wollen, drängen sich zwischen diesen Händlern hindurch; außerdem versuchen immer auch Autos und Kleinbusse durchzukommen. Mit anderen Worten: Enger geht es nicht. Die Händler haben sich derart ausgebreitet, dass man beim Paulushaus kaum die Einfahrt nutzen kann (als Fußgänger!), ebenso gegenüber beim Konvent/Gästehaus der französischen Schwestern.

Ganz am Anfang der Nablus Road gibt es auf beiden Seiten jeweils einen Händler mit Gebäck, hauptsächlich Brot. Der eine hat eine richtige Bude, die mit Tischen umstellt sind. Auf der anderen Seite liegen ebenfalls Brote zuhauf auf Tischen, die nach „Geschäfts“-Schluss einfach an der Mauer des Paulushaus-Komplexes zusammengeschoben und gestapelt werden (unter einer Reihe von Schutzschirmen).

Und zwischen diesen beiden Händlern scheint es am frühen Sonntagabend zum Streit gekommen zu sein, der sich in Nullkommanichts zu einem mächtigen Kampf zwischen zwei Gruppen Händlern ausweitete. Den Anfang bekam ich nicht mit, sondern hörte nur, dass draußen mächtig etwas los war. Von der Dachterrasse des Hauses aus hatte man einen guten Überblick über die Kreuzung und die ersten Meter der Nablus Road: Da flogen Steine (große Steine) und immer wieder auch die heftigen, starken Böller, die auch gerne nach dem Abendessen zum Feiern des Ramadan geworfen werden – nur sollten sie hier nach Möglichkeit Menschen verletzen.

Die Auslagen um die Bude waren längst auf dem Boden verstreut; der andere Brotverkäufer hatte weniger Schaden. Es gab klar zwei Gruppen, die einander bewarfen. Und dann gab es Leute, die meinten, sie müssten quer durch, am besten noch mit Kindern!

Es dauerte eine Zeit, bis die Polizei kam und auch dann erst noch nicht in ausreichender Zahl: Sie musste sich erst einen Überblick verschaffen, was arabische Fußgänger nur allzu gerne verhinderten, indem sie sich weigerten Absperrungen zu respektieren. Zwei Berittene schafften es dann – Respekt vor den Pferden und ihrer eventuellen Unberechenbarkeit halfen enorm. Die beiden kämpfenden Gruppen wurden auseinander gehalten und es begannen auch erste Aufräumarbeiten. Bei dieser Gelegenheit wurde ein flüchtender Randalierer festgenommen, der versuchte die Kämpfe wieder in Gang zu bringen. Schon bevor die Polizeikräfte in ausreichender Zahl vorhanden waren, konnte ein Mann in T-Shirt und Jeans alle Vorgänge mit einer digitalen Videokamera festhalten, der offensichtlich zu den Sicherheitskräften gehörte.

Gegen 19.30 Uhr kehrte erst einmal Ruhe ein. Der Brotstand mit der Bude blieb zu – da war keine Ware mehr zu retten gewesen. Die Prügler und Werfer zogen sich zum Ramadan-Mahl zurück. Die Kanone, die sonst jeden Abend böllert, wurde dieses Mal „vergessen“. Die Polizei verzog sich langsam und war irgendwann nicht mehr zu sehen.

Aber eine Stunde später waren die „Auseinandersetzungen“, schön beleuchtet von den Straßenlaternen, wieder voll im Gang. Die „Buden-Truppe“ war in der Offensive, die Händler aus der Nablus-Road hatten sich ein Stück in die Straße zurückgezogen. Die Ware des anderen Händlers wurde auf den Boden geworfen, die Tische umgeworfen und es flogen neben Steinen auch wieder Kanonenschläge. Einer brannte ein Loch in einen der Schirme hinter den umgeworfenen Brottischen.

Diesmal war die Polizei schneller und in größerer Menge vor Ort. Die Straße vor dem Damaskustor war abgesperrt, die Berittenen wieder vor Ort und die Araber schienen einen Moment lang auf Rückzug getrimmt. Das galt aber wohl nur die „Buden-Truppe“, denn vier Polizisten wollten sich in die Nablus-Road aufmachen. Einer von ihnen wurde von einem dicken Stein unterhalb der Schutzweste (leicht rechts versetzt von den Weichteilen zwischen den Beinen) getroffen und ging erst einmal zu Boden. Die anderen drei brachten ihn unter jubelndem Gebrülle der Gaffer auf der anderen Seite der Straße (da, wo es sicher war) in ein Polizeifahrzeug. Er wurde von einem anderen Polizisten ersetzt. Die vier gingen schnellen Schrittes in die Mitte der Straße. Einer von ihnen rutschte zum Vergnügen der Araber auf einem der Brote aus, schoss aber am Boden sitzend noch eine Tränengas-Granate ab. Nachdem er wieder aufgestanden war, musste er weitere Schüsse abgeben (ein Kollege steckte ihm die Granaten in den Lauf – eine eingeübte Maßnahme, so glatt wie das aussah).

Das Tränengas wehte bis zu uns oben auf dem Dach und trieb uns zwischenzeitlich ins Innere.

Kurz darauf durfte einer der „Nablus-Road-Truppe“ anfangen seine Brote – oder was davon übrig war – aufzusammeln und zusammenzufegen. Einige gesetztere Herrschaften wurden vor Ort beordert und ein Polizeiführer richtete eine kleine Ansprache an sei. Offensichtlich waren das die Männer, die bei den mordlüsternen jungen Männern etwas zu sagen hatten, denn eine Weile später gingen diese Chefs mit ihren Kämpfern aufeinander zu und fingen an miteinander zu reden. Diese Maßnahme sorgte endlich für Ruhe. Die Polizei blieb vor Ort, aber der Verkehr auf der großen Straße konnte wieder rollen. Verkaufe fanden in der Kampfzone an diesem Abend nicht mehr statt. Der angerichtete Sachschaden beschränkte sich nicht auf die Backwaren; mindestens ein Auto wurde stark beschädigt (ein Wunder, dass das nicht bei jedem der in der Straße stehenden Wagen passierte) und eine ganze Reihe Waren die Straße hinauf und hinab war nicht mehr zu verkaufen.

Wenn der Steinewerfer verhaftet wurde, der den Polizisten verletzte, dann war das eine Aktion der Polizei vom anderen Ende der Nablus Road her.

Was haben wir hier?

Hinter den beiden kurzen Meldungen von YNet und Arutz-7 steckt ein mehrstündiger Kampf Araber gegen Araber in zwei Phasen. Wie gefährlich das für die Kämpfenden selbst, aber auch für die Gaffer (und erst recht die Irren, die da mittendurch liefen) war, wird nicht deutlich. Welches Ausmaß die Auseinandersetzungen hatten, ebenfalls nicht. Wie die Polizei am Ende dafür sorgte, dass die Kämpfe endeten, auch nicht.

Eine kleine Meldung bei zwei Medien. So am Rande berichtet (und von einem Medium auch ziemlich falsch). Dass es dabei keine schwer Verletzten oder gar Toten gegeben hat, ist purer Zufall gewesen. Der angerichtete Sachschaden kommt nicht vor.

Wer also demnächst wieder eine Meldung von irgendeiner „Schlägerei“ oder „Auseinandersetzung“ zu Gesicht bekommt, sollte daran denken, dass dahinter verdammt gefährliche Abläufe stecken, die unberechenbar sind und weit weniger harmlose Folgen haben können, als man ihr entnehmen kann.