Ankaras ausgesuchter Sündenbock

Caroline Glick, 5. September 2011 (Jerusalem Post)

Montagmorgen hob die Türkei ihre Antiisrael-Kampagne auf eine neue Ebene. Über die Herabstufung der diplomatischen Beziehungen zu Israel, über die Aussetzung der militärischen Vereinbarung, über die Drohung mit Seekrieg, über die Drohung mit der Auswiegelung eines irredentistischen Aufstands israelischer Araber hinaus haben die Türken sich entschieden israelische Touristen zu terrorisieren, die am Flughafen Istanbul landeten.

Vierzig israelische Passagiere, hauptsächlich Geschäftsleute, die mit einem Flug von Turkish Airlines aus Tel Aviv in Istanbul landeten, wurden vom Rest der Fluggäste getrennt. Ihre Pässe wurden konfisziert. Sie wurden in Vernehmungsräume gebracht und bis auf die Unterwäsche ausgezogen. Ihr Handgepäck wurde durchsucht. Und sie wurden an einer Wand aufgereiht, ihnen wurde verboten sich zu setzen oder die Toilette zu benutzen.

Passagiere, die das Außenministerium kontaktierten, sagten, sie hätten sich verängstigt und eingeschüchtert gefühlt.

Die Tortur ging 90 Minuten weiter, bis die türkischen Behörden ihnen ihre israelischen Pässe zurückgaben und ihnen erlaubten ihre Koffer zu holen und den Flughafen zu verlassen.

Was wollten die Türken damit erreichen israelische Touristen zu verängstigen? Sie mussten nicht damit drohen Handelsverbindungen zu bedrohen. Ihr Außenminister Ahme Davutoglu hatte das am Wochenende schon erledigt.

Die schikanierten Israelis sagten, die türkischen Flughafen-Behörden hätten nicht einmal ihre Fragen beantwortet. Jedes Mal, wenn sie sie etwas fragten, erzählen die Touristen, ignorierten die Türken uns. Es war so, als wären sie überhaupt nicht da.

Und darum ging es. Die Türken schikanierten die israelischen Touristen nicht, um Israel eine Botschaft zu schicken. Sie haben uns nichts mehr zu sagen. Wir sind für sie etwas, das es nicht gibt. Wir sind nur dafür gut angegriffen zu werden.

Nein, Israel war nicht die Zielgruppe, mit der die Türken am Montag spielten. Ihre Zielgruppe war die islamische Welt im Allgemeinen und die arabische Welt im Besonderen. Der Einfluss der Türkei in diesen Arenen schoss im Januar 2009 in die Höhe, nachdem der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan Präsident Shimon Peres und Israel Massenmord vorwarf, als die Führungspolitiker bei der Konferenz in Davos gemeinsam auf einer Bühne saßen.

Gleichermaßen stiegen Erdogans innenpolitische und panislamische Unterstützungswerte 2010 nach der türkisch unterstützten Pro-Hamas-Flottille nach Gaza. Nachdem neun von der türkischen Regierung unterstützte IHH-Terroristen an Bord der Mavi Marmara getötet wurden, als sie versuchten Marinesoldaten der IDF zu ermorden, die rechtmäßig das Schiff betraten, bejubelten die Araber Erdogan als Helden, weil er mutig Israel angriff.

In Anbetracht der guten Dienste, die Israel zum Sündenbock zu machen ihm geleistet hat, glaubt Erdogan offensichtlich, dass es eine risikolose Strategie ist, um seinen Stern von Kairo bis Algerien aufsteigen zu lassen.

Linke israelische Kommentatoren lehnen es ab anzuerkennen, was hier geschieht. In Ha’aretz schrieb Schlomo Avineri am Sonntag den Rat, Israel solle die neun IHH-Mitglieder entschädigen, die die IDF-Kommandos in Selbstverteidigung auf der Mavi Marmara töteten.Avineri argumentierte, wenn Israel das ablehne, dann spiele es den Hardlinern in die Hände. Richtig, schrieb er: „Es wird nicht einfach sein, aber wir müssen die Zähne zusammenbeißen du das Richtige tun.“

Ander haben argumentiert, dass Israel in der Lage sein könnte seine strategischen Beziehungen zur Türkei wieder herzustellen, indem es Ankara mehr Drohnen verkauft, um damit irakische und türkische Kurden zu töten. Das türkische Militär behauptete, es habe bei seinen Angriffen im letzen Monaten im Irak und entlang der türkisch-irakischen Grenze 100 kurdische Kämpfer getötet. Israelische unbemannt Fluggeräte spielten bei der Bombardierung eine Schlüsselrolle. Aber dich Türken brauchen mehr davon. Wenn wir ihnen mehr verkaufen, so das Argument, werden sie vielleicht sehen, wie brauchbar wir sind und aufhören uns anzugreifen.

Abgesehen davon, dass sie moralisch verwerflich sind, versagen diese Argumente dabei die Grundrealität anzuerkennen, dass die Türkei kein wie auch immer geartetes Interesse hat seine Verbindungen zu Israel wiederherzustellen. Die einst wichtige strategische Allianz ist vorbei und verloren und Israel kann diesbezüglich nichts tun. Heute betrachtet uns die Türkei lediglich noch als Sündenbock.

Von Kommentatoren der Rechten ist argumentiert worden, dass die Preisgabe Israels durch die Türkei Teil integraler Bestandteil des Bruchs mit den USA sei. Doch das ist eine Fehldarstellung der türkischen Politik gegenüber den USA.

Seit 2003 hat die Türkei eine Reihe von Handlungen durchgeführt, die die strategischen Interessen der USA geschädigt haben. Dier erste war natürlich Erdogans Entscheidung am Vorabend des Irak-Krieges, dem US-Militär das Recht zur Invasion des Nordiraks von der Türkei aus zu verweigern. Die letzte war wohl die gemeinsamen Flugmanöver der Türkei mit der chinesischen Luftwaffe im letzten September. Chinesische Jets auf dem Weg in die Türkei tankten im Iran auf. Die Übung war ein deutliches Signal, dass das NATO-Mitglied Türkei vor hat seine Allianz mit den USA auszuschlachten, um Verbindungen mit dem größten geostrategischen Konkurrenten der USA aufzubauen.

Doch zur gleichen Zeit, in der die Türkei den USA Schaden zufügte, hat sie auch Schritte unternommen ihnen zu helfen. Als jüngsten davon hat Erdogan erst letzte Woche zugestimmt, das leistungsstarke US-X-Band-Radar auf seinem Territorium zu stationieren; es soll Teil des Raketenabwehrsystems zum Schutz vor der Bedrohung der NATO-Bündnispartner vor iranischen Langstreckenraketen sein.

Die uneinheitliche Politik der Türkei gegenüber den USA machen deutlich, dass die Türkei, anders als in ihrer Haltung gegenüber Israel, glaubt, sie habe ein Interesse an der Beibehaltung ihrer Allianz mit den USA. Ihr feindseliges Verhalten ist eher Folge der wahrgenommenen Schwäche der USA als irgendetwas anderes. Soll heißen, die Türkei ist bereit die USA zu verärgern, indem sie diese untergräbt, weil sie keine Angst hat, diese würden Vergeltung üben. Das aggressive Verhalten der Türkei könnte enden, wenn die USA sie dafür zahlen lässt.

Die Regierung Netanyahu muss hoch angeschrieben werden, dass sie den Ratschlag der Linken nicht angenommen und es abgelehnt hat, sich bei der Türkei zu entschuldigen oder den Familien der an Bord der Mavi Marmara Getöteten Entschädigungen zu zahlen. Darüber hinaus war die Regierung so weise das Verhalten der Türkei als Mittel zum Aufbau starker bilateraler Beziehungen zu anderen Opfern der türkische Aggression aufzubauen. Im Verlauf der vergangenen zwei Jahre hat Israel seine strategischen Beziehungen zur Türkei, Zypern, Bulgarien und Rumänien stark ausgebaut. Israel sollte diese Leistungen erweitern, indem es seine Beziehungen zu Armenien und den Kurden der Türkei, Syriens, des Irak und des Iran stärkt.

Da die Zeitungen haltlose Artikel über Aussichten zur Wiederherstellung der Beziehungen zur Türkei bringen, müssen erkennen, dass das, was wir jetzt erleben, der Anfang des Abrutschen der Türkei ins Lager der Feinde ist, nicht das Ende. Erdogan unternimmt offen Schritte die Türkei in einen islamischen Staat nach dem Vorbild des Iran zu verwandeln. Und je weiter er seinen gewählten Weg hinab geht, desto unfreundlicher und aggressiver wird er auf Israel einschlagen.

Da Israel zum Sündenbock zu machen keine vorübergehende Entgleisung seitens der Türkei ist, sondern ein zentraler Aspekt einer langfristigen, regionalen Strategie, ist klar, dass Israel der türkischen Aggression mit mehr als kurzzeitigem Mut angesichts der Einschüchterungen und Drohungen begegnen muss. Israel muss auf seiner bereits erfolgreichen Politik aufbauen einen Ring von Verbündeten um die Türkei herum aufzubauen und eine langfristige militärische und diplomatische Strategie zur ihre Eindämmung und Schwächung entwickeln.

2 Gedanken zu “Ankaras ausgesuchter Sündenbock

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.