Geschichte ist irrelevant: Warum die palästinensischen Araber einen jüdischen Staat niemals akzeptieren können

Elder of Ziyon, 30. August 2011

In den Palästina-Papieren (von Al-Jazira) ist zu finden, dass die PLO bereits 2007 ein Memo schuf, dass gegen das Konzept eines jüdischen Staates gekämpft werden muss. Es werden eine Reihe von Gründen angeführt, aber einer sticht heraus:

Die Anerkennung des jüdischen Staates impliziert die Anerkennung des jüdischen Volkes und die Anerkennung seines Rechts auf Selbstbestimmung. Diejenigen, die dieses Recht geltend machen, machen auch geltend, dass das Territorium, das mit diesem Recht auf Selbstbestimmung verbunden ist (d.h. das Bestandteil der Selbstbestimmung) das ganze historische Palästina ist. Daher könnte die Anerkennung des jüdischen Volkes und seines Rechts auf Selbstbestimmung dem Anspruch des jüdischen Volks auf das ganze historische Palästina Glaubwürdigkeit verleihen.

Man beachte den von der PLO hier zur Schau gestellten Zynismus. Die tatsächliche Wahrheit, dass es ein jüdisches Volk gibt, ist ihnen zu unangenehm, denn wenn es ein jüdisches Volk gibt, dann haben sie das Recht auf Selbstbestimmung, das im Widerstreit zur palästinensisch-arabischen Version der Geschichte steht. Also ist es besser vorzugeben, dass es ein solches Volk nicht gibt.

Fakten und Geschichte werden weggeworfen, so dass die PLO ihre angeblichen Ansprüche stärken kann.

Ein vor kurzem in den Institute for Palestine Studies veröffentlichter Artikel des ehemaligen PLO-Unterhändlers Ahmed Samih Khalidi nimmt eine noch härtere Haltung zum Thema ein und ist in einigen Teilen sogar noch zynischer. Überschrieben ist er mit „Warum können die Palästinenser den jüdischen Staat nicht anerkennen?“

Wenn Israel die Heimat des jüdischen Volkes ist, dann gehört das Land, das es heute besetzt (und vielleicht mehr, denn es gibt bisher keine Grenzen für diese „Heimat“), rechtlich diesem Volk. Und wenn dieses Land rechtlich die jüdische Heimat bildet, dann wird die arabische Präsenz dort historisch anomal und zufällig; die Palästinenser werden praktisch zu historischen Eindringlingen und Rechtsverletzern – eine vorübergehende Anwesenheit auf dem nationalen Boden von jemand anderem.

Das ist weder irrelevant noch übertrieben. Es berührt den wirklichen Kern des Konflikts und seinen Ursprung. In der Tat ist es das Herz des zionistischen Anspruchs auf Palästina: Palästina gehört den Juden und ihr Recht auf das Land ist vorrangig und höher stehend als das der Araber. Darum geht es im Zionismus und das rechtfertigt sowohl die Rückkehr der Juden in das Land und dass es seinen arabischen Einwohnern entzogen wird.

Das ist klar nicht das Narrativ der palästinensischen Araber, kann es auch nicht sein. Die Palästinenser glauben, dass die historische jüdische Präsenz im und die Verbindung zum Land einen übergeordneten Anspruch darauf beinhalten. Palästina als unsere Heimat wurde im Verlauf von mehr als fünfzehnhundert Jahren durchgehender arabisch-muslimischer Anwesenheit gegründet; nur durch überlegene Gewalt und koloniale Machenschaften sind wir irgendwann enteignet worden. Das zionistische Narrativ zu übernehmen würde für uns bedeuten, dass die von unseren Vorväter gebauten Häuser, das Land, das sie Jahrhunderte lang bearbeiteten und die Heiligtümer, die sie bauten und in denen sie beteten, nicht wirklich unsere und wenn wir sie verteidigten, war das moralisch mit Makeln behaftet: Wir hatten erst gar kein Recht zu irgendetwas davon.

Von den Palästinensern zu fordern, dass sie Israel als Heimat des jüdischen Volkes anerkennen, hat noch eine weitere Dimension. Es legt die moralische Last des Konflikts den Palästinensern auf und entbindet Israel konsequenterweise nicht nur von den dubiosen moralischen Umständen seiner Geburt, sondern macht die Palästinenser zu historischen Missetätern. In der Tat sind wir, indem wir es ablehnen den jüdischen Anspruch auf das Land zu akzeptieren, verantwortlich für das, was uns zugestoßen ist: Hätten wir Israels Anspruch während der Jahre des Mandats akzeptiert, hätte der gesamte Konflikt vermieden werden können; wir hätten das Land einfach seinen rechtmäßigen Eigentümern „zurückgeben“ sollen, und zwar ab dem Zeitpunkt, ab dem sie am Anbruch des 20l Jahrhunderts ihr Interesse daran als der tatsächlichem – statt der spirituellen – Heimat zu formulieren begannen. Aus dieser Perspektive ist es die arabische Ablehnung, die den Konflikt verursachte, nicht die zionistische Verletzung arabischen Landes und arabischer Rechte. Das ist natürlich genau das, weshalb diese israelische Regierung und ihre leidenschaftlichsten zionistischen Unterstützer den Palästinensern diese Anerkennung abringen wollen, da es Israel von seiner „Ursünde“ freisprechen und die palästinensische Version ihrer eigenen Geschichte delegitimieren würde.

Diese Argumentation zu ihrer logischen (wenn auch extremen) Schlussfolgerung zu führen, würde Israel das Recht geben, ein Maß an ausgleichender Gerechtigkeit zu fordern. Wenn die Palästinenser den Konflikt verursachten, sollten sie für ihre „Sünden“ zahlen: Die palästinensischen Flüchtlinge sollten nicht für ihre Enteignungen entschädigt werden und das palästinensische Volk als Ganzes sollte jeden Anspruch auf Gleichheit oder Gleichwertigkeit in jeglicher politischer Regelung verlieren, die auf angeblich schmerzvollen oder großzügigen israelischen Zugeständnissen basieren.

In beiden Fällen sind die Argumente einfach: Wenn das jüdische Volk ein Recht auf Selbstbestimmung in seiner historischen Heimat hat, dann sind die palästinensischen Araber im Nachteil. Also können sie es nicht akzeptieren.

Selbst wenn es wahr wäre.

Fakten sind nicht die Währung, die hier gehandelt wird. Geschichte ist optional und kann ausrangiert werden, wenn sie lästig ist. Die übergeordnete Interesse besteht nicht darin die Wahrheit zu finden oder auch nur einen Weg zwei Narrative miteinander in Ausgleich zu bringen – es besteht darin den alten, ungebrochenen jüdischen Anspruch auf das Land Israel ganz und gar abzulehnen, egal, wie die Wahrheit aussieht. Und in beiden Beispielen wird nicht als Grund angeführt, dass die palästinensischen Araber einen überlegenen Anspruch auf das Land erheben – der Grund ist, dass der [implizite, aber klar] überlegene, vorrangige jüdische Anspruch mit den modernen, nationalistischen palästinensisch-arabischen Zielen nicht vereinbar ist.

Kurz gesagt: Weil die Wahrheit nicht im Interesse der palästinensischen Araber ist, muss sie ausgesondert werden.

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