Keine moralische Gleichsetzung von Abbas und Netanyahu

Jonathan Tobin, Commentary Magazin contentions, 23. September 2011

Die Medien behandeln die heutigen Duell-Reden vor der Vollversammlung der UNO von PA-Chef Mahmud Abbas und den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu als moralisch gleichwertig. Doch eine solche Sicht dieser beiden Vorträge wäre stockfalsch.

Um es unverblümt zu sagen: Abbas log und Netanyahu sagte die Wahrheit.

Abbas gründete seinen Anspruch, die UNO solle ihm erlauben Verhandlungen zu umgehen und einen Staat zu bekommen, ohne dass er erst Frieden mit Israel schließt, mit der Auffassung Israels Präsenz in der Westbank und Jerusalem sei „die letzte Besatzung“. Das wäre für die Kurden und eine Menge andere kleiner und großer ethnischer Gruppen überall auf dem Globus neu, die genauso viel, wenn nicht mehr als die Palästinenser gelitten haben, die aber von der internationalen Gemeinschaft niemals eines unabhängigen Staates für wert befunden wurden.

Mit dem Überwurf des Mantels der Opferrolle, die eine Klammer arabischer Diplomatie gewesen ist, behauptete Abbas, die Palästinenser seien nur mit „Hoffnung und Träumen“ zur UNO gekommen, um um einen Staat zu bitten. Doch um das zu akzeptieren, muss man die Tatsache ignorieren, dass im Gazastreifen bereits ein unabhängiger Palästinenserstaat existiert, wenn er auch von Hamas-Terrorgruppen regiert wird. Wie Netanyahu später antwortete, waren die Palästinenser mit „Hoffnungen, Träumen – und mit vom Iran gelieferten 10.000 Flugkörpern und Grad-Raketen“ gekommen.

Einige Journalisten kommentierten die Reden sofort mit der Behauptung, es gäbe keinen Unterschied zwischen Abbas‘ grundlagenfreien Behauptungen von israelischem Rassismus und Netanyahus Feststellung, die Palästinenser hätten vor ihren Staat frei von Juden zu haben. Doch diese Behauptungen sind nicht gleich. Israel ist eine Demokratie, in der seine arabische Minderheit Anspruch auf volle Bürgerrechte hat. Doch Abbas selbst hat gesagt, dass Frieden bedeuten muss, dass jede Stadt und jedes Dorf in der Westbank wie auch Viertel in Jerusalem, wo Juden jenseits der Grünen Linie leben, ausgemerzt werden müssen. Das bedeutet, dass Netanyahus Behauptung, Palästina würde „judenrein“ sein und seine Erwähnung der Tatsache, dass Palästinenser Gesetze haben, die den Verkauf von Land an Juden verbieten (ein Verbrechen, auf das die Todesstrafe steht), keine Verunglimpfungen sind, sondern genau Betrachtungen des naziartigen Hasses, der die PA durchzieht.

Abbas sagte, der Friedensprozess sei „auf dem Felsen“ israelischer Siedlungen „zerschmettert“ worden, als ob die Anwesenheit jüdischer Städte und Dörfer in der Westbank dort, wo das Herz der historischen Heimat der Juden ist, der Kern des Konflikts sei. Doch wie Netanyahu später herausstellte: Abbas, der in der Vergangenheit von „63 Jahren Besatzung palästinensischen Landes“ durch Israel sprach, ignoriert die Tatsache des Konflikts zwischen Juden und Arabern schon ein halbes Jahrhundert vor dem Sechstagekrieg wütete, als Israel in Besitz der Westbank kam.

Der Israeli schnitt in den Kern des Problems, als er mit der Frage schloss, warum Abbas die letzten drei Jahre damit verbrachte sein Bestes zu geben, um Friedensverhandlungen aus dem Weg zu gehen. Wenn er ehrlich die Absicht hätte einen Palästinenserstaat zu schaffen, könnte er einen gehabt haben, bevor Netanyahu 2008 ins Amt kam. Ehud Olmert, Netanyahus Vorgänger, bot Abbas einen solchen Staat in fast der gesamten Westbank, dem Gazastreifen und einem Anteil Jerusalems an. Doch Abbas ließ dieses Angebot zurück, so wie sein Vorgänger Yassir Arafat vor dem Staat davon lief, der ihm von Ehud Barak 2000 und 2001 angeboten wurde.

Das ist der Grund, dass der vom Palästinenserführer initiierte UN-Zirkus nichts weiter als eine Scharade ist, die sein Ansehen Zuhause stärken und die Notwendigkeit des Engagements in von den USA unterstützten Friedensgesprächen mit Israel vermeiden sollen. Die Palästinenser wollen nicht verhandeln; sie wollen, dass die Welt Israel ein Diktat auferlegt, das weder dessen Sicherheit oder die Rechte des jüdischen Staates garantiert und noch nicht einmal zustimmt endlich den Konflikt zu beenden.

Abbas hätte sich, worauf Netanyahu hinwies, heute in New York mit dem Israel treffen könnne, wenn der denn gewollt hätte. Doch der Palästinenser hat kein Interesse an solchen Gesprächen oder auch an Frieden, wenn dieser bedeutet, er müsste die Rechte der arabischen Flüchtlinge aufgeben, Israel zu überschwemmen. Man muss kein Parteigänger Netanyahus sein, um zu begreifen, dass es keine moralische Gleichheit zwischen den Positionen der beiden gibt. Einer log, der andere sagte die Wahrheit.

7 Gedanken zu “Keine moralische Gleichsetzung von Abbas und Netanyahu

  1. und 98% der weltbebevoelkerung werden diese tatsache ignorieren, da sie komplette vollidioten sind ^^

  2. Ich denke, dass der Friedensprozess nur dann eine echte Realität wird, wenn alle Beteiligten mal ganz weit zurück in die Vergangenheit gehen und sich erinnern, wo und wie der Konflikt begann.

    • Ich denke nicht, dass die Israelis da ein Problem haben. Die PalAraber aber gewaltig, denn die arbeiten an der Großen Lüge und basteln sich ihre „Geschichte“ neu.

  3. Ich weiß gar nicht, warum Netanyahu seine Rede so gehalten hat, wie er sie gehalten hat. Es hätte vollkommen gereicht, ein Potpourri arabischer und palästinensischer Politiker-Zitate zu bringen.

    Zum Beispiel den Bericht Abu Mazens über die „Flucht“ aus Zefat (mehr dazu hier http://www.iris.org.il/blog/archives/3102-Abbas-admits-that-Arabs-of-Safed-Left-Voluntarily.html ).

    Selbst auf dem Podium der UNO konnte Abu Mazen sich nicht verkneifen, den Beginn der „Besatzung“ 63 Jahre zurückzudatieren. Womit er bestätigt, was Israel immer sagt: daß es nicht um die Rückgängigmachung von 1967 geht, sondern von 1948.

    Wie gesagt, eine Blütenlese originaler Aussagen hätte keine Fragen mehr offen gelassen. Lügen, Widersprüche, Übertreibungen, Verdrehungen.

    Ist das wirklich niemandem aufgefallen von all den schlauen Kommentatoren?

    • Aber was erwartest du denn von unseren ganzen Nahost-„Experten“, Lila? Die machen doch vor allem die Augen zu, was für Israel sprechen könnte! 🙂

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