Der Angriff auf Israels Botschaft in Kairo

Daniel Pipes, National Review Online, 28. September 2011

Westliche Diplomaten und Journalisten fielen auf Stalins Schauprozesse herein, lernten aber schließlich die Entwicklungen in der Sowjetunion nicht für bare Münze zu nehmen. In den späten Jahren der Sowjetunion hätte man angenommen, dass eine Menge, die die Botschaft des Auslands angreift, das nicht ohne staatliche Genehmigung gemacht haben würde.

Andere Autokraten arbeiten mit ähnlichen Tricks und Täuschungen. Man sollte sich in der Tat am besten an die UdSSR erinnern, wenn man versucht Gewaltherrschaft zu verstehen. Das war insbesondere bezüglich des Mobangriffs auf die israelische Botschaft in Kairo vom 9. September der Fall.

Der Anschein: Die Angreifer nahmen an einer Demonstration von Liberalen/Säkularen auf dem Tahrir-Platz teil, also steckten die Liberalen hinter dem Angriff. Oder vielleicht waren es Islamisten. Auf jeden Fall schützte das von Mohammed Tantawi geführte Militärregime nach einigem Zaudern das Botschaftspersonal und rettete die Lage, obwohl die Botschaft selbst demoliert wurde. Schlussfolgerung: So, wie der Westen Mubarak brauchte, braucht er Tantawi um die Islamisten abzuwehren.

Die Wirklichkeit: Der Hintergrund besteht darin, dass, als ein junger Ägypter am 21. August 2011 auf das Gebäude kletterte, in dem sich die israelische Botschaft befand und die israelische Flagge durch eine ägyptische ersetzte, das Regime damit reagierte, seine Leistung zu feiern und ihm ein Gratisappartement zu geben.

Am 9. September bemerkten Liberale, die sich auf dem Tahrir-Platz versammelt hatten, Schlägergruppen, die aus Fahrzeugen der Sicherheitskräfte stiegen und machten sich Sorgen, dass diese Hämmer schwingenden Gauner sie angreifen würden. Die Liberalen begriffen nicht, dass sie den Schlägern die Deckung lieferten, um zur israelischen Mission zu marschieren und sie zu attackieren. Polizei und Armee-Einheiten blieben auffällig fern und ließen die Botschaft Stunden lang ohne Sicherheit, wahrscheinlich, um den Rowdies ihren Angriff zu ermöglichen. Schließlich – und zwar erst, als die Dinge außer Kontrolle zu geraten drohten – intervenierte das Regime.

Das war ein brillanter Zug der Militärführung, der ihnen auf nicht weniger als sieben Ebenen Erfolg einbrachte:

·         Die antizionistischen Merkmale des Angriffs brachten dem Militärregime die Unterstützung die Islamisten des Landes ein.

·         Er diskreditierte die liberalen Protestierenden.

·         Er erlaubte dem Militär seinen internen Rivalen zu besiegen, den Premierminister, was auch dessen prompter Rücktritt nahe legt, dem eine kleinlaute Rückkehr folgte.

·         Er rechtfertigte die mögliche Rückkehr zum Kriegsrecht, umfangreicher als das von Sadat 1981 verhängte, was Informationsminister Osama Heikal nahe legte, der im Fernsehen sagte, die Behörden würden das komplette Notrecht beantragen.

·         Er setzte Israel unter Druck Ägypten gegenüber weitere Zugeständnisse zu machen.

·         Er verstärkte Tantawis Ansehen in den arabischen/muslimischen Ländern.

·         Er erinnerte den Westen daran, dass er Tantawi braucht, um die Islamisten abzuwehren.

Kommentar: Dieses kleine Theaterstück bestätigt, dass in Ägypten weiterhin das Militär herrscht, das bekannte Täuschungstaktiken einsetzt und Liberale wie Islamisten weiterhin die Nebenkriegsschauplätze sind, die sie seit 1952 waren. (28. September 2011)

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