Das doppelzüngige Gerede der Fatah

Khaled Abu Toameh, Hudson New York, 11. Oktober 2011

Die von der Fatah kommenden widersprüchlichen Botschaften werfen ernste Zweifel zu den wahren Absichten der Gruppe auf. Darüber hinaus schaffen diese Botschaften den Eindruck, dass es keine großen Unterschiede zwischen der vom Westen unterstützten Fatah und der Hamas gibt.

Die Doppelzüngigkeit der Fatah ist kein neues Phänomen. Jeder, der Arabisch und Englisch spricht, kann leicht die widersprüchlichen Botschaften festhalten, die von Fatah-Führern und –Repräsentanten kommen. Die Strategie der Fatah ist immer gewesen der Welt draußen das eine zu erzählen, den Palästinensern aber etwas völlig anderes.

Die vielleicht meist verstörende Äußerung kam allerdings von Abbas Zaki, der auch ein hochrangiges Mitglied des Zentralkomitees der Fatah und ehemaliger PLO-Botschafter im Libanon ist. Am 23. September, genau dem Tag, an dem Mahmud Abbas seine Rede vor der UNO hielt, erklärte Zaki auf Al-Jazira: „Das größere Ziel kann nicht in einem Zug erreicht werden… Wenn Israel sich aus Jerusalem zurückzieht, 650.000 Siedler evakuiert und die Mauer abbaut, was wird dann aus Israel werden? Es wird enden. Wenn wir sagen, dass wir Israel eliminieren wollen, das ist nicht akzeptabel es zu sagen. Sagt das nicht gegenüber der Welt. Behaltet es für euch.“

Während also der Palästinenserpräsident der Welt erzählte, dass die Palästinenser die Zweistaatenlösung unterstützen, erzählte einer seiner Repräsentanten den Palästinenser und der arabischen Welt, dass die Fatah ihre Träume der Vernichtung des jüdischen Staates nicht aufgegeben haben.

Das jüngste Beispiel wurde von Tawfik Tirawi geliefert, Mitglied des Zentralkomitees der Fatah und ehemaliger Kommandeur der General Intelligence Force (allgemeiner Geheimdienst) der PA. Tirawi sagte Studenten Anfang der Woche, dass die Fatah niemals „das Gewehr weggeworfen“ hat – ein Hinweis, dass die Gruppe die „Option des bewaffneten Kampfs“ gegen Israel wieder aufnehmen könnte.

Seine Äußerung widerspricht Versprechen anderer Fatahführer, dass ei den Weg der Gewalt komplett aufgegeben haben und eine friedliche Lösung mit Israel anstreben.

Tirwai sagte den Studenten auch, dass die Palästinenser die USA als ihren Feind Nr. 1 betrachten, weil Washington weiterhin Israel unterstützt. Erneut stehen seine Äußerungen im Widerspruch zu Erklärungen von Fatahführer Mahmud Abbas und seinen Helfern, die besagen, dass die Palästinenser keinen Konflikt mit den USA wollen und danach streben mit der US-Administration zusammenzuarbeiten, um im Nahen Osten Frieden zu erreichen.

Andere Fatahführer, darunter Nabil Sha’atz, Abbas Zaki und Mohammed Dahlan, sind ebenfalls mit Aussagen verzeichnet, dass ihre Gruppe Israels Existenzrecht niemals anerkannt hat. Sie argumentieren, dass es die PLO war, nicht die Fatah, die die Zweistaatenlösung akzeptierte, als sie 1993 die Oslo-Vereinbarungen unterschrieb. Diese Offiziellen ignorieren die Tatsache, dass die Fatah die größte Fraktion der PLO ist. Äußerungen einiger Top-Fatahführer legen nahe, dass die palästinensisch Fraktion weiterhin mit mehr als einer Stimme spricht.

Die Fatahführer müssen sich immer noch erst von den durch Tirawi, Sha’ath und Zaki getätigten Äußerungen distanzieren. Das nicht zu tun wird nicht nur die Glaubwürdigkeit der Gruppe schädigen, sondern stellt auch ihre Glaubwürdigkeit als wahrer Friedenspartner in Frage.

Ein Gedanke zu “Das doppelzüngige Gerede der Fatah

  1. Die Doppelzüngigkeit lernten und übernahmen sie alle vom sog. Friedensnobelpreisträger Arafat. Schon zu seinen Zeiten fiel die Welt auf seine für den Westen gehaltenen Reden herein, ohne nachzuprüfen, was er dann auf arabisch von sich gab. Hätte der die gleichen Worte verwandt, hätte man ihn postwendend umgebracht. Fatah und Konsorten sind deshalb noch immer am Leben, weil sie ihrem Volk nach dem Mund reden und die Welt belügen. Weshalb sollten sie es auch nicht tun, da man ihnen praktischerweise deshalb von keiner Seite Vorhalten macht.
    Margot

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