Deutsche nutzen „antiisraelische“ Juden, um Holocaust-Schuld zu mildern

Analyse: Welche Mechanismen lassen einige deutsche Lehrer, Schüler, Beschäftigte der Stiftung EVZ Israel in den Prügelknaben für Europas Schuld verwandeln?

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 16. Oktober 2011

Das Exposé der Jerusalem Post zur deutschen Holocuast-Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ) Ende September und Anfang Oktober deckte auf, dass zwei ihrer Oberschul-Programme zum Holocaust von Hass gegen den jüdischen Staat angetrieben waren. Welche sozialen und psychologischen Mechanismen lassen deutsche Lehrer, Schüler und Beschäftigte der Stiftung EVZ den Holocaust marginalisieren und den Staat Israel zu einem öffentlichen Prügelknaben für Europas Schuldgefühle wegen der Verbrechen der Shoah machen?

In einer Reihe Interviews mit führenden israelischen und niederländischen Spezialisten am letzten Sonntag untersuchte die Jerusalem Post das Bedürfnis vieler Europäer die Schuldgefühle zur Erinnerung an die Beteiligung ihrer Vorfahren am Holocaust zu löschen.

Die EVZ nutzte €38.690, um 2010/2011 Schüleraustauschprogramme zu fördern, bei denen Israel mit dem früheren, repressiven und stalinistischen ostdeutschen Staat gleichgesetzt wurde und Schüler krude Karikaturen von Juden in einer Broschüre veröffentlichten. Deutsche Steuergelder finanzierten das Engagement des hardcore-antiisraelischen Holocaust-Überlebenden Hajo Meyer durch die Anne Frank-Gesamtschule in Gütersloh, um vor deren Schülern zu sprechen. Meyer nannte Israel vor den Schülern einen „kriminellen Staat“ und setzte das Leiden der Palästinenser mit der Verfolgung und dem Massenmord an Juden während des Holocaust gleich.

Dr. Manfred Gerstenfeld, Vorsitzender des Jerusalem Center for Public Affairs und Autor eines Buchs über den Missbrauch der Erinnerung an den Holocaust, sagte: „Palästinenser mit Opfern der Schoah gleichzusetzen ist Teil der weit breiteren Verzerrungskategorie der Umkehrung des Holocaust. Diese Umkehrer der Geschichte stellen die Juden als Nazis hin. Die wenigen dieser jüdischen ideologisch Pervertierten bekommen Öffentlichkeit, weil viele weitere Nichtjuden diese Dinge von Juden hören wollen.“

Gerstenfeld, der in Holland aufwuchs, ist ein Experte für modernen europäischen Antisemitismus; er zitierte den Autor Leon de Winters Sichtweise zu den „Fälschern der Geschichte“, die wegen des Holocaust Juden höhere ethische Standards aufbürden: „Der Autor Leon de Winter sagte mir einmal: ‚Sie repräsentieren die Schoah als eine Bildungsinstitution für Juden, um jüdische Moral zu lehren. Mit anderen Worten: Die Nazis hielten in den Konzentrationslagern Kurse ab, um die Juden mit Menschlichkeit zu tränken.‘“

Über die Motive Meyers und den steten Strom an Einladungen durch NGOs überall in Europa, damit Meyer seine Abscheu gegenüber Israel zum Ausdruck zu bringen, sagte de Winter – ein jüdisch-niederländischer Bestseller-Romanautor, der Post: „Meyer ist en trauriger und extremer Fall von ‚Überlebenden-Schuld‘, was ihn dazu geführt hat alles Jüdische zu hassen. Er ist Mitglied jeder Israel-Bashing-Gruppe in Holland; und weil er Jude und Holocaust-Überlebender ist, lieben sie ihn. Er vereint seinen Selbsthass mit Eitelkeit – ein furchtbarer Mix. Er kann gleichzeitig eitel und voller Selbsthass sein, weil er stolz darauf ist in der Lage zu sein aus dem Holocaust Sinn zu ziehen: Die Juden sind wegen ihrer Regeln, Gesetze und Behauptung außergewöhnlich und ‚erwählt‘ zu sein verantwortlich zu machen.“

„In einem Buch über ‚Das Ende des Judentums‘ – ein Ende, das er befürwortet – schrieb er, dass das ‚Anderssein‘ der Juden, wie auch ihre Speisevorschriften, verursachten bereits vor Tausenden Jahren Antipathien“, fuhr de Winter fort. „Es ist ein faszinierender und Angst einflößender Weg zu überleben – er ist immer noch der Gefangene der Nazis von einst, indem er den Hass der Nazis komplett verinnerlicht.“

Zur Notwendigkeit, Redner wie Meyer bei europäischen Veranstaltungen zu Gast zu haben, sagte Prof. Gerald Steinberg, Kopf der Watchdog-Organisation NGO-Monitor aus Jerusalem: „Das Böse haust in denen, die Meyers Tragödie für ihre zynische Agenda ausbeuten.“

Steinberg und NGO-Monitor legten die unpassende Finanzierung des Programms der Anne Frank-Schule Anfang Oktober offen. Er argumentiert, dass es „eine Bereitschaft seitens Organisationen und Einzelpersonen“ in Europa gibt, die es Kritikern wie Meyer und der amerikanisch-jüdischen, antizionistischen und 1939 vor dem Holocaust nach England geflohenen Aktivistin Hedy Epstein erlaubt Positionen zum Ausdruck zu bringen, die die Existenz Israels delegitimieren: Es gibt eine Nachfrage dafür und es lindert den Schuldkomplex der Europäer“, sagte Steinberg.

Er fügte an, das die „deutsche Organisation“ [die EVZ] eine Plattform dafür bietet ihre extremen psychologischen Reaktionen durch Meyer und Epstein zu verfestigen. Ein Holocaust-Überlebender wie Meyer hilft „ihre Schuld [die der Europäer] zu stillen“ und eine Organisation [die EVZ] sollten nicht Teil dieser Ausbeutung sein.“

Steinberg und NGO-Monitor haben die EVZ aufgerufen das Missmanagement von Geldern zu wieder gutzumachen und die Mittel dazu zu nutzen zum Holocaust zu bilden und Überlebende zu entschädigen.

Die Nutzung von antiisraelischen Juden wie Meyer und Epstein erinnert an die bitter polemische Zeile des österreichisch-jüdischen Satirikers und Humoristen Alexander Roda Roda (1872 – 1945): „Aus dem Antisemitismus könnte schon was werden, wenn nur die Juden sich seiner annehmen würden.“

Kurz gesagt: Einige deutsche Pädagogen nutzen Gestalten wie Meyer aus, um indirekt zu tun, was sie direkt nicht tun können, nämlich Israel mit Nazideutschland gleichzusetzen. Die EU-Definition des Antisemitismus beschreibt den Israel = Nazis-Vergleich als eine zeitgenössische Form des Judenhasses.

Die EVZ hat das Programm der Anne Frank-Schule verteidigt und es abgelehnt ihre Gelder für die antiisraelischen Aktivitäten und ihre Trivialisierung bei den Holocaust-Workshops zurückzufordern. Entsprechend der Äußerungen gegenüber der Post und dem Kuratorium der EVZ plant der umstrittene EVZ-Chef Dr. Martin Salm die Programmstruktur einer Überprüfung zu unterziehen.

Gunnar Weykam, Leiter des „Palästina-Projekts“ der Anne Frank-Schule hat es abgelehnt sich der Post gegenüber zur Nutzung von EVZ-Geldern seiner Schule zum Israel-Bashing zu äußern. In einer E-Mail an die Post schrieb er, er wünsche zuerst den Bericht über die Aktivitäten der Schule zu lesen. Die Schule ist nach der deutsch-jüdischen Teenagerin Anne Frank benannt, die von den Deutschen im Vernichtungslager Bergen-Belsen ermordet wurde.

Es gibt keinen Mangel an völkermörderischer antisemitischer Rhetorik und antisemitischen Terrorgruppen wie der Hamas und der Hisbollah. Man nehme das offenkundigste Beispiel des Regimes im Iran und seines Wunsches „Israel von der Landkarte zu wischen“ und den ersten Holocaust leugnet, während es einen atomar bewaffneten zweiten Holocaust gegen den jüdischen Staat plant.

All das hilft die Entrüstung über die blinden Flecken der EVZ zu erklären, wie auch die Besessenheit Weykams und seiner Schüler mit übertriebener Kritik an Israel und ihrer Ignoranz gegenüber tödlichem Antisemitismus und der Schoah.

Es ist ein wenig viel verlangt zu erwarten, dass Weykam das „Palästina-Projekt“ streicht und ein „Iran-Projekt“ schafft, um den modernen Antisemitismus zu bekämpfen und sich den Auftrag der Erinnerung an Anne Frank zu eigen zu machen.