Britannien (perfide) und Frankreich (Verräter)

9. Dezember 2011 um 15:15 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, Geschichte | 2 Kommentare
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Joseph Puder, FrontPageMag.com, 7. Dezember 2011

Vor kurzem auf den G20-Gipfel in Cannes sagte der französische Präsident Nicolas Sarkozy – der sich der Tatsache nicht bewusst war, dass sein Mikrofon am Revers eingeschaltet war –zu US-Präsident Barack Obama: „Ich kann Netanyahu nicht ausstehen. Er ist ein Lügner.“ Nach Angaben des Berichts der französischen Medien-Website Arret sur Images antwortete Obama: „Du hast die Nase voll von ihm, aber ich habe jeden Tag mit ihm zu tun.“ Das blamable und heuchlerische Verhalten von Sarkozy und Obama, nicht überboten von Großbritanniens Premierminister Cameron, spricht Bände über ihre Niederträchtigkeit und ihren Verrat.

Früher im Jahr drohten Sarkozy und Großbritanniens Premierminister David Cameron Israel mit schwerwiegenden Konsequenzen, sollte Israels Premierminister Benjamin Netanyahu die Einigung von Hamas und Fatah nicht akzeptieren und deren Forderungen als Preis für die Wiederaufnahme von „Friedens“-Gesprächen zustimmen. Sarkozy (und Cameron) deuteten an, sie würden sicher für einen Palästinenserstaat stimmen. Frankreich enthielt sich zwar schließlich zur palästinensischen Eigenstaatlichkeit, aber es stimmte dafür, dass die Palästinenser volle Mitgliedschaft in der UNESCO bekommen.

Der französische Verrat gegenüber Israel hat eine Geschichte. Und am Vorabend des Sechstagekrieges 1967 wurde alles voll offenbar, als der französische Präsident Charles de Gaulle die Entscheidung traf die Außenpolitik des Landes in eine zugunsten der Araber umzukehren und verhängten ein Embargo für Waffenlieferungen an Israel, trotz der Vertragsvereinbarungen Frankreichs mit Israel. De Gaulle, Gründer und 1959 bis 1969 Präsident der Fünften Republik, hatte mit dem jüdischen Staat eine Allianz geschmiedet, zu einer Zeit, als sowohl Frankreich als auch Israel den arabischen Nationalismus in Algerien und Nassers Ägypten bekämpften.

1960 versprach Frankreich Israel, im Verlauf der nächsten zehn Jahre 200 AMX-13-Panzern und 72 Mystère-Kampfjets zu liefern. Am 2. Juni 1967 – drei Tage vor Ausbruch des Krieges – strich de Gaulle Israel eiskalt die Waffen. Er sagte seinem Kabinett: „Frankreich wird seine Zustimmung nicht geben und noch weniger den Staat unterstützen, der als erstes Waffen einsetzt.“ De Gaulles Äußerung war scheinheilig und verräterisch, da er sich bereits entschieden hatte Israel fallen zu lassen und die Araber in die Arme zu schließen. Am 27. November 1967 beschrieb de Gaulle in einer im Fernsehen ausgestrahlten Konferenz das jüdische Volk als „dieses Elite-Volk, das seiner selbst so sicher und herrschsüchtig ist.“

Viel von der Instabilität und Gewalt im heutigen Nahen Osten haben ihre Vorgeschichte im Handeln der britischen und französischen Regierungen. Während der Erste Weltkrieg noch im Gang war, trafen sie sich und begannen die Landkarte des Nahen Ostens zu zeichnen und fertigten an, was als das heimliche Sykes-Picot-Abkommen vom Mai 1916 bekannt wurde. Nach dem Ende des Krieges und der Niederlage des ottomanischen Reichs schufen sie neue und zumeist künstliche Staaten wie den Irak, Transjordanien, den Libanon und Syrien, während sie Minderheiten wie die Kurden im Stich ließen.

Am 10. August 1920 schaffte ein Pakt zwischen den Alliierten (Großbritannien und Frankreich) und den Repräsentanten der ottomanisch-türkischen Regierung („Vertrag von Sevres“) das ottomanische Reich ab und verpflichteten die Türkei auf alle Rechte über den arabischen Nahen Osten und Nordafrika zu verzichten. Der Vertrag sollte auch für die Gründung eines autonomen Kurdistan sorgen.

Die Türken lehnten den Vertrag von Sevres ab; 1923 wurde die Türkei mit dem Vertrag von Lausanne als unabhängiger Staat anerkannt, der dann Sevres ersetzte. Die Vertragsbedingungen verpflichteten die Türken nicht weitert den Kurden Autonomie zu gewähren. Der Vertrag teilte die kurdische Region unter der Türkei, dem Iran und Syrien auf – mit geheimem Einverständnis der Briten und Franzosen.

Syrien wurde zu Sammelbecken ethnischer und religiöser Gruppen. Die Franzosen, die dem sunnitisch-arabischen Nationalismus nicht trauten, gewährten den Alawiten Autonomiestatus. Sie schufen ein Offizierskader aus Alawiten, was später den Assad-Diktaturen den Aufstieg ermöglichte, und die alawitische Dominanz über das syrische Militär. Der heutige Aufruhr in Syrien hat viel mit dieser frühen französischen Politik zu tun. Die sunnitisch-arabische Mehrheit grollt dem alawitischen Machtmonopol und sie erinnert sich (wie auch die Kurden) des Verrats durch die Franzosen.

Im Irak herrschte eine Minderheit arabisch-sunnitischer Muslime über eine Mehrheit von arabischen Schiiten und nicht arabischen Kurden. Diese explosive Mischung wurde 1943 offengelegt, als Mullah Mustafa Barzani eine kurdische Rebellion gegen die Haschemiten-Monarchie im Irak anführte, die die kurdische Unabhängigkeit anstrebte. Barzani führte 1962 einen weiteren Aufstand gegen den sunnitischen Militärdiktator General Abdul Karim Kassim. Die Kurden und die Schiiten im Irak rebellierten, ermutigt durch die Administration von Bush Senior, 1991 erneute, diesmal gegen das brutale Regime Saddam Husseins.

Die Zuständigkeit für das als Palästina bekannte Gebiet wurde Großbritannien als Mandat übergeben; das geschah in Übereinstimmung mit den Prinzipien der Balfour-Erklärung, der eine einstimmige Abstimmung im Völkerbund folgte. Zu dem als wiederhergestellte jüdische Heimat bestimmte Land gehörten 60.000 Quadratkilometer Land östlich des Jordan, das heute Jordanien ist (damals hieß es Transjordanien). Arabischer Druck und die Ausschreitungen von 1921, dazu pro-arabische Politik der britischen Mandatsverwaltung in Palästina, veranlassten den britischen Kolonialminister Winston Churchill das Weißbuch von 1922 auszugeben, um besonders die Haschemiten-Familie zu beschwichtigen, die Syrien an die Franzosen und Arabien an Ibn Saud verloren hatten. Transjordanien wurde für die Haschemiten das Trostpflaster für den Verlust von Damaskus. Die großen Verlierer waren die Juden, deren versprochene, wiederhergestellte Heimat praktisch auf 23% des Originals geschrumpft wurde.

Im Versuch die Haschemiten gegen die ottomanischen Türken zu rekrutieren, bevollmächtigten die Briten Henry McMahon (den britischen Hochkommissar von Ägypten) mit Hussein Bin Ali (den haschemitischen Scherif von Mekka) zu verhandeln; das kennt man als McMahon-Hussein-Korrespondenz von 1915. Großbritannien versprach die Gründung einer unabhängigen arabischen Nation im Tausch für die arabische Revolte gegen die Türken zu ermöglichen.

In völlig unverfrorener Perfidie gaben die Briten einander widersprechende Versprechen an alle Parteien aus; sie versuchten damit, in Palästina die Araber gegen die Juden auszuspielen, im Irak die Araber gegen die Kurden, zu teilen und herrschen. Die britische Perfidie geht mit dem Umgang mit den palästinensischen Juden noch weiter. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs gab Großbritannien ein weiteres Weißbuch aus, das den Juden Europas, die versuchten dem Holocaust von Nazideutschland zu entkommen, praktisch die Türen Palästinas verschloss. Einmal mehr strebte man über das Appeasement arabischer Randalierer, Öl-Interessen und ein antisemitischer Instinkt des elitären britischen Außenministeriums eine arabische Mehrheit in Palästina zu garantieren – in totaler Missachtung der Balfour-Erklärung.

Die Perfidie und der Verrat Großbritanniens und Frankreichs endeten nicht mit dem Kolonialismus. Heute können die Briten und Franzosen, ausgerüstet mit der Vetomacht im UNO-Sicherheitsrat, ihrer Politik noch Heuchelei hinzufügen.

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2 Kommentare »

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  1. was an divide et impera ist feige? ich versuche noch heute bei jeder gelegenheit, es genau so zu halten :) das ist rein rationales verhalten.

    • Versuchst du dabei auch sämtliche Abmachungen und Vorschriften zu verletzen – zugunsten der Mörderbanden und gegen die Opfer? :o


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