Neues Thema: Israel bricht zusammen; verliert seine Demokratie. Beweise? Keine.

Barry Rubin, 28. Dezember 2011

Es ist wirklich erstaunlich, wie viele falsche Storys die antiisraelischen Kräfte jeden Tag hervorbringen. In einer Zeit, in der der revolutionäre Islam den größten Teil der Länder des Nahen Ostens übernimmt und der demokratische Traum in der Region kollabiert, muss man glauben, dass die Hauptbedrohung und böse Kraft in der Region Israel ist. Immerhin leben wir in einer Zeit, in der Thomas Friedman, der Hofnarr für Nahostfragen, in der New York Times offen antisemitische Enten veröffentlichen kann (die Israel-Lobby kaufte stehende Ovationen für Premierminister Benjamin Netanyahu im Kongress!).

Noch bemerkenswerter ist, dass neue antiisraelische Themen ohne jegliche Beweise generiert werden.

Das neuste davon ist die Idee, dass Israel und seine Demokratie wegen (moderate Version) internem Extremismus gefährdet sind oder (radikale Version) komplett zerfällt. Mindestens zwei kommerziell veröffentlichte Bücher stellen diese Behauptung auf, gleichermaßen zig Artikel und sogar eine Rede der US-Außenministerin. Die New York Times veröffentlicht ein Op-Ed, in dem es heißt Schwule würden in Israel verfolgt, was natürlich nicht der Fall ist; aber sie werden in jedem anderen Land der Region geschmäht und ermordet.

Doch welche tatsächlichen Beweise können für diese ganze Kampagne erbracht werden? In der Knesset gab es einen Gesetzesentwurf, der die Auslandsgelder kontrollieren will, die Nichtregierungs-Organisationen erhalten – ein Gesetz, das sich nicht sonderlich von denen in westlichen Demokratien unterscheidet. Und? Und? Was geschah noch? Nun, überhaupt nichts.

Ach ja, ein Busfahrer machte sich anheischig einer Frau zu sagen, sie solle sich hinten in den Bus setzen, weil anderswo zu sitzen die hareidischen Männer stören würde. Sie ging damit vor Gericht und natürlich gewann sie. Ein Mann, der Mitglied eines winzigen extremistischen Kultes in einer kleinen Stadt ist, bespuckt ein orthodoxes achtjähriges Mädchen; offenbar gehört er einer extreme Sekte an oder ist sonstwie gestört. Selbst die strikteste Auslegung der jüdischen Gesetze rechtfertigt eine solche Tat nicht.

Es gab riesige Demonstrationen gegen das Tun dieser Person bzw. der winzigen Sekte. Präsident Shimon Peres rief öffentlich zu Protesten auf und der Jerusalemer Polizeichef forderte die Rabbiner auf solches Verhalten zu verurteilen. Der Staat und die Öffentlichkeit ist klar gegen jede Verletzung demokratischer Normen. Oh: Zufällig hat diese Gruppe in Beit Schemesch etwas mit denen gemeinsam, die die Mücke zum Elefanten aufblasen: Sie sind antizionistisch. Hareidische Extremisten, die gegen die Anerkennung israelischer Normen zu Frauenrechten sind, sind auch dagegen Israel überhaupt anzuerkennen. Wie also können sie Beispiele für Israels Werte und Demokratie sein? Sie sind es nicht.

Im Gegenteil: Politische Parteien, die in Ägypten offen für die Minimierung von Frauenrechten werben, erhielten drei Viertel der muslimischen Stimmen. Umfragen zeigen, dass riesige Mehrheiten für Konvertiten aus dem Islam sind, für Amputationen als Bestrafung usw.

Doch das Tun dieser Individuen – verurteilt von der überwiegenden Mehrheit der Gemeinschaft – beweist angeblich, dass Israel illegitim oder nicht demokratisch ist. Es wäre faszinierend, wenn westliche Länder mit solchen Maßstäben gemessen würden. Serienmörder? Kinderpornografie? Massentötungen in Schulen? Aha! Die sind furchtbar, illegitim und undemokratisch. Wischt sie von der Landkarte!

Wie schon bemerkt behauptete ein Op-Ed in der New York Times, Israel – bei weitem das Land des Nahen Ostens (und wohl in der Welt), das Schwule fair behandelt: z.B. hatte das medizinische Korps der israelischen Armee einen offen schwulen Mann zum Kommandeur, als Schwule noch nicht einmal im US-Militär dienen durften – würde Homosexuelle verfolgen. Ein palästinensischer Teenager soll nur deshalb in Gefängnis gekommen sein, weil er Steine warf, doch die veröffentlichte Anklageschrift zeigt, dass er wegen Besitz von Waffen und Sprengstoff verhaftet wurde. Israel wid beschuldigt dem „Arabischen Frühling“ nicht begeistert genug gegenüber zu stehen und ihn sogar zu kritisieren, was sich durch die Ereignisse als richtig erwiesen hat, ohne dass irgendjemand zugibt, dass man selbst falsch lag und die israelische Einschätzung richtig war.

Im Versuch aus Premierminister Benjamin Netanyahu einen Diktator zu machen, informiert uns ein Reporter der New York Times, dass die Weigerung der Regierung den Kanal 10 zu subventionieren Zensur ist und dass „Herr Netanyahu starken Einfluss auf die Medienorgane hat: der staatliche Kanal 1, das Staatsradio und eine kostenlos verteilte und erfolgreiche Zeitung – Israel HaYom – die einem engen amerikanischen Freund gehört, dem Milliardär Sheldon Adelson.“ Jeder in Israel weiß, dass Kanal 1 und Kol Israel sich nach links orientieren und niemals Netanyahu den Vorzug gegeben haben. Dasselbe gilt für Kanal 2, den beliebtesten Fernsehsender.

Was Israel HaYom angeht, so wurde sie aufgelegt, weil jede andere hebräischsprachige Zeitung – Yediot Aharonot mit rund 60 Prozent der Leserschaft; Ma’ariv mit mehr als 30 Prozent und Ha’aretz mit rund 12 Prozent (die von der Intelligenzia bevorzugte Zeitung) – bestenfalls kritisch und zumeist feindlich ihm gegenüber waren. Lassen Sie es mich so formulieren: Zu sagen, Netanyahu habe starken Einfluss auf die israelischen Meiden ist nur ein klein wenig mehr übertrieben als zu sagen, George W. Bush habe starken Einfluss auf die amerikanischen Medien.

Ein großer Teil der Fernsehberichte und Artikel des Westens zu Israel wird so gestaltet, dass mit ihnen der schlimmstmögliche Eindruck des Landes als diktatorisch im Inneren und bösartig in Sachen Außenpolitik erschient. Wir dachten immer, dass die Berichterstattung eine Schieflage aht, aber wir haben uns niemals erträumt, dass sie derart niedriges Niveau erreicht.

Die Liste ist endlos: Jeder Tag werden Hunderte Geschichten erfunden, verzerrt oder aufgeblasen. Hunderte Reporter und Rechercheure widmen sich der Suche nach einem angeblichen Verbrechen oder Bösen in Israel, blasen den winzigsten Vorfall in eine internationale Story mit großer Schlagzeile auf. Doch dieselbe Armee der Schreiberlinge und Schwätzer kann anscheinend den Radikalismus der Muslimbruderschaft oder die Unnachgiebigkeit der PA nicht entdecken.

Ich wünschte, das wäre eine Übertreibung und hätte jemand diese Dinge vor 10 oder 20 Jahren geschrieben, hätte ich das an sich schon mit Hohn und Spott überzogen. Doch die Zeiten habe sich tatsächlich geändert. Das Beinahe-Monopol in den Massenmedien und der akademischen Welt für eine enge Bandbreite an Meinungen (im „Zeitalter der Diversität“!), die Dominanz von Ideologie über Berufsethik (mit der z.B. die New York Times schamlos 90 Prozent der Op-Eds mit antiisraelischem Inhalt bringen kann) und das Versagen der meisten jüdischen Organsationen (die Anti-Defamation League muss immer noch entdecken, dass es linken Antisemitismus gibt; sie versuchen dort tatsächlich Menschen einzuschüchtern, dass sie Obama nicht kritisieren!) haben zusammen mit anderen Faktoren eine bizarre Atmosphäre der Konformität oder weiteres geschaffen.

Amerika und Europa sind heute in zwei Gruppen geteilt – und ich meine nicht „links“ und „rechts“. Es gibt solche, die glauben, dass das Schul- und Universitätssystem zusammen mit den Massenmedien gut funktionieren. Nichts hat sich – sagen wir: seit 20 Jahren – verändert. Und dann diejenigen, die begreifen, dass diese Institutionen in einen Propagandaapparat eingebracht worden sind.

Es gibt diejenigen, die begreifen, dass die Hauptbedrohung aus dem Nahen Osten der revolutionäre Islamismus ist; und diejenigen, die glauben, dass die Hauptbedrohung Israel ist. Es gibt diejenigen, die begreifen, dass Obama mehr als jeder frühere Präsident dazu beigetragen hat Israels Sicherheit auszuhöhlen; und diejenigen, die glauben, er sei ein großer Verteidiger Israels, weil der das so sagt.

Wie soll man mit diesem Chaos umgehen? Die Antwort ist der Aufbau und die Stärkung einer alternativen Elite, alternativer Medien und alternativer Möglichkeiten Menschen zu bilden. Es ist die Forderung nach Belegen, mit denen Behauptungen bewiesen werden und nach Logik, mit der Argumente vorgetragen werden. Kurz gesagt: Benötigt wird die Wiederherstellung akademischer und journalistischer Ethik, von Werten der Aufklärung und Logik seitens derer, die diese Dinge hinter sich gelassen haben.

Wir haben nicht hauptsächlich mit israelischen Sünden zu tun – obwohl es diese im gleichen Verhältnis wie in anderen Ländern auch gibt (und eine Menge weniger als in den meisten), sondern mit antiisraelischer Propaganda, die als Nachrichten, Analyse und Wissenschaft verkleidet wird. Das ist keine Reihe bedauerlicher Fehler, sondern ein Krieg, der bewusst gegen Israel geführt wird – und nicht nur gegen Israel.

Bei einem meiner kürzlich gehaltenen Vorträge in Großbritannien fragte mich jemand aus dem Publikum: Wir verstehen, dass einer der Gründe, dass die europäische Linke sich mit den Islamisten verbündet hat, darin besteht, dass beide die USA hassen. Warum tun Leute in den USA das auch?

Ich antwortete: Aus demselben Grund. Auch sie hassen die USA.

PS: Mehr Leser als sonst haben mir zu dieser Story geschrieben, um mir zu sagen, dass sie alle möglichen wilden Übertreibungen zum „spuckenden Hareidi“ und anderen solchen Dingen gehört haben, einschließlich von „liberalen“ jüdischen Freunden, die dies als Grund anführen Israel nicht zu unterstützen. Seid ihr bescheuert?

PPS: Es gibt einige israelische Säkularisten – besonders in Jerusalem, wo die Spannungen stark sind und Hareidim manchmal aggressiver sind, das sie neue Viertel dominieren – die Hareidim hassen, sprach ich vor kurzem vor einer Gruppe vermeintlich aufgeklärter (hauptsächlich nicht jüdischer) Amerikaner, die eindeutig hareidische Juden hassen und behaupteten, dies würden in Israel das Kommando übernehmen.

Ich betrachte den Hass gegen Hareidim (die fälschlicherweise „ultraorthodox“ genannt werden, was im Judentum ein bedeutungsloser Begriff ist) als nicht mehr akzeptabel als andere solche Vorurteile. Und natürlich sind die auch die Hreidim sehr unterschiedlich. Es ist schon komisch, dass „Liberale“ und Linke es heutzutage akzeptabel finden Menschen zu hassen (wobei Israelis und Juden an der Spitzer der Liste derer stehen, die zu hassen in Ordnung ist). Als ich vor kurzem im Ausland unterwegs war, verwöhnte mich eine Person mit Kritik an Israelis, die angeblich fürchterliche Rassisten seien, verglichen mit der tugendhaften politischen Korrektheit des Redners, nur um zu hören, wie dieselbe Person dann ein paar Minuten später eine rassistische Tirade gegen Asiaten verfiel!