Lasst uns die Diskussion um Israel neu ausrichten

Es scheint so, als sei jeder Jude ein Fuß-Soldat im Krieg gegen die Delegitimisierung

Lyn Julius, Jerusalem Post Magazine, 12. Januar 2012

Nach Angaben des Reut Institute steht Israels Legitimität im Westen unter Beschuss – in der Politik, der akademischen Welt, bei der Gewerkschaften, den Medien und den Kirchen. Es gibt eine Besorgnis erregende Abkoppelung zwischen Israels ausgezeichneten Beziehungen auf Regierungsebene mit seinen europäischen Verbündeten, während sich Basisgruppen für die öffentliche Meinungsbildung zunehmend entfremden. Israels Verteidiger ermüden nie dabei zu wiederholen, wie sehr Israel Frieden wünscht und was für ein Segen dieses winzige Land in Sachen Technologie, Wissenschaften, Landwirtschaft, Ökologie, der Eingliederung von Immigranten für die Welt ist – wenn nur die Medien aufhören würden sich auf die schlechten Nachrichten aus Israel zu konzentrieren und bei jedem Fehler und jeder Unvollkommenheit ihre Mikroskope herausholten.

Die Frage ist aber: Bringen wir die richtige Botschaft rüber? Der Streit wird in der liberalen Linken gewonnen oder verloren, denn diese dominiert die meinungsbildende Klasse des Westens.

Wir müssen die irrige Meinung sprengen, die allgemein von der Linken getragen wird, dass Israel ein Außenposten westlichen Kolonialismus und Imperialismus ist. Juden waren in dieser Region 1.000 Jahre vor der islamischen Eroberung Eingeborene, nicht nur in Palästina ununterbrochen ansässig, sondern über all in der „arabischen“ Welt. Die arabische Invasion machte die einheimischen Juden und Christen zu Minderheiten im eigenen Land, bekehrten sie zum Islam, beschlagnahmten ihre Heiligtümer und löschten ihre Geschichte aus. „Juden stehlen arabisches Land“ ist eine beleidigende Umkehrung der Realität. Den Juden in zehn arabischen Staaten wurden ihre Rechte aberkannt und in den meisten Fällen wurde ihnen ihr Besitz geraubt.

Die von uns benutzten Begriffe untergraben jüdische Rechte an unserer angestammten Heimat. „Siedlungen“ und „Westbank“ bestärken ein Gefühl, dass das Land immer arabisch gewesen sei und beschreiben die Israelis als kolonialistische Blender. Doch bis zu ihrer ethnischen Säuberung 1948 hatten Juden immer jenseits der Grünen Linie gelebt. Man muss aber auch sagen, dass von Judäa und Samaria und israelischen „Gemeinden“ – statt Siedlungen – zu sprechen, in keiner Weise einen israelischen Abzug als Teil eines Friedenshandels ausschließt.

Wir müssen in der Diskussion einen entscheidenden Kontext wieder herstellen: Der Konflikt besteht nicht zwischen dem israelischen Goliath und dem palästinensischen David. Er stellt sechs Millionen Israelis gegen 300 Millionen Araber. In Begrifflichkeiten von Werten findet der Kampf zwischen dem pluralistischen, demokratischen Israel und den Jihadisten des Islam statt. Die Palästinenser sind keine unabhängig Agierenden. Ökonomisch werden sie von internationaler Hilfe gestützt; strategisch repräsentieren sie eine panarabsiche und zunehmend panislamische Sache; politisch werden sie von regionalen Kräfte von außen kontrolliert.

Wir müssen betonen, dass die Hälfte der Juden Israels die Region nie verlassen hatten – sie wurden aus der arabischen und muslimischen Welt in ein winziges Stückchen Land am Mittelmeer vertrieben. Dass diese Juden jetzt volle und freie israelische Bürger sind, dann liegt das größtenteils daran, dass Israel ihnen bedingungslose Zuflucht vor vorher schon bestehendem arabischen und muslimischem Antisemitismus bot.

Dieser Antisemitismus nimmt einerseits die Form einer religiösen Verachtung für „Dhimmi“-Juden an, andererseits einen modernen, von den Nazis inspirierten, völkermörderischen Judenhass. Ersterer ist verantwortlich für den tief religiösen und kulturellen Widerstand gegen die Idee eines jüdischen Staates. Der zweite vertrieb fast eine Million Juden aus arabischen Staaten und treibt immer noch den Konflikt mit Israel an. Die Gewalt und der Missbrauch, unter dem diese Juden litten, bilden ein ungelöstes Menschenrechtsproblem.

Es besteht eine offene Rechnung zwischen Israel und den von ihren Juden gesäuberten arabischen Staaten. Auf Schritt und Tritt sollte Israel Gerechtigkeit für das seinen Flüchtlingen angetane Unrecht verlangen. Palästinensische Verluste und jegliche territorialen Anpassungen könnten in der Zukunft im Vergleich zum urkundlich übertragenen Land und Besitz verblassen, die die Juden einbüßten, die gezwungen waren die arabischen Länder zu verlassen.

Flüchtlinge sind DAS wichtigste Problem schlechthin, das auf der Agenda des Nahen Ostens steht. Über Grenzen kann man sich einigen und Jerusalem kann geteilt werden, aber die Palästinenser bestehen hartnäckig auf ihrem „Rückkehrrecht“. Nur wenn ihnen das Leiden und die Verluste einer großen Zahl jüdischer Flüchtlinge bewusst gemacht werden kann, können wir hoffen den totalen Stillstand aufzubrechen.

Man muss nur Zeuge der traurigen Lage der verfolgten und entwurzelten nicht muslimischen und nicht arabischen Völker der Region sein, um zu begreifen, dass die so genannte „arabische Welt“ keinen Raum für eine Vielzahl von Ethnien und Religionen lässt. Alle haben unter den Händen der totalitären Autokratien gelitten, ob diese nun nationalistisch oder islamistisch waren. Bedauerlicherweise kündigt der Arabische Frühling mehr davon an. Es gibt zweimal so viele Kopten wie Palästinenser, doch gegen wessen Menschenrechtsverletzungen protestieren die Linken? Es gibt dreimal so viele Kurden wie Palästinenser, doch wo sind die Forderungen nach ihren kulturellen und politischen Rechten? Als eine der wenigen Minderheiten im Nahen Osten, die ihre Souveränität ausübt, muss Israel die Flagge für Minderheitenrechte hoch halten. Als eine der einzigen Demokratien muss es mit den säkularen Liberalen des Nahen Ostens und Nordafrikas gemeinsame Sache machen.

Wir müssen westliche Libertäre überzeugen, dass sie die Selbstbestimmung eines kleinen, indigenen Volks des Nahen Ostens – der Juden – als progressive Sache betrachten. Die Ablehnung Israels wurzelt in einer religiösen und kulturellen Sicht der „Dhimmi“-Juden und –Christen als minderwertig, die gezwungen sind ihre Rechte dem muslimischen Oberherren abzutreten. Dass ein nicht muslimisches Volk sich selbst regiert, ist ein Gräuel – noch mehr, wenn es sich um ein nicht arabisch-muslimisches Volk handelt. Indem sie den palästinensischen Feldzug gegen Israel unterstützen – trügerisch in die Sprache der Menschenrechte gekleidet – sind westliche Liberale und Linke zu unabsichtlich zu Agenten der Wiedererrichtung arabischer und muslimischer Vorherrschaft über ein „Dhimmi“-Volk geworden.

Israel repräsentiert die nationale Befreiung der Juden, eines der ältesten der im Nahen Osten einheimiscen Völker. Wenn wir Herzen und Seelen gewinnen wollen, müssen wir die Diskussion neu ausrichten.

 

6 Gedanken zu “Lasst uns die Diskussion um Israel neu ausrichten

  1. Inzwischen habe ich aufgehört zu hoffen – und dies nicht ohne Grund!- dass sich die Völker besinnen und zur Vernunft kommen…! Es geht wohl nicht darum, dass wir gar keine Fehler machen würden! Es geht auch nicht darum, dass ich erwarten würde, dass die anderen Völker wegschauen müssten… doch die Völker dürften keineswegs unsere Fehler nach dem beurteilen, was für sie ein Fehler ist, da oft ist gerade dieser gar kein Fehler… Sie lasten uns als Fehler an, dass wir nicht so handeln, wie sie uns abverlangen, erwarten, gebieten… Wenn wir aber so handeln würden, wären schon lange kein jüdisches Volk und kein jüdisches Land mehr vorhanden!

    Ich denke, dass die Zeit zu Diskussion um Israel und um unsere Existenz schon längst vorbei ist! Unsere „Diskussionspartner“ sind schon lange davon vollkommen überzeugt, dass wir weder als Volk noch als Land zu bestehen haben! Was also sollte uns dazu bringen, darüber zu diskutieren? Steht es nicht in unzählige Male in der Bibel, wie G“TT es schon vorausgesagt hat, was zum einen die Völker wollen, und was aber ER will?

    5. Mose 32: „31 Denn unserer Feinde Fels ist nicht wie unser Fels; so müssen sie selber urteilen. 32 Denn ihr Weinstock stammt von Sodoms Weinstock und von dem Weinberg Gomorras; ihre Trauben sind Gift, sie haben bittere Beeren, 33 ihr Wein ist Drachengift und verderbliches Gift der Ottern.

    34 Ist dies nicht bei mir verwahrt und versiegelt in meinen Schatzkammern? 35 Die Rache ist mein, ich will vergelten zur Zeit, da ihr Fuß gleitet; denn die Zeit ihres Unglücks ist nahe, und was über sie kommen soll, eilt herzu. 36 Denn der HERR wird seinem Volk Recht schaffen, und über seine Knechte wird er sich erbarmen. Denn er wird sehen, dass ihre Macht dahin ist und es aus ist mit ihnen ganz und gar. 37 Und er wird sagen: Wo sind ihre Götter, ihr Fels, auf den sie trauten, 38 die das Fett ihrer Schlachtopfer essen sollten und trinken den Wein ihrer Trankopfer? Lasst sie aufstehen und euch helfen und euch schützen!

    39 Sehet nun, dass ich’s allein bin und ist kein Gott neben mir! Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und kann heilen, und niemand ist da, der aus meiner Hand errettet. 40 Denn ich will meine Hand zum Himmel heben und will sagen: So wahr ich ewig lebe: 41 Wenn ich mein blitzendes Schwert schärfe und meine Hand zur Strafe greift, so will ich mich rächen an meinen Feinden und denen, die mich hassen, vergelten. 42 Ich will meine Pfeile mit Blut trunken machen, und mein Schwert soll Fleisch fressen, mit Blut von Erschlagenen und Gefangenen, von den Köpfen streitbarer Feinde!

    43 Preiset, ihr Heiden, sein Volk; denn er wird das Blut seiner Knechte rächen und wird an seinen Feinden Rache nehmen und entsühnen das Land seines Volks!“

    Was wollen wir also diskutieren? Wird dadurch etwas besser, wenn wir ihnen mehr Möglichkeit geben, uns niederzutreten und uns zu bespucken? Gewiss nicht! Wir müssen unseren Feinden nicht die Füße küssen! Wir müssen uns auch nicht unnötigerweise erniedrigen lassen… Wir müssen ihnen nicht selbst noch Gelegenheit anbieten, uns zu bespucken!

    Wir müssen nur selbst umdenken und erkennen, dass dieselben Völker sich wieder gegen uns wenden, mit denen wir, egal was sie uns angetan haben, freundlich waren. Ebenso müssen wir erkennen: Wenn der, der uns Juden gemacht und uns dieses Land als Erbland gegeben hat, uns nicht erretten würde, dann würden unsere „Diskussionspartner“/Völker/Nationen uns ganz und gar ausrotten, und uns das Land rauben! Weshalb also dort uns zuwenden, wo nichts Gutes zu erwarten ist – weshalb nicht dahin, woher uns immer Hilfe kam und woher uns auch diese Zeit zugesagt wurde?

  2. Den „Propagandakrieg“ haben, wie es scheint, Hamas und Konsorten samt ihren Sympathiesanten wohl schon gewonnen.
    Wir können leider nur einen bescheidenen Beitrag dazu leisten, dass die Macht der Worte und Begriffe nicht überhand nimmt.
    Es hilft schon ein wenig, die einfachen Bezeichnungen, wie sie sich inzwischen eingebürgert haben, nicht einfach so mitzuschreiben: „Palästinenser“, „Palästina“ usw. Allein durch die Nutzung dieser Begriffe wird mit jedem Mal neu die Weltsicht der Araber aus Gaza und der Westbank bestätigt. Es mag sich nach Erbsen-zählen anhören, aber die schlichte Verweigerung des arabischen Sprachgebrauchs trägt, wenn auch nur zu einem winzigen Teil, dazu bei, die Diskussion um Israel zu verändern.

  3. Hast ja so recht, Heplev! Ich soilte nicht mehr von der Arbeit aus Kommentare schreiben … da fehlt die Konzentration bzw. zu viel Ablenkung. 🙂

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