Warum spielen westliche Eliten die Bedrohungen des Nahen Ostens herunter?

Barry Rubin, Pajamas Media, 19. November 2011

Ein führender Journalist hörte meine Analyse zum Aufstieg der radikalen Islamisten, wie die US-Politik ihnen hilft und warum das eine Katastrophe ist. Seine Antwort? Wie konnte ich behaupten die Hamas sei radikal und wolle Israel wegwischen, da sie doch Israel aus dem Gazastreifen nicht weiter angegriffen hat?

Auch wenn diese Bemerkung zu einem sehr konkreten Fall fiel, verstand ich doch das allgemeine Konzept, das dahinter steht. Ein Radikaler oder ein Extremist zu sein, scheinen viele Westler zu glauben, bedeutet, dass man ein sabbernder Verrückter ist, die Karikatur eines Bomben werfenden Revolutionärs, wie ein tollwütiger Hund, der sich nicht davon abhalten kann jeden in Reichweite zu beißen.

Wenn du aber Schlips und Jackett trägst oder nur ein Jackett oder ruhig sprichst und mit deiner Moderatheit protestierst oder Geduld hast, dann kannst du kein Radikaler sein.

Oh ja, du bist auch kein Radikaler, wenn du behauptest keiner zu sein, selbst wenn das nur auf Englisch erfolgt, während du auf Arabisch zu islamistischer Revolutio, Sharia-Recht, Völkermord an den Juden und antiwestlichen Hass forderst. Aber Radikale haben die Strategie seit vielen Jahrzehnten genutzt. Lenin schrieb ein kleines Buch (Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit des Kommunismus), um die geistlosen Extremisten in seiner Bewegung zu verhöhnen. Die Muslimbruderschaft hat eine ähnliche Sicht zur Al-Qaida eingenommen, die für sie eine eintönige Terrorgruppe ist. Das gesamte türkische Modell des revolutionären Islamismus gründet auf einer Geduldsstrategie des Verheimlichens der ihrer wahren Ziele und sich in die totale Kontrolle zu manövrieren.

Warum können westliche Eliten diese Art schwach getarnten Extremismus nicht sehen, der von durch und durch dem Kommunismus ergebenen genutzt wird; und ebenfalls, auch wenn das weithin vergessen worden ist, von den Bewegungen der Nazis und Faschisten?

Hier kommen zwei Beispiele von hunderten: Im ersten hält ein Kleriker der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) – Sie erinnern sich: die Moderaten – eine Freitagspredigt, die am 11. November 2011 im PA-Fernsehen ausgestrahlt wurde (Dank an MEMRI):

„Dieses rassistische Gebilde [Israel] wird auch sein Ende finden, denn auch es widerspricht der natürlichen Anordnung der Propheten, der Gerechten, der Märtyrer und der Menschheit als Ganzem… Oh Allah, vernichte unsere Feinde. Sie sind dir nicht gewachsen. Oh Allah, zähle sie einzeln und zerstreue sie alle. Lass keinen einzigen aus. Oh Allah, vertreibe sie aus Palästina, erniedrigt und geschändet. Oh Allah, vertreibe sie aus Jerusalem und seinem Umland, so wie du sie aus Mekka und Medina vertrieben hat. Oh Allah, vertreibe sie aus der Levante, so wie du sie von der Arabischen Halbinsel vertrieben hast.“

Denken Sie daran, dass die jüdischen Stämme nicht gerade von der Arabischen Halbinsel vertrieben wurden. Die Männer wurden ermordet, die Frauen und Kinder versklavt.

Aus irgendeinem Grund, den ich nicht so recht verstehe, berichten die westlichen Medien nicht über die buchstäblich hunderte dieser Art Predigten, Übertragungen in Fernsehen und Radio oder Artikel. Irgendwie werden sie als nicht wichtig angesehen, obwohl sie die Leute in Amokläufe treiben und einen Kompromissfrieden unmöglich machen.

Ich erinnere mich aber an eine Flut von Artikeln vor einigen Monaten, die der PA Anerkennung zollten, das sie sich von radikalen Predigern getrennt hatte. Von wegen. Sie hat lediglich Unterstützer der Hamas aussortiert. Können wir jemals auf ehrliche Berichterstattung hoffen, die damit den Menschen zeigen würde, dass die PA nicht moderat ist, dass sie ihre Leute in hysterischem Hass hält, sie zum Töten aufhetzt, Terroristen glorifiziert und damit Frieden unmöglich macht?

Dann sind da die moderaten Islamisten. Es gibt eine große Sammlung von Äußerungen von Führern der ägyptischen Muslimbruderschaft, libyschen Warlords und tunesischen islamistischen Politiker, die zeigen, dass sie definitiv keine Moderaten sind. Hier eine davon – der designierte tunesische Premierminister Hamadi Jebeli auf einer Kundgebung:

„Meine Brüder, ihr lebt in einem historischen Moment in einem neuen Takt der Zivilisation, so Gott will. wir befinden uns im sechsten Kalifat, so Gott will.“

Der obligatorische Mythos der Moderation ist derart haltbar, dass ein Artikel im Daily Telegraph (eine konservative Zeitung), der davon berichtet, uns erzählt Jebeli sei ein Moderater. Es wird aber herausgestellt, dass die linke Partei Ettakatol wegen seiner Äußerung so empört war, dass sie Koalitionsgespräche mit Jebelis Partei aussetzte. Die beiden liberalen Parteien haben bereits diejenigen als radikale Islamisten verurteilt, die in Washington moderate Islamisten genannt werden: Wir glaubten, wir würden mit unserem Partner eine zweite Republik aufbauen – nicht ein sechstes Kalifat“, sagte Khemais Ksila, ein hochrangiges Mitglied der linken Partei.

Der Artikel erklärt, dass die Idee des Kalifats umstritten ist, weil sie mit der Al-Qaida assoziiert wird. Nun, in Wirklichkeit gibt es da ein paar weitere Probleme. Wenn Leute wie Jebeli von einem Kalifen sprechen, reden sie von einer göttlich geführten Einzelperson, der zu gehorchen ist, die alle Muslime in einem einzigen Staat vereinigt, mit Sicherheit das Scharia-Recht in allen mehrheitlich muslimischen Ländern verhängen wird und von Rechts wegen den Jihad ausrufen kann.

Es wird lange Zeit kein Kalifat geben, wenn überhaupt, weil die Muslime sich niemals darauf einigen können werden, wer Kalif sein soll, wo die Hauptstadt sein soll, ob er Sunnit oder Schiit sein soll und vieles mehr. Damit ist Jebelis Äußerung nicht wichtig, weil er von einem Kalifat an sich redet; sie ist wichtig, weil sie uns seine wahre Politik und seine tatsächlichen Ziele verrät.

Das ist also nur eine kleine Kostprobe: Die „moderaten“ Palästinenser predigen den Völkermord; die „moderaten“ Islamisten predigen eine universelle islamische Diktatur. Warum nur können Führungspersonen im Westen nicht über solche Dinge sprechen, „Experten“ des Westens nicht von ihnen reden und westliche Medien genau diese tatsächlichen Nachrichten nicht veröffentlichen oder ausstrahlen?

Hier gibt es keine „radikale“ Stereotypisierung oder Islamophobie oder irgendetwas derartiges. Die Schuldigen sind die, die diese politischen und theologischen Grundhaltungen haben, nicht diejenigen, die sie ablehnen. Die Helden sind Muslime und andere aus dem Nahen Osten, die genozidalen Extremismus und radikalen Islamismus bekämpfen. Die meisten der Opfer dieser Bewegungen sind ebenfalls Araber und Muslime – oder beides.

Selbst in ihrer eigenen Ideologie gibt es keine Rechtfertigung dafür, dass diese westlichen Offiziellen, Politiker, Journalisten und Akademiker die Natur der Bedrohung verheimlichen. Wir befinden uns fast am Ende des Jahres 2011; es ist Jahre zu spät, um noch auf Ignoranz zu plädieren.

Beim Nachdenken über diesen Punkt sagte ein türkischer Freund aus der antiislamistischen Opposition gegen das Regime: „Wir können diese Leute nicht länger als Narren ansehen. Wir können sie nur als Feinde betrachten.“

6 Gedanken zu “Warum spielen westliche Eliten die Bedrohungen des Nahen Ostens herunter?

  1. Barry Rubin hat vollkommen Recht.
    Das würde ich auch gern verstehen. Das ist mir ein Rätsel.
    Ist es Feigheit? Eine Form von Arroganz?
    Warum stecken die Leute den Kopf in den Sand?
    Die wollen uns alle unterwerfen und/oder umbringen.
    Hier in Deutschland denk man wohl in etwa so: Sollen sie die Israelis/Juden umbringen, uns werden sie dann schon in Ruhe lassen.
    Ich weiß es nicht! Ich verstehe das alles nicht.
    Das ist alles so offensichtlich!
    Auch unser „Führer“ hatte damals alles haarklein in Mein Kampf angekündigt und dargelegt, was er vorhatte. Aber man nahm es nicht ernst und dachte ihn mittels Appeasement schon beruhigen zu können.
    Das ging bekanntlicherweise total schief und kostete 60 Mio. Menschen das Leben und zerstörte das Schicksal von hunderten von Millionen Menschen.
    Und heute begeht man genau den gleichen Fehler.
    Ein italienischer Schriftsteller – mir fällt gerade der Name nicht ein – sagte in etwa: Der Faschismus wird wieder zurückkehren. Und wenn er wieder zurückkommt, dann sagt er nicht ‚Hallo, ich bin der Faschismus!‘ Sondern, er sagt: ‚Ich bin der Antifaschismus.‘
    Nun, hier nennt er sich halt Islam, aber die Parallelen sind nicht mal für einen Blinden zu übersehen und einen Tauben zu überhöhen.
    Die Menschen sind total geschichtsvergessen!
    Wozu haben unsere Vorväter alle ihre Schicksale erlitten? Doch nicht, damit wir uns wieder in die gleiche Scheiße manoeuvrieren.

    In der Ökonomie passiert momentan übrigens genau das gleiche. Die Märkte werden sinnlos mit Geld geflutet, obwohl die Erfahrung zeigt, daß das schon hunderte Mal in der Geschichte Unglück gebracht hat. Prof. Kenneth Roggof hat dies übrigens sehr schön in seinem Buch „This time is different“ beschrieben.Und nicht nur er.

    Jede Generation glaubt schlauer zu sein als ihre Väter/Großväter.
    Wie viele Kriege und Krisen hätten sich vermeiden lassen, wenn man einfach nur zurückschauen würde.

    Ich glaube, solange die Gesellschaft sich nicht auf ihre Wurzeln und Erfahrungen bezieht, wird es immer wieder Kriege und Desaster geben. So wie es m.E. definitv früher oder später zu einem Atomkrieg kommen wird.

    Die Menschen lernen nicht und halten sich für unendlich schlau (siehe Obama oder unser vollkommen verblödeter, geschichtsvergessener Außenministerdarsteller).

    Daher ist Ihre Arbeit, sehr geehrter Heplev, leider auch irgendwie eine Sysyphusarbeit. Ich glaube, Sie erreichen nur diejenigen Leute, die sich ohnehin dafür interssieren, Ihnen zustimmen und sich Gedanken machen. Die anderen lernen wohl erst dazu, wenn sie selber ins Feuer fassen.

    Aber dennoch danke ich Ihnen für Ihre unermüdliche, oft extrem frustrierende Arbeit! Ich habe große Hochachtung und Respekt vor Ihnen und dem was Sie tun.
    Ich lese Ihren Blog mittlerweile seit einigen Jahren, obwohl es täglich immer wieder frustrierend ist und einen verzweifeln läßt.
    Ich kann nicht verstehen, woher dieser jahrtausendalte Haß, Neid, Ignoranz und diese Schadenfreude, Verlogenheit und fehlende Empathie gegenüber den Juden kommt. Ich habe schon vor vielen Jahren aufgehört darüber nachzudenken. Denn eines ist sicher: Der Grund oder die Quelle liegt in den Menschen die hassen selber.
    Die Juden gehören (im Gegensatz zum scheiß hassenden Islam) seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden hierher zu Deutschland oder Europa, genauso wie die Bayern oder wir Berliner hierher gehören. Oder die Katholiken und Evangelen. Wir sind doch Brüder und Schwestern. Und abgesehen ist das Leben endlich und zu kurz jemanden sinn- und grundlos zu hassen.
    Meine Mutter wurde auch vor vielen Jahren von ihrer Familie verstoßen. Und keiner wollte ihr sagen warum. Auch mir nicht. Eine Mauer des Schweigens. Man hätte da an drei, vier Ecken etwas gehört: Was? – Schweigen! Sie hat halt meinen Vater, meinen Bruder und mich. Und meine eine Tante noch. Aber es ist irgendwie unbegreiflich.
    Sorry, das wurde jetzt ein langer Kommentar. Eigentlich wollte ich nur sagen, daß ich genauso ratlos bin wie Barry Rubin.
    Ich wünsche Ihnen, Heplev, Ihrer Familie und Freunden sowie den Lesern dieses Blogs alles Gute.
    Mein Wunsch wäre, daß er, also der Blog, irgendwann einmal obsolet werden möchte. Aber das wird wohl eine Utopie bleiben…

    Danke!!

    Sven

  2. Ganz ehrlich: Der Blogeintrag ist überheblich durch Einseitigkeit. Es ist doch Wahnsinn Israel-freundlich zu sein. Israel betreibt eine Aussenpolitik, die sehr geöhnungsbedürftig ist für Deutsche. Wie soll man denn auch Israels Umstände verstehen und wozu? Warum denn nicht auch Irans Umstände? Oder die der Türkei?
    Nehmen wir einen Angriff auf den Iran. Der ist unmöglich und trotzdem koketiert Israel damit. Warum? Weil es sich ständig neurotisch bedroht fühlt. Ob zu recht oder nicht, kann kaum einer aus Europa beurteilen. Ich sage nur, dass es nicht in unserem Interesse sein kann, dass Israel noch stärker als Agressor auftritt. Denn der Nahe Osten bleibt ein Pulverfass. Sanktionen gegen Iran mit Geheimdienstaktionen müssten reichen. Wenn Iran de facto 20 Jahre braucht, ist es eh schon zu spät und das System überholt. Oder es gibt ein weiteres Afghanistan. Dann kann man dieses zerbomben lassen von den USA und dann den Rücken kehren. Russland wird sich noch wundern, China wird viel Geld zahlen, welches sie ja haben, und ansonsten im Hintergrund bleiben. Was bleibt ist also ein Konflikt, der nicht eskalieren darf und dieses hat nun mal auch Israel in der Hand. Das möchte hier vlt keiner verstehen, aber es gibt durchaus auch viele positive Signale gegenüber Israel. Oder wer hat denn nun den Atomexperten umgebracht? Oder wie scharf wird Israel kritisiert, obwohl sie eine MAUER gebaut haben? Soll man sich da über harte Töne von der anderen Seite wundern, mal abgesehen von dem Irrsinn der religiösen Lager?
    Ein Pulverfass ist ein Pulverfass, weil man kaum einen halben Schritt machen kann, ohne, dass alles einem um den Kopf fliegt. Vlt glauben hier einige, dass Israel unverhältnismässig kritisiert wird. Tatsächlch wird es im Rahmen einer freien Gesellschaft noch viel zu wenig kritisiert! Die Israelis haben auch nicht alle Tassen im Schrank, für unsere Verhältnisse, und es wäre eine großere Chance auf eine Deeskalation, wenn sie mal ein bisschen kooperativer wären. Israel muss sich vom zwanghaften Willen verabschieden autark zu sein. Wenn man Frieden möchte, dann muss man auch diese Strukturen fördern. Tatsächlich, solange es so bleibt wie es ist, kann mir das Rumeiern im Nahen Osten egal sein und ist es auch.

    Ich bin hier hergekommen über einen Link im Kommentarbereich im Handelsblatt. Interessant, was für eine unkritische Meinung anscheinend Teile der Netzgemeinde sich reinziehen wird. Ich hoffe, dass viele, wie ich, diesen Blogtext nicht allzu ernst nehmen werden.

    Bitte nicht übel nehmen, aber eine rationale, europäische Sicht sieht nun mal anders aus!

    • Ein linker Neurotiker („karlliebknecht@…“) wirft Israel vor neurotisch zu sein – das sagt alles und macht jede weitere Stellungnahme zu diesem Schwachsinn überflüssig.

    • Ansonsten das übliche Problem dieser Friedenshetzer zur Vernichtung Israels. „Europäische Sicht sieht nun mal anders aus.“ Was weiter heißt, dass der Typ weder bereit noch in der Lage ist den Nahen Osten auch nur ansatzweise zu begreifen.

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