All diese fürchterliche israelische Hetze

Petra Marquardt Bigman, The Warped Mirror, 16. Februar 2012

Beim The Arabist verkündet Issandr el-Amrani fröhlich, dass die PA „endlich“ „gegen Israels Hasbara zurücktritt“. Wie sich herausstellt, geht es in der Story um „eine neue Initiative der PLO-Delegation in den USA, um antipalästinensische Hetze in israelischen Medien und Gesellschaft zu verfolgen und sie für amerikanische Journalisten, Offizielle und Politiker zu veröffentlichen“.

Offenbar ist das als Vergeltung für israelische Bemühungen gedacht palästinensische Hetze zu beobachten, die lange schon als entscheidendes, aber vernachlässigtes Problem betrachtet wird.

Amrani gibt eine E-Mail wieder, die einen „monatlichen Bericht zu israelischer Hetze“ für den Januar 2012 beinhaltet. Nach Angaben der E-Mail versucht der Bericht „wichtige Vorfälle israelischer Hetze im Bereich der Öffentlichkeit, Medien und Regierung zu beleuchten, die im Januar vorkamen; damit soll die israelische Regierung gedrängt werden Hetzte gegen Palästinenser zu verurteilen und zu beseitigen“.

Mit Ausnahme zweier „Price Tag“-Vorfälle, die Sachschäden verursachten, sind in dem Bericht über „wichtiger Vorfälle israelischer Hetze“ aufgelisteten Vorfälle ein Brief von Knesset-Präsident Reuven Rivlin, der dem jordanischen Parlamentspräsidenten Neujahrsgrüße schickte, der wegen eines Hinweises auf Jerusalem als Hauptstadt Israels beleidigt war.

Ein weiteres Beispiel für „wichtige Vorfälle israelischer Hetze“ bietet der Bericht eine Äußerung von Israels Außenminister Avigdor Lieberman vor dem Knesset-Ausschuss für Außenpolitisches und Verteidigung; darin gab Lieberman seiner Ansicht Ausdruck, dass es entscheidend sei den israelisch-palästinensischen Konflikt zu „managen“, so lange er nicht gelöst werden könne.

Das ist ein besonders lächerliches Beispiel, da diese von Lieberman geäußerte Ansicht weithin geteilt wird. Wäre Lieberman der „Hetze“ schuldig, dann würde das auch für den Ha’aretz-Kolumnisten Ari Shavit gelten, ebenso für den sehr angesehenen amerikanischen Analytiker Walter Russell Mead, der Shavits Artikel kommentierte und so argumentierte:

Es könnte jetzt an der Zeit sein … einen Schritt zu unternehmen, der für viele in der Friedensprozess-Industrie lange undenkbar gewesen ist: darüber nachzudenken den israelisch-palästinensischen Konflikt zu managen, statt ihn komplett zu beenden.

Es überrascht nicht, dass Lieberman noch wegen eines weiteren Vorfalls von „Hetze“ angeführt wird, denn er erwähnte seine Ansicht, dass zu einer zukünftigen Vereinbarung mit den Palästinensern „Gebiets- und Bevölkerungsaustausch“ gehören sollte – was, im Gegensatz zu dem, was oft behauptet wird, nicht von Lieberman erfunden wurde, sondern bereits Mitte der 1990-er Jahre von einem linken Wissenschaftler formuliert wurde.

Last but not least ist es eher hypothetisch, dass die Palästinenser ihre Illustration einer Geschichte aus der Antike mit einem Foto verurteilt, das den Tempelberg ohne Felsendom zeigt – schließlich ist es für die Palästinenser üblich die Existenz des jüdischen Tempels zu leugnen.

Es ist bemerkenswert, dass ähnliche Beispiele „israelischer Hetze“ früher schon berichtet wurden; und es stellt sich heraus, dass – so weit es die palästinensischen Beobachter angeht – es schon als israelische Hetze gilt, wenn Israels Premierminister dagegen ist, dass der Palästinenserpräsident einen verurteilten Terroristen besucht, der im Tausch für Gilad Shalit freigelassen wurde.

Offenbar ist alles möglich, wenn das noble Ziel darin besteht „gegen Israels Hasbara zurückzutreten“ – und wenn man darüber nachdenkt, dann liegt ein hübsches orwellsches Geschmäckle darin zu sagen, es sei Hetze gegen die Glorifizierung des Terrorismus zu protestieren.

2 Gedanken zu “All diese fürchterliche israelische Hetze

  1. Nein, ich habe mich nicht vertan: Dome of the Rock ist das berühmte Gebäude mit der goldenen Kuppel: http://de.wikipedia.org/wiki/Felsendom

    Das war auf einem Photo das als Illustration der Hanukah-Geschichte gemeint war, wegretouchiert — denn z.Z. der Hanukah Geschichte hat dieses Gebäude natürlich nicht existiert…

    Bitte noch meinen Namen korrigieren, denn das 2.r fehlt bei Marquardt — und ansonsten vielen Dank für die Übersetzung und Weiterveröffentlichung!

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