Das Schweigen des Westens

Op-ed: Der Jahrestag des Fogel-Massakers erinnert uns, dass die Welt Mord an jüdischen Kindern zulässt

Giulio Meotti, YNetNews.com, 22. Februar 2012

Vor einem Jahr wurden die Fogels in Itamar abgeschlachtet: Vater, Mutter und drei Kinder in einer Horrornacht niedergemetzelt. In dieser Nacht war ein 12-jähriges israelisches Mädchen mit Freunden bis Mitternacht aus, in der Nähe ihres Dorfs, in dem 100 Familien leben. Sie kam nach Hause. Niemand kam an die Tür. Sie ging mit einem Nachbarn hinein und fand ihre Mutter, ihren Vater, drei Geschwister (im Alter von 11 Jahren, drei Jahren und drei Monaten) mit durchgeschnittenen Kehlen.

Doch ein Jahr nach dem Geschehen sind diejenigen, die vorgeben Gewalt auf beiden Seiten der israelisch-palästinensischen Gleichung zu verurteilen, bezüglich des Massakers von Itamar absolut still. Von Menschenrechtsgruppen und NGOs waren keine Worte der Verurteilung der Tötung von Unschuldigen zu hören.

In Itamar hatte die tägliche Kost der Siedler-Dämonisierung ihren beabsichtigten Effekt. Einen „Dämon“ oder die Kinder von „Monstern“ oder „Teufeln“ zu töten ist nicht das Gleiche wie einem Mitmenschen das Leben zu nehmen. Die Bürger in Judäa und Samaria sind tatsächlich „Blutsauger“, „Schlangen“ und „Parasiten“ genannt worden.

Mitten in der zweiten Intifada, als seine eigenen Studenten in Bussen und Restaurants abgeschlachtet wurden, erklärte Ze’ev Sternhell, Professor an der Hebräischen Universität: „Es wäre weise von den Palästinensern, wenn sie ihren Kampf auf die Siedlungen konzentrieren würden.“ Wie Itamar. 2001, nachdem die Araber sadistisch die Schädel zweier „Siedlerkinder“ in Tekoa zerschlugen, erklärte der israelische Psychiater Ruchama Marton: „Die Siedler ziehen kleine Monster auf.“ Moshe Zimmermann von der Hebräischen Universität sagte, er betrachte die Siedler als Hitlerjugend.

Itamar bedeutete auch, dass kein rationales Argument gegen einer Ideologie genutzt werden kann, die der jüdischen Vernichtung wahnsinnig ergeben ist. Die dunklen und funkelnden Augen der Terroristen von Itamar erzählen uns von ihrem Verlangen das Mittelmeer vom jüdischen Blut rot werden zu lassen. Es ist also kein Wunder, dass gerade in einer Sendung im palästinensischen Fernsehen die Tante eines der Fogel-Mörder ihn als „Helden“ und „Legende“ bezeichnete.

Die Tante las dann ein Gedicht vor, das sie zu Ehren der Mörder geschrieben hatte, während Haim Awads Mutter Grüße an ihren Sohn schickte und stolz prahlte, er sei der Täter des Itamar-Massakers. In diesem Zusammenhang sollte man im Hinterkopf behalten, dass das Fernsehen der PA auch von der Europäischen Union finanziert wird; deren blaue Flagge wird in den Sendungen oft eingeblendet.

Doch es gibt da noch etwas Schrecklicheres als Awads sadistischen Hass: die westliche Selbstgefälligkeit. In den vergangenen Jahren haben wir reichlich zuckersüße Filme über jüdische Kinder gesehen, die in Todeslagern in ihren Schlafanzügen getötet wurden, aber dieselbe öffentliche Meinung reagierte mit Gleichgültigkeit auf die Bilder der zerstückelten Babys der Familie Fogel.

Judenhass gesellschaftlich akzeptabel

Die Fogels, bis hin zum geköpften Baby, waren weniger Menschen als die arabischen Opfer du daher weniger der westlichen Empörung in ihrem Name wert. Die „Siedlerkinder“ sind unsichtbar, wie die Städte des nördlichen Israel während der 1970-er Jahre, als Yassir Arafats Terroristen israelische Babys in Ma’alot, Kiryat Shmona, Misgav Am und Avivim ermordeten.

Wer kennt den Namen Shalvehet Pass, die Hatuels und die Shabos? Oder Danielle Shefi aus Adora, sie von Terroristen erschossen wurde, als sie im Schlafzimmer ihrer Eltern schlief? Wer erinnert sich an Shaked Avraham, ein sieben Monate altes Mädchen aus Negohot, die von einem Terroristen getötet wurde, der in die Gemeinde eindrang, während die Einwohner Rosh Hashana feierten, das jüdische Neujahr? Shaked hatte zur Zeit ihrer Ermordung gerade begonnen zu laufen.

Für das Massaker in Itamar hat es Ausreden gegeben, während die „Wut“ der Täter international als völlig gerechtfertigt gilt. PA-Präsident Mahmud Abbas sagte viele Male: „Ich werde nie einem einzigen Israeli erlauben unter uns auf palästinensischem Land zu leben.“ Dieser Staat würde der erste sein, der seit Nazi-Deutschland (das einen judenfreien Staat anstrebte) Juden oder jeden anderen Glauben offiziell verbietet.

Dass eine arabische Bewegung die Anwesenheit von Juden ein Friedenshindernis nennt, ist das eine. Es ist aber etwas ganz anderes, wenn eine aufgeklärte und so genannte liberale Welt das tut. Doch genau das ist der Grund, warum Itamar keinen weltweiten Skandal auslöste. Weil in einer weniger surrealen Welt als der, in der wir leben, in ein jüdisches Haus zu platzen und die Kehlen von Babys durchzuschneiden der Grund für moralische und religiöse Empörung sein würde.

Vervielfältigen Sie diese Tat mehrtausendfach und man könnte glauben, sie würde einen internationalen Aufschrei veranlassen. Doch in der Welt, in der wir leben, war Itamar nur eine Fußnote. Der Vatikan erwähnte das Itamar-Massaker nicht; auch UNICEF erhob seine Stimme nicht gegen das Abschlachten unschuldiger jüdischer Kinder.

Die Medien fabrizierten dann die Rechtfertigung: Weil Itamars Babys „Siedler“ sind, brachten sie das Verbrechen selbst über sich. In der Tat lesen wir nach jedem Amoklauf von „Siedlern“ alle denselben Kommentar in den Mainstream-Medien: Wären die Juden nicht dort gewesen, wären sie nicht getötet worden. Würde Israel diesen Denkansatz ernst nehmen, würde es den gesamten israelischen Staat auflösen.

Man kann sich dem Gefühl nur schwer entziehen, dass ähnliche Angriffe in – sagen wir – London oder Paris statt in einer religiösen Siedlung in Samaria geschehen wären, die Reaktion völlig anders ausgesehen hätte.

Der niederländische Autor Leon de Winter drückte es gut aus: „Antisemitismus ist wieder salonfähig“ (wobei der das deutsche Wort benutzte, das für „sozial akzeptierbar“ steht). Heute gibt es keine andere Schlussfolgerung. Wenn der Tod jüdischer Unschuldiger derart unbeantwortet bleibt, dann deshalb, weil jüdisches Leben nicht zählt. Das ist die wichtigste Lektion aus Itamar: Die „zivilisierte“ Welt versöhnt sich bereits mit der Aussicht auf einer neuen Schoah.