Knallcharge

Roman Herzog, Bundespräsident a.D., meinte in seiner Laudatio auf den Antisemiten Mitri Raheb aus Bethlehem bei der Verleihung des Deutschen Medienpreises zu den kritischen Briefen, die ihn bezüglich der Verleihung erreichten:

Er habe den Eindruck, dass es sich um eine Auseinandersetzung von kleinen christlich-jüdischen Gruppen und ebenso kleinen evangelischen Gruppen handele. In theologische Streitereien habe sich jedoch der Staat nicht einzumischen, sagte Herzog. Ebenso wenig beteilige er sich an der geschichtsphilosophischen Debatte, welches Volk als Nachfahren vergangener Nationen gelten könne.

Wer hier von „theologischen Streitereien“ redet, ist ein ahnungsloser Ignorant, Herr Herzog. Diese „theologischen Streitereien“ haben üble Auswirkungen und fördern den Antisemitismus. Diese – nur von Raheb als „theologisch“ verbrähmten „Streitereien“ – sind akute Hasspredigten und eine Verzerrung des christlichen Glauens mit der Folge, dass Judenmord wieder als gerechtfertigt angesehen wird.

Und wer diese politische Hetze eines evangelischen Pfarrers sowie die Kritik daran zu einer „geschichtsphilosophischen Debatte“ herunterspielt, macht sich moralisch nicht nur unglaubwürdig, sondern zu einer äußerst fragwürdigen Figur.

Fragt sich jetzt nur noch, ob er willentlich ignoriert oder einfach nur zu dumm ist, das Spiel zu durchschauen. Denn er macht sich die verzerrende Propaganda-Darstellung Rahebs und seiner Unterstützer zu eigen, die in boshafter Weise feste Fakten zu unwichtigen Meinungen deklarieren und mit handfesten Argumenten agierende Kritiker und Aktivisten zu radikalen Minderheiten, die falsch denken.

„Ich beteilige mich nicht“, tönte der Ex-Bundespräsident. Das heißt, dass er nicht bereit ist, sich mit den Dingen auseinanderzusetzen. Dass er nicht bereit ist die moralische Instanz zu sein, als die er galt und gilt. Dass er nicht bereit ist sich zu informieren. Kurz: Dass er dem Ungeist des Antisemitismus Tür und Tor zu öffnen bereit ist, so lange dieser sich als etwas tarnt, was er nicht ist und behauptet kein Antisemitismus zu sein.

Roman Herzog hat den Juden, Israel und der Bekämpfung des Antisemitismus eine Bärendienst erwiesen. Er ist ein „Ich gucke weg“-Schwätzer (geworden), der über scheinbare Neutralität Extremisten die Bühne bereitet und salonfähig werden lässt.

Danke, Herr Prof. Herzog, genau das, was wir brauchen!

4 Gedanken zu “Knallcharge

  1. harsche Worte, die völlig berechtigt sind. Herzog ist ein weitere Beweis, dass die politische Kaste der BRD den moralischen Kompass verloren hat.

  2. Herzog sagt, dass er sich nicht „beteilige“.
    Merk er denn nicht, dass er sich durch die Laudatiio sehr wohl „beteiligt“.
    Bisher habe ich von ihm sehr viel gehalten. Jetzt bin ich nur noch enttäuscht.

  3. http://www.sopos.org/aufsaetze/463786cf260a9/1.phtml

    Zu Herzogs Vergangenheit

    Roman Herzog, der ehemalige Bundespräsident und Chef des Bundesverfassungsgerichts außer Diensten, hat seine Memoiren geschrieben: »Jahre der Politik«. Untertitel: »Die Erinnerungen«. Doch an das, was er genau weiß, erinnert er, ein guter Deutscher, sich besser nicht. Von seinem Lehrmeister, dem er seine »schönsten und freiesten Jahre« und seine Karriere verdankt, erfährt man kaum mehr als dies: »Ich war Assistent bei Theodor Maunz, der just zu dieser Zeit bayerischer Kultusminister war und für sein Institut daher kaum Zeit hatte.«

  4. Tja, „kleine christlich-jüdische“ und „kleine evangelische Gruppen“ haben halt nicht genug Ansehen und Gewicht in der Öffentlichkeit, gelle? Damit, deren Meinung oder Anliegen ernst zu nehmen, kann man in Deutschland keinen Blumenpott gewinnen.
    Da müsste schon eine Massenveranstaltung her oder so etwas wie „Stuttgart21“, dann würde man vielleicht mit dem Thema „christlicher Antisemitismus – und was man dagegen tun kann“ auch zu Anne Will, Herrn Jauch oder Beckmann eingeladen (würde neue Kohle bringen, ich bin dann mal gemein!)….

    Aber was soll man sich für „kleine Gruppen“ einsetzen und dabei vielleicht sogar in alle Nesseln????

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