Der Tag, an dem Europa starb

Yigal Walt, YNetNews.com, 21. März 2012

Op-ed: Europas enorm fehlerhafte Moral, sterbende Seele, wird im Gaza-Toulouse-Vergleich offenkundig

Montag, der 19. März wird als dunkler Tag für Europa in Erinnerung bleiben. An diesem Tag überschritt es den „Point of No Return“ (den Punkt, an dem keine Umkehr mehr möglich ist), da lange Jahre politischer Korrektheit und Anbiederung bei der arabischen Welt die endgültige Beerdigung des liberalen Diskurses des Kontinents veranlasste; dieser Diskurs ist eine verdrehte, bedeutungslose Absurdität geworden.

Die Ereignisse des Tages kamen nicht aus dem Nichts. Immerhin ist dies dasselbe Europa, in dem eine deutscher Oppositionsführer mit „israelische Apartheit“ um sich wirft, wo Beamte die Verstärkung arabischer Kontrolle in Jerusalem fordern und Siedler auf schwarze Listen setzen und wo Europas Außenpolitik-Chefin Sorge um einen im  Hungerstreik befindlichen Mann des Islamischen Jihad zum Ausdruck bringt, aber dieselbe Notlage eines saudischen Menschenrechtsaktivisten ignoriert.

Und doch wurden Montag alle Rekorde gebrochen; die schlüpfrige schiefe Ebene verwandelte sich in der Tat in eine tiefe, dunkle Grube. Die Zeit ist gekommen, dem Europa Lebewohl zu sagen, das wir einst kannten.

Im Herzen Europas, in Genf, sprach der Hamas-Mann Ismail al-Ashqar vor den Mitgliedern er UN-Menschenrechtskommission. Schon die Erwähnung der Hamas im Zusammenhang mit Menschenrechten ist völlig aberwitzig: Immerhin ist das die Gruppe, die im Gazastreifen gewaltsam die Macht an sich riss, indem sie Feinde von Hochhausdächern stürzte und seitdem immer vor allem mit Waffenschmuggel, der Aufzwingung eines „islamischen Moralkodex“ und dem gelegentlichen Schießen von Raketen auf israelische Kindergärten beschäftigt ist.

Die Tatsache, dass ein Mitglieder einer solchen Gruppe eingeladen wurde, um in Genf zu sprechen, und darüber hinaus, dass europäische Hauptstädte kein Geschrei wegen einer solch schrecklichen Verzerrung des Menschenrechtsdiskurses erhob, belegt ungeniert den moralischen Abgrund, in den die Europäer gefallen sind; ein dunkler Ort, an dem Geschmeichel einer mörderischen Terrororganisation gegenüber jede Verpflichtung für Moral und Wahrheit zerschlägt.

Lob der Hamas für Ashton

Doch während man immer noch dabei ist den ersten Schock zu überwinden, traf ein noch schmerzlicherer Schlag, als vier Unschuldige, darunter drei Kinder, kaltblütig vor einer jüdischen Schule in Frankreich ermordet wurden. Einer der entsetzlichsten Momente an diesem traurigen Tag folgte, als ihre Majestät Catherine Ashton, die außenpolitische Chefin der EU, das Massaker verurteilte, um gleichzeitig im Gazastreifen sterbende Kinder anzuführen.

Eine solch erbärmliche Gleichsetzung spiegelt ein unglaublich verzerrtes Wertesystem wider, verbunden mit totaler Blindheit  angesichts globaler und nahöstlicher Realität. Ein Mitglied der jüdischen Gemeinde drückte das gut aus, als er YNet sagte: „Wo zog sie diesen Vergleich? Wie kann man die abscheuliche Ermordung eines Mannes, der den Tod eines achtjährigen Kindes überprüfen ging, mit im Gazastreifen getöteten Kindern vergleichen? Wie ordinär hätten wir reagiert?

Es ist kein Wunder, dass die Hamas sich beeilte Ashton für ihre Äußerungen zu preisen; damit warfen sie ein Schlaglicht auf Europas moralische Konfusion. Gleichzeitig mag ein Zitat der Hamas als Ehrenzeichen im zeitgenössischen Europa dienen.

Die peinliche „Klarstellung“ der Europäischen Union, die Ashtons Äußerung nicht abstritt, aber schlicht behauptete, sie habe Toulouse nicht mit Gaza vergleichen wollen, spielt keine Rolle. Wenn schon, dann demonstrierte sie Europas Rückgratlosigkeit und Tendenz Positionen zu verschieben und unterschiedliche Gruppen zu beschwichtigen, ohne einem glaubwürdigen, bleibenden moralischen Kompass zu folgen.

Alles, was jetzt verbleibt, ist dem Abstieg des „alten Kontinents“ in einen neuen, düsteren Horizont zuzusehen. Einerseits wird erwartet, dass die die Trends zur Islamisiserung ansteigen, während andererseits radikal-nationale Parteien an Stärke gewinnen werden. Das Europa des späten 20. Jahrhunderts, das schwor das Banner der Toleranz und des  Liberalismus hochzuhalten, wird sich langsam in eine chaotische, wütende Region verwandeln, in der verschiedene Gruppen einander bekämpfen, während andere echte moralische Werte meiden.

Jedenfalls muss Frau Ashton sich nicht für die Klarstellung ihrer Äußerungen  entschuldigen. Immerhin spiegeln ihre Worte genau die Stimmung ihres verfallenen, sterbenden Kontinents.