Global March to Jerusalem: Hasserfüllte Ignoranz zur Schau gestellt

Jonathan Kay, National Post, 28. März 2012

Als israelische Fallschirmjäger während des Sechstage-Kriegs 1967 die Altstadt von Jerusalem betraten, mussten sie sich auf einen vorbeikommenden Schaulustigen – einen alten arabischen Einwohner Jerusalems – verlassen, damit er sie zur Westmauer des lange zerstörten herodianischen Tempels führte.

Warum kannten diese Soldaten den Weg zum heiligsten Ort des gesamten Judentums nicht? Weil niemand von ihnen ihn je besucht hatte. Als die Jordanier über Jerusalem herrschten, waren jüdische Besucher persona non grata und viele Synagogen wurden dem Erdboden gleich gemacht.

Ich führe dies Fakten in Erwartung des 30 März an, dem Datum, das die Aktivisten für das ausgesucht haben, was sie den „Globalen Marsch auf Jerusalem“ nennen.

„Der Marsch wird Freiheit für Jerusalem und sein Volk fordern und der Apartheid, den ethnischen Säuberungen und der Judaisierungspolitik ein Ende setzen, die die Menschen, das Land und die Heiligkeit Jerusalems beeinträchtigen“, informiert uns ihre Internetseite. „Wir streben die Beleuchtung der Sache der Stadt Jerusalem (die Stadt des Friedens) an, die als Schlüssel zum Frieden und Krieg in der Region und der Welt angesehen wird. Der Marsch wird bestätigen, dass die Politik und das Handeln des rassistischen zionistischen Staates Israel gegenüber Jerusalem und seinem Volk ein Verbrechen nicht nur an den Palästinensern, sondern an der gesamten Menschheit sind.

Mit nur ein paar Sätzen fasst die Internetseite die dominierenden Verdrehungen der antiisraelischen Propaganda zusammen, die in den arabischen und muslimischen Welten zirkulieren (ebenso beim UN-Menschenrechtsrat, der gerade fünf neue Resolutionen gegen Israel verabschiedete, darunter eine von Syrien geschriebene). Besonders bezüglich Jerusalem betonen die Organisatoren des Globalen Marsches das Bild der Stadt als einer Art einst friedvollen, einst toleranten Eden, das erst vor kurzem durch von Hass erfüllte Juden korrumpiert und geschändet wurde.

Also sollte man sich einen Augenblick Zeit nehmen, um daran zu erinnern, wie Jerusalem und seine Umgebung aussahen, bevor die Israelis vor 45 Jahren die Kontrolle darüber übernahmen.

Weit entfernt davon ein florierendes Zentrum für Tourismus und spirituelles Leben zu sein, das die Stadt unter den Israelis geworden ist, war das haschemitische Jerusalem eine Art Kaff im Abseits. Selbst der Tempelberg – der damals wie heute von Muslimen kontrolliert wird – zog wenige islamische Besucher an. Jüdisches Gebet an der Westmauer existierte praktisch nichts. Die Gläubigen waren auf eine winzige, einzwängende Grube beschränkt, die die Größe einer Bowlingbahn hatte.

Und wie sieht es heute aus? Aus der Art, wie Israels schrillste Feinde den jüdischen Staat beschreiben, sollte man denken, die Moscheen seien alle zerstört oder in Schweineställe verwandelt worden. Doch die Al-Aqsa und heiligen muslimischen Gebäude in ihr sind ein aktiver Ort der Anbetung für Muslime aus der gesamten Welt geworden. Tatsächlich haben die Muslime die Freiheit in Moscheen überall in Israel zu beten (und, anders als in vielen muslimischen Staaten, müssen schiitische und sunnitische Betende sich keine Sorgen machen, dass sie von den jeweils anderen beim Gebet in die Luft gejagt werden), so wie Christen sich frei in der Grabeskirche versammeln und beten können und die Bahai sich frei im Weltzentrum der Bahai in Haifa versammeln.

Wenn man die komischen Vögel von „Juden für Jesus“* nicht zählt, dann gibt es keine einzigen religiösen Glauben, der in Israel nicht volle Religionsfreiheit genießt. Nur eine winzige, militante, weithin verachtete Randgruppe von Juden versucht den Tempelberg aus muslimisch-religiöser Obhut zu holen.

Als die Jordanier 1967 erst einmal rausgeworfen waren, fielen Archäologen aus aller Welt in Jerusalem ein, um die Schätze auszugraben, von denen die Muslime gefürchtet hatten, dass sie ihren Anspruch auf die Stadt schwächen würden. In den letzten Jahrzehnten, schildert Simon Sebag Montefiore in seinem neuesten Buch, wurden „kanaanitische Festungen, judäische Siegel, herodianische Grundmauern, makkabäische und byzantinische Mauern, römische Straßen, Omajjaden-Paläste, ayyubidische Tore und Kreuzfahrer-Kirchen“ freigelegt.

Muslimische Führer andererseits, als man ihnen Mittel der 1990-er Jahre die Chance zu Ausgrabungen unter dem Tempelberg gab, nutzten die Gelegenheit Tonnen nicht durchgesehenen Materials wegzuwerfen, darin ungezählte historische Schätze. Bis zu seinem Todestag gab Yassir Arafat die bizarre Verschwörungstheorie weiter, Jerusalem sei nie eine jüdische heilige Stadt gewesen. Solche Ignoranz durchzieht bis heute die palästinensische Propaganda.

Wird aber Israels tolerante Haltung gegenüber der Präsenz anderer Religionen in Jerusalem durch, sagen wir, Saudi-Arabien gespiegelt, in dem Nichtmuslimen nicht einmal erlaubt wird muslimische heilige Städte zu betreten, geschweige denn Kirchen oder Synagogen zu bauen?

Und doch hören wir nie von einem „globalen Marsch auf Mekka“. Ist doch seltsam, nicht?

Juden und Araber werden wahrscheinlich noch viele Jahre weiter um die Kontrolle Jerusalems kämpfen. Doch lassen Sie uns die Idee verzichten, dass die israelische Anwesenheit auf eine „rassistische“ Entweihung einer ansonsten „friedlichen“ Stadt hinaus läuft. Wenn die moralische Schlacht zwischen Juden und Arabern auf der Grundlage gekämpft würde, wer Jerusalem auf eine tolerantere und zivilisiertere Art regierte, würde es nicht schwer sein, über den Sieger zu befinden.

* Anmerkung heplev: Das könnte auch als „Spinner“ oder „Verrückte“ übersetzt werden. Ich bevorzuge die harmlosere Variante für die Übersetzung und finde, die Leute sollten nicht beschimpft werden.