Sind Juden in Europa sicher?

4. April 2012 um 14:33 | Veröffentlicht in Deutschland, Europa+Nahost | 2 Kommentare
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Benjamin Weinthal, The Philadelphia Inquirer, 1. April 2012

Die französischen Behörden brachten vor kurzem eine dramatische Pattsituation mit einem durchgeknallten Bewaffneten zu einem abrupten Ende, als sie ihn in einem Haus in Toulouse im südwestlichen Frankreich erschossen. Mohamed Merah, ein 23-jähriger französischer Staatsbürger algerischer Herkunft wird verdächtigt vier Juden vor einer Schule und drei Soldaten erschossen zu haben, nachdem er aus Südasien nach Frankreich zurückkehrte.

Merahs Mordrausch stellt eine neue europäische Tradition des Imports radikalen Judenhasses dar. Von dem geständigen Al-Qaida-Unterstützer wird angenommen, dass er in der Region Waziristan in der Provinz des pakistanischen Nordwestens traininert wurde und in Afghanistan gegen NATO-Streitkräfte kämpfte.

Merah, von dem berichtet wird, er haben seine Morde damit gerechtfertigt, er wolle „palästinensische Kinder zu rächen“, ist der letzte in einer langen Reihe mörderischer Antisemiten, für die Sache der Palästinenser zu Terrorismus griff. Vor gerade etwas über 30 Jahren zündete in die Volksbefreiungsfront für Palästina (PFLP) eine Bombe vor der Synagoge Union Libérale Israelite de France in Paris; vier Personen wurden getötet und mehr als 40 verletzt.

Ein Jahr später, 1981, stürmte ein Mitglied der palästinensischen Terrororganisation Abu Nidal eine Bar Mitzvah-Feier in einer Synagoge mit Handgranaten und Maschinengewehren; er tötete zwei und verletzte 30 Personen.

Eine von der Anti-Defamation League gerade veröffentlichten Studie zeigte, dass in Frankreich „das Gesamtlevel des Antisemitismus auf 24 Prozent der Bevölkerung stieg; bei einer 2009 von der ADL durchgeführten Umfrage waren es noch 20 Prozent.“

Die Umfrage offenbarte die stete Zunahme antisemitischer Haltungen in neun von zehn EU-Ländern, in denen Befragungen durchgeführt worden, darunter Österreich, Deutschland, Ungarn, Polen, Spanien, Italien, den Niederlanden, Norwegen und Großbritannien.

Auch die europäischen Regierungen spiegeln diesen Trend.

Die österreichische Zeitung „Die Presse“ schrieb 2010, dass Erklärungen von Krisitin Halvorsen, norwegischer Bildungsministerin der Sozialistischen Partei, die Israel scharf kritisieren, zur „Legitimierung von Angriffen“ auf Juden beigetragen haben. Jüdische Schüler sind in Norwegens Schulen angegriffen worden und Lehrer haben einfach weggesehen. Letztes Jahr fragte ich Bruce Bawer, gefeierter Autor von „While Europe Slept“ und „Surrender“ mit Wohnsitz in Oslo, ob Norwegens Juden sich überlegen sollten Aliyah zu machen (nach Israel zu ziehen). „Ja“, sagte er ausdrücklich.

In Schweden hat die Stadt Malmö zu einem Exodus schwedischer Juden nach Israel beigetragen. 2010 ließ eine Gruppe schwedischer Muslime, die rund 20 Prozent der 290.000 Personen betragenden Bevölkerung Malmös ausmachen, „Sieg Heil“ und „Hitler, Hitler“ aus Lautsprechern tönen und warfen Steine und Flaschen auf eine kleine Gruppe Juden, die friedlich zur Unterstützung Israels demonstrierten seine Grenzen gegen die Raketenangriffe der Hamas zu verteidigen.

Als Reaktion darauf machte Malmös sozialdemokratischer Bürgermeister Ilmar Reepalu die Juden dafür verantwortlich. In einem Interview mit Skånska Dagbladet, das bizarrerweise am Internationalen Holocaust-Gedenktag veröffentlicht wurde, argumentierte Reepalu, Schwedens Juden seien weitgehend für die an ihnen verübte Gewalt verantwortlich, denn sie „distanzierten“ sich nicht von Israel und dem Gaza-Krieg. „Die Gemeinde entschied sich eine pro-israelische Demonstration abzuhalten“, fügte er hinzu.

All dies hilft zu erklären, warum Malmös bereits winzige jüdische Bevölkerung von 700 Personen unter einem toxischen Mix aus linker Politik und islamistischem Judenhass rapide schwindet. Nach den Schüssen in Toulouse, schoss Reepalu einmal mehr gegen die schwedischen Juden, indem er behauptete eine politische Partei – die Schwedischen Demokraten – habe die jüdische Gemeinde der Stadt infiltriert, um Hass gegen Muslime zu verbreiten.

Schwedens kleine jüdische Gemeinde veröffentlichte einen Brief an den Chef der schwedischen Sozialdemokratischen Partei, in dem sie feststellte, dass die Gemeinde „schon lange Hass und Drohungen erdulden musste, nur weil sie Juden sind … Ilmar Reepalu hat jetzt alle Grenzen überschritten… Diese Art von Verschwörungstheorie kennen wir aus der Geschichte nur allzu gut.“

In dem Brief heißt es weiter: „Ilmar Reepalu hat für uns Juden in Schweden keinerlei Glaubwürdigkeit mehr.“

Ungeachtet seiner unruhigen Vergangenheit ist Deutschland inzwischen zu einer zentralen Drehscheibe radikalislamischer Aktivitäten in Europa geworden. Die Bundesrepublik hat es abgelehnt die Hisbollah zu verbieten, den libanesischen Stellvertreter des Regimes des Iran, von dem berichtet wird, dass es dort 900 Mitglieder gibt. Die Hisbollah – wie die Hamas im Gazastreifen – hat sich der Vernichtung Israels verschrieben und hat bei Anschlägen auf dem gesamten Globus Amerikaner und Juden ermordet.

Es verstört, dass Deutschlands bekannter Fernsehsender ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen) ohne Beschwerde ein Interview mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad ausstrahlte, in dem dieser den Holocaust leugnete. Der Holocaust ist „eine Lüge Israels“, die es dem jüdischen Staat gestattet den Palästinensern zu schaden, sagte Ahmadinedschad in dem Interview im März.

Claus Kleber, bekannter Journalist des vom Steuerzahler finanzierten, öffentlich-rechtlichen Senders, sendete das 45-minütige Interview und veranlasste Dieter Graumann, den Vorsitzenden der 105.000 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinschaft, den Sender dafür zu kritisieren, dass er Ahmadinedschad eine Plattform zur Verbreitung seins „Gifts“ bot. „Ich bin sehr enttäuscht, dass ein respektierter deutscher Journalist – und obendrein in einem öffentlich-rechtlichen Sender – derart dreiste Bemerkungen einfach unwidersprochen lässt“, sagte Graumann.

Holocaustleugnung ist in Deutschland gesetzeswidrig, doch die Behörden haben sich im Verlauf der Jahre entschieden diese Gesetze nicht gegen Repräsentanten des iranischen Regimes anzuwenden, die Hitlers Verbrechen in der Bundesrepublik geleugnet haben.

Jetzt, nach den furchtbaren Morden in Frankreich, sieht die Zukunft des europäischen Judentums auch dort trostlos aus.

Auf dem gesamten Kontinent sehen sich Juden bestenfalls Gleichgültigkeit seitens der politischen Eliten, radikalislamischen Einwanderungsbevölkerungen und linkem Nichtstun gegenüber; im schlimmsten Fall ist es stillschweigender Antisemitismus. Sie werden gezwungen sein harte Entscheidungen zu treffen.

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2 Kommentare »

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  1. Unsere Feinde benützen eben nicht nur Wort und Feder. Auch Waffen. Leider reisen viele Israelis nach dem Militärdienst nach Katmandu, Indien oder Patagonien. Dabei wären sie in Europa als Sicherheitsbeamte nützlich, können Geld verdienen und wer weiss, die grosse Liebe finden.

  2. Shalom und ein gutes Pessachfest.
    Die Frage lautet<<sind Juden in Europa sicher??
    Eindeutig <nein<. David


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