Der Ort, wo alles begann

Dror Eydar, Israel Hayom, April 6, 2012

Auf dem Gipfel des Berges, zwischen Josuas Altar und der spektakulären Aussicht, ging ein kanadischer Tourist auf Professor Adam Zertal zu und stellte ihm eine Frage: Warum, angesichts dieser erstaunlichen Funde, die niemand widerlegt hat, die aber von vielen, vielen Menschen weiter ignoriert werden, macht das israelische Bildungssystem diese Stätte nicht zu einem dauerhaften Ort für das Studium der Anfänge Israels als Nation? Zertal sah ihn gelassen lächelnd an, das aber seinen inneren Kampf preisgab und antwortete: „Das ist eine gute Frage. Fragen Sie Bibi. Fragen Sie [Bildungsminister] Gideon Saar.“

In der Tat: 27 Jahre nach der sensationellen Entdeckung von „Josuas Altar“ und etwa 20 Jahre nachdem sie öffentlich gemacht wurde, liegt die wichtigste biblische Archäologische Stätte immer noch im eingehüllt in Dunkelheit. Wie viele Israelis wissen davon? Wie viele haben sie besucht? Diese Stätte ist der Heilige Gral der biblischen Archäologie, die bedeutendste Stätte, die in Jahrhunderten entdeckt wurde. Doch sie ist nicht nur wissenschaftlich und archäologisch bedeutend. Stattdessen behauptet Zertal und beweist durch sein Wissen, dass wir an diesem Ort vor 3.200 Jahren zur Nation wurden, kurz nachdem die israelitischen Stämme Kanaan betraten.

Und Mose samt den Ältesten Israels gebot dem Volk und sprach: Haltet alle Gebote, die ich euch heute gebiete. Und zu der Zeit, wenn ihr über den Jordan geht in das Land, das dir der HERR, dein Gott, geben wird, sollst du große Steine aufrichten und sie mit Kalk tünchen und darauf schreiben alle Worte dieses Gesetzes. Das sollst du tun, wenn du hinübergehst, auf dass du kommest in das Land, das der HERR, dein Gott, dir geben wird, ein Land, darin Milch und Honig fließt, wie der HERR, der Gott deiner Väter, dir zugesagt hat. Wenn ihr nun über den Jordan geht, so sollt ihr, wie ich euch heute gebiete, diese Steine auf dem Berge Ebal aufrichten und mit Kalk tünchen. Und dort sollst du dem HERRN, deinem Gott, einen Altar bauen aus Steinen, die kein Eisen berührt hat. Von unbehauenen Steinen sollst du diesen Altar dem HERRN, deinem Gott, bauen und Brandopfer darauf opfern dem HERRN, deinem Gott, und Dankopfer darbringen und dort essen und fröhlich sein vor dem HERRN, deinem Gott. Und du sollst auf die Steine alle Worte dieses Gesetzes schreiben, klar und deutlich. Und Mose und die levitischen Priester redeten mit ganz Israel und sprachen: Merke auf und höre, Israel! Am heutigen Tage bist du ein Volk des HERRN, deines Gottes, geworden, dass du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorsam seist und tust nach seinen Geboten und Rechten, die ich dir heute gebiete. (5. Mose 27,1-10, Luther-Bibel 1984)

Als wir das Tal am östlichen Rand des Bergs Ebal betreten, 800 Meter über dem Meeresspiegel, breitet sich die spektakuläre Aussicht Nord- und Ostsamarias vor uns aus. Nach Osten hin liegt der Berg Kabir, auf dem die Gemeinde Elon Moreh liegt; weiter hinab befindet sich das Michmetath-Tal, die biblische Grenze zwischen den Stämmen Manasse und Ephraim (Josua 16+17). Auf dem gegenüber liegenden Bergkamm ist ein Hügel, der an Massada erinnert – das ist Hirbet el-Ureima, auch bekannt als Arumah, der Hauptstadt König Abimelechs (Richter 9). Am Fuß des Kabir befindet sich das breite Tal von Nahal Tirza (Wadi Far’a), das „der Weg des Sonnenuntergangs“ ist (5. Mose 11,29-30), der vom Jordan zum Ebal führt. Die Gegend wimmelt von Orten, die in der Bibel erwähnt werden: Das Tubas-Tal ist Thebez (Richter 9), der Berg Bezek (Richter 1) und so weiter. Wir befinden uns ganz oben auf der Welt.

Und wo liegt Schechem (heute Nablus)? Südlich des Ebal. Es ist von hier aus nicht zu sehen, aber es ist immer präsent – biblisch, archäologisch, politisch und militärisch. Die Lage des Orts auf der Ostseite der Berge ist kein Zufall. Er ist auf die Weise angebunden, auf die die israelitischen Stämme nach der Durchquerung des Jordan, entlang Nahal Tirza am Ebal ankamen (auf der Straße, die nach Westen führt).

Wir kennen die Lage des Berges Sinai nicht und selbst Jerusalem hat sein Erscheinungsbild in den Tausenden vergangenen Jahren verändert. Hier, auf dem Berg Ebal, ist die Geschichte stehen geblieben. Alles ist so geblieben, wie es vor 3.200 Jahren war und wartete auf die Nachfahren des ursprünglichen Volks, das den Altar baute. Wenn dies der Ort ist, wo wir zu einer Nation wurden, dann hat das Folgen sowohl für das Bauwerk als auch für die Stätte als Ganzes. Zertals Forschungsergebnisse erlauben es uns einen großen Teil der Zeremonie nachzustellen, während der unsere Nation gegründet wurde.

„Wir haben hier seit ungefähr zehn Jahren Ausgrabungen gemacht“, sagt Zertal. „Ich begriff, das hier nichts per Zufall geschah. Eine Menge Nachdenken über den Ort fand statt, über die Bauten und den Rest der Einzelheiten.“ Die biblische Anordnung war einen Altar „am Berg Ebal“ zu bauen, nicht „auf der Kuppe“ oder „am Fuß“ des Berges. Entsprechend liegt der Altar auf der dritten Stufe (rund 800m über dem Meeresspiegel) unterhalb des Gipfels (940m). Er lag an der Ecke eines sehr großen Tales, einer Art natürlichem Amphitheater, das eine große Menschenmenge fassen konnte, mehrere Zehntausend Personen. Das ist ein wichtiger Punkt, denn die Zeremonie am Berg Ebal war „direkte Demokratie“ – jeder war dort: „Die ganze Gemeinde Israel, mit den Frauen und den Kindern und den Fremdlingen, die mit ihnen zogen.“

Damals [a] baute Josua dem HERRN, dem Gott Israels, einen Altar auf dem Berge Ebal, wie Mose, der Knecht des HERRN, den Israeliten geboten hatte, wie geschrieben steht im Gesetzbuch des Mose: einen Altar von unversehrten Steinen, die mit keinem Eisen behauen waren. Und sie opferten dem HERRN darauf Brandopfer und brachten Dankopfer dar, und er schrieb dort auf die Steine eine Abschrift des Gesetzes, das Mose vor den Augen der Israeliten geschrieben hatte. Und ganz Israel stand mit seinen Ältesten und Amtleuten und Richtern zu beiden Seiten der Lade gegenüber den Priestern aus dem Stamm Levi, die die Lade des Bundes des HERRN trugen, die Fremdlinge sowohl als auch die Einheimischen, die eine Hälfte zum Berge Garizim hin und die andere Hälfte zum Berge Ebal hin, wie Mose, der Knecht des HERRN, vormals geboten hatte, das Volk Israel zu segnen. Danach ließ er ausrufen alle Worte des Gesetzes, den Segen und den Fluch, ganz wie es geschrieben steht im Gesetzbuch. Es war kein Wort, das Mose geboten hatte, das Josua nicht hätte ausrufen lassen vor der ganzen Gemeinde Israel und vor den Frauen und Kindern und Fremdlingen, die mit ihnen zogen. (Josua 8,30-35)

Die Durchführung der Zeremonie im BuchJosua unterscheidet sich etwas von den Anweisungen, die im 5. Buch Mose gegeben wurden. Aus verschiedenen Gründen wich der Schüler (Josua) von den Anweisungen seines Lehrers (Mose) ab. Das Volk wurde in dem Tal in zwei Teile geteilt – die Hälfte schaut nach Westen, zum Gipfel des Ebal, die andere nach Osten, zum Gipfel des Kabir, der – so sagt Zertal – der biblische Berg Garizim ist. Wie auch immer, es ist anzunehmen, dass die Teilnehmenden sorgfältig darauf achteten der Bundeslade nicht den Rücken zuzukehren, die nach Angaben der heiligen Schrift neben dem Altar stand.

Ein weiterer für die Zeremonie wichtiger Aspekt ist die Akustik. Das Tal ist so ausgelegt, dass Sprecher am Altar von überall im Tal aus zu hören waren. Wir standen rund 600m vom Altar entfernt und zwei Soldaten, die zu ihm aufstiegen, riefen: „Am Yisrael Chai“ (lang lebe Israel). Trotz der Flugzeuge über uns, dem Gemurmel der Gruppe und dem Klingeln von Handys hörten wir sei sehr gut.

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Zertal sagt: „In den letzten Jahrzehnten, während derer die Diskussion über die historische Genauigkeit der Bibel mit noch größerem Nachdruck ausgebrochen ist, kann ich mit absoluter Sicherheit sagen, dass nach mit dem nach draußen gehen die von uns im Verlauf der letzten 34 Jahre durchgeführten archäologischen Studien und Ausgrabungen offenbart haben, dass die riesige Mehrheit der in der Bibel erscheinenden historischen Daten über den Beginn der israelitischen Nation genau sind.“ Natürlich bildet das für die akademische Welt in Israel und weltweit ein Dilemma. Zertal sagt, dass er in erster Linie Forscher ist und ihn die wissenschaftliche und historische Wahrheit interessiert. Er sagt, dass er als Kibbutznik aus Ein Shemer keine religiöse Bildung erhielt. Die Bibel wurde nicht als historisches Buch angesehen.

„Unsere Grundannahme von Beginn an war, dass es keinen Altar gab. Die ganze Sache wurde als nicht existent angesehen. In den meisten Geschichtsbüchern stellen wir fest, dass die ganze Geschichte aus dem 5. Buch Mose und  Josua ein  Mythos ist, eine spätere Erfindung, die die Geschichte schaffen sollte. Dieselbe Meinung finden Sie bezüglich des Auszugs aus Ägypten. Pessah steht vor der Tür. Sie sollten wissen, dass wir nach der Ansicht vieler Professoren nie aus Ägypten auszogen.“ Er zitiert den Archäologen Ze’ev Herzog von der Universität Tel Aviv, der sagt, es sei für die Forscher „heute offensichtlich“, dass wir nie in Ägypten waren, wir Ägypten nie verließen, wir nie im Sinai waren, wir nie in das Land Israel kamen und der Monotheismus am Ende der Monarchie geschaffen wurde, kurz vor der Zerstörung Jerusalems, viele Jahrhunderte nach dem Zeitpunkt, den die Bibel angibt. Zertal hat diese Meinung zu einem großen Teil geteilt, bis er über Versuch und Irrtum durch viele Jahre dauernde Studien zu Fuß und Ausgrabungen zu dem Schluss kam, den er heute mit großer Überzeugung vertritt. Man könnte sagen die Entdeckung schickte seine frühere Welt in eine Krise stürzte, die schließlich Frucht trug.

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Wenn wir uns die Gegend ansehen, stellen wir fest, dass sie mit Steinen übersät ist. Als Zertal und sein Team das erste Mal hierher kamen, war die Stelle mit einer Lage aus Steinen bedeckt und an der Stelle des Altars gab es einen Haufen Steine von ungefähr dreißig mal dreißig Metern, der vier Meter hoch war. Als die Ausgrabungen begannen und die Entdeckungen zunahmen, erkannten sie, dass der Haufen Steine dazu gedient hatten, die Stätte zu verbergen. Sie war versteckt worden (Geniza). Der Sinn war, sie vor Schändung zu schützen. In der jüdischen Tradition wird ein Mensch, der gestorben ist, durch Beerdigung versteckt. Eine Thora-Rolle wird versteckt (genauso im weiteren Sinne alle heiligen Werke), so wie auch die heiligen Objekte, die nicht mehr zum Gebrauch geeignet sind – hier war also ein heiliger Ort wie der Altar, der verlassen wurde, ebenfalls versteckt worden. Die Stätte wurde verbogen, als die Israeliten die Gegen verließen. Sie zogen 40km südlich, nach Schiloh, das währen der Zeit vor der Monarchie den israelitischen Stämmen als Hauptstadt diente. Von dort zogen sie ungefähr weitere 40km nach Süden, nach Jerusalem, das bis heute die nationale und religiöse Hauptstadt geblieben ist. Es scheint so, als ob das Umherziehen mit dem Zutritt zum Land nicht aufhörte, sondern etwa weitere einhundert Jahre dauerte – von Manasse und Ephraim nach Juda – bis wir unser endgültiges Siedlungsstruktur erreichten.

Gleich zu Beginn der Ausgrabungen erkannten sie, dass die Stätte nicht dauerhaft besiedelt gewesen war. Der Bereich hatte keine Häuser oder Straßen – nur ein seltsames Bauwerk. Zertal weiderholt, dass er ohne vorgefasste Ansichten herkam. Zusätzlich kam ihm infolge seiner Erziehung und seiner akademischen Ansichten zur Bibel nie ein Gedanke, dass es ein Altar sein könnte. Die Lösung entstand mit Jahren harter Arbeit. Eine große Menge Töpferwaren wurden angehäuft, fast alle aus der Eisenzeit – der Zeit, während der die israelitischen Stämme sich in Kanaan niederließen, vom 13. bis 11. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung.

Tongefäße werden gefunden, wo Menschen lebten. Die Zahl der Menschen, die hier waren, kann über die massive Anzahl der im gesamten Tal gefundenen Tonscherben bestimmt werden. Die Israeliten, die als Pilger kamen, mussten im Verlauf der Tage (oder Wochen) der Zeremonie essen und trinken. Deshalb brachten sie Gefäße mit, deren Scherben wir fanden. Frühe israelische Tonwaren, die ziemlich grob sind, beinhalten zerstoßenen Schotter. Dieser ist nicht veredelt oder fein. Die Technik war nicht sonderlich entwickelt. Es gibt keine Wohnhäuser, aber es gibt Tausende Tonscherben, was zeigt, dass Menschen hier kurzfristig lebten, um der Zeremonie beizuwohnen.

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Ein Mitglied unserer Tourgruppe fragte, ob es Forscher gibt – Kollegen, die ihn unterstützen. Zertal nennt den verstorbenen Professor Benjamin Mazar, der „in einem gewissen Maß unterstützte, aber es war für ihn schwierig, denn er war Teil des Mainstreams. wenn man eine revolutionäre Idee unterstützt, ist man von seinen Beziehungen zu gewissen Leuten in Machtpositionen weitgehend abgeschnitten.“ Einmal mehr zitiert er Professor Lawrence Steige vom Harvard Mudseum of Semitic Studies, der Ender der 1980-er Jahre sagte: „Wenn die Ruine vom Berg Egal das ist, was Adam Zertal sagt, sie ist es, dann werden die Auswirkungen auf die Archäologie und die Bibelstudien eine Revolution sein; wir werden alle zurück in den Kindergarten gehen müssen. Doch das ist ein großes Aber.“

Er erwähnt Wissenschaftler, deren revolutionären Ideen mit heftiger Ablehnung durch das zeitgenössische Establishment begegnet wurde, das sie ächtete, von Galileo bis Daniel Schechtman. „Versetzen Sie sich in die Position von Professoren, die Jahrzehnte lang Bücher schrieben und plötzlich kommt da irgendein Würstchen von der Ha-Shomer H-Tza’ir-Bewegung, der einen Altar entdeckt, der Punkt für Punkt zu dem passt, was in der Bibel geschrieben steht. Was würden Sie tun? Ze’ev Herzog schreibt einen Artikel mit der Überschrift ‚Die Bibel – keine Funde vor Ort‘. Ein ganze Karriere war auf der Theorie von ‚keine Daten vorhanden‘ aufgebaut. Und plötzlich gibt es Fakten! Zufälligerweise sagt ein amerikanischer Forscher namens William Dever, dass es hier nur ‚Proto-Israeliten‘ gab. Es ist nicht wirklich klar, was das bedeutet. Aber wir fanden 420 israelitische Stätten aus der Siedlungsperiode (Eisenzeit I).“

„Nun, wenn man anderer Meinung ist, dann schreibt man eine Abhandlung, die meine Befunde widerlegt. Niemand hat das bisher getan. Wer andererseits zustimmt, riskiert den Zusammenbruch seiner wissenschaftliche Karriere. In den 1960-er Jahren veröffentlichte Thomas Kuhn sein Buch „Die Struktur der wissenschaftlichen Revolutionen“. Alle Wissenschaft ist mit Theorie verbunden. Fakten selbst haben keine Bedeutung, wenn sie nicht Teil einer Theorie sind. Es gibt zwei Bedingungen für die Gültigkeit einer Theorie. Die erste ist, dass die meisten Daten passen müssen; die zweite ist, dass keine bessere Theorie existier – mit anderen Worten: eine Theorie, die mehr Daten hat, die sie unterstützen. Das ist meine Situation – die riesige Mehrheit der Daten passen in die Theorie und niemand hat eine alternative Theorie vorgeschlagen. Im Fall Galileos steckte ihn die Inquisition, statt eine alternative Theorie vorzuschlagen, in eine Zelle. Heute gibt es eine religiöse Inquisition, aber die Taktik ist immer noch in Gebrauch.“

Wegen ihrer Lage im Herzen Samarias hat die Inquisition Zertal begleitet, seit er seine Entdeckung machte. Er ist nicht nur von der akademischen Welt verfolgt worden. Im Mai 1986 veröffentlichte der Journalist Nahum Barna einen Artikel gegen Zertals Entdeckung in seinem Wochenmagazin Koteret Rashit (Spruchband Schlagzeile). Selbst damals spezialisierte sich Barnea darin jede Person oder jedes Ereignis als „gefährlich“ zu etikettieren, das nicht mit seiner politischen Weltsicht überein stimmte. Er überschrieb seinen Aufsatz mit „The Sacrifice and the Profit“ (Das Opfer und der Profit) und fügte folgenden Untertitel an: „Es hat immer Archäologen gegeben, die einverstanden waren so lange als Feigenblätter zu dienen, so lange sie weiter graben durften. Auf diese Weise leisteten sie all den Diebstählen Moshe Dayans Beihilfe. Hier haben wir nun einen Archäologen, der für Gush Emunim am Altar des Berges Ebal gräbt, gegenüber von Nablus. Woher kam dieser Archäologe? Er kam aus den Seiten des ‚Siebten Tages‘ (in Hebräisch „Si’ach Lochanim“ – ein Buch mit Interviews von Soldaten, die im Sechstage-Krieg kämpften, das von Avraham Shapira und Amos Oz herausgegeben wurde).“

Sie können sicher sein, dass Barnea nichts von der Entdeckung oder den reichlich vorhandenen archäologischen Daten wusste – so wie der Archäologe Aharon Kempinski, der eine einzige Stunde während der ersten  Grabungssaison (von zehn!) nahm, um die Entdeckung abzuqualifizieren; er behauptete, der Altar sei in Wirklichkeit ein Wachturm gewesen. Zertal widerlegte Kempinskis Behauptung, weil dieser mit dem Ort überhaupt nicht vertraut war und den Funden keinerlei Beachtung schenkte. Während Kempinsky auf dem Ebal war, sah er sich die Landschaft Samarias an, breitete die Arme aus und sagte: „Wie schön du doch bist, Palästina.“

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Und dann begannen die Ausgrabungen. Ein ägyptisches Skarabäus-Siegel wurde als erstes Gefunden. Das war eine große Überraschung. Es war ein Siegel von Ramses II., der als der Pharao zur Zeit des Auszugs aus Ägypten gilt. Danach wurde ein weiteres ausgegraben. Beide stammten aus dem letzten Drittel der Ära, zwischen 1250 und 1220 vor unserer Zeitrechnung. Von Skarabäen dieser Art sind wenige in der Region gefunden worden – nur an dem Altar, der gegen Eingriff von außen seit der Zeit versiegelt war (ein versiegelter Ort), zu der er verborgen wurde. Könnte das ein Souvenir von dort sein, woher diese Wandernden zu dem Berg gekommen waren, um der Zeremonie beizuwohnen, mit der ihre Nation gegründet wurde? Zufälligerweise ging Merneptah, der Sohn Ramses II. um 1208 vor unserer Zeitrechnung nach Kanaan und schilderte auf seinem Obelisk unter anderem, dass er in Kanaan Stämme mit dem Namen „Israel“ antraf.

Als die äußere Schicht Steine entfernt wurde, wurde ein Bauwerk – oder Bamah – freigelegt, das neun mal neun Meter maß und vier Meter hoch war. Seine ursprüngliche Höhe ist bekannt, weil die andere Seite komplett erhalten war. Es wurde festgestellt, dass der obere Teil des Bauwerks gepflastert war; auf seinen drei unteren Seiten ragte eine Terrasse von etwas zwei Metern heraus. Das Bauwerk war nicht hohl, sondern mit Steinen gefüllt („inwändig hohl“; 2. Mose 27,8) und in seiner Mitte gab es zwei einzelne Wände. Als die obere Lage entfernt wurde, wartete auf die Ausgrabenden eine große Überraschung: eine Lage reiner Asche, in etwa eineinhalb Meter dick, die ungefähr eintausend Tierknochen enthielt, die alle von Feuer versengt waren.

Wenn jemand ein Essen kocht, dann werden die Knochen nicht versengt. Nur wenn sie als Opfer komplett verbrannt werden, erreicht das Feuer die Knochen. Die Knochen wurden noch am selben Abend der Zoologie-Archäologin Liora Horwitz nach Jerusalem geschickt. Ihre Antwort kam schnell. Sie sagte, dass sie noch nie eine so besondere Knochensammlung gesehen hätte. Alle gehörten zu einjährigen männlichen Tieren aus vier Gruppen: Ziegen, Schafe, Rinder und Damwild. Die ersten drei sind Opfertiere, die am Anfang des 3. Buch Mose erwähnt werden. An anderen Orten werden gewöhnlich die Knochen von Pferden, Eseln, Hunden und so weiter gefunden. Hier gab es nur Opfertiere. Was das Damwild angeht – diese schönen Kreaturen mit rötlichem Fell – so waren es koschere Tiere (5. Mose 14). Anscheinend war das der Anfang der Entwicklung der Opferkultur , als wild lebende Tiere noch als Opfergabe erlaubt waren.

Außer diesen vier Arten wurden keinerlei Tiere gefunden. Wie angegeben wurden um 1200 vor unserer Zeitrechnung entsprechend der Gesetze der Thora Tiere als Opfer genutzt. Wenn die Forscher sagen, dass die Gesetze zu Opfer und Kaschrut erst rund 600 Jahre später geschaffen wurden, wie können diese Funde erklärt werden? Carbon-14-Altersbestimmungen weisen darüber hinaus mit seltener Genauigkeit auf das Jahr 1200 vor unserer Zeitrechnung hin.

Zu diesem Zeitpunkt gibt es viele Funde, aber sie sind noch nicht durch eine umfassende Erklärung verbunden. Die vordere Teil des Bauwerks bietet einen Teil der endgültigen Antwort. Eine doppelte Rampe führt auf die Bamah. Die Hauptrampe reicht bis auf die Oberseite der Bahma, während die zweite Rampe auf die Terrassen führt. Wenn wir die Beschreibung des Altars des Zweiten Tempels im Traktat Middot der Mischna lesen (drittes Kapitel), erhalten wir eine erstaunlich ähnliche Beschreibung des Altars auf dem Ebal, der dem in der Mischna um ungefähr 1.200 Jahre voraus ging. Der Priester nutzte die Hauptrampe, um die Opfer zum Feuer in der Mitte des Altars zu bringen. Danach stieg er die zweite Rampe zum umgebenden Bereich hinauf (die „Terrassen“), um den Opferdienst fortzusetzen (das Blut zu versprengen usw.). Die Rampe selbst wurde wegen des biblischen Verbots der Benutzung von Treppenstufen beim Bau des Altars gebaut. Die Form des Altars im Zweiten Tempel beweist, dass der Altar auf dem Ebal der ursprüngliche israelitische Opferalter war, ein Archetyp des Altars, der später kam. Das ist in der Archäologie eine ziemlich seltene Begebenheit: Die Altäre des ersten und des zweiten Tempels haben nicht übelebt, aber das Original ist gefunden worden und damit ist eine ganze Welt offen gelegt worden – ein Gruß unserer antiken Vorfahren.

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Zusätzlich zur uralten Landschaft, die uns rundherum umgab und der Geschichte, die unter unseren Füßen verbrannte, flog über uns die gesamte Zeit eine Patrouille von F-16 und F-15. Ich bin nicht gerade stark darin Flugzeuge zu identifizieren, aber um mich herum befanden sich hochrangige Offizieren aller Bereiche des Militärs, für die das alltäglich ist. Der Symbolismus stark: Ein Überflug der Huldigung des modernen hebräischen Militärs für den antiken hebräischen General Josua, Sohn des Nun, der hier einen Altar baute und die grundlegende Zeremonie durchführte, die uns als Nation auf diesem guten Land gründete.

7 Gedanken zu “Der Ort, wo alles begann

  1. danke HEPLEV
    hier ist ein guter videokomentar dazu, es zeigt auf wie unheimlich wichtig und
    wie unglaublich JÜDISCH judea und samaria sind. wie nahe das ganze ist
    von juden den rückzug aus judea und samaria zu fordern ist wie ihr hertz auszuschneiden.
    JUDEA DARF NICHT JUDENHEIN WERDEN!

  2. Sehr spannend. Kaum zu glauben, dass dieses Fundstätte nicht den üblichen Verdächtigen, den islamo-palästinensischen Geschichtsfälschern, ein Dorn im Auge ist, sondern dem archäologischen jüdischen Establishment.

    • Ich würde nicht sagen, dass der Ort bzw. die Ausgrabungsstätte den Muslimen/Arabern/PalArabern kein Dorn im Auge ist. Nur brauchen die sich keine Sorgen zu machen, so lange das archäologische Establishment dafür sorgt, dass seine Bedeutung nicht bekannt gemacht wird.

  3. Ich habe im Jahr 2000 mit einer christlichen Reisegruppe u.a. auch den Berg Ebal besucht und den Altar des Joshua gesehen und war fasziniert von dem was man da gefunden hatte, auch an Dingen, welche ganz klar der damaligen Bauzeit zugeordnet werden konnte. Ich habe private Fotos von dieser Stätte und wunderte mich auch darüber, wieso diese Sache so geheim gehalten wird. Na ja einen Grund kann ich mir denken und vielleicht ist es momentan auch klüger es nicht an die große Glocke zu hängen. Fakt ist: Dieser Altar beweist einmal mehr, wem G“tt das Land Judäa und Samaria als Erbe zugesprochen hat und wenn die Feinde noch so toben. Sie legen sich mit der ewigen und einzigen Allmacht des Universums an und ergo weiß man zweifelsfrei wie das ausgehen wird.
    Der HERR segne und behüte sein Volk Israel und schlage alle ihre Feinde auf die Backen.

    Ein Freund

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