Herr Lüders und sein Antiisraelismus

Im Interview mit dem Deutschlandradio erklärte der Nahost-„Experte“ Michael Lüders unter anderem:

Ich bin schon davon überzeugt, dass der Iran danach strebt, wenn er schon keine Sicherheitsgarantien bekommt von dem Westen. Der Iran hat ja Angst davor, angegriffen zu werden. Die Erfahrung des Krieges zwischen Irak und Iran 1980 bis 88 sitzt den Iranern und der politischen Führung, so unerträglich sie ist, noch immer in den Knochen. Und wir haben amerikanische Soldaten in allen Nachbarländern des Irans stationiert, mit Ausnahme Turkmenistans, und natürlich weiß man im Iran, dass seit der Rede von Präsident Bush 2003, derzufolge der Iran zur Achse des Bösen zähle und ein Schurkenstaat sei, dass man mit einem Angriff zu rechnen habe. Entsprechend ist man natürlich gewappnet, hat aber auch Angst. Man darf das nicht losgelöst sehen von diesen Atomverhandlungen. Der Iran hätte allen Anlass, nach der Atombombe zu greifen – nicht um Israel anzugreifen, das würde er nicht tun, dafür gibt es keinen Grund, jenseits antiisraelischer Rhetorik, die vor allem innenpolitische Gründe hat. Der Iran wird aber nicht so dumm sein, andere Länder in der Region anzugreifen, dafür gibt es keinen Hinweis.

Schaun wir mal: Der Iran ist traumatisiert von Krieg mit dem Irak. Aha. Das rechtfertigt anscheinend alles, den Hass auf Israel (der von Khemeini schon vor diesem Krieg ideologisch gefestigt wurde); den weltweiten Terror gegen angebliche und tatsächliche Feinde; die Unterstützung (ideologisch, finanziell und materiell, vor allem mit Waffen) von Terrororganisationen wie Hisbollah usw. Nur so als Beispiel.

Kein Staat hat den Iran bisher angegriffen, außer der Saddam-Irak. Den haben die Amerikaner inzwischen verlassen, was Lüders aber „vergisst“. Die „Umzingelung“ ist auch über die Türkei nicht zu finden, die sich demonstrativ gegen die Amerikaner stellt und mit den Mullahs rumkumpelt. Pakistan kann nicht mehr als Verbündeter der USA betrachtet werden und hat nur sehr wenige US-Versorgungstruppen zu bieten, die auch ständig vom Rauswurf bedroht sind. In Afghanistan sind die Amis so beschäftigt, dass ein Schlag gegen den Iran von dort praktisch nicht durchführbar ist; von einem Auffahren von Militär für einen Angriff würden die Mullahs sofort erfahren und könnten reagieren.

Wo ist also die von Lüders behauptete Umzingelung – außer in der Fantasie von „Experten“?

Vergleichen wir das mit Israel: Der Judenstaat ist tatsächlich von feindseligen Staaten eingekreist, die mehrfach versuchten ihn zu vernichten. Das darf kein Trauma hervorrufen und soll von Israel ignoriert werden. Die einzige Grenze, von der Israel nicht direkt militärisch bedroht wird, ist die Mittelmeer-Küste. Jordanien hält sich offiziell zurück, aber die Agitation gegen Israel und die Juden ist dort kaum weniger heftig als den übrigen Nachbarländern. Auch Ägypten hat den „Friedensvertrag“, der offiziell eingehalten wird; doch dieser kalte Frieden wird nur von Nützlichkeitsdenken von den Militärs halbherzig hochgehalten, die das jederzeit ändern können. Auch unter Mubarak wurden alle militärischen Manöver mit der Bekämpfung eines „imaginären“ Feindes im Norden abgehalten. Die Ausrichtung ist klar.

In den umliegenden Staaten wird ausschließlich gegen Israel gehetzt, wenn auch nicht immer von der jeweiligen Regierung; zivile Organisationen wie Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Parlamentsausschüsse, Elite-Vereinigungen (z.B. von Schriftstellern oder Universitätsdozenten, Islam-Gelehrte) kennen den Feind genau: Israel und die Juden.

Es ist also nicht nur der Iran, der ständig von der Vernichtung Israels tönt (was Lüders schön außen vor lässt). Er „analysiert“: „Die USA und Israel, in ihrem Windschatten auch die Europäer, sind nicht gewillt, den Iran als eine Regionalmacht zu akzeptieren. Der Iran aber wiederum pocht darauf, eine solche zu sein.“ Nun, das geht so weit am Problem vorbei wie der Halleysche Komet alle paar Jahrzehnte an der Erde. Denn es geht nicht darum, ob der Iran eine Regionalmacht sein will oder ist, sondern darum, wie und mit welchen Mitteln (und Zielen!) er diesen Anspruch durchsetzen will: Drohungen, Morde, Erpressung, Terror. DAS ist das, was die USA und Israel (und in ihrem Fahrwasser teilweise [!] Europäer) dazu führt, sich gegen ihn zu stellen. Für Herrn Lüders zählt es nicht. So sieht Expertise aus!

Da die Mullahkratie reichlich bewiesen hat – auch reichlich mit Eingriffen im Irak – dass die Drohungen ernst genommen werden müssen, statt dass man sie ignoriert, kann Israel nur vom „worst case“ ausgehen, alles andere wäre Wahnsinn.

Herr Lüders glaubt „nicht, dass man bislang auf eine Art und Weise mit dem Iran verhandelt hat, die wirklich dazu führt, dass es Frieden geben kann in der Region“. Ah ja, das Katz- und Maus-Spiel, die Verarsche der IAEA-Inspektoren (wie sie von Saddam genauso betrieben und von „Experten“ genauso verteidigt wurde!), die Verhandlungstaktik, Gespräche anzubieten, während derer man das Atomprogramm fleißig weiter vorantreibt, um diese Gespräche dann für gescheitert zu erklären, weil der Westen keinen Ko-tau vor den Mullahs betreibt, ist eines, die seit etlichen Jahren betrieben wird, die Lüders aber komplett ignoriert. Nein, für Lüders gilt: Was seit Jahrzehnten nicht gelingt, muss unbedingt weiter versucht werden, irgendwann muss es gelingen, selbst wenn alles und alle Erfahrungen das Gegenteil belegen.

Lüders weiter: „die Ängste, die in der israelischen Bevölkerung bestehen, werden auch instrumentalisiert von der israelischen Regierung mit dem Ziel, den Iran zu einer Menschheitsbedrohung zu stilisieren, und darin sehe ich eine sehr, sehr große Gefahr. Es gibt nicht wirklich die Bereitschaft, sich mit dem Iran zu arrangieren.“

Lüders verlangt also, dass die Juden nichts ernst nehmen dürfen, was gegen sie gehetzt wird. Sie sollen sich mit dem Teheran-Adolf und seinen Oberherren „arrangieren“. Mit den aus dem Gazastreifen und dem Libanon verschossenen Raketen, mit den im Iran ausgebildeten Terroristen, mit der ständig ansteigenden Unverfrorenheit der Antisemiten. Hitler hat man nicht ernst genommen, jetzt soll derselbe Fehler weiter gemacht werden. Darüber hinaus muss Israel seiner wirksamsten Abschreckungswaffe beraubt werden und Herr Lüders will uns allen Ernstes weismachen, dass das nicht zur Folge hat, dass die arabisch-muslimischen Feinde Israels die daraus resultierende Schwäche nutzen werden? Dass Leute, die tagtäglich von der Vernichtung Israels nicht nur träumen, sondern auch reden und planen, die Gelegenheit nicht beim Schopf packen werden?

Wie kommen Leute wie Lüders dazu den Juden ihre Erfahrungen und ihre Traumata nicht als Handlungsgrundlage zu gestatten, während ein herbeihalluziniertes Trauma den Iran rechtfertigt, aber sein angedrohtes Handeln als bloßes Gerede und nicht wirklich ernst zu nehmen gesehen werden muss? Wie kommen Leute wie Lüders dazu, eine „wirtschaftliche Kriegserklärung gegen den Iran“ zu kolportieren, die keine tatsächliche Grundlage hat, wenn der Iran morden, erpressen und vernichten lässt? Wie kommt es, dass Leute wie Lüders für alle Terrorherrscher (ach ja: außer Faschisten oder als solche empfundene) Entschuldigungen finden und fordern, dass man sich mit ihnen „arrangiert“?

Diese Gewaltherrscher von Verbrechen gegen die Menschheit beziehen allesamt boshaft Stellung gegen Israel; in der Regel wird dabei aus Israel regelmäßig „die Juden“. Sollten wir das etwa als Hinweis nehmen, wie wir Herrn Lüders und seine Gesinnungsgenossen einzuordnen haben?

Ein Hinweis: Von Israel wird ein Verhalten verlangt, das von keinem anderen Staat des Westens gefordert wird.

Wenn Antisemiten wie Ahmadineschad (oder Hugo Chavez, die Muslimbruderschaft usw.) als gerechtfertigt hingestellt werden, wenn man für sie Verständnis haben soll, wenn man sich mit ihnen „arrangieren“ soll, dann haben diese „Experten“ für mich ausgeschissen. Sie sind nicht weniger unmenschlich als die Leute, denen sie die Stange halten.

4 Gedanken zu “Herr Lüders und sein Antiisraelismus

  1. Kann ich mir nur anschließen. Mittlerweile kann fast schon als Grundregel gelten: Wo „Nahostexperte“, „Friedensforscher“ oder „Frieden irgendwas“ draufsteht, ist praktisch immer nur Mist drin.

  2. Dr.Michael Lüders, Nahostexperte?
    Bei dem was er gesagt hat, welche Meinungen er vertritt, welche Wirklichkeit er wahrnimmt, gerät man schon in Zweifel und könne meinen, er sei kein Experte, schon gar nicht einer für Nahost.

    Heplev, Du hast einige Fragen formuliert, die auf den ersten Blick nicht zu beantworten sind.
    Der Tenor Deiner Fragen, wie kommt Lüders nur zu dieser oder jener Meinung, vor allem wenn sie durch Fakten nicht begründet werden kann?

    Der Versuch meiner Antwort.
    Lüders ist Nahostexperte. Zumindest hat er die Voraussetzungen dazu. Sein Studiengang und das Promotionsthema über das ägyptische Kino, lassen diese Schlussfolgerung zu. http://www.michael-lueders.de/michael_lueders.html

    So, das haben wir geklärt.

    Nun die nächste Frage, was will er mit seinem Expertentum erreichen?
    Es kann wohl nicht darum gehen Europäer und Andere Sachgerecht und Wahrheitsnah zu informieren. Das hast du, heplev, mit Deinen Ausführungen durchaus schlüssig nachgewiesen.
    Worum kann es also gehen?
    Das Ziel seines Expertenwirkens kann nur die Verschleierung der Wirklichkeit in Nahost mit Schwerpunkt Iran sein. Einen andern Sinn kann ich in seinen Ausführungen vor dem Hintergrund der Frage ‚cui bono‘, nicht erkennen.

    Er ist also tatsächlich ein Nahostexperte im Dienst des Iran. Natürlich nicht offiziell.
    Früher nannte man sowas „5.Kolonne“. Wie nennt man es heute?

    Dabei ist Herr Dr.Lüders sehr umtriebig.
    Er ist nicht nur maßgebliches Mitglied der Deutschen Orientstiftung und im Beirat des Nah- und Mittelostvereins (NUMOV), sondern, und da wird es schon sehr bedenklich, er berät auch das Auswärtige Amt!

    Eine umfangreiche Kommentar-,Vortrags- und Lehrtätigkeit ergänzen seine verdeckte Lobbyarbeit für Nahost mit Schwerpunkt Iran.

    Heplev, wie kannst Du nur anzweifeln, dass es sich um einen Nahostexperten handel?

  3. Schlimmer als Herrn Lüders finde ich diejenigen, die ihn einladen (gern der DLF). Herr L. und sein Anliegen ist allen bestens bekannt, und wer ihn als „Experten“ einlädt, weiß, welche Meinung er unter die Leute bringen will.

  4. Mein Stalker Herr Dummbatz hat sich ausnahmsweise mal bei einem anderen Eintrag gemeldet und meint verkünden zu müssen:
    >>Der Iran hat nicht damit gedroht, Israel zu vernichten. Das ist eine falsche Übersetzung einer Rede von 2005, wo Ahmadinedschad erklärte, dass der Zionismus vor der Geschichte keinen Bestand haben werde. Er hat gesagt, das Besatzerregime müsse Geschichte werden, so wie das Apartheitsregime in Südafrika Geschichte geworden ist.<<
    Damit beweist er nicht nur, dass er hirnlos Lügen nachplappert, sondern auch wieder, dass er nicth selbst denkt. Aber nehmen wir mal an, das sei wirklich so, dann sollte er dringend an IRIB schreiben (dem iranischen Lügenpropaganda-Radiosender, dem deutsche Nahost- und Antisemitismus-Experten so gerne Interviews geben): Die haben nämlich diese „falsche Übersetzung“ in die Welt posaunt. Geht doch nicht, dass die Terror-Mullahs selbst das von sich geben, was der Teheran-Adolf nie gesagt hat!

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