Islamistischer Abgeordneter: Juden machen auf Dscherba ein “zweites Palästina”

Point of No Return, 5. Mai 2012

Unter Terrorwarnungen zur anstehenden Lag Ba’Omer-Pilgerreise zur Ghriba-Synagoge zitiert Rechtsanwalt und Blogger Souhail Ftouh einen Zeitungsartikel, tunesische Juden seien erschüttert von islamistischen Vorwürfen, sie würden auf der Insel Dscherba ein zweites Palästina schaffen:

Die arabische Zeitung Assarih aus Tunesien veröffentlichte am Dienstag, 2. Mai 2012 einen Artikel mit der Schlagzeile: „Tunesische Juden zittern vor Angst“

Die Zeitung sagte, die Äußerungen des für die (islamistische) Ennahda-Partei ins Parlament gewählten Basma Jbali, der forderte, dass Juden der Erwerb von Land auf der Insel Dscherba verboten werden solle, weil sie damit „aus Dscherba ein zweites Palästina“ machen wollen, hat viele Bedenken in der Gemeinde aufgeworfen.

Die Zeitung behauptet die Juden Tunesiens fürchteten, diese Äußerung werde zu antisemitischen Demonstrationen am 9. und 10. Mai aufpeitschen, während das Ritual der jährlichen Pilgerreise zur jüdischen Synagoge stattfindet, die auf der Insel im südlichen Tunesien steht.

Perez Trabelsi, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Dscherba, sagte der Zeitung Assarih, die Äußerungen von Basma Jbali würden wahrscheinlich innerhalb von Tagen der Pilgerreise zur Ghriba Ärger verursachen, da sie die Touristensaison beeinflussen, während die Menschen aller Religionen auf Dscherba sich anstrengen Touristen anzulocken.

Die tunesischen Juden, die jetzt „vor Angst zittern“, glauben, dass die Äußerungen des islamistischen Abgeordneten asma Jbali eine Gelegenheit für kleine Gruppen Radikaler bieten, um judenfeindliche Plakate zu schwenken während Hunderte Pilger auf die Insel Dscherba strömen.

Israel gibt Terrorwarnung aus (YNetNews):

Israels Antiterror-Büro (CTB) legte am Dienstag Nachdruck auf seine Empfehlung Tunesien nicht zu besuchen und erklärte, dass das Bedrohungslevel in dem Land derzeit auf Stufe 3 von 4 steht – was eine hohe Stufe, konkrete Bedrohung bedeutet.

Die Reisewarnung wurde angesichts von Absichten erteilt, dass während der Zeit des Lag Ba’Omer-Festes in dem Land Terroranschläge gegen israelische und jüdische Ziele verübt werden; das Fest wird Mittwoch und Donnerstag in der Stadt Dscherba stattfinden.

Haim Damari, Generaldirektor von Tunis Tours, sagte, das jährlich in der antiken Synagoge von Dscherba abgehaltene Fest gewöhnlich rund 40.000 Juden pro Jahr anzieht; die Tradition besagt, dass die Synagoge nach der Zerstörung des ersten Tempels im Jahr 586 v. Chr. von Juden im Exil gebaut wurde.

„Rund 1000 von ihnen [den 40.000 jüdischen Pilgern] sind Israelis, der Rest sind Einheimische, Juden libyscher Herkunft aus Italien und von der tunesischen jüdischen Gemeinde in Frankreich“, sagte Damari.

Nach seinen Angaben fand das Fest letztes Jahr „wegen der unfreundlichen Atmosphäre gegenüber den Juden im Land“ nicht statt. Damari plant viele solcher Touren ins Land und möchte die Tradition fortführen; er sagt, die Israelis würde auch dieses Jahr nicht kommen. „Juden von woanders werden ebenfalls nicht kommen, wie letztes Jahr; die einzigen Leute, die zum Lag Ba’Omer anwesend sein werden, werden wahrscheinlich nur von hier kommen“, sagte er.

Vor mehr als 10 Jahren wurden in der Synagoge auf Dscherba 21 Menschen von einem Selbstmord-Bomber ermordet, der sich mit einem mit Gas gefüllten Tankwagen sprengte.