Wo ist Palästina?

Jerold S. Auberbach, The American Thinker, 13. Mai 2012

Palästina, mit verschiedenen weiteren Namen bekannt als Kanaan, Judäa, Eretz Israel, Filastin und Syria Palaestina, ist lange eine veränderbare geografische Einheit gewesen. Es wurde von seinen aufeinander folgenden kanaanitischen, israelitischen, griechischen, römischen, mamelukkischen, ottomanischen und britischen Eroberern umbenannt, wurde aber für seine westlichen Besucher im 19. Jahrhundert das verehrte „Heilige Land“.

Der Erste Weltkrieg verwandelte das geografische Namensverzeichnis. Am 2. November 1917 gab der britische Außenminister Lord James Balfour seine berühmte Erklärung aus, die die Anerkennung seiner Regierung für „die Gründung einer nationalen Heimstatt für das jüdische Volk in Palästina“ verkündete. Aber wo war „Palästina“?

Nach gewalttätigen arabischen Unruhen 1920/1921 versuchte die britische Regierung die erbosten Gegner eines „jüdischen Palästina“ zu besänftigen. Winston Churchill, britischer Kolonialminister, gab Versicherungen ab, dass die Balfour-Erklärung nicht beabsichtigte, „dass Palästina als Ganzes in eine nationale jüdischen Heimstatt verwandelt, sondern dass eine solche Heimstatt in Palästina gegründet werden sollte“.

Wenn nicht in „Palästina als Ganzem“, wo dann? Das Völkerbund-Mandat für Palästina, das 1924 genehmigt wurde, bot widersprüchliche Antworten. Artikel 6 versichert „dichte Besiedlung durch Juden im Land“, das als Palästina definiert wurde. Doch Artikel 25 zog diese Zusage zurück. In verschlungener Sprache heißt es dort: „In den zwischen dem Jordan und der östlichen Grenze Palästinas, wie es letztlich bestimmt werden wird, liegenden Gebieten soll das Mandat eingerichtet werden, mit der Zustimmung des Völkerbundes, der die Anwendung von Bestimmungen des Mandats aufschieben oder zurückhalten kann, die er als bei den bestehenden lokalen Bedingungen für nicht anwendbar hält.“

Übersetzung: „Palästina“ wurde so umdefiniert, dass es nur das Land westlich des Jordan bedeutete, ungefähr ein Viertel von „Palästina als Ganzem“. Die verbleibenden drei Viertel wurden dem haschemitischen Schkeik Abdallah geschenkt, Sohn des Emirs von Mekka; er bekam das Land für seine Rolle bei der arabischen Revolte gegen die ottomanische Herrschaft während des Krieges. Sein Königreich sollte als Transjordanien bekannt werden.

Doch es gab für die Sache der Zionisten auch gute Nachrichten. Zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer genossen Juden das international garantierte Recht der „dichten Besiedlung“ – ohne geografische Unterscheidung zwischen der Küstenebene, die sich von Gaza nach Haifa erstreckte, der Bergrücken Judäas und Samarias oder dem Jordantal westlich des Flusses. Den Juden wurden keine Einschränkungen ihres Rechts auferlegt sich in ihren modernen Städten Tel Aviv und Haifa niederzulassen oder in ihren historischen Städten Hebron und Jerusalem – oder gar im Bereich von Gaza, wo die Juden Jahrhunderte lang gelebt hatten.

Obwohl der Völkerbund 1945 endete, nahmen die Vereinten Nationen in ihrer Charta den Schutz jüdischer Siedlungsrechte auf. Artikel 80, der von jüdischen Vertretern verfasst wurde und als „Palästina-Klausel“ bekannt ist, schützte ausdrücklich das Recht „aller Menschen“ unter den „Bedingungen bestehender internationaler Instrumente, zu denen Mitglieder der Vereinten Nationen die Parteien sein können“. Damit bestätigte er das Recht auf „dichte Besiedlung“ durch Juden im gesamten Land westlich des Jordan. Dieses Recht wurde nie außer Kraft gesetzt.

Eine Zeit lang bestätigten selbst prominente örtliche Araber „Palästina“ als zionistisches Territorium. In seiner Aussage vor der britischen Peel-Kommission 1937 versicherte ein syrischer Führer: „Eein Land Palästina gibt es nicht… Unser Land war Jahrhunderte lang Teil von Syrien.“ Palästinensische Araber identifizierten sich weiter mit Großsyrien und „dem größeren arabischen Volk“. Kurz nach der Geburt des Staates Israel gab der arabische Historiker Philip Hitti zu: „In der Geschichte gibt es so etwas wie Palästina nicht, absolut nicht.“ Ein Militärkommandeur der PLO gab in der Folge zu: „Es gibt keinen Unterschied zwischen Jordaniern, Palästinensern, Syrern und Libanesen. Wir sind alle Teil einer einzigen Nation.“

Ohne eine Geschichte, die sie ihre eigene nennen können, haben die Palästinenser unerbittlich die jüdische Geschichte geplündert, um den fehlenden Eigenanteil zu kompensieren. So kam es, dass die Kanaaniter zu ihren biblischen „Vorfahren“ wurden; der Tempelberg in Jerusalem, Ort der antiken jüdischen Tempel, ist ihre „dritt“-heiligste Stätte, nach Mekka und Medina; Me’arat haMachpelah, gebaut auf dem Ort der Gräber der jüdischen Patriarchen und Matriarchen in Hebron, ist eine Moschee; und ihre Gaza-Flottillen dem berühmten jüdischen Flüchtlingsschiff Exodus nachempfunden.

Wo genau könnte ein weiterer Palästinenserstaat entstehen? „Ein weiterer“, weil Jordanien, das zwei Drittel des Mandats Palästina bildet und eine mehrheitlich palästinensische Bevölkerung hat, bereits de facto ein Palästinenserstaat ist. Nach jeden Test der Geschichte oder Demografie ist Jordanien Palästina. Der Gazastreifen ist ein palästinensisches Hamas-Lehen, das sich der Vernichtung Israels verschrieben hat. Das macht zwei Palästinenserstaaten. Sollte irgendein Teil der Westbank je ein Palästinenserstaat werden, macht das dann drei. Das dürfte mindestens einer zu viel sein.

Die neu umgebaute Regierung Netanyahu, die die zentristische Kadima-Partei aufnahm, dabei aber auch Ehud Barak (der schonungslos die jüdischen Siedlungen untergräbt) als Verteidigungsminister behielt, wird palästinensischen Ansprüchen auf jüdisches Land eher nicht fest entgegen stehen. Netanyahus ausdrückliche Hoffnung nach einem „verantwortlichen Friedensprozess“ bedeutet unausweichlich israelische Zugeständnisse. Endlich vom Schatten seines unerschütterlich rechts stehenden Vaters Benzion Netanyahu, der vor zwei Wochen im Alter von 102 Jahren starb, wird der Premierminister wahrscheinlich ein noch weiteres „Palästina“ willkommen heißen – diesmal im biblischen Kernland des jüdischen Volkes.