Die islamische Kulturrevolution

Giulio Meotti, FrontPageMag, 24. Mai 2012

Maos Kulturrevolution war eines der dunkelsten Kapitel des 20. Jahrhunderts: kommunistische Zeloten, die als „die Roten Garden“ bekannt waren, klebten Revolutionsbotschaften an buddhistische Statuen; siebzehn Professoren des Musikkonservatoriums von Shanghai begingen Selbstmord; Intellektuelle wurden in öffentlichen Gerichtsverfahren gequält, in denen sie ihre „Sünden“ bekennen mussten, während sie auf behelfsmäßigen Podien knien mussten; Tausende Kirchen, Tempel und Klöster wurden niedergerissen; antike Bibliotheken gingen in Rauch auf; kaiserliche Keramiken wurden verschlagen und religiöse Reliquien eingeschmolzen. Millionen Menschen wurden getötet.

Im Nahen Osten findet derzeit eine neue Kulturrevolution statt; dort löschen die Roten Garden des Islam das nicht muslimische Erbe aus. Maos Garden ließen sich vom „Roten Buch“ inspirieren, die islamischen Zeloten haben den Koran. Ihre Ziele sind jüdische Heiligtümer, christliche Kirchen, antike Denkmäler und kulturelle Meisterstücke.

Vor einigen Tagen zerstörten Islamisten in Timbuktu (Mali) das Grab des Sufi-Heiligen Sidi Mahmud Ben Amar. Timbuktu ist als „die Stadt der 333 Heiligen“ bekannt, die von der UNESCO als Weltkulturerbe klassifiziert wurde. Der Sufismus ist eine mystische Form des Islam, aber Extremisten glauben sufistische Heiligtümer seien „frevelhaft“. Die UNO-Kulturorganisation erhob ihre Stimme nicht gegen diesen islamischen Bildersturm.

Vor ein paar Wochen gab Abdulaziz ibn Abdullah Al al-Scheik, der Großmufti des Königreichs Saudi-Arabien, eine Religions-Fatwa aus, in der es heißt, es ist „notwendig, alle Kirchen auf der arabischen Halbinsel zu zerstören“. Der wichtigste Kleriker des Landes, in dem der Islam geboren wurde, forderte die Zerstörung von Kirchen, ohne dass seine Entscheidung irgendeine weltweite Verurteilung erfuhr.

Während Juden wieder aus Libyen hinausgeworfen wurden, nachdem sie versuchten die uralte Synagoge von Tripolis wiederherzustellen, planen die Ägypter Israelis davon abzuhalten die Pilgerfahrt zum Grab eines jüdischen Heiligen, Yaakov Abuhatzeira, zu machen.

Ein islamischer Mob zerstörte das von Napoleon gegründete Institut d’Égypte in Kairo, in dem 192.000 Bücher und Dokumente aufbewahrt wurden, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichten. Jetzt ist es verloren. Napoleons legendäre „Description de l’Égypte“ ist ebenfalls verloren (1822 nutzte Jean-François Champollion dieses Dokument, um das Geheimnis der Hieroglyphen zu aufzudecken). Wieder schwieg die UNESCO. So, wie sie schwieg, als der ehemalige ägyptische Kulturminister Faruk Hosni sagte, er würde „israelische Bücher in ägyptischen Bibliotheken verbrennen“.

Wie in Maos China versuchen islamische Salafisten antike Statuen zu verbieten, mit denen Ägypten gesprenkelt ist und schlagen vor, dass die heidnischen Schätze „mit Wachs überzogen werden können“. Die Sirenen, die den Brunnen des Zeus in Alexandria verzieren, wurden von der Salafisten-Partei bereits für „unangebracht“ erklärt; sie entschied, sie komplett mit einem Tuch zu „verschleiern“. Salafisten-Führer terrorisieren auch bereits liberale Intellektuelle, indem sie fordern die Romane von Nagui Mahfouz zu verbieten, dem einzigen arabischen Literatur-Nobelpreisträger, der „Ägyptens Balzac“ genannt wurde; sie sagen, seine Werke „ermutigen dazu Alkohol zu trinken und Drogen zu nehmen“. Mahfouz‘ Roman „Awlad Haretna“ wurde als „atheistisch“ bezeichnet. Die Islamisten wollen außerdem das größte Meisterwerk orientalischer Literatur, „Tausendundeine Nacht“, verbieten, weil dieses „Sittenlosigkeit“ und „beleidigend für das öffentliche Wohl“ sei.

In Israel löschen palästinensische Muslime jede jüdische Spur auf dem Tempelberg aus, dem heiligsten Ort des Judentums. 2005 steckten Tausende Araber die Synagogen im Gush Katif-Block im Gazastreifen in Brand. Es war eine Orgie des Hasses, wie die der Roten Garden. Vor zwölf Jahren zerstörten Araber das Josephgrab, die viertheiligste Stätte des Judentums, indem sie den Steinbau zerschlugen und Stein für Stein auseinanderrissen, wie es die Roten Garden mit den taoistischen Tempeln machten. Der Brandanschlag auf die Shalom al-Yisrael-Synagoge in Jericho und das fortgesetzte Gewehrfeuer auf das Rahelgrab in Bethlehem sind zwei weitere Beispiele, die zum israelisch-palästinensischen Konflikt einfallen.

Die Kulturrevolution des Iran begann, als die Taliban die beiden wundervollen Buddhas im afghanischen Bamiyan zerstörten. Das war ein Wendepunkt hin zu einer Protonazi-Ideologie, die auf die physische Auslöschung ihrer Feinde und deren religiöser Symbole aus ist. Wie Maos Rote Garden das kaiserlich-chinesische Erbe vernichtete, so wollen die Roten Garden des Islam alle nicht muslimischen Spuren im Nahen Osten beseitigen. Es ist eine koranische Inquisition.

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