Der Fluch des falschen Friedens

Prof. Abraham Sion, Israel Hayom, 2. April 2012

Achtzehneinhalb Jahre sind seit der Unterzeichnung der Oslo-Vereinbarungen vergangen, die einigen als „zuerst Gaza und Jericho“ bekannt sind (weil damit ein israelischer Abzug aus diesen Gebieten als erster Stufe gefordert wurde). Der israelisch-palästinensische Konflikt ist immer noch die wichtigste Frage, der sich Israel in den kommenden Jahrzehnten stellen muss.

Richtig, die Atomarisierung des Iran ist die unmittelbare Gefahr, die die israelische Führung beherrscht, aber die palästinensische Bedrohung ist langfristig die wirklich existenzielle Bedrohung. Jetzt sind die Kinder, die 1993 geboren wurden, als die Oslo-Vereinbarungen unterzeichnet wurden, 18 Jahre alt; da mag es sich lohnen noch einmal zu untersuchen, wie nützlich – oder nachteilig – die verschiedenen Friedensabkommen im Verlauf der Jahre für Israel gewesen sind.

Zuerst einmal hat Israel unter diesen Friedens-Deals Stätten preisgegeben, die für unser Erbe wichtig sind, historisch heilige jüdische Stätten. Erinnern wir uns daran, dass die Juden sich während 2.000 Jahren Exil nicht nach Tel Aviv oder Netanya sehnten, sondern nach Jerusalem, Hebron und Bethlehem, genau die Gebiete, die Israel den Palästinensern auf einem Silbertablett übergaben.

Zweitens gewann im Gefolge dieser Friedensvereinbarungen eine palästinensische Terrororganisation internationale Legitimität. Der PLO-Vorsitzende Yassir Arafat, der bis dahin besondere Genehmigung brauchte, um vor der UNO zu reden und wurde unmittelbar danach nach Hause geschafft wurde, begann auf einmal bei der UNO und in den Hauptstädten der Welt aufzutauchen, flankiert von einer Ehrengarde.

Drittens wurde die David-gegen-Goliath-Machtbalance umgekehrt. Israel war nicht länger in der Rolle des David – das ist jetzt die Rolle der Palästinenser. Aus Israel wurde der missbrauchende Goliath gemacht, der ein kleines, hilfloses Volk unterdrückt. Dieses David-Image, das einst Israel charakterisierte und den Juden Mitgefühl überall auf dem Globus einbrachte, insbesondere in Zeiten der Gefahr, war jetzt verschwunden. Seitdem sind die Palästinenser diejenigen gewesen, die weltweite Unterstützung genießen, obwohl sie Teil einer großen arabischen Welt sind und obwohl sie Terror betreiben.

In der Wahrnehmung der Welt wurde Israel zu einem kolonialistischen Gebilde. Wir waren nicht mehr das lange leidende Volk, das nach 2.000 Jahren Exil in unser Land zurückkehrte, sondern ein Besatzer, der arabische Häuser stahl. Den Palästinensern wurde jedoch nicht nur Legitimität gewährt, sondern auch die Gebiete, die Presseorgane und die Waffen.

Sie nutzten das in vollem Ausmaß aus. Sie trainierten Terroristen und nutzten ihre Radio- und Fernsehkanäle, um zu Feindseligkeit und bewaffnetem Kampf aufzuhetzen. Die Verlegung des PLO-Hauptquartiers von Tunis in die Westbank, die den Oslo-Vereinbarungen folgte, setzte das palästinensische Streben nach dem Rückkehrrecht in Gang. Zehntausende Palästinenser kehrten auf diese Weise legal zurück.

Als es die Friedensvereinbarungen erst einmal unterschrieben hatte, stellte Israel seine öffentlichen diplomatischen Bemühungen ein. Die Autoren der Friedensvereinbarungen glaubten, um die Araber zu beschwichtigen müsse Israel die palästinensische Aggression ohne Reaktion akzeptieren. Die Araber hatten jedoch tausende Beschwerden. Sie griffen Israel an. Die Vertreter Israel stammelten herum, manchmal rechtfertigten sie die Palästinenser sogar. Die Palästinenser ihrerseits gaben im Gegenzug nichts für alles, was sie bekamen. Aber sie hörten nie auf sich zu beschweren.

Diese Anschuldigungen begannen in die jüdischen Sektor zu sickern, teilweise, weil Israel mit Organisationen gesegnet ist, die sich selbst als Menschenrechtsorganisationen bezeichnen; das lehrte die Palästinenser das eine oder andere darüber, wie man auf Israel Druck ausüben kann; die Gruppen halfen den Terroristen, indem sie Israels Namen in internationalen Foren in den Dreck zogen.

Das führte schließlich zum sozialen Phänomen, dass israelische Soldaten es ablehnten in den Palästinensergebieten zu dienen, zu Boykotten von in den Palästinensergebieten hergestellten israelischen Produkten, akademischen Boykotten Israels und dass Israel allgemein zu einem Pariastaat wurde.

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2 Gedanken zu “Der Fluch des falschen Friedens

  1. Wer waren denn auf der israelischen Seite die Verhandler, die diesen Vertrag ausgehandelt und unterschrieben haben? Versager kann man nur sagen. Man macht doch keine Verträge mit Leuten, die man mit viel Mühe weit weg untergebracht hat. Israel hatte doch Ansprechpartner in den besetzten Gebieten (diverse arabische Bürgermeister u.ä.). Was sollte das überhaupt?

    Ich habe 1971 – an der Hand meiner Mutter – einen Spaziergang durch Nablus gemacht. In diesem Stadt kommt man heute nur mit einem israelischen Pamzerregiment. Damals hatten wir einen einzigen zivilen Israeli dabei mit dem wir vorher einige palarabische Weinbauern besucht hatten. War toll.
    Mein ganzes Leben werden ich mich an die fürchterlichen Bauchschmerzen erinnern, die ich in Nablus mir geholt habe. Der Nachtisch in dem arabischen Restaurant (wir waren die einzigen Nichtaraber) war so gut, daß ich viel zu viel davon gegessen hatte. Der Wirt hatte mir davon so viel gegeben wie ich wollte….

    Warum wird in Israel nicht darüber diskutiert, Oslo zu kündigen und die Verbrecher nach Tunis zurückzuschicken (oder nach Damaskus)?

    Allein die Diskussion wäre heilsam.

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