Das IOC ist eine einzige Schande – ein wenig aufgefangen durch andere

Offizielles Gedenken an die Opfer des Anschlags von München – für das IOC keinesfalls bei der Eröffnungsfeier. Eigentlich gar nicht, aber der Druck wurde so groß, dass jetzt eine Reihe Alibiveranstaltungen aus der Erde gestampft werden (s. Ende des Artikels von Ron Friedman). Es blieb an einfachen Menschen, eine Erinnerung zu gestalten, die tatsächlich etwas Würde hatte, wie z.B. einem EasyJet-Piloten (s. 2. Text)

Sportministerin steht während Olympia-Eröffnungsfeier schweigend auf

Limor Livnats Tribut an die ermordeten Athleten von München während der Rede des IOC-Präsidenten nicht im offiziellen olympischen TV-Feed; israelisches Fernsehen zeigt Bild nach Ende der Zeremonie

Ron Friedman, Times of Israel, 28. Juli 2012

Ministerin Livnat Limor steht zum Gedenken an die Ermordeten israelischen Athleten von München 1972 – alleine im VIP-Bereich (Screenshot von Channel 1-Berichterstattung)

Sport- und Kulturministerin Limor Livnat stand während der Eröffnungsfeier der Olympiade 2012 in London bei Rede des IOC-Präsidenten Jacques Rogge am Freitagabend schweigend im VIP-Bereich. Sie gedachte der 11 israelischen Olympia-Mannschaftsmitglieder, die von palästinensischen Terroristen während der Spiele von München 1972 ermordet wurden und protestierte gegen die Weigerung des IOC einen Augenblick der Stille während der Zeremonie abzuhalten.

Livnat, die in einer besonderen Loge für Ehrengäste saß, entschied sich den stillen Akt in Szene zu setzen, nachdem Rogge auf einer Pressekonferenz klarstellte, dass das IOC bei seiner Haltung gegen die Abhaltung einer Schweigeminute während der Feier steht.

Das Bild, wie sie stand, wurde nicht im offiziellen Olympia-Fernsehfeed ausgestrahlt. Es wurde im israelischen Fernsehen erst nach Abschluss der Feier gezeigt.

Die Sportnachrichten-Internetseite Sport5 berichtete Freitag, dass das Außenministerium versuchte Minister anderer Länder zu überzeugen sich Livnat bei ihrer Protestaktion anzuschließen. Israel, die USA, Kanada, Australien, Deutschland und zahlreiche andere Länder drängten das IOC der Opfer des Massakers von München 1972 während der Eröffnungsfeier zu gedenken, wurden aber von Rogge abgewiesen.

Auch andere waren gebeten worden während Rogges Rede schweigend zu stehen; dafür waren in den letzten Wochen Witwen der ermordeten israelischen Athleten und Trainer eingetreten. „Wenn ihr glaubt, dass die 11 ermordeten Athleten erwähnt werden müssen, dann steht ein spontane Minute auf, wenn der IOC-Präsident zu reden beginnt“, drängte Ilana Romano, Ehefrau von Yossef Romano, einem Gewichtheber, der beim Anschlag 1972 ermordet wurde. Die Medien, sagte sie, würden der Führung von BBC-Sportkommentator Bob Costas folgen, der versprochen hatte seine eigene Schweigeminute abzuhalten. „Stellt eure Mikrofone für eine Gedenkminute für unsere Lieben und zur Verurteilung des Terrorismus ab“, sagte sie.

Das israelische Fernsehen ließ seine Kommentatoren für 30 Sekunden schweigen, als die israelischen Athleten das Stadium betraten und zeigte eine Fotokollage der elf Opfer von München.

Eine Petition, die das IOC aufforderte während der Eröffnungsfeier am Freitag eine Schweigeminute zum Gedenken an den Anschlag vor 40 Jahren einzulegen, wurde von 105.000 Menschen aus mehr als 100 Ländern unterschrieben und durch den amerikanischen Präsidenten Barack Obama unterstützt.

Mehr als 20.000 Menschen in verschiedenen Veranstaltungsorten in London nahmen früher am Freitag am Programm „Eine Minute für München“ der British Zionist Federation teil, für das über soziale Medien geworben wurde. Rund 200 Personen begingen die Minute für München am Trafalgar Square; dort rezitierten sie Gedenkgebete und zündeten Gedenkkerzen an. Hinterher schwenkten sie britische und israelische Flaggen vor den Medien, die der Veranstaltung beiwohnten.

Harvey Rose, Vorsitzender der British Zionist Federation, kritisierte das Internationale Olympische Komitee am Freitag scharf, weil dieses die Gedenkminute bei der Eröffnungszeremonie am Freitag ablehnte. Während einer Gedenkveranstaltung für die ermordeten Athleten, die in der israelischen Botschaft in London stattfand, beschuldigte Rose das IOC einseitig antiisraelisch zu sein; er sagte, er sei „absolut überzeugt, dass, wären die Athleten irgendeines anderen Landes abgeschlachtet worden, wie es mit den israelischen Athleten gemacht wurde, dann würde eine Schweigeminute gehalten werden“.

„Schande über das IOC für seine klar antiisraelische Einseitigkeit. Schande über das IOC, dass es nicht würdig, worum es bei den Olympischen Spielen geht“, fügte er hinzu.

Israels Botschafter im Vereinten Königreich, Daniel Taub, sagte, der Mord an den israelischen Mannschaftsmitgliedern war „der dunkelste Moment der olympischen Geschichte“ und nannte ich „eine Tragödie für Israel und für das jüdische Volk. … Weniger als drei Jahrzehnte nach der Schoah erlebten wir die Ermordung von Juden als Juden auf deutschem Boden. Das ist eine Tragödie, der wir gedenken müssen, insbesondere in einer Woche, in der wir Terror gegen Israel wieder zuschlagen sehen, wie wir es in Bulgarien erlebten.“ Taub nannte den Anschlag von München einen Angriff auf die olympischen Werte und sagte, Gedenken sei unverzichtbar, um der Welt zu zeigen, dass diese Werte immer noch eine Rolle spielen.

Rogge sagte am Freitag, das IOC sei von keiner Regierung unter Druck gesetzt worden eine Schweigeminute einzuhalten. „Es hat von Seiten keines Staates auch nur irgendwelchen Druck gegeben“, sagte Rogge. „Das IOC hat immer die Erinnerung an die Opfer von München ’72 anerkannt.“

Rogge leitete am Montag eine Schweigeminute für die Opfer im Olympischen Dorf, wird an einer privaten Feier in London während der Spiele teilnehmen und an einer Gedenkveranstaltung zum vierzigsten Jahrestag am 5. September am Flughafen München teilnehmen, wo die meisten der Israelis starben. „Wir haben immer gedacht und werden weiter die getöteten Athleten immer in Erinnerung bringen“, sagte er.

Kol Hakavod, EasyJet

Barry Shaw, Facebook, 28.07.202

Auf dem Flug von Luton (England) nach Tel Aviv nahm der Pilot das Mikrofon und informierte die Passagiere, dass die Crew eine Schweigeminute einhalten würde, während sie über München flogen; er lud die Passagiere ein, sich des Gedenkens an die israelischen Sportler anzuschließen, die dort bei den Olympischen Spielen vor 40 Jahren ermordet wurden.