Demo in Köln: „Hände weg von unseren jüdischen Freunden“

Vor dem Kölner Hauptbahnhof

Vor dem Kölner Haupbahnhof

Am Samstag fand in Köln eine Solidaritätskundgebung für die Juden in Deutschland statt. Anlass war der antisemitische Überfall auf einen Berliner Rabbiner und Angriffe gegen jüdische Schülerinnen, wie das von der Veranstalterin angefertigte Plakat bekundete.

Solidaritätsschild der Veranstalterin

Etwas über 70 Personen fanden sich vor dem Kölner Hauptbahnhof ein, darunter 15 Vertreter der Initiative „Never Again“ aus Siegen, die auch eine Reihe Schilder mitbrachten, mit denen die Menschen an der Wegstrecke klarer auf das Anliegen des „Spaziergangs“ aufmerksam gemacht wurden.

Die Gruppe zog kurz nach 16 Uhr gemütlich am Bahnhof los. Es ging durch das Bergische Viertel. Unterwegs wurde am Stadtmuseum noch einmal angehalten, um auf Nachzügler zu warten, deren Zug Verspätung gehabt hatte. Der Gang führte bis zur Kölner Synagoge in der Roonstraße, wo die Veranstaltung beendet wurde. Einige der Teilnehmer blieben noch ein wenig zusammen, um sich zu unterhalten und Kontakte zu pflegen.

Neben der Polizei begleitete auch eine Journalistin mit Kamera den Zug, die für den WDR arbeitet. So war dann in der Lokalzeit Köln auch ein Kurzbeitrag (ca. 20 Sekunden, erster Beitrag in „Kompakt“) über die Demonstration zu sehen, leider wieder einmal mit falschen Zahlen („50 Bürger“) und unvollständigen Angaben zu Motivation und Einzelheiten.

Auch der Kölner Stadt-Anzeiger brachte online eine kurze Meldung, in der die Teilnehmerzahl schon auf 60 Personen wuchs. Erst im zweiten Anlauf schaffte es die Zeitung ein Bild von der tatsächlichen Veranstaltung einzubinden (vorher war ein unscharfes Bild von irgendwo anders mit einem Kippa tragenden Kopf eingestellt worden).

Für die relative Kürze der Ankündigung und des Aufrufs zur Teilnahme (die meisten hatten erst in der Woche davon erfahren) und angesichts der Tatsache, dass eine einzelne Person die Sache auf die Beine stellte, war die Teilnehmerzahl eigentlich recht hoch und muss als Erfolg gewertet werden. Passanten am Straßenrand zeigten sich teilweise überrascht, wurden neugierig und es scheint sich der eine oder andere dem Zug spontan angeschlossen zu haben.

Dennoch würde man sich wünschen, dass zu solchen Märschen mehr israelsolidarische Menschen erscheinen würden. Im Gespräch unterwegs und nach Ende des Gangs zeigten sich einige Teilnehmer enttäuscht, dass ihr Werben unter Israelfreunden so wenig aktive Teilnahmebereitschaft zu finden war – wobei nicht die quasi „spontane Ansetzung“ der Veranstaltung als Entschuldigung angeführt wurde.

Trotz des Sabbat waren auch einige Juden gekommen. Sie hatten zum Teil, um den Sabbat nicht zu verletzen, lange Fußwege in Kauf genommen, um zum Bahnhof zu kommen (einer wohnt z.B. in Köln-Niehl, weit im Norden der Stadt). Diese jüdischen Teilnehmer wurden in der Berichterstattung nicht als solche registriert; in einem ausführlicheren Bericht heißt es z.B.: „Nichtjüdische Teilnehmer sollten für sich überlegen, ob auf die Kippa als Symbol der religiösen Juden verzichtet wird, hieß es im Vorfeld. Dennoch trugen viele der männlichen Spaziergangsteilnehmer die traditionelle Kopfbedeckung der Juden.“

Besonders erfreulich war, dass trotz boshafter Ankündigungen mit teilweise brutal antisemitischen Inhalten die entsprechenden linksextremen Störer von der Antifa nicht erschienen und der Gang friedlich und ungestört verlief. Es gab nicht einmal erkennbare Unmutsäußerungen von Verkehrsteilnehmern, die vor den abgesperrten Kreuzungen warten oder – wie am Stadtmuseum – hinter den Teilnehmern herzuckeln mussten. Die Atmosphäre war insgesamt positiv, man freute sich seine Solidarität mit den Juden zeigen und andere aufmerksam machen zu können.

Und ein Teilnehmer hatte noch einen Umwelt-Tipp: Man könnte doch reichlich Sprit sparen, wenn man den vorne fahrenden Streifenwagen schieben würde. (Natürlich die Demonstranten, nicht die Polizisten.)

Köln, 8. September 2012

4 Gedanken zu “Demo in Köln: „Hände weg von unseren jüdischen Freunden“

  1. Mehr Polizei als Demonstranten. Wer bezahlt diese Einsätze, genau, die Allgemeinheit, nur nicht die Kostenverursacher.

    • Der Troll kann weder zählen noch ist er für Demokratie:
      – 6 oder 7 Polizisten bei 80 Demonstranten (die Einsatzstärke richtet sich auch nach der angemeldeten Teilnehmerzahl).
      – Die „Kostenverursacher“ zahlen nach Meinung des Huhns offenbar keine Steuern und haben daher nicht das Recht demokraische Rechte wahrzunehmen.
      Herzlichen Glückwunsch, Deutschland!
      (PS: Wenn das Hühnchen nicht in Nordrhein-Westfalen lebt, sollte es bei Demonstrationen in seinem Bundesland anfangen zu motzen. Am besten bei solchen wo islamische Hetzer oder Linksfaschos agieren.)

  2. Desweiteren möchte ich nur kurz anmerken, dass jene angesprochenen Kostenverursacher nicht diese sind, die der verehrte Georg Huhn als diese ansieht, sondern, eher diese, die mit Israel im allgemeinen und den Juden im speziellen nicht nur ein kleines Problem haben.

    Samuel

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