Jeden Tag eine Mohammed-Karikatur

Von Daniel Pipes, FoxNews, 21. September 2012

Als Salman Rushdie 1989 in seinem magisch-realistischen Roman Die Satanischen Verse islamische Heiligkeiten verspottete, machte Ayatollah Khomeini etwas schockierend Urtypisches: Er verkündete einen Todeserlass gegen Rushdie und alle, die mit der Herstellung des Buches in Zusammenhang standen. Damit strebte Khomeini an dem Westen islamische Gebräuche und Gesetze aufzuzwingen; er sagte quasi: Wir beleidigen den Propheten nicht und ihr könnt das auch nicht.

Das war der Beginn eines Trends diejenigen im Westen zu verurteilen, die für antiislamisch gehalten wurden; dieser besteht bis heute weiter. Immer und immer wieder, wenn Westler als Mohammed, den Koran oder den Islam verunglimpfend wahrgenommen werden, demonstrieren, randalieren und töten Islamisten.

Khomeinis Erlass hatte zudem den unerwarteten Nebeneffekt, Einzelpersonen – Westler wie Islamisten – Macht zu verleihen die Politik ihrer Länder zu steuern.

Im Westen schuf der Chefredakteur Fleming Rose die größte Krise Dänemarks seit dem Zweiten Weltkrieg, als er zwölf Mohammed-Karikaturen veröffentlichte. Pastor Terry Jones aus Florida verursachte bei amerikanischen Kommandeuren in Afghanistan Panik, indem er drohte einen Koran zu verbrennen. Nakoula Basseley Nakoula und Freunde verursachten mit einem amateurhaften Video namens Innocence of Muslims (Die Unschuld der Muslime) eine Krise der Beziehungen zwischen den USA und Ägypten. Durch die Veröffentlichung vulgärer Bilder von Mohammed, veranlasste die französische Wochenzeitschrift Charlie Hebdo die französische Regierung ihre diplomatischen Vertretungen in zwanzig Ländern zeitweise zu schließen. Pläne des deutschen Satiremagazins Titanic Angriffe gegen Mohammed zu veröffentlichen, haben gleichermaßen dafür gesorgt, dass deutsche Vertretungen geschlossen wurden.

Bei den Islamisten nahmen eine Einzelperson oder eine Gruppe die angenommenen Beleidigungen und verwandten sie als Grund für Randale. Khomeini machte das mit den Satanischen Versen, Ahmad Abu Laban machte das ähnlich mit den dänischen Karikaturen. Hamid Karzai stachelte die Afghanen wegen von amerikanischen Soldaten verbrannten Koranen zu Krawallen an und der ägyptische Prediger Khaled Abdullah machte aus Innocence of Muslims ein internationales Ereignis.

Kurz gefasst: Jeder Westler kann für einen Dollar einen Koran kaufen und ihn verbrennen und jeder Muslim mit einem Podium kann diese Handlung in eine zu bekämpfende Beleidigung drehen. Während die Leidenschaften auf beiden Seiten der Kluft zwischen demokratisiertem Westen und Muslimen zunehmen, haben westliche Provokateure und islamistische Hitzköpfe einander gefunden und Konfrontationen treten mit zunehmender Regelmäßigkeit auf.

Was die Frage veranlasst: Was würde geschehen, wenn Verleger und Manager der wichtigen Medien sich auf diesen Konsens einigten: „Es reicht mit dieser Einschüchterung, wir werden die berühmtesten dänischen Mohammed-Karikaturen jeden Tag veröffentlichen, bis die Islamisten erschöpft sind und nicht länger randalieren.“ Was würde geschehen, wenn regelmäßig Vorfälle mit Koranverbrennungen aufträten?

Würde die Wiederholung eine Institutionalisierung anregen, immer weitere empörte Reaktionen hervorrufen und für die Islamisten ein Vehikel bieten, größere Macht zu gewinnen? Oder würde es zu einer Routinisierung führen, zu Abnutzungserscheinungen bei den Islamisten und einer Einsicht, dass Gewalt für ihre Sache kontraproduktiv ist?

Ich sage Letzteres voraus; wenn jeden Tag eine Mohammed-Karikatur veröffentlicht wird, wenn Koranschändungen quasi auf regelmäßiger Basis stattfinden, wird das den Islamisten erschweren muslimische Mobs zu mobilisieren. Wäre das der Fall, könnten Westler einmal mehr mit dem Islam so umgehen, wie sie das mit anderen Religionen tun – frei, ohne Angst Kritik zu üben. Das würde den Islamisten demonstrieren, das Westler nicht kapitulieren werden, dass sie das islamische Recht ablehnen, dass sie bereit sind für ihre Werte einzustehen.

Das ist also mein Appell an alle westlichen Redaktionschefs und Sendeleiter: Zeigen Sie jeden Tag eine Mohammed-Karikatur, bis die Islamisten sich an die Tatsache gewöhnt haben, dass aus heiligen Kühen Hamburger gemacht werden.

Daniel Pipes (www.DanielPipes.org) ist Präsident des Middle East Forum
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Ein Gedanke zu “Jeden Tag eine Mohammed-Karikatur

  1. Also ein Aspekt geht mir wirklich schwer auf die Nerven:
    In jedem Kommentar, ausnahmslos jedem, wird betont, daß der Mohammedfilm entweder schändlich, schmähend oder zumindest schlecht gemacht sei. D.h. jeder Autor nimmt schon mal vorsorglich eine gewisse Distanz ein.
    Das gleiche gilt offenbar auch für die Mohammedkarikaturen; die von Charlie Hebdo veröffentlichten Bilder seien vulgär, schreibt Daniel Pipes.
    .
    Liebe Leute, was den Film betrifft, so wurde er nicht gedreht um den anspruchsvollen Kinofreund (lol!) zu beglücken, sondern um den ,edlen Propheten‘ als das darzustellen, was er in Wahrheit auch war:
    Nämlich ein blutrünstiges, mordendes Monster. Das elegante dabei ist, daß dieser Blockbuster per se gar nicht schmähend sein kann, weil er sich strikt an die historischen Tatsachen bzw. an das von den Moslems akzeptierte und verbreitete Narrativ hält. Unsere muslimischen Freunde regen sich auch nicht über den Inhalt auf (im Gegenteil, sie sind doch stolz auf die Taten des Propheten), sondern nur darüber, daß ihr Liebling filmisch dargestellt wurde.
    Wenn wir jetzt von Schmähung reden, dann übernehmen wir damit die Bestimmungen der Scharia und akzeptieren das Abbildungsverbot des Islams. Das ist ein erster bzw. ein weiterer Schritt der freiwilligen Unterwerfung und des Dhimmitums.
    Ich persönlich zumindest halte das für vollkommen beknackt und feige. Das ist eine Form vorauseilenden Gehorsams.
    .
    Was die angeblich vulgären Karikaturen anbetrifft, so sind diese ausnahmslos und allesamt harmlos und brav gemessen am Objekt!
    Nur zur Erinnerung für alle die, denen die Karikaturen zu harsch, zu geschmacklos sind; so dürfe man einen Religionsführer nun aber wirklich nicht darstellen:
    – Der edle Prophet ehelichte als 54jähriger ein sechsjähriges Kind und ,vollzog‘ die Ehe, als sie acht oder neun war. (Offiziell…)
    – Der edle Prophet lies abertausende Kritiker köpfen und zu Tode foltern.
    – Der edle Prophet nahm Frauen als Beute und ermunterte seine Getreuen es ihm nachzutun.
    – Der edle Prophet rottete tausende Juden aus und köpfte über 900 von ihnen eigenhändig
    Und, und, und.
    So, liebe Leute, und diesen Herren mit einer Bombe als Turban oder mit nacktem Popöchen darzustellen – das soll vulgär oder schmähend sein?? Fragt mal einen der über 270 Millionen Toten, was die so darüber denken. Jedes Jahr kommen rund 100.000 Christen dazu, die aufgrund seiner ,Religion‘ getötet werden. Ganz zu schweigen von den abertausenden Muslimen, die bei den innerreligiösen Auseinandersetzungen ums Leben kommen!
    .
    Deswegen, spart Euch die Wertungen zu Film oder Bildern. Sie sind vollkommen überflüssig, denn egal ob Ihr darüber empört seid oder sie gutheißt – in den Augen der radikalen Moslems sind wir alle Ungläubige und somit genauso verdammenswert. Es interessiert sie nicht welche Meinung wir dazu haben.
    Und was die ,gemäßigten‘ Anhänger dieser liebevollen Friedensreligion anbetrifft, so ist es denen offensichtlich ebenfalls egal. Sie warten einfach ab was passiert. Denn abgesehen von einer handvoll verfolgter Kritiker, die mit dem Tode bedroht werden (z.B. Salman Rushdie, Ayaan Hirsi Ali), ist die Mehrheit der 1,6 Milliarden unverschämt still. Zumindest habe ich bisher von keinerlei Reformationsbestrebungen gehört, mir fällt auch kein kritischer anonymer Blog oder dergleichen ein.
    [Ok, ich tue hier sicher nicht wenigen Leuten unrecht! Ich denke da an die Oppositionellen im Iran, an bestimmte Leute in Saudi Arabien – aber wo bleiben bitte die europäischen Stimmen? 50 Millionen Muslime Europas bringen es nicht zustande wenigtsens ein Manifest oder ähnliches zustande zu bringen]
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    Film- oder Stilkritik zu üben ist bei dieser Sache genauso fehl am Platz und Übersprungshandlung, wie das Picken des armen Huhns bei Gefahr. Heben wir uns diese lieber für die Tatortfilme auf, die, nebenbei gesagt, ich größtenteils für todlangweilig und schlecht halte.
    Dies ist aber bitterer Ernst und hier hingegen sollten wir alle gemeinsam eng zusammenstehen und dieser ,Religion‘ sagen: „Liebe Leute, rauft euch zusammen und laßt uns in Ruhe mit eurem gefährlichen und menschenverachtenden Wahnsinn. Wir lassen uns durch diese Barberei das Leben nicht vermiesen und unsere Freiheit nicht nehmen! Kommt zurück, wenn ihr das kapiert habt. Und wir helfen euch auch gerne, denn wir sind einst selber einen ähnlichen Weg gegangen.“

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