Zusammenprall der Kulturen, Krawalle, Juden und Israel

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Es ist irrig den Mord an amerikanischen Diplomaten in Libyen und die antiwestlichen Krawalle in der arabischen Welt nur als ausschließlich aktuelle Ereignisse zu analysieren. Aus strategischer Perspektive sind sie Teil eines riesigen Zusammenpralls der Kulturen zwischen dem Westen und großen Teilen der islamischen Welt. Es ist unwahrscheinlich, dass die derzeitigen antiamerikanischen Unruhen in Zukunft ein wichtiges Element geschichtlicher Aufzeichnungen dieses Konflikts sein werden.

Gewalttätige Komponenten dieser Konfrontation sind in der Welt der Periode nach dem Zweiten Weltkrieg seit mehr als 30 Jahren vorhanden. Man könnte ihren „offiziellen“ Beginn 1979 ansetzen, als die Iraner die Beschäftigten der amerikanischen Botschaft in Teheran als Geiseln nahmen. Dem folgten das Abbrennen amerikanischer Botschaften in Pakistan1 und Libyen.2

Die Entwicklung dieses kulturellen Zusammenpralls ist schwierig zu analysieren, weil viele Komponenten mit anderen Themen verwoben sind. Der Krieg der Alliierten in Afghanistan ist hauptsächlich einer gegen radikale Elemente in der islamischen Welt. Der Krieg im Irak war das weit weniger. Während des ersten Golfkriegs kam die amerikanische Armee, um die muslimischen Länder vor dem Angriff des Irak zu retten. Die Vielzahl zwischenmuslimischer Tötungen ist kein Teil dieses Zusammenpralls der Kulturen.

Andere gewalttätige Komponenten der Konfrontation der Kulturen sind Angriffe auf westliche Ziele durch muslimische Terroristen. Sie sind weniger todbringend als Kriege, aber in ihrem Wesen eindeutig. Die Terroristen des 9/11 wie auch die Täter der Bombenanschläge von Madrid (2004) und London (2005) handelten aus ihrer Vision des Islam heraus. Auch wenn ihre Weltanschauung die einer Minderheit ist, ist sie weit davon entfernt marginal zu sein. Es gibt mindestens einhundert Millionen Muslime in der Welt, die die gewalttätige Vision des Islam der Al-Qaida teilen3, wenn auch nur eine begrenzte Zahl davon bereit sind selbst die Morde zu begehen. Darüber hinaus gibt es viele andere, die glauben, der Islam solle die Welt beherrschen.

Die gegenwärtigen Krawalle haben viel mit denen von den dänischen Mohammed-Karikaturen inspirierten Unruhen des Jahres 2006 gemein. Auch damals fand eine weit verbreitete Reaktion in der islamischen Welt gegen die Tat eines unwichtigen Akteurs an einem Ort der westlichen Welt statt. Schätzungsweise 200 Menschen wurden bei den Karikaturen-Krawallen getötet. Die meisten Toten waren allerdings Muslime. Bei den anderen handelte es sich um Christen, von denen keiner Westler war.4

Die Verfolgung und Ermordung von Christen in muslimischen Ländern gehört ebenfalls in einen größeren Rahmen des Konflikts der Kulturen. Es handelt sich um einen Kampf gegen diese führende Religion des Westens, selbst wenn die Angegriffenen keine Westler sind.

Es gibt außerdem viele nicht gewalttätige Elemente des Zusammenpralls der Kulturen. Eine Minorität muslimischer Einwanderer in westlichen Ländern untergräbt die Demokratie und hetzt dagegen. Andere streben danach eine lokale Kultur ihrer Gemeinschaft zu schaffen, die in wichtigen Teilen im Widerspruch zur Demokratie stehen. Die Einschüchterung und der Missbrauch vieler muslimischer Frauen sind dafür eindeutige Beispiele. Man kann das z.B. besonders gut in muslimischen Gettos in Frankreich und Schweden sehen. Die aktuelle Dokumentation „Allah-Islam“ auf Israels Kanal 10 veranschaulicht das gut.5

Die Perspektive auf den Konflikt der Kulturen wird durch politische Einstellungen im Westen weiter getrübt. Die vielfältigen Unwahrheiten in Präsident Obamas Rede an die muslimische Welt in Kairo im Jahr 2009 sind Beispiele dafür.6 Wichtiger ist der Multikulturalismus. Er verwirrt die westlichen Visionen der gegenwärtigen Kultur der Welt des Islam strukturell. Zu suggerieren, dass alle Kulturen gleich sind, bedeutet bedeutende Kriminalität in der muslimischen Welt außer Acht zu lassen, darunter diverse nationale Revolten, die als „der arabische Herbst“ oder „Winter“ bezeichnet werden könnten.

Darauf hinzuweisen, dass die westliche Kultur zwar problematisch, die gegenwärtige islamische Kultur ihr aber unterlegen ist, ist politisch höchst inkorrekt. Doch besonders westliche Muslime sollten daran interessiert sein, dass diese Wahrheit gesagt wird. Wären die zwei Kulturen gleich, könnte der Westen theoretisch gegenüber den Muslimen in ihren Ländern so handeln, wie sich viele muslimische Länder in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Juden gegenüber verhalten haben. Würde der Westen auf ähnliche Weise handeln, könnte er für sie die Bürgerrechte einschränken, die Pässe und das Eigentum der Muslime konfiszieren. Danach könnte er sie vertreiben. Würde der Westen dem Handeln der Libyer gegenüber Juden von 1967 folgen, könnte er sogar einige töten.7

Wie passen Israel und die Juden in all das hinein? Der Kampf der muslimischen Welt gegen sie ist zum Teil von diesem Zusammenprall der Kulturen zu trennen und gehört zum Teil dazu. Ein Beispiel für das Letztere ereignete sich dieses Jahr in Frankreich, als Mohammed Merah, ein Muslim algerischer Herkunft, sowohl französische Soldaten als auch Juden tötete.8 Die Einschüchterung der Juden im Westen hauptsächlich durch junge Muslime, führt dazu, dass Juden in vielen europäischen Städten in der Öffentlichkeit ihre Identität verbergen, indem sie zum Beispiel keine Kippa tragen.

Dieser Zusammenprall wird nicht notwendigerweise eine große Explosion zur Folge haben. Er mag weithin zu zunehmendem Chaos führen, ohne eine komplette Konfrontation zwischen den westlichen und den islamischen Welten. Der andauernde Zusammenprall der Kulturen erhält viel zu wenig Aufmerksamkeit. Das bedeutet auch, dass Veränderungen in den beiden Welten oft analysiert werden, ohne sie mit dieser Konfrontation in Verbindung zu bringen. Das ist in der Tat ein großer Fehler.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

 

Fußnoten:
1 http://news.bbc.co.uk/onthisday/hi/dates/stories/november/21/newsid_4187000/4187184.stm
2 http://libya.usembassy.gov/about.html
3 Juliana Menasce Horowitz: Declining Support for bin Laden and Suicide Bombing. PewResearchCenter Publications, 10. September 2009.
4 http://www.jcpa.org/phas/phas-043-gerstenfeld.htm
5 Vier Dokumentationen: „Allah-Islam: The Spread of Islam in Europe“, ausgestrahlt von Israels Kanal 10 im September 2012.
6 http://www.nytimes.com/2009/06/04/us/politics/04obama.text.html?pagewanted=all
7 http://jcpa.org/article/the-final-exodus-of-the-libyan-jews-in-1967/
8 Manfred Gerstenfeld: „The Toulouse Murders“. Journal for the Study of Anti-Semitism, Ausgabe 4/1. 2012.

 

Ein Gedanke zu “Zusammenprall der Kulturen, Krawalle, Juden und Israel

  1. Es stimmt, sie suchen sich für ihre Kravalle immer die schwächsten aus. Als sich die Palästinenser entschieden haben, gegen die jüdische Zuwanderung etwas zu tun in den 1920er Jahren haben sie sich auch nicht die Zuwanderer ausgesucht sondern die Sepharadischen Juden, die immer schon dort lebten und keine SIcherheitsvorkehrungen getroffen haben. Scheint bezeichnend zu sein.

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