Die Verdrehung der Geschichte – Abbas und die Tempel-Leugnung

Dr. Richard L. Cravatts, The American Thinker, 9. September 2012

Als Beispiel dessen, was die kenntnisreiche Kommentatorin Melanie Philips in ihrem Buch The World Turned Upside Down (Die Welt auf den Kopf gestellt) als „Dialog der Dementen“ bezeichnete, setzte der Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gerade eine lange Tradition der Entjudung Jerusalems fort; dazu gab er seiner verlogenen Auffassung Ausdruck, dass „Jerusalems Identität arabisch ist und die heiligen Stätten der Stadt und die christlichen heiligen Stätten vor israelischen Bedrohungen geschützt werden müssen“. Derselbe Gelehrte der Geschichte, der eine Dissertation schrieb, die das Ausmaß und die Wahrhaftigkeit des Holocaust in Frage stellt, machte jetzt seine eigenen historischen Behauptungen, es habe nie eine jüdische Präsenz und Geschichte in der heiligsten Stadt der Welt gegeben.

Israelische Archäologie und biblische Verbindungen zu Jerusalem, besonders auch dem Tempelberg, „werden die Tatsache nicht untergraben, dass die Stadt auf immer arabisch, islamisch und christlich sein wird“, brüstete sich Abbas und fügte an: „Es wird keinen Frieden oder Stabilität geben, bevor unsere geliebte Stadt und ewige Hauptstadt nicht von der Besatzung und den Siedlungen befreit ist.“ Damit legt er nahe, dass sogar Jerusalem selbst tatsächlich besetzt und dass es die Hauptstadt eines vermeintlichen Palästinenserstaates war und immer noch ist. Diese Art, jeder Spur der jüdische Präsenz aus Jerusalem – in der Tat aus ganz Palästina – zu beseitigen ist für Abbas natürlich keine neue Botschaft. Im Jahr 2000 drückte er seine Verachtung für die Idee aus, dass es auf dem Tempelberg niemals einen jüdischen Tempel gab und dass – sollte es ihn je gegeben haben – die von Israel gegen die Palästinenser verübten Verstöße jeden Anspruch zunichte machten, den sich Juden jenseits ihrer Perfidität je hätten erfreuen können. „Jeder, der die Vergangenheit vergessen will [d.h. die Israelis], kann nicht einfach daher kommen und behaupten, das der [jüdische] Tempel unter dem Haram liegt“, behauptete er 2000 in einem Artikel in Kul Al-Arab, einer arabischsprachigen Wochenzeitung. „Sie verlangen, dass wir vergessen, was vor 50 Jahren den Flüchtlingen angetan wurde… während sie gleichzeitig behaupten, vor 2000 Jahren hätten sie einen Tempel gehabt. Ich stelle die Behauptung in Frage, dass dem so ist. Doch selbst wenn es so ist, akzeptieren wir das nicht, denn es ist nicht logisch für jemanden, der einen praktischen Frieden will.“

Mit der Charakterisierung Ostjerusalems – oder eigentlich jeden Teils Jerusalems – als Territorium, das Israel „besetzt“, über das es sich aber keiner Souveränität erfreut, versteht Abbas (und mit ihm auch das Außenministerium der Obama-Administration) einmal mehr den Inhalt und Sinn der Resolution 242 des UNO-Sicherheitsrats von 1967, die einen israelischen Rückzug „von Territorien“ vorschlug, die es im Sechstage-Krieg erwarb. Kritiker der israelischen Politik, die entweder mutwillig falsch verstehen oder absichtlich den Sinn der Resolution verschleiern, sagen, der jüdische Staat verletze 242 durch die fortgesetzte Besetzung der Westbank und Jerusalems, einschließlich dessen, was heute fälschlich als „arabisches“ Ostjerusalem bezeichnet wird. Doch die Verfasser der Resolution 242 waren sehr genau bei der Sprachregelung des Status und sie betrachteten Jerusalem nach dem Sechstage-Krieg nie als durch Israel besetzt. Arthur Goldberg, der ehemalige US-Botschafter bei der UNO und einer der Verfasser der Resolution, machte das sehr deutlich klar, als er einige Jahre später schrieb: „Die Resolution 242 bezieht sich in keiner Weise auf Jerusalem und diese Auslassung geschah bewusst … Zu keiner Zeit in [meinen] vielen Reden [vor der UNO] sprach ich von Ostjerusalem als besetztem Gebiet.“

Zusammen mit ihren unverwandten und diversen Forderungen, darunter einem „Rückkehrrecht“ für alle Flüchtlinge und Souveränität über den Tempelberg, bestehen die Palästinenser nun darauf, dass Jerusalem geteilt werden muss, um ihnen eine Hauptstadt in ihrem östlichen Teil als Standort ihres neuen Staates zu geben. Diese Sichtweise ist beunruhigend, denn sie offenbarte ein Muster, mit dem Araber Jerusalem mit intensiver Bedeutung ausstatten, damit es Zwecken politischer Zweckmäßigkeit dient. In der Tat stellte der Islamforscher und Direktor des Middle East Forum, Daniel Pipes, fest: „Ein historischer Überblick zeigt, dass die Statur der Stadt und die sie umgebenden Emotionen für Muslime unvermeidlich ansteigen, wenn Jerusalem politische Bedeutung hat. Wenn umgekehrt die Nützlichkeit Jerusalems erlöscht, geschieht das auch mit ihrem Status und den dazugehörigen Leidenschaften.“ Als z.B. Jordanien die Westbank illegal besetzte und Jerusalem von 1949 bis 1967 von seinen Juden säuberte, nahm Jerusalems Format ab. Doch Israels Wiedereroberung des Gebiets 1967 veränderte die politische Landschaft, einschließlich der Sehnsucht der Araber nach Jerusalem, was Dr. Pipes sagt, dass „das muslimische Interesse nicht so sehr in der Kontrolle Jerusalems liegt, sondern darin die Kontrolle über die Stadt jedem anderen zu verweigern“.

Dore Gold, von 1997 bis 1999 Israels Botschafter bei der UNO, stellte in seinem Buch The Fight for Jerusalem: Radical Islam, the West and the Future of the Holy City fest, wie viele in der muslimische Welt und sogar einige Einzelpersonen im Westen, einen unheilvollen Prozess begonnen haben, der auf der Etablierung einer spirituellen wie einer politischen Präsenz des Islam in Jerusalem abzielt, während gleichzeitig die historischen Verbindungen der Juden zu der Stadt geschmälert werden. Gold glaubt, dass dieser Trend bei den Treffen in Camp David im Jahr 2000 begann, als Jassir Arafat erstmals laut und öffentlich seinen atemberaubenden Glauben erklärte, es habe nie einen jüdischen Tempel auf dem Tempelberg gegeben. Damit warf Arafat nach Angaben von Gold „einen Stein historischer Lügen in einen See, dessen Wellen sich überall im Nahen Osten ausbreiteten. ‚Tempel-Leugnung‘ wurde in den folgenden Jahren ein übliches Thema an Seminaren in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in Jordanien. Europäische Professoren folgten diesem antibiblischen Trend.“

Seit Camp David haben die Palästinenser unermüdlich daran gearbeitet einen falschen Eindruck dessen zu schaffen, wie wichtig Jerusalem ihnen ist, während sie gleichzeitig Jerusalem entjudet haben und versuchten die jüdischen Beziehung zur und fortgesetzte Präsenz in der heiligen Stadt zu verschleiern – etwas, das der Nahost-Wissenschaftler Martin Kramer ihr Verlangen genannt hat „eine Umkehrung der Geschichte“ herbeizuführen.

In al-Hayat al-Jadida schrieb z.B. im März 2009 Dr. Taysir Al-Tamimi, religiöser PA-Oberrichter und Vorsitzender des obersten Rats für islamisches Recht und behauptete absurderweise: „Jerusalem ist die religiöse, politische und spirituelle Hauptstadt Palästinas.“ Damit meinte er ein palästinensisches Palästina und dass „die Juden kein Recht darauf haben“. Doch die wahre Gefahr des palästinensischen Denkens zu Jerusalem – und in der Tat zum gesamten Palästina, das sie begehren, einschließlich Israels – kristallisierte sich in Jassir Arafats eigener Sichtweise heraus, die er in einer Ausgabe von al-Hayat al-Jadida im Juli 2000 zum Ausdruck brachte: „Ich werde keiner souveränen Präsenz in Jerusalem zustimmen“, schrieb er in Bezug auf die dornige Frage, wer – Israel oder die Palästinenser – die Souveränität über das Heilige Becken haben wollte – „weder im Armenischen Viertel, noch in der Al-Aqsa-Moschee, weder in der Via De La Rosa, noch in der Grabeskirche. Sie können uns gewaltsam besetzen, denn wir sind zur Zeit schwächer, aber in zwei Jahren, zehn Jahren oder hundert Jahren wird es jemanden geben, der Jerusalem [von ihnen] befreit.“

Jerusalem zu „befreien“ bedeutet natürlich nicht es in eine pluralistische, offene Stadt zu verwandeln, in der die Mitglieder der drei großen Religionen frei leben und ihren Glauben offen praktizieren können. Jerusalem zu befreien würde für die Palästinenser mehr in dem Typ der Befreiung bestehen, den die transjordanische Arabische Liga herbeiführte, als sie das jüdische Viertel in Jerusalem 1948 niederbrannten und plünderten, die unglückliche jüdische Bevölkerung vertrieben und töteten, etwa 58 Synagogen zerstörten, von denen viele mehrere Hundert Jahre alt waren, Grabsteine aus dem mit Geschichte beladenen jüdischen Friedhof auf dem Ölberg ausgruben und als Pflaster für Latrinen benutzten sowie allen Juden verboten an der Westmauer zu beten oder den Tempelberg zu betreten. Dieselbe Vorlieb für die Zerstörung religiösen Eigentums wurde kurz nach Camp David wieder zur Schau gestellt, als ein durchgeknallter palästinensischer Mob Vorschlaghämmer zur heiligen jüdischen Stätte des Josefsgrabs brachte und es komplett vernichtete, während palästinensische Polizisten untätig daneben standen und zusahen.

Wichtiger ist, dass Abbas‘ Anschuldigungen, Israel bedrohe muslimische und christliche Traditionen oder könne nicht mit ihnen koexistieren, ist ein unerhörter Angriff – nicht nur weil israelische Archäologen in Methode und Praxis penibel sind, sondern auch angesichts dessen, was derzeit auf dem Tempelberg selbst geschieht – einer der reichhaltigsten archäologischen und geschichtlichen Stätten. In der Tat ist diese Tragödie etwas, für das die muslimische Welt, nicht die Israelis, sich verantworten müsste.

Forscher und Archäologen erinnern sich z.B. an das empörte Geschrei, das im Februar 2007 aus der arabischen Welt kam, als israelische Behörden ein Projekt zum Wiederaufbau der Rampe zum Mughrabi-Tor initiierten, einem Eingang zum Tempelberg- und Al-Aqsa-Plateau, der bei einem früheren Sturm beschädigt wurde. Krawalle und Proteste begannen sofort, wobei aus der gesamten arabischen Welt Vorwürfe gegen Israel erhoben wurden, wegen seiner „Pläne“ und Verrats durch Grabungen unter der Al-Aqsa-Moschee und der Drohung diese zu zerstören. Das Komitee muslimischer Gelehrter in Jordaniens Islamic Action Front ihrerseits „drängte auf Jihad zur Befreiung der Al-Aqsa und es vor der Vernichtung und Sabotage durch jüdische Usurpatoren zu retten“ – eine fadenscheinige Behauptung, da Bautätigkeiten deutlich außerhalb des Bergplateaus, rund 100 Meter von der Moschee entfernt stattfanden und eindeutig keine mögliche Bedrohung darstellten. Der israelische Kolumnist Nadav Shragai weist darauf hin, dass die Anschuldigung außerdem eine oft wiederholte ist, die von Arabern gegen Israel als Mittel zur Aufhetzung gegen Juden wegen ihrer Perfidie und Hinterlist ist. Er nennt dies das „Schützt die Al-Aqsa-Moschee“-Blutlüge – ein Propagandamittel, das seit den 1920-er Jahren genutzt worden ist, um Misstrauen gegen Juden zu verursachen, als der damalige Großmufti Hadsch Amin al-Husseini, Hitlers Verbündeter aus dem Nahen Osten, Muslime überall dazu anhielt die heiligen islamischen Orte in Jerusalem vor den bösartigen Juden zu schützen; damit verursachte er Krawalle, Blutvergießen und 133 jüdische Tote.

Und während in den letzten Jahren Krawalle folgten, als Israelis ein sorgfältig überwachtes Rekonstruktionsprojekt in der Nähe des Tempelbergs initiierten, hat die islamische Waqf, die muslimischen Wächter über die heiligste Stätte des Judentums, keine Gewissensbisse die historische Oberfläche aufzureißen, wenn das ihren Zwecken diente, so 2007, als sie einen tiefen Graben schuf oder wie sie es 1999 machten, als ein klaffendes Loch an den so genannte Ställen Salomos öffneten, 6.000 Quadratmeter groß und und 12m tief und für eine neue Moschee gedacht ist. Am gravierendsten ist, dass 13.000t Schutt aus dieser kriminellen Grabung, die reichhaltige archäologische Überreste der Perioden des ersten und zweiten Tempels enthalten, wurden heimlich im Kidrontal abgeladen, ohne jegliche professionelle archäologische Beaufsichtigung und bevor Experten irgendwelche ausgegrabenen Teile von Bedeutung bewerten konnten.

Die Komplizenschaft der arabischen Welt dabei mit der Geschichte Schindluder zu treiben und die tatsächlichen „Fakten vor Ort“ zu vernebeln, in dem Versuch ein historisches Narrativ zu schaffen, das ihre politische Agenda bestätigt, macht die Anschuldigungen Abbas‘ gegen Juden, die darauf versessen sein sollen die heiligen Stätten der Muslime und Christen zu untergraben, um so arglistiger. In einem weiteren Beispiel für „Umkehrsprech“ hat die arabische Welt Israel Vergehen, Lügen zur Geschichte und die Zerstörung einer nationalen Einheit beschuldigt, die sie selbst betreibt. Das ist Teil des unerbittlichen und fortgesetzten Bemühens Israel zu delegitimieren und es schließlich durch ein falsches historisches Narrativ zu eliminieren, das in palästinensischen Schulbüchern, in Predigten, in der arabischen Presse, in Nahost-Studienzentren an Universitäten und in der von Israelhassern, Antisemiten und Palästinenser-Apologeten rund um die Welt politisierten Forschung und Dialogen wiederholt wird – etwas, das Shragai treffend als „Lügengewebe“ genannt hat.

7 Gedanken zu “Die Verdrehung der Geschichte – Abbas und die Tempel-Leugnung

  1. Hervorragender, augenöffnender Text. (Die drei Bücher von Dore Gold habe ich mir eben bei Abebooks bestellt.)
    Diese ‚Jeruslamfrage‘ ist wohl einer der zentralen Punkte. Die ‚Palästinenser‘ sind schon sehr geschickte Propagandisten ihrer eigenen Sache. Es ist beschämend, geradezu verachtenswert, wie bereitwillig der Westen diese Lügen übernimmt und sich so zum Komplizen von Verbrechern macht. Jerusalem ist so arabisch, wie Krakau deutsch ist, wenn mir dieser, einigen vielleicht gewagt erscheinende Vergleich gestattet sei. Das ist so, als würden wir Deutsche Ansprüche auf die alte polnische Königsstadt erheben, weil Hans Frank von 39-45 auf dem Wawel regierte und von dort aus die Ermordung von Millionen Polen, Juden wie Katholiken, organisierte.
    Wie sehr die Araber Jerusalem ‚lieben‘ kann man daran erkennen, wie verwahrlost es vor 67 war. Oder daran, wie oft es im Koran erwähnt wird: Nämlich genau null mal.

  2. Wieso sind eigentlich gerade Moslems Wächter des Tempels? Sollte das so eine Goodwill-Geste sein? Wessen Idee war das?
    Stimmt das wirklich, daß sie dort angeblich eine unterirdische Moschee bauen? Wenn ja, warum wird sowas zugelassen, mal ganz abgesehen vom Denkmalschutz. Den Juden wird ja nicht mal zugestanden, diese Brücke zu erneuern.

    • Der Waqf ist nicht Wächter des Tempels, sondern hat die Verwaltung des Tempelbergs inne. Das wurde 1967 als Geste des guten Willens den Arabern gegenüber so festgelegt, wenn ich mich recht entsinne von Moshe Dayan in Übereinstimmung mit der israelischen Regierungsspitze.
      Die „angebliche unterirdische Moschee“ ist gebaut, in den „Ställen Salomos“. Zuerst wurden „Instandsetzungsarbeiten“ genehmigt; diese begannen dann an einem Freitagmorgen und gestalteten sich von den israelischen Behörden unbemerkt zu diesem Bauprojekt, das über das Wochenende mit enormer Energie vorangetrieben wurde. Als die ersten Leute aus dem Wochenende zurückkamen, war es schon zu spät. Und die Behörden unternahmen dann auch nichts. Wie praktisch immer, wenn diese muslimische Verwaltung auf dem Tempelberg gegen alle Regeln verstößt, für die jeder Israeli (zurecht) bitter büßen müsste.

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