Ein Freund Israels stellt dessen niederländischen Feinde bloß

Manfred Gerstenfeld interviewt Wim Kortenoeven (direkt vom Autor)

Bei den Vereinten Nationen sagte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad einmal voraus, dass der apokalyptische Mahdi kommen, den Krieg gegen die Juden führen und die gesamte Welt dem Islam unterwerfen wird. Diese Vernichtung ist genau das, was Ahmadinedschad und andere iranische Führer ausführen wollen. Religiöse Fanatiker akzeptieren unsere rationalen Argumente nicht. Ich mache mir Sorgen um meine zwei Söhne, aber auch um die Zukunft der Niederlande und unserer Kultur. Das ist der Grund, dass ich Parlamentarier wurde.

1993 war ich gegen die Oslo-Vereinbarungen; ich erklärte, dass sie eine desaströse Falle waren. Als der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu in die Niederlande kam, sagte ich, Israel solle in Judäa und Samaria so viele Siedlungen wie möglich bauen. Das Land braucht Grenzen mit strategischer Tiefe. In einigen Bereichen ist die Waffenstillstandslinie von 1967 nur zwölf Kilometer vom Meer entfernt.

Wim KortenoevenWim Kortenoeven war seit 2010 niederländischer Abgeordneter für die Freiheitspartei. Er verließ die Partei im Sommer 2012, als ihr Parteiprogramm für die Parlamentswahlen vom September das Verbot aller rituellen Schlachtung forderte. Davor war Kortenoeven bei der niederländischen pro-israelischen Lobbygruppe CIDI verantwortlich für Forschung und Dokumentation. Er wuchs als aktiver Protestant auf, verließ aber später die Kirche.

Mein Buch aus dem Jahr 2007 über die Hamas war die erste niederländische Studie zu dieser Organisation. Trotz ihrer vielen Terroranschläge stellten aufeinander folgende niederländische Regierungen die Hamas als eine Bewegung mit von einander getrennten politischen, humanitären und militärischen Zweigen dar. Der sozio-ökonomische Rekrutierungsmechanismus für den Terrorzweig wurde als hoffnungsvolle Alternative zur PLO angesehen. Er würde helfen die gewünschte palästinensische Gesellschaft aufzubauen.

Nachdem die Niederlande ihre Politik 2003 änderten, unternahmen sie starke Anstrengungen die Hamas auf die Liste der Terrororganisationen der Europäischen Union zu setzen. Das gelang erst nach ein paar Jahren. Diese Entwicklung spiegelt den Charakter und die Naivität der niederländischen Nahost-Politik. Solche Fehler können tödliche Folgen haben – und nicht nur für die Niederländer. Doch wenn diese sich erst einmal ihrer Fehler bewusst werden, korrigieren sie sie oft. Die Frage bleibt: Wenn Europa die mörderischen Absichten der Hamas früher eingeräumt hätte, hätte es dann weniger ermordete Israelis gegeben?

Mein Buch erhielt positive Kritiken vieler Forscher. Doch nicht eine einzige niederländische Zeitung brachte eine Rezension. Die jüdische Wochenzeitung NIW ließ es von einem Mitglied einer pro-palästinesischen jüdischen Organisation heftig kritisieren, die die Hamas als annehmbare Alternative zur PLO sah. Das trotz der Tatsache, dass die Hamas-Charta und mehrere Sprecher betonen, dass alle Juden ermordet werden müssen und dass die Muslime die westliche Welt erobern werden. Das Buch dokumentierte auch die weltweiten Ambitionen der Muslimbruderschaft, die die Hamas unterstützt. Doch die Überbringer schlechter Nachrichten, wie es mein Buch war, sind nicht sonderlich willkommen; und das ist nicht nur ein Phänomen der Niederlande.

Kortenoeven fährt fort: 1976, als ich 21 Jahre alt war, kam ich zu meinem ersten Besuch nach Israel. In einem Kibbuz an der jordanischen Grenze arbeitete ich mit einem Traktor in einem ehemaligen Minenfeld. Das schuf für mich eine Verbindung zum Land. Die Verbindung mit Israel und seinem Volk ist für mein Leben zentral geworden. Ich erkenne auch den intrinsischen Wert der jüdischen Religion.

Meine Liebe zu Israel führte mich zu meiner früheren Stellung beim CIDI. Israel hat in den Niederlanden viele Gegner. Mehrere Entwicklungshilfe-Organisationen versuchen die Hamas akzeptabel zu machen. Zu diesen niederländischen „Menschenrechts“-Agitatoren gehören Oxfam Novib, die protestantische Icco und die katholische Cordaid ebenso wie Friedensorganisationen wie die protestantische IKV und die katholische Pax Christi.

Viele niederländischen Medien haben negativen Einfluss auf Israels Image. Eine Reihe Faktoren spielt hier mit. Eine ist die Sensationsgier der Medien hinsichtlich der Offenheit der israelischen Gesellschaft. Die Charakterveränderung der niederländischen Bevölkerung spielt auch eine zunehmende Rolle. Politische Parteien haben ein wachsendes Interesse an den Ansichten der muslimischen Minderheit, die jetzt eine Million Menschen in einer Gesamtbevölkerung von über 16 Millionen ausmacht.

In der Arbeitspartei ist die Lage schlecht. Eine Vielzahl ihrer Funktionäre sind Muslime. Seit den niederländischen Kommunalwahlen von 2006 haben Muslime die Kontrolle über viele Ortsverbände. Eine Reihe dieser Funktionäre kann sich nicht einmal anständig auf Niederländisch ausdrücken. Einige gaben öffentlich zu, dass sie nicht einmal das Parteiprogramm kennen.

Die linksextreme Sozialistische Partei und die Grün-linke Partei sind für Israel noch gefährlicher. Viele einflussreiche Mitglieder sehen ein ideologisches Band zwischen dem internationalen Sozialismus und dem Islamismus. Sie glauben fälschlich, dass die so genannte nicht rassistische Struktur des Islam internationale Solidarität und Gerechtigkeit ausdrückt. Darüber hinaus betrachten sie die Muslime und andere nicht westliche Einwanderer als neues Proletariat und damit als Wähler-Zielgruppe.

Ich sage oft in meinen Vorträgen: „Es beginnt immer mit den Juden, aber es endet nie mit ihnen.“ Es gibt in den Niederlanden Politiker, die auch Israels Probleme verstehen wollen. Sie erkennen aber nicht, dass der Zusammenprall der Zivilisationen mit dem Islam unvermeidbar und grenzüberschreitend ist. Die Niederlande werden langfristig nicht in der Lage sein, dem zu entgehen.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

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