Warum Obama bei israelischen Juden unbeliebt ist

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Präsident Obama ist bei israelischen Juden nicht beliebt. Vor einigen Tagen wurde bei einer Umfrage die Frage gestellt, welcher Präsidentschaftskandidat in Bezug auf Israels Interessen wünschenswerter ist. 57 Prozent der israelischen Juden bevorzugen Romney, während 22% Obama nannten. Unter den israelischen Arabern war Obama der bevorzugte Kandidat.

Nach einer anfänglich Zeit des Zögerns hat die Obama-Administration Israel des Öfteren unterstützt. Das findet seinen Ausdruck in der Lieferung militärischer Ausrüstung, dem Kampf im Cyber-Krieg und breiter strategischer Zusammenarbeit. Diese Kooperation ist von hochrangigen israelischen Führungspersönlichkeiten gelobt worden. Die Vereinigten Staaten haben Israel bei der UNO unterstützt. Obama intervenierte außerdem persönlich in der lebensbedrohlichen Situation für Israels Botschaftspersonal in Kairo, als ein Mob diese im September 2011 angriff.

Viel vom Handeln Präsident Obamas ist also für Israel unterstützend gewesen. Ein Grund, dass sie keine Auswirkungen bei israelischen Juden hatten, ist sein Image als international schwacher Präsident, was auch für Israel sehr schlecht ist. Selbst wenn ein Teil der Schwäche Amerikas nur der Wahrnehmung geschuldet ist, setzt sich das in Realität um. Es lädt zur Provokation durch die Feinde der USA ein. Man sieht das am Posieren der Führer des Iran, der führenden Terrorunterstützer der Welt.

Ebenfalls hoch problematisch ist Präsident Obamas Sichtweise auf die Lage bei den Muslimen. Steve Emersons Investigative Project on Terrorism stellte fest, dass viele bekannte radikale Muslime Hunderte Male das Weiße Haus besuchten und sich mit Top-Vertretern der Administration trafen. Um diese Grundhaltung gegenüber der muslimischen Welt zu illustrieren, kann man Obamas Rede in Kairo von 2009 analysieren. Obama gab Apologetik und Appeasement zum Ausdruck und spielte die beträchtliche Kriminalität innerhalb der muslimischen Welt herunter.

Obama legte durch Auslassung vieler wichtiger Fakten zweierlei Maß an. Er sagte, es sei an der Zeit den israelischen Siedlungsbau zu stoppen. Er sagte nicht: „Es ist an der Zeit, dass Ägypten und viele andere muslimische Staaten die mörderische antisemitische Hetze gegen Juden beenden. Dieses Schüren von Hass ist auch in den ägyptischen Staatsmedien weit verbreitet. Es kommt einzig dem von Nazideutschland gleich.“ Er sagte nicht: „Hört mit der Todesstrafe auf.“ Als er über die Gleichstellung der Frau sprach, sagte er nicht: „In vielen muslimischen Ländern gibt es extreme Fälle der Diskriminierung von Frauen. Das sollte gestoppt werden.“ Obama sprach nicht von der Hetze gegen und Verfolgung von Christen in einer Vielzahl der muslimischen Länder. Er vermied es klar zu fragen: „Warum ist die Welt des Islam weit gewalttätiger als jede andere Religion? Was sagt uns das über den zeitgenössischen Islam?“ Er sagte nicht: „Im neuen Jahrhundert haben wir keinen weiteren Terroranschlag des Ausmaßes des 9/11 gesehen, der von der religiösen Überzeugung Schwerkrimineller getrieben war.“

Eine weitere Auslassung erfolgte, als er erklärte, die Zivilisation schulde der Al-Azhar Dank, ohne dass er die prominenten muslimischen Kleriker erwähnte, die Selbstmordterrorismus befürworten. Als er über die Palästinenser sprach, sagte er: „Das palästinensische Volk – Muslime und Christen – haben beim Streben nach einem Heimatland gelitten.“ Diese Äußerung enthält viele Denkfehler. Der größte Teil des Mandats Palästina ist Jordanien, ein Staat mit mehrheitlich palästinensischer Bevölkerung. Den Palästinensern wurde durch die Resolution der UNO-Vollversammlung 1947 ein zweiter bewilligt. Doch das reichte ihnen und ihren arabischen Verbündeten nicht. Sie zogen es vor einen Krieg anzufangen, um die Juden in dem abzuschlachten, was Israel wurde. Bis 1967 hätten sie von ihren arabischen „Brüdern“ öffentlich einen zweiten Staat fordern können, als die Palästinensergebiete von Jordanien und Ägypten kontrolliert wurden.

Nach der Niederlage 1967 hätten die Palästinenser erneut einen zweiten Staat bekommen können. Doch sie zogen es vor ihren Kampf zur Auslöschung Israels fortzusetzen. Während Obama das Leiden der Christen in muslimischen Ländern nicht erwähnte, vermerkte er das Leiden der palästinensischen Christen, ohne zu erklären, dass dies im Wesentlichen von palästinensischen Muslimen verursacht ist.

Dazu sagte Obama in Kairo Dinge über die muslimische Welt, die eher Lügen als Halbwahrheiten waren. Dass er erklärte „in unserer Zeit sind viele muslimische Gemeinschaften an vorderster Front der Innovation gewesen“ spiegelt nicht die Realität der muslimischen Welt. Das winzige Israel hat mehr Nobelpreise gewonnen, als alle Muslime zusammen, obwohl es rund zweihundertmal mehr Muslime als Israelis gibt.

Der einzige Bereich, in dem wichtige Innovationen aus Teilen der muslimischen Welt aufkamen, ist „kreativer Terrorismus“. Innerhalb dieses Rahmens haben auch die Palästinenser einen beträchtlichen Beitrag bei der Erfindung neuer Terrorverfahren geleistet. Gäbe es einen Nobelpreis für Terrorismus, dann wären die Top-Kandidaten der Iran, Syrien, die Hisbollah, Hamas und verschiedene weitere palästinensische Gruppierungen sowie die Initiatoren des 9/11.

Es ist vermutlich die Haltung Obamas gegenüber hoch problematischen Muslimen, dem Verrat an langjährigen politischen Verbündeten wie dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak und seiner gefühlten internationalen Schwäche, die dazu führen, dass die Mehrheit der israelischen Juden sich mit ihm als Präsident weiterhin unbehaglich fühlen. Man fragt sich, in welchem Maß Obama tatsächlich den Geist des Appeasement und der Apologetik aufgegeben hat, den er in Kairo zur Schau stellte, beziehungsweise wie viel davon wieder aufkommen wird, wird er wiedergewählt.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

Ein Gedanke zu “Warum Obama bei israelischen Juden unbeliebt ist

  1. Dieter, du hast recht, ich habe den Link wieder entfernt. Bei denen ist es mir unheimlich, wenn die auf mich verlinken.

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