Die humanitäre Heuchelei der christlichen Linken

Raymond Ibrahim, 5. November 2012

Das zweierlei Maß der Welt dazu, welche Völker sich als unterdrückt und Hilfe verdienend qualifizieren, ist schwindelerregend.

Zuerst offenbart ein Bericht – in den Worten der Türkischen Koalition von Amerika – das „weiterhin bestehenden Interesse der Türkei an der Ausweitung von geschäftlichen und kulturellen Verbindungen mit der amerikanisch-indianischen Gemeinschaft“ und „dem Interesse der Türkei am Brückenbau zu ‚Native American‘-Gemeinschaften überall in den USA“. Der Abgeordnete Tom Cole (Republikaner aus Oklahoma) reichte sogar eine Gesetzesvorlage ein, die den Türken Sonderrechte und -privilegien in Stammesgebieten der amerikanischen Ureinwohner; dazu argumentierte er: „In diesem Gesetz geht es darum amerikanischen Indianern zu helfen“, es gehe darum „den ursprünglichen Einwohnern der Neuen Welt zu helfen, was genau das ist, das dieses Gesetz tun würde“.

Schon die Vorstellung, dass die islamistische türkische Regierung daran interessiert ist „amerikanischen Indianern zu helfen“, ist grotesk, sowohl von einem historischen wie aus einem zeitgenössischen Blickwinkel. Im 15. Jahrhundert, als die christlichen Europäer die Amerikas entdeckten, eroberten und töteten muslimische Türken Christen in Europa (was natürlich der Grund ist, dass die Europäer überhaupt anfingen Richtung Westen zu segeln). Während frühe europäische Siedler Ureinwohner bekämpften und töteten, beging die Türkei erst vor kurzem einen massiven Völkermord an armenischen Christen. Und während die USA ihren Ureinwohnern viele Entschädigungen zahlten, leugnet die Türkei nicht nur den armenischen Holocaust, sondern missbraucht und verfolgt seine einheimischen Christen immer noch.

Kurz gesagt: Wenn die Türkei den Randgruppen und Unterdrückten helfen will, sollte sie im eigenen Haus anfangen.

Natürlich will die Türkei nur sich selbst helfen; die amerikanischen Indianer sind reine Infiltrationswerkzeuge. Man muss sich nicht lange über die Gefahren auslassen, die mit Tausenden muslimischen Türken verbunden sind, die sich in halbautonomen Gebieten in Amerika niederlassen und eng mit einer Minderheitengruppe zusammenarbeitet, die einen Groll gegen die USA hegen.

Wenn wir aber die Machenschaften der Türkei begreifen, was soll man dann mit einem weiteren gerade erstellen Bericht anfangen? Fünfzehn Leiter von christlichen US-Kirchen – zumeist protestantisch, einschließlich der Lutheraner, Methodisten und UCC-Kirchen – fordern den Kongress auf die US-Militärhilfe für Israel neu zu bewerten, da „militärische Hilfe nur dazu dienen wird den Status quo und Israels militärische Besatzung der Palästinensergebiete aufrechtzuerhalten“. Das sind dieselben Kirchenführer, die nie ein Wort hervorbringen, wenn es um die ungezügelte Verfolgung von Millionen Christen zwischen dem einen Ende des muslimischen Welt und dem anderen geht – eine Verfolgung, die die Lage der Palästinenser vergleichsweise unbedeutend macht.

Wenn Muslime auf israelischem Land untertan gemacht werden, dann kann man wenigstens sagen, dass die Juden historisch die Ersten waren – Jahrtausende vor der Eroberung Jerusalems durch Muslime im 7. Jahrhundert. Andererseits leiden Millionen Christen – mindestens zehn Millionen alleine in Ägypten, die einheimischen Kopten – seit 14 Jahrhunderten in ihrer eigenen Heimat; seit der Islam mit dem Schwert einfiel.

Das beschränkt sich auch nicht auf die Vergangenheit: Von Nigeria im Westen bis Pakistan im Osten werden Christen genau jetzt wegen Glaubensabfall und Blasphemie inhaftiert; ihre Kirchen werden mit Bomben beworfen und niedergebrannt; ihre Frauen und Kinder werden entführt, versklavt und vergewaltigt. Um eine Vorstellung zu bekommen, lesen Sie bitte meine monatliche Serie Muslim Persecution of Christians, in der ich Dutzende Geschichten der Verfolgung zusammenstelle – von denen jede, sollten Palästinenser sie durchmachen, in der gesamten Welt Schlagzeilen machen würde; doch es sind nur „unmodische“ Christen, die diese Gräuel erleben, also werden die übersehen.

Auch die palästinensischen Christen sind diesem Phänomen gegenüber nicht immun: Ein Pastor vermerkte gerade, dass die „Animosität gegen die christliche Minderheit in von der PA kontrollierten Gebieten weiterhin zunehmend schlimmer wird. Die Menschen sagen [den Christen] immer: Tretet zum Islam über. Tretet zum Islam über.

In der Tat hatte das American Jewish Committee, das „wegen der Forderung der christlichen Führer empört“ war, recht, wenn es sagt: „Zu einer Zeit, in der die Religionsfreiheit und Sicherheit der Christen im gesamten Nahen otsen durch die Verfolgungen des Arabischen Frühlings bedroht sind, haben sich diese christlichen Führer entscheiden eine Polemik gegen Israel zu initiieren – gegen ein Land, das religiöse Freiheit und Ausdrucksformen für Christen, Muslime und andere schützt.“

Nach jedem objektiven Maßstab sind die Gräuel, die gegenwärtig an Christen in der gesamten muslimischen Welt begangen werden, weit empörender und verdienen weit mehr Aufmerksamkeit und Abhilfe, als die so genannte „Palästinenserfrage“. Zufälligerweise basiert der Umgang Israels mit den Palästinensern – von denen einige, wie die Hamas, offen ihre Absicht erklären den jüdischen Staat zu beseitigen – weitgehend auf dem eben Erwähnten: Israel kennt die dem Islam angeborene Feindseligkeit gegenüber Nichtmuslimen und wünscht sich, nicht am falschen Ende zu sein, daher die Maßnahmen für die eigene Existenz.

Es gibt einen letzten wichtigen Punkt der Ironie bezüglich der Unterschiede zwischen den Muslimen der Türkei und Amerikas linken Christen: Erstere betreiben Heuchelei um den Islam mächtiger zu machen; Letztere betreiben Heuchelei, um das Christentum zu entmachten, wenn auch unwissentlich. So wie linke Amerikaner danach streben sich von ihrem europäischen Erbe zu distanzieren – das als Wurzel allen Bösen betrachtet wird, wobei sich eifernd für die Rechte der nicht Weißen wie der Indianer eingesetzt wird – streben linke amerikanische Christen danach, sich von ihrem christlichen Erbe zu distanzieren, wobei sie eifrig für die Rechte aller anderen außer ihren Glaubensbrüdern eintreten; daher ihre Sorge um die muslimischen Palästinenser.

Und die ganze Zeit, in der die eine wahrhaftig verfolgte Religionsgruppe von einem Ende der islamischen Welt bis zur Andern verfolgt wird – die Christen – wird sie von den Menschenrechts-Heuchlern inständig ignoriert.

2 Gedanken zu “Die humanitäre Heuchelei der christlichen Linken

  1. wobei bemerkenswert ist, das die zahlreichen türkischen Rassisten in der Türkei verbreiten, dass die ‚amerikanisch-indianischen Gemeinschaft‘ von Türken abstammt.

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