Wenn Experten und Kommentatoren uns wieder erzählen Israel müsse seine Antiterrormaßnahmen lockern: Was sie dabei verbergen oder ignorieren

This Ongoing War, 11. Januar 2013

An einem der umstrittensten Orte der Welt zu leben hat sich Israelis und Jerusalemer wie uns an Rezepte von „Experten“ gewöhnen lassen, die mit einer Variante von „Israel tut nicht genug, um XY zuzustimmen, damit es Frieden geben kann“. Dieses XY tendiert dazu im Verlauf der Zeit zu variieren – s. den Rogers-Plan, den Madrid-Plan, die Genfer Vereinbarung und noch viele andere mehr.

Doch als ob die Israelis keinen Frieden wollten, variiert die Herablassung in diesen Ratschläge selten.

Noch seltener ist eine Friedensformulierung, die ehrlich und akkurat Notiz davon nehmen, was die arabische Seite tut und sagt. (Wir glauben, dass das Tun ist weit wichtiger ist als das Sagen, aber wir haben immer geltend gemacht, wenn die arabischen Stimmen, die für Terror werben, sich erheben, dann sollten sie auf jeden Fall gehört und ihre Botschaft verstanden werden.)

Heute vor einer Woche hielt der Chef der PA, Mahmud Abbas, der auch – was oft übersehen wird – der Führer der PLO und der Terrorbewegung Fatah ist – eine wichtige Rede. Sie wurde natürlich auf Arabisch gehalten und da kaum einer der vielen in dieser Region tätigen westlichen Journalisten diese Sprache einigermaßen fließend beherrscht, gab es wenige Berichterstattung außer dem, was Reporter der großen internationalen Nachrichten-Syndikationsagenturen aus den englischsprachigen Handzetteln abzudrucken entschieden, die ihnen aus Abbas‘ Kreis zur Verfügung gestellt wurden.

Israel hat zwar nicht genügend Leute, mit in der arabischen Sprache sehr gut bewandert sind, hat aber viele. Wenn also eine Grundsatzrede wie die von Abbas über den Äther geht, dann gibt es hier Leute, die sie verstehen und die politische Sensibilität haben ihr Inhalt zu geben.

Einer davon ist Jonathan Dahoah-Halevi, ein Geheimdienstoffizier im Ruhestand, der sich auf die Recherche palästinensischer und islamische Themen spezialisiert hat; gestern veröffentlichte er einen analytischen Bericht für das Jerusalem Center for Public Affairs, wo er als hochrangiger Forscher für den Nahen Osten und den radikalen Islam tätig ist; ebenso ist er Fellow am American Center for Democracy.

Dahoah-Halevis wichtige Abhandlung mit dem Titel „Abbas Reinstates a Radical Political Doctrine“ (Abbas führt eine radikal-politische Doktrin wieder ein) betrachte die Dummehit der westlichen Zusammenfassungen von Abbas und seiner Politik und zeigt auf, was er tatsächlich darstellt. Nichts davon ist ermutigend. Nichts davon passt auf das Etikett „moderat“, das dem Namen des Mannes so regelmäßig angehängt wird, der gewählt wurde, um bis zum 9. Januar 2009 als Chef der PA zu arbeiten und der „einseitig seine Amtszeit um ein weiteres Jahr verlängerte und auch im Amt blieb, nachdem dieser zweite Stichtag ablief“ [Wikipedia]. Und nichts davon legt nahe, dass Israel in Abbas einen „Friedenspartner“ hat, der weiß, wie er sein Volk aus ihrer Generationen alten Sucht nach Terrorismus auf dem individuell-persönlichen Level wegführen könnte … oder das auch nur will.

Es hieß, Mahmud Abbas‘ Rede letzten Freitag solle zum 48. Jahrestag der Gründung der Fatah stattfinden (doch auch das wurde falsch berichtet, wie unser Kommentar unten zeigt) und die politische und nationale Vision zum Ausdruck bringen, die der große Mann dem palästinensischen Volk vermacht. Hier folgt eine Zusammenfassung der Analyse Dahoa-Halevis:

·       Das Schlüsselelement in Abbas‘ Rede liegt darauf, dass das palästinensische Volk auf dem Weg des Kampfes bleibt, um „den Traum der Rückkehr“ der palästinensischen Flüchtlinge und ihrer Millionen Nachkommen zu verwirklichen.

·       Abbas meidet jede Erwähnung eines historischen Kompromisses mit Israel, um ein Ende des Konflikts herbeizuführen.

·       Die Formel „Land für Frieden“ wie auch die Gründung eines Palästinenserstaats an der Seite Israels werden nicht ein einziges Mal erwähnt.

·       Abbas gelobte den Spuren „früherer palästinensischer Führer“ zu folgen und ihren Kampf fortzusetzen. Welchen Kampf? Welche Spuren? Welche Führer? Hier sind sie:

·       Der Mufti von Jerusalem, Hadsch Amin al-Husseini, der eine strategische Partnerschaft mit Hitler einging und die Kriegsjahre über in Nazi-Deutschland lebte.

·       Die palästinensisch-arabischen Terrororganisationen und ihre Führer (er nennt sie beim Namen), deren „große Leistungen“ die Morde an tausenden israelischen Zivilisten durch Terrorismus sind.

·        „Führer“ wie Halil al-Wazir Abu Jihad von der Fatah; Abd al-Aziz al-Rantisi und Scheik Ahmed Yassin von der Hamas; Fathi al-Shikaki vom Islamischen Jihad; Abu Ali Mustafa und George Habash von der Volksfront zur Befreiung Palästinas; Abu al-Abbas von der Arabischen Befreiungsfront; Izzedin al-Qassam, der die Jihad-Kampagne gegen die Juden und die britischen Mandatsherrscher Palästinas in den 1930-er Jahren führte. Es ist bemerkenswert, dass diese Ruhmeshalle der „Kämpfer für die Befreiung“ niemals einen palästinensischen Staat zustande brachte und das auch nie anstrebte, sondern sich ausschließlich der Ermordung (wobei sie erfolgreich waren) und Vertreibung (worin sie völlig versagten) von Juden aus der jüdischen Heimat widmeten.

·       Die Abbas-Sicht sieht so aus: Die Ideologie dieser „Führer“ dient als Quelle der Inspiration für das palästinensische Volk. Dass diese in Terrorismus und/oder radikalem Islamismus verwurzelt ist, halt Null Konsequenzen.

·       Dahoah-Halevi vermerkt: Wenn jemand von Abbas erwartet, dass er nach der Resolution der UNO-Vollversammlung vom 29. November 2012, mit dem die PLO-Beobachtermission einen „aufgewerteten“ Status erhielt, einen moderateren Kurs verfolgt, dann muss er enttäuscht gewesen sein. „Er bereitete das palästinensische Volk nicht darauf vor Frieden zu schließen, sondern kehrt dazu zurück den Konflikt rhetorisch zu perpetuieren und sogar zu eskalieren.“

Eine Anmerkung zum Timing von Abbas’Rede: Obwohl es in fast jedem Online-Bericht in der letzten Woche hießt, sie sei anlässlich des 48. Geburtstags der Terrororganisation Fatah gehalten worden, ist das nicht wahr – auch wenn es bequem ist, dass zu sagen. Der Grund ist: Die Fatah wurde in Wirklichkeit vom Erzterroristen und Nobelpreisgewinner Yassir Arafat Ende der 1950-er Jahre in Kuwait gegründet, Jahre bevor es irgendwelche „besetzten Gebiete“ gab. Was letzte Woche tatsächlich gefeiert wurde, war der Jahrestag eines Terroranschlags, der von Arafats Anhängern in der Nacht des 31. Dezember 1964 verübt wurde. Dieser Anschlag richtete sich gegen Israels nationale Wasserversorgungsleitung, eine phänomenale Ingenieursleistung, die Wasser an Orte brachte (viele davon arabische Dörfer), die niemals welches hatten. Arafat plante den Juden das Wasser zu verwehren. Die Kolumnistin Caroline Glick schrieb letzte Woche darüber; sie stellte heraus, dass dieser Vorzeige-Terroranschlag scheiterte:

Es ist wirklich immer noch nötig herauszustellen, dass eine Gruppe, die nicht den Jahrestag ihrer Gründung, sondern ihres ersten Terroranschlags feiert, keine moderate Organisation ist? Das heißt: Es ist nicht moderat, außer für die, die „moderat“ als gewalttätige, mörderisch, störrisch und bösartig definieren. [CarolineGlick.com]

Dank des ausgezeichneten Übersetzungsdienstes MEMRI können Auszüge aus der unschönen, zumeist ignorierten, Pro-Terror-Rede von Abbas in diesem Videolink angesehen und angehört werden.

Die Experten sagen weiterhin, dieser Mann sei die Adresse für Israels Anstrengungen Frieden zu schließen und sein politisches Manifest diene als Basis für eine Kompromiss-Vereinbarung. Doch das erfordert eine Sicht auf den Terrorismus, die einfach nicht überzeugt. Und wenn Sie fragen: Warum begreifen das nicht mehr Leute?, dann sagen wir: Das liegt daran, dass es nicht ihre Kinder sind, die sich im Fadenkreuz der Waffen befinden, die Abbas und seine Kräfte auf ihrem „Weg des Kampfes“ in Händen halten. Es sind unsere und wir müssen so viel zu beschützen.

5 Gedanken zu “Wenn Experten und Kommentatoren uns wieder erzählen Israel müsse seine Antiterrormaßnahmen lockern: Was sie dabei verbergen oder ignorieren

  1. … Es gibt mehrere jüdische Autoren des 10. und 11. Jahrhunderts, z.B. Ben Meir, Rabbi Samuel ben Paltiel, Solomon ben Judah und andere, die darüber schreiben, dass die Juden die Klagemauer aus frommen Gründen Zwecken repaprierten, also unter der arabischen Herrschaft. Ein unbekannter christlicher Pilger des 11. Jahrhunderts bezeugt eine Fortführung der Gepflogenheit, dass Juden jedes Jahr nach Jerusalem kommen.

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