Sie lieben uns, wenn wir schwach sind

Nadav Shragai, Israel HaYom, 17. Januar 2013

Während des Oslo-Prozesses fühlte Israel Warmherzigkeit des Weißen Hauses. Dann begannen im Land Ströme aus Blut zu fließen.

Wäre es nach US-Präsident Barack Obama oder auch früheren amerikanischen Präsidenten gegangen, die Israel freundlicher gegenüber standen, dann wäre Jerusalem abgeriegelt und geteilt zurückgeblieben. Wäre es nach den Amerikanern gegangen, dann würden die Vereinten Nationen bis heute die Altstadt kontrollieren; Israel wäre gehindert worden Jerusalem zu vereinigen; die Gasse an der Westmauer wäre immer noch lächerlich eng, wie sie es während des britischen Mandats war; die Golanhöhen wären ohne jüdische Besiedlung geblieben; Israel wäre davon abgehalten worden 1981 den irakischen Atomreaktor zu bombardieren; und David Ben-Gurion hätte 1948 einen Rückzieher von der „Besetzung“ des Negev gemacht.

Ginge es nach den USA, dann ist es sehr möglich, dass der Staat Hamastan nicht nur im Süden ausgedehnt worden wäre, sondern die Tore von Kfar Saba, Netanya und Tel Aviv erreicht hätte – Zehntausende Juden wären auf dieselbe Weise aus ihren Häusern in Judäa und Samaria vertrieben worden, wie aus dem Gush Katif im Gazastreifen.

Vor nicht allzu vielen Jahren – 19, um genau zu sein – wurden die katastrophalen Oslo-Vereinbarungen unterschrieben; die israelische Regierung und die sie steuerten, wurden in Washington sehr geliebt und bewundert. Israel gewöhnte sich dann an die Wärme und große Beliebtheit im Weißen Haus. Danach flossen Ströme aus Blut durch unsere Straßen – die Früchte der Diplomatie der Oslo-Führer – und diese Führer wurden immer beliebter. Blutend, schwach und beliebt. Als 2002 die Operation Verteidigungsschild begann, nahm unsere Beliebtheit wieder ab. Und als die Selbstmord-Bombenanschläge begannen, stieg unsere Beliebtheit wieder. Manchmal – und was kann man schon tun? – muss der Premierminister Israels stolz mangelnde Beliebtheit und internationale Verachtung erdulden, um die Interessen seines Staates zu verteidigen, selbst wenn dieser Staat Sanktionen, mehr Sanktionen und Strafen erleiden wird.

Selbst die Hatnuah-Pareichefin Tzipi Livni, der ehemalige Premierminister Ehud Olmert und Präsident Shimon Peres denken anders.

Olmert – der jetzt Netanyahu beschuldigt Israels Beziehungen zu den USA aufzugeben – begriff übrigens, dass er mit Washington über die Vereinigung Jerusalems streiten musste, als das für ihn immer noch eine Leitlinie war. Auch Ben-Gurion und Yitzhak Shamir ertrugen schwierige Augenblicke mit Washington, doch sie waren knallhart, wenn sie glaubten, dass israelische Interessen das verlangten. Der damalige Premierminister Menachem Begin stellte dem US-Botschafter gegenüber einmal klar: „Israel ist keine amerikanische Bananen-Republik.“

Vielleicht muss jemand Obama auf die politische, aber bestimmte Weise antworten, mit der Begin Präsident Jimmy Carter ansprach, der darauf bestand Jerusalem zu teilen. Begin sagte: „Wir werden nie auf einen Nenner kommen; wir dürften nur übereinstimmen, das wir unterschiedlicher Meinung sind.“