Etwas Syrisches wurde bombardiert

Gestern kamen Meldungen: Israel hat einen syrischen LKW-Konvoi bombardiert. Der hatte Waffen geladen vielleicht sogar Chemiewaffen. Israel sagte nichts. Die Syrer sagten – erstmal – nichts. Dann fingen die Berichte an sich etwas zu überschlagen und brachten eher mehr Verwirrung als Aufklärung. Heute waren dann die Medien so weit einig, dass Israel Bomben geworfen hatte. Wohin und auf was genau, das war immer noch nicht genau, kann immer noch keiner sagen, die Spekulationen gehen um Waffentransport, aber Syrien sagt auch, eine Forschungseinrichtung sei bombardiert worden. Ulrich Sahm fasst zusammen, was los ist (direkt vom Autor):

Nur selten gibt es so viele Quellen für einen israelischen Angriff. „Westliche Diplomaten“ in London, „Sicherheitskreise“ in Washington, „Sprecher“ im Libanon und zuletzt die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana. Dann kam auch noch eine israelische Bestätigung, aus „Medienberichten“, obgleich im Text der Meldung steht, dass der israelische Militärsprecher derartige Berichte „niemals kommentiert“. Wem soll man glauben?

Wenn doch wenigstens diese anonymen aber offensichtlich glaubwürdigen Quellen Übereinstimmendes behauptet hätten. Erst wurde im Libanon ein Angriff auf einen Lastwagenkonvoi „bestätigt“ und schnell wieder dementiert, bis es hieß, ein grenznahes Dorf sei bombardiert worden. Innerhalb weniger Stunden wanderte der Angriff weg vom Libanon in Richtung Syrien. Auch dort können sich die Berichterstatter erneut nicht einigen, ob denn ein Lastwagenkonvoi mit russischen Raketen auf dem Weg zur Hisbollah attackiert wurde, oder aber ein „Forschungsinstitut“. Ein zerstörtes Gebäude, zwei Tote und fünf Verletzte „bestätigte“ die offizielle syrische Nachrichtenagentur.

Um die Glaubwürdigkeit von Sana zu prüfen, reicht ein Blick auf ihre Homepage. Da richten zwar „Terroristen“ Massaker an, aber die syrische Armee hat mit Erfolg die Sicherheit in Daraa wieder hergestellt. In Damaskus wurde eine Ausstellung zu den „schönsten Schnappschüssen der syrischen Flagge“ eröffnet und die nationale archäologische Mission hat in Hama eine griechische Liebesgöttin ausgegraben. Syrien empfiehlt sich als Touristenland mit neuen Hotels und Kulturerbe.

Warum sollte man also den Syrern mehr glauben, als allen anderen?

Als 2007– gemäß ausländischen Quellen – israelische Kampfflugzeuge angeblich einen im Nordwesten Syriens errichteten Atomreaktor zerstörten, behaupteten die Syrer, dass „Unbekannte“ ein Loch in die Wüste gebombt hätten. Später wurde daraus eine „landwirtschaftliche Versuchsfarm“. Die Amerikaner veröffentlichten Satellitenaufnahmen einer streng geheimen Atomanlage, deren Besitz die Syrer nicht eingestehen konnten, ohne in Teufels Küche zu geraten. Damals wie heute schwieg Israel geflissentlich. Und weil die Syrer nicht eingestehen konnten, dass und was attackiert worden ist, während Israel nicht bestätigen konnte, das Nachbarland Syrien angegriffen zu haben, blieb dieser durchaus ernste Kriegsakt folgenlos.

Er fügt als PS eine dpa-Meldung an, die auch so lauten könnte: „Weder Westerwelle noch die Russen verfügen über gesicherte Erkenntnisse.“

Die Russen sind sich aber mit der Hisbollah einig: Das ist zu verurteilen (Israel darf nicht verhindern, dass die Terroristen im Libanon waffentechnisch besser ausgestattet werden). Das russische Außenministerium krakeelt von „schwerer Verletzung der UNO-Charta“ (was Moskau im umgekehrten Fall noch nie interessiert hat). Und die Arabische Liga ergeht sich in heftigstem Vokabular gegen Israel und die „schweigende internationale Gemeinschaft“.

Die Iraner wettern natürlich über die „Zerstörung syrischer Infrastruktur durch Terroristen“ und den „Luftangriff des zionistischen Regimes auf Syrien“ (weil: Es ist ein Natur gegebenes Recht Israel zu terrorisieren, die Juden dürfen sich verdammt noch mal nicht wehren!). Der Angriff werde für Tel Aviv ernste Konsequenzen haben. Dem folgte dann – auch wieder „natürlich“ – eine ausführliche Beschreibung, dass „das zionistische System die Nachrichtenkanäle der Mainstream-Medien der Welt kontrolliert“.

Assad lässt tönen, Syrien habe eine Überraschungsreaktion als Antwort auf die Bombardierung auf das „Forschungszentrum“.

Währenddessen kommt wieder eine Meldung in westlichen Medien von einer „israelischen Geheimdienstquelle“: Da wurden russische Flugabwehrraketen vom Typ SA-17 von Syrien in den Libanon transportiert.

Sicher ist erst einmal nur eins: Die US-Medien bekamen aus Washington die Information, dass Israel den Schlag führte und die US-Regierung darüber informierte. Außerdem sind sich alle einige, dass es zwei Luftangriffe gab, inzwischen sind sich alle sicher, dass diese innerhalb syrischen Territoriums stattfanden. (Arabische Berichte behaupten drei israelische Formationen hätten seien durch den libanesischen in den syrischen Luftraum eingedrungen.) Auch der Angriff auf einen Waffenkonvoi mit SA-17-Luftabwehrraketen gilt als sicher; diese sollten an die Hisbollah gehen.

Die Syrer tun alles, um nichts Genaues rauszulassen. Die Israelis hätten eine Forschungseinrichtung angegriffen, das sei Terror und es habe gar keinen Konvoi Richtung Libanon gegeben. (Natürlich nicht.)

Aus den von Ulrich Sahm beschriebenen Gründen trägt Israel auch nichts zur Aufklärung bei. Es gibt reichlich Spekulatives, wobei ehemalige Geheimdienstler und Militärs viel darüber sagen, dass Israel sich wehrt, wenn rote Linien überschritten werden und/oder Botschaften/Warnungen vermittelt werden sollen/müssen.

Ganz niedlich werden dann die syrischen „Rebellen“: Assad läge falsch, wenn Israel verurteilt und bedroht – es waren nicht die Israelis, sondern sie, die den Angriff von Mittwochabend ausführten. Sie stellten sogar ein Video ins Internet, das Explosionen in der Anlage bei Damaskus zeigen soll, aber nicht als authentisch bestätigt werden kann.

Alles das Übliche also. Wobei ich mich frage, was an dem israelischen Angriff völkerrechtswidrig sein soll. Syrien befindet sich mit Israel im Kriegszustand. Es gibt einen Waffenstillstand am Golan, aber Syrien unterstützt aktiv eine ganze Reihe von Terrorgruppen, die gegen Israel agieren. Es betreibt Kriegshandlungen gegen Israel, wenn auch nicht direkt. Warum sollte also Israel nicht gegen eine Bedrohung seiner Existenz durch Syrien vorgehen?

Aber ich bin ja kein Fachmann für internationales und Kriegsrecht…

2 Gedanken zu “Etwas Syrisches wurde bombardiert

  1. dass sich ausgerechent Putin über den Angriff auf einen souveränen Staat beschwert, ist schon süß.

    die Souveränität Georgiens war ihm vor 3 Jahren so was von egal gewesen.

    • Och, der arme Wladimir, der war da doch im Auftrag von armen Menschen unterwegs, die vom demokratisch gewählten georgischen Diktator und Kriegshetzer unterdrückt wurden!

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