Operation Wolkensäule – drei Monate danach

Yedidya Kennard, Times of Israel blogs, 14. Februar 2013

Vor drei Monaten bekam ich eines Freitagabends einen Anruf. Als orthodoxer Jude schalte ich normalerweise mein Telefon von Sonnenuntergang am Freitagabend an für 25 Stunden aus. Ich rufe am Schabbat meine Freunde nicht an und meine Freunde rufen mich nicht an. Allerdings erwartete ich diese Anruf fast schon. Ein paar Tage davor hatte Israel den Beginn der Operation Wolkensäule (auf Hebräisch „Amud Anan“) verkündet und ich war mir seit Beginn der Operation der Möglichkeit bewusst eines plötzlichen Einberufungsanrufs bewusst. An diesem Freitagabend kam mein Anruf. Eine halbe Stunde später hatte ich gepackt, war in Uniform in einem Taxi und auf dem Weg zu meiner Reservebasis. Einen Tag später lag ich in einem Graben neben einer Straße und sah der Eisernen Kuppel zu, wie sie ein Dutzend Raketen über meinem Kopf vom Himmel holte. Im Verlauf der nächsten Woche konnte ich nicht mehr zählen, wie oft ich in Deckung rannte, nachdem ich Raketen und Mörser um uns herum fallen hörte – wir waren zu nahe dran, als dass Sirenen effektiv gewesen wären. Ich sah die Mörser rundum in israelische Städte einschlagen und sah die Eiserne Kuppel Dutzende Raketen abschießen. Ich sah, wie Terrororte im Gazastreifen in Pilzen aus Feuer und Rauch ausbrachen.

Der Hintergrund zu Amud Anan  war klar. Mehr als ein Jahrzehnt lang lag das südliche Israel unter einem ständigen Trommelfeuer aus Raketen, was erste Tausenden, dann Millionen Israels die Chance auf ein normales Leben verweigerte. Die Namen von Städten wie Sderot waren zu Synonymen für Leben unter Bedrohung geworden. Im November 2012 wurde es zu viel. Während der Eskalation im November feuerten die Terroristen mehr als 100 Raketen an einem einzigen Tag, eine nicht hinzunehmende Rate, die auch vor der vorherigen Antiterror-Operation im Gazastreifen, der Operation Gegossenes Blei, nicht erreicht wurde. In den Monaten davor wurden 171 Raketen auf Israel geschossen. Der Druck nahm zu und es war klar, dass etwas getan werden musste.

Am 14. November leitete Israel Amud Anan damit ein, dass es Ahmed Jabari, den Militärkommandeur der Hamas, beschoss. Israel verkündete: „Das erste Ziel dieser Operation besteht darin dem Süden Israels die Ruhe zurückzubringen; das zweite Ziel sind Schläge gegen Terror-Organisationen.“ Innerhalb von Minuten waren die weitreichenden Fajr-5-Raketen der Hamas fast komplett zerstört. Ein paar Tage später, an diesem Freitagabend, berief Israel in Erwartung einer möglichen Bodenoffensive Zehntausende Reservisten ein. Stattdessen wurde am Mittwoch, 22. November mit ägyptischer Vermittlung ein Waffenstillstand erzielt.

Die Gefühle zu diesem Schluss waren in Israel gemischt. Einerseits war jeder erleichtert, dass ohne die Notwendigkeit eines ausgewachsenen Kriegs. Doch es gab auch einen allgemeinen Unterton der Enttäuschung, einer verpassten Gelegenheit, die Hamas ein für alle Mal wirklich zu vernichten.

Viele Menschen fragten mich als einberufenen Reservisten, was ich dachte. Dachte ich, dass wir hätten reingehen sollen? Hat diesmal nicht reinzugehen nur das Unausweichliche aufgeschoben? Ich antwortete immer, dass es zu früh sei, um das zu beurteilen und dass wir mindestens noch drei Monate warten müssen, um uns ein Urteil erlauben zu können. Nun, jetzt sind die drei Monate um und hier ist meine Antwort.

Eines der erklärten Ziele der Hamas-Charta ist die Vernichtung Israels. Dieser Konflikt kann daher nur entweder mit der Eliminierung Israel enden, was für die Hamas taktisch nicht möglich ist, oder mit der Eliminierung der Hamas, was für Israel politisch problematisch wäre. Da es also keine realisierbaren langfristigen Lösungen gibt, muss Amud Anan aufgrund seiner kurz- und mittelfristigen Ergebnisse evaluiert werden.

Nach der Operation beanspruchte die Hamas (vorhersehbar) den Sieg für sich. Sie sagte, „die Zionisten“ hätten gezeigt, dass sie zu einer Bodeninvasion nicht fähig seien – sie habe sie gezwungen Farbe zu bekennen. Ein rascher Blick auf die Waffenstillstandsvereinbarung (wie sie von ägyptischen Quellen berichtet wird) macht dieser Auffassung ein Ende. Nach Angaben dieser Quellen versprach die Hamas alle Gewalt gegen Israel zu beenden und sicherzustellen, dass alle anderen Gruppen sich ebenfalls Angriffen enthalten. Die Hamas versprach den Schmuggel von Waffen einzustellen und Ägypten (die Regierung der Muslimbruderschaft) versprach das sicherzustellen. Israel versprach sie nicht anzugreifen, außer es gibt eine unmittelbare Bedrohung. Mit anderen Worten: Israel bekam genau das, was es wollte. Die Hamasführer durften am Leben bleiben, so weit sie das waren. Das ist nicht „Israel musste Farbe bekennen“ – das war aufzugeben, nachdem sie alles auf eine Karte gesetzt hatten. Seit Amud Anan wurde keine Rakete – nicht eine einzige – nach Israel geschossen. Das waren die ruhigsten drei Monate seit zehn Jahren.

Vor der Operation nahm die Hamas an, dass Israel niemals einmarschieren würde. Der öffentliche Druck würde das niemals erlauben. Die internationale Gemeinschaft würde es nicht erlauben. Ihre Raketen großer Reichweite bedrohten Tel Aviv zu stark. Die Hamas nahm an, dass sie Israel weiterhin ohne sonderliche Strafe beschießen könne. Amud Anan änderte das. Entgegen der Vorhersagen der Hamas entschieden sich die Israelis, dass es mehr als ausreichte. Die israelische Öffentlichkeit und Führung waren sogar bereit zu tolerieren, dass Sirenen in Tel Aviv heulten, wenn es letztlich Ruhe für eine Million im Süden lebender Menschen bedeuten würde. Zehntausende Reservisten waren bereit und willens zu tun, was nötig ist, um Frieden und Ruhe aufzuzwingen – und die Regierung war willens sie das tun zu lassen. Die Eiserne Kuppel erwies sich als überwältigender Erfolg, der die Bedrohung durch die Hamas-Raketen wirksam zunichtemachte und Israel mehr Handlungsfreiheit gab. Die internationale Gemeinschaft unterstützte Israels Recht auf Selbstverteidigung. Und knickte die Hamas ein. Drei Monate später ist klar, dass die Hamas die neuen Spielregeln begreift. Jegliche Raketenangriffe auf Israel sind inakzeptabel und können mit vernichtender Reaktion begegnet werden.

Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass dies für immer so bleiben wird. Das wird es nicht. An irgendeinem Punkt wird die Hamas oder eine andere Gruppe im Gazastreifen die Lektion vergessen, die sie im Verlauf dieser Woche gelernt haben. Oder sie werden uns wieder austesten, um zu sehen, wie weit sie uns provozieren können. So lange die Raketen auf Israel gerichtet sind, können und werden sie wahrscheinlich auch eingesetzt werden.

Im Zusammenhang betrachtet hat Amud Anan jedoch sein Ziel erreicht: im Süden ist Ruhe. Die Menschen in Sderot, in Netivot, Eshkol, Be’er Sheva, Aschdod, Aschkelon und zahllosen anderen Orten haben drei unbezahlbare Monate der Normalität gehabt. Und drei Monate später bin ich stolz ein sehr kleiner Teil dessen gewesen zu sein, was das möglich gemacht hat.

2 Gedanken zu “Operation Wolkensäule – drei Monate danach

  1. Warum hat Israel eigtl. keine Gebard Panzer?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Flugabwehrkanonenpanzer_Gepard

    Mit neuer Technik sollen diese auch Mörser Granaten abschiessen können und das mit 35mm Munition auf eine Entfernung von 3-5km.Das dürfte doch wesentlich billiger sein als 50000Euro für eine Iron Dome Abfangrakete.

    Deutschland hat ja alle ausgemustert weil kein Geld da ist…Vom neuesten System gab es aber wohl nur einen einzigen.

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