Sabeel: eine einflussreiche christliche, antizionistische Organisation

Manfred Gerstenfeld interviewt Dexter van Zile (direkt vom Autor)

1994 gründete Pastor Naim Ateek das Sabeel Ecumenical Liberation Theology Center in Jerusalem. Dieser anglikanische Priester mit israelischer Staatsbürgerschaft und seine Partner stellen die Palästinenser als Opfer wie Jesus in dessen Zeit dar. In einem 2005 veröffentlichten Text setzt das Sabeel Center die Lage im Gazastreifen damit gleich, wie Jesus ans Kreuz genagelt wurde. Sie verglichen den Bau der Sicherheitsbarriere an der Westbank mit der Kreuzigung Christi. Sabeel wirbt außerdem für die Idee, dass Israel darauf besteht, die Sünden der antiken Israeliten zu wiederholen, wie sie im Alten Testament ausführlich beschrieben sind.

Ateek hat eine machtvolle internationale, antizionistische Infrastruktur geschaffen. Zu verschiedenen Gelegenheiten hat er gesamtkirchliche Versammlungen in den Vereinigten Staaten beeinflusst. Sabeel hatte Erfolg damit, den Antizionismus in amerikanischen Mainstream-Kirchen zu einer konkurrierenden religiösen Praxis und ein andauerndes Element im protestantischen Denken zu machen. Das ist sogar in einer Reihe von Kirchen aufgetreten, in denen antizionistische Aktivisten in den nationalen Versammlungen nicht die Mehrheit gestellt haben.

Dexter van Zile
Dexter van Zile

Dexter van Zile ist Analyst für christliche Medien beim Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America (CAMERA). Seine Schriften sind in zahlreichen amerikanisch-jüdischen Zeitungen wie auch in der Jerusalem Post, den Ecumenical Trends und dem Boston Globe erschienen.

Er führt an: Zusätzlich zur Veröffentlichung der Schriften seines Gründers sendet Sabeel seine Botschaft über Regionalkonferenzen in die USA und schickt regelmäßige Studiengruppen nach Israel. Weit links stehende amerikanische und israelische oder jüdische Antizionisten wird auf den Konferenzen von Sabeel eine herausragende Stellung eingeräumt, an Israel wird ein strikter biblischer Verhaltensstandard angelegt.

An Israels muslimische Feinde, einschließlich der Terroristen, wird jedoch fast gar kein Standard angelegt. Ateek und das Zentrum sprechen wenig von der Hamas und der Hisbollah. Auch erwähnen sie die von muslimischen Mehrheiten in islamischen Ländern des gesamten Nahen Ostens gegen religiöse und ethnische Minderheiten – einschließlich vieler Christen – verübten Missbräuche nicht.

Sabeel veröffentlicht einen vierteljährlichen Newsletter, Cornerstone. Seine Aktivisten – von denen einige auf den Gehaltslisten amerikanischer Mainstream-Kirchen stehen – sind Gastgeber für jährliche internationale Konferenzen in Jerusalem und führen regelmäßige „Zeugen-Reisen“ ins Heilige Land durch, auf denen Pastoren für die Sache des Antizionismus rekrutiert werden. Nach Angaben der Friends of Sabeel North America (FOSNA) hat Sabeel rund dreißig Zeugen-Reisen nach Israel und in die umstrittenen Gebiete veranstaltet. Die sie auflistende Internetseite nutzt Reiseveranstalter-Terminologie um Christen zu ermutigen von den Sünden des zionistischen Regimes zu erfahren. 2010 organisierten Sabeel-Aktivisten aus Washington DC einen fehlgeschlagenen Boykott israelischer Ahava-Produkte in einem Kosmetikgeschäft in Maryland.

Diese Aktivisten betrachteten sich selbst als gegen mächtige und etablierte theologische Gegner kämpfend – christliche Zionisten, die „Israel-Lobby“ und amerikanisch jüdischen Mainstream-Gruppen. Wie solche Konfrontationen zwischen christlichen Aposteln und ihren Gegnern in die Konvertierung vieler Juden zum Christentum mündete, arbeiten diese Gruppen mit ihrer Konfrontation daran die Menschen zur messianischen Jahrtausendsache des christlichen – und säkularen – Antizionismus zu konvertieren.

Ateek formulierte seine Ideen, die zur Gründung von Sabeel führte, während er in den frühen 1980-er Jahren am San Francisco Theological Seminary an seiner Dissertation arbeitete. In seiner Doktorarbeit forderte er 1982 die Gründung eines christlichen, Frieden stiftendes Zentrum in Israel, das palästinensischen Christen und ihren Unterstützern von außerhalb der Region – besonders in den Vereinigten Staaten – erlauben würde ihrer Verpflichtung nachzukommen, dem „Dienst der Prophetie und des Friedenstiftens“ nachzugehen.

In seiner Dissertation entwickelt Ateek Argumente, die die Legitimität der jüdischen Souveränität untergraben. Ihre Botschaft und die seines ersten Buches ist: Das jüdische Volk hat kein Recht auf einen eigenen souveränen Staat. Seine Kritik an Israel beginnt mit einem ausführlichen Zitat des Historikers Arnold J. Toynbee. Darin greift dieser extreme Antizionist die Art heftig an, in der das moderne Israel das Bild Israels als Verkörperung des Volkes Gottes verdrängt hat, zu dem zu gehören „von der Befolgung der Gebote Gottes abhängig war“.

Toynbee verglich die Zionisten außerdem mit den Nazis. Er erklärte darüber hinaus: „Zionistische Juden sind ein Fragment eines Fossils fremder Herkunft.“ Der israelische Philosoph Nathan Rotenstreich sagte, Toynbees Antizionismus ist deutlich von einer besonderen Feindseligkeit gegenüber dem jüdischen Staat motiviert. Dasselbe gilt für Ateeks Antizionismus.

Der intellektuelle Ausgangspunkt für Ateeks Antizionismus unterscheidet sich von dem der muslimischen Widersacher Israels. Doch seine Schlussfolgerung ist fast dieselbe: Die Juden sind kein Volk, das ein Recht auf seinen eigenen, souveränen Staat hat. Sie sind „religiös vom Glauben Abgefallene, die ihren Status als untertanes Volk akzeptieren müssen.“ In Ateeks Schriften verschmelzen christlicher und islamischer Supersessionismus im Nahen Osten, um eine gemeinsame Front der Verachtung gegenüber jüdischer Souveränität zu bilden.

Van Zile schließt: Sabeel und seine westlichen Unterstützer führen ein theologisches Drama auf. Sie suggerieren ihren Anhängern, dass sie einen Showdown mit den Kräften Israels betreiben, die von Israel und seinen amerikanischen Unterstützern verkörpert werden. Das hat Besorgnis erregende Ähnlichkeiten zum Konflikt zwischen Kirche und Synagoge, der aus der Gründung des Christentums vor zweitausend Jahren entstand und die Wurzel massiven Antisemitismus im Verlauf der Jahrhunderte gewesen ist.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

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