Nicht alle Flüchtlinge sind gleich geschaffen

Innerhalb kürzester Zeit kaperte die arabische Propagandamaschine das aufrüttelnde Bild und bauschte es als das eines winzigen palästinensischen Flüchtlings auf, die sich das Herz aus dem Leib weint. Sie wurde auf der Stelle zum Aushängeschild selbst ernannter Menschenfreunde. Niemand scherte es, dass sie in Wirklichkeit ein jüdischer Flüchtling war, die ihren Schmerz in die Welt schrie. Die korrigierte Bildbeschreibung ließ das Bild in Vergessenheit geraten.

Sarah Honig, 22. Februar 2013

Nicht alle Flüchtlinge sind gleich geschaffen. Dies ist eine unbestreitbare Tatsache – trotz der vorherrschenden Propaganda, die humanitäre Empörung heuchelt. Einige Flüchtlinge sind die Lieblinge der Welt und haben seit Jahrzehnten unaufhörlich stark an ihren innersten Gefühlen gerissen. Andere haben höchstens einen flüchtigen Blick bekommen, begleitet – für einen flüchtigen Moment – von scheinbar mitfühlendem Händeringen.

Ausgesuchte unpopuläre Flüchtlinge werden insgesamt als Dauer-Parias behandelt, deren Qual den Weltfrieden einfach stört. Es ist nicht die objektive Notlage und Elend, die zählen, sondern die Identität der fraglichen Flüchtlinge – ganz zu schweigen von der Identität der sie angeblichen Verfolgenden. Wenn vorgegebene Faktoren zusammenkommen, werden vorgegebene Flüchtlinge von der funktionsgestörten Familie der Nationen stärker als Unterstützung verdienend angesehen.

Gelegentlich dienen Schlagzeilen als unangenehme Erinnerungen an die Heuchelei, nicht dass die meisten Nachrichten-Konsumenten dazu neigen darauf zu achten oder sich auf zweierlei Maß zu konzentrieren. Nehmen wir die missliche Lage der Flüchtlinge aus Syrien. Rund 285.000 davon sitzen im Schmutz libanesischer Zeltstädte. Weitere 250.000 drängeln sich in rudimentär entwickelten Lebensbedingungen in Jordanien. Die Türkei hat etwa 180.000 Personen in eine schmale Sicherheitszone an der Grenze gelassen. Selbst der notleidende Irak spielt unfreiwillig den Gastgeber für rund 85.000 Menschen. Darüber hinaus gibt es zahllose entwurzelte Syrer, die sich noch innerhalb der Grenzen ihres eigenen Landes aufhalten, allerdings obdachlos und unterwegs. Insgesamt wird zurückhaltend geschätzt, dass gut über eineinhalb Millionen Syrer vertrieben wurden. Sie sind nicht aus einem Guss. Einige wurden von Bashar Assad und seinen Hisbollah-Kollaborateuren zu Opfern gemacht. Andere sind Alawiten und Christen – prädisponiert sich auf die Seite Assads zu schlagen – die von den weigehend sunnitischen Rebellen terrorisiert werden, zu denen fanatische Al-Qaida-Kohorten gehören. Fliehen die Alawiten oder Christen in ein weitgehend sunnitisches Nachbarterritorium, werden sie nicht gut behandelt (um es untertrieben darzustellen). Finden sich Sunniten jenseits der Grenze unter Schiiten wieder, werden auch sie schlecht behandelt. Es ist ein komplexes, hässliches Mosaik, das oberflächliche Medienclips von 20 Sekunden Länge verflixt die Stirn bieten.

Diese Flüchtlinge bilden ein herzzerreißendes Bild im Fernsehen und bieten den Quasselstrippen die Gelegenheit pompös herumzudozieren. Aber was soll’s? Die Armut dieser Flüchtlinge ist nicht unvermeidbar. Ihre arabischen Brüder sind die Vermögendsten der Erde und würden nicht einmal ein Kneifen fühlen, würden sie ihre Bänder ihrer Geldbörsen ein ganz klein wenig öffnen und aushelfen. Doch das geschieht nicht. Es ist nicht so, dass die saudischen und Golf-Potentaten sich nicht kümmern. Wenn schon, dann sind sie alles andere als apathisch beim syrischen Aufruhr. Sie finanzieren ihn begierig. Sie schütten unermüdlich Öl-Gelder hinein, um Aufstände scheinbar der Basis zu finanzieren. Aber sie sind notorisch geizig, wenn es darum geht den Opfern des Kampfes zu helfen, den sie finanzieren.

Warum versagt die internationale Gemeinschaft – besonders die mutmaßlich frei denkenden westlichen Demokratien – dabei diese Anomalie wahrzunehmen und sie zu verdammen? Keine Überraschung – es handelt sich um ein festgelegtes Muster. Während syrische Flüchtlinge gutes, auf die Tränendrüsen drückendes Anschauungsmaterial liefern, wird von der fortgesetzten Gleichgültigkeit ihrer begüterten arabischen Verwandtschaft ihrem Leid gegenüber keine Notiz genommen. Dieselbe politische Korrektheit, diktiert von dem, was axiomatisch in der ganzen Welt zementiert worden ist, produziert ziemlich widersprüchliche Antworten auf andere Flüchtlingssagas.

Die viel beklagten palästinensischen Flüchtlinge zum Beispiel hatten seit 1948 auf Platz 1 der Agenda der Weltmeinung gestanden. Selbst in der aufgeblasensten Arithmetik der arabischen Welt war die Zahl der palästinensischen Flüchtlinge weit geringer als die der Syrer heute. Doch irgendwie ist der Aufschrei zu den Syrern bedeutend weniger lautstark und weniger schrill. Sie sind nicht der pathetisch nationalistische und jihadistische Cause célèbre, der die Palästinenser immer noch sind – Generation nach 1948. Allerdings haben die arabischen Öl-Mogule sich auch niemals besonders angestrengt den Palästinensern zu helfen, aber sie überschlugen sich bemerkenswert, um sie zu benutzen.

Schneidende Proteste aus allen Ecken des arabisch-muslimischen Bereichs trieben die UNO dazu die Palästinenser von allen anderen Flüchtlingen auszusondern, sie für außergewöhnlichen Umgang ausersahen und sicherstellten, dass ihre Sache, wie sie war, nie abebbte. 1949 gründete die UNO eine besondere Agentur für diejenigen, die sie für palästinensische Flüchtlinge hielten – getrennt von allen anderen echten Flüchtlingen der Welt. Um alle anderen Flüchtlinge, ungeachtet ihrer objektiven Not, kümmert sich der UNO-Hochkommissar für Flüchtlinge (UNHCR), während die privilegierte palästinensische Kategorie einzig von der UN Relief and Works Agency for Palestinian Refugees (UNRWA) versorgt wird. Und die Akten der UNRWA geben beständig preis, dass die arabischen Länder – trotz ihrer aufhetzerischen Phrasendrescherei – die knauserigsten UNRWA-Spender sind, trotz ihres eigenen, außergewöhnlichen Reichtums und erbarmungswürdigen Schilderungen der Hilfeempfänger als ihrer unterdrückten und hilfsbedürftigen Brüder. Allerdings nehmen die arabischen Spenden beständig ab.

Es gibt mit dieser Wirklichkeit etwas unmäßig falsch, selbst nach den verdrehten Standards der realpolitischen Zweckmäßigkeit. Zunächst einmal sind die, die am wenigsten für die Flüchtlinge tun, genau die Länder, die für das Entstehen ihrer Probleme verantwortlich sind (indem sie das neugeborene Israel angriffen und die örtlichen Araber zur Flucht anhielten, indem sie die „Flüchtlinge“ vertrieben hielten, indem sie sie anspornten irredentistische Ziele zu verfolgen und Gier nach Rache aufpeitschten). Doch dies ist mehr als nur eine Frage bedauerlichen Geizes und beschämender Heuchelei seitens der reichsten UNO-Mitglieder. Genau diese geizigen Regime halten die palästinensischen Flüchtlinge von der Neuansiedlung ab. Seit mehr als sechs Jahrzehnten nutzen sie sie skrupellos als Bauernopfer in einem künstlich in die Länge gezogenen Konflikt mit Israel aus. Diese den Luxus liebenden Araber, die in ihren Almosen an die UNRWA so knickerig sind, benutzen genau diese Organisation, um berechnend zu verhindern, dass die Nachkommenschaft der Flüchtlinge ihren Flüchtlingsstatus verlieren, womit sie das größte Hindernis für den Frieden schaffen, den sie angeblich anstreben. Sie halten die Ambition Israel mit Millionen so genannte Flüchtlinge zu überfluten bewusst am Leben und fachen sie an, während sie Lippenbekenntnisse für eine Zweistaatenlösung abgeben. Hätten ebendiese knauserigen Staaten Flüchtlingsnachkommen geraten ihre Einforderung eines „Rückkehrrechts“ fallenzulassen, hätten sie einen enormen Beitrag sowohl zum Wohlergehen der Flüchtlinge und für den Frieden geleistet. Indem sie das Problem über Generationen hinweg künstlich lebendig halten, strafen sie ihre eigenen Behauptungen der Förderung einer friedlichen Zweistaatenlösung Lügen.

Dasselbe gilt für die UNRWA selbst, eine Organisation, deren Daseinsgrund verlogen ist und deren Selbsterhaltung davon abhängt, sicherzustellen, dass das ihr anvertraute Problem niemals gelöst wird. Das wird offensichtlich, wenn man sich die unterschiedlichen Definitionen von „Flüchtling“ ansieht, die für den UNHCR und die UNRWA gelten. Für den UNHCR ist ein Flüchtling jemand, der „sich aufgrund einer gut fundierten Angst vor Verfolgung … außerhalb des Landes seiner Nationalität aufhält“. Nach dieser Definition sind die Nachkommen der Flüchtlinge keine Flüchtlinge. In Florida geborene Kinder kubanischer Flüchtlinge werden nicht länger als heimatlos angesehen. Die einzige Ausnahme sind die Palästinenser. Die UNRWA klassifiziert alle Araber – einheimisch oder nicht – als Flüchtlinge, die sich „zwischen Juni 1946 und Mai 1948 in Palästina wohnten und sowohl ihre Häuser als auch ihren Lebensunterhalt aufgrund des arabisch-israelischen Konflikts von 1948 verloren“. Allerdings reicht schon ein Flüchtlingselternteil, um die Auszeichnung zu erben – selbst wenn sie sich nicht „außerhalb des Landes der eigenen Nationalität“ befinden. Nach dem Maßstab des UNHCR sind 97 Prozent derer, die die UNRWA als Flüchtlinge betrachtet, keine solchen. Schicht um Schicht unverfrorener Doppelzüngigkeit überlappen unter der Schirmherrschaft der UNRWA und tragen zynisch zur endlosen Fortsetzung der Armseligkeit bei statt die Sache des Friedens und Wohlstands zu unterstützen.

Man sicher vorhersagen, dass im Fall der viel größeren Anzahl syrischer Flüchtlinge nichts Derartiges geschehen wird, auch wenn sie unbestreitbar mehr als die Palästinenser gelitten hatten. Nicht ein Haar auf einem palästinensischen Kopf wäre berührt worden, hätten die Palästinenser sich nicht auf eine Mission unverhohlenen Völkermords gegen ihre jüdischen Nachbarn begeben. Warum sind die Syrer anders als die Palästinenser? Warum die Ungerechtigkeit? Was lässt die Syrer weniger schützenswert sein? Es ist die jüdische Verbindung. Alle Maßstäbe werden hanebüchen gekippt, wenn Juden involviert sind. Das syrische Chaos kann nicht überzeugend mit Israel in Verbindung gebracht werden, so viel auch alle Krieg führende Seiten in Syrien versuchen einander darin zu übertreffen Israel als Gräueltäter darzustellen, der an jeglicher Niedertracht schuldig ist. Es ist daher eine todsichere Wette, dass die Syrer nicht ihre eigene, maßgeschneiderte UNRWA bekommen.

Doch die Palästinenser haben immer als die Opfer des jüdischen Staats posiert, selbst wenn es sie waren, die Israel angriffen. Sie wurden in einem Konflikt zu Flüchtlingen gemacht, den sie selbst veranlassten, der mit der prahlerisch ausgestrahlten Absicht begonnen wurde „alle Juden ins Meer zu treiben“ – d.h. Völkermord und ethnische Säuberung zu begehen. Gleichwohl konnte die UNO ganze vier Jahre nach dem Holocaust (bei dem die Araber kollaborierten und den sie bejubelten) keine Gelegenheit auslassen den jüdischen Staat zur Tadelung herauszugreifen.

In Anbetracht dieser Einstellung wurde jüdischen Flüchtlingen keine besondere Hilfe zuteil. Die Briten jagten sie auf offener See, um ihre klapprigen „illegalen“ Schiffe am Erreichen der jüdischen Heimat zu hindern. Die Abgefangenen wurden in widerwärtigen Lagern unter schockierenden Bedingungen eingesperrt, nachdem sie gerade dem Nazi-Albtraum entkommen waren. In Europas „DP“-Lagern (Heimatlosen-Lagern) standen die Dinge nicht besser; dort hausten Juden „legal“. Der bombastische US-General George Patton betrachtete die exilierten und traumatisierten Holocaust-Überlebenden als unheilvollen Abschaum. Er sperrte die Juden in DP-Lager unter seinem Kommando, innerhalb von Stacheldraht-Einfriedungen, krassem Gegensatz zum Umgang mit deutschen Zivilisten – er hatte nie ein Problem damit seine Bewunderung für die Deutschen zu zeigen. Jüdische Flüchtlinge aus dem Nahen Osten – zahlenmäßig mehr als die palästinensische Flüchtlinge und die lange vor in den verschiedenen derzeitige arabischen Ländern wohnten, bevor der erste Araber auf ihrem Boden erschien, die keine Kriege gegen niemanden anfingen, die weit größeren Wohlstand zurückließen als die Palästinenser je hatten, die vor den Augen der gleichgültigen internationalen Gemeinschaft terrorisiert und ausgeraubt wurden – wurden nie als Flüchtlinge gezählt.

Bis auf den heutigen Tag lehnt es die Meinung der Welt hartnäckig ab anzuerkennen, dass hier ein Bevölkerungsaustausch stattgefunden hat. Es wird nie erlaubt, dass Fakten das beliebte Vorurteil stören – so lange nicht jede Flüchtlingsbegebenheit irgendwie mit dem einen oder anderen jüdischen Aspekt verbunden werden kann. Für die schamlose Pervertierung der Wahrheit gibt es keine Grenzen. Kurz nach Israels Unabhängigkeit wurde der junge, umkämpfte Staat von Zeltstädten voller Flüchtlinge bedeckt, von denen viele aus arabischen Ländern kamen. Anfang 1950 fing der legendäre Fotograf Robert Capa das Bild eines kleinen, weinenden Mädchens im Übergangslager Sha’ar Ha‘aliya ein. Innerhalb kürzester Zeit kaperte die arabische Propagandamaschine das aufrüttelnde Bild und bauschte es als das eines winzigen palästinensischen Flüchtlings auf, die sich das Herz aus dem Leib weint. Sie wurde auf der Stelle zum Aushängeschild selbsternannte Menschenfreunde. Niemand scherte es, dass sie in Wirklichkeit ein jüdischer Flüchtling war, die ihren Schmerz in die Welt schrie. Die korrigierte Bildbeschreibung ließ das Bild in Vergessenheit geraten. Wie wir schon sagten: Nicht alle Flüchtlinge sind gleich geschaffen.