Beendet den arabischen Boykott Israels

Ed Husain, The New York Times, March 8, 2013

An Jerusalems alten Mauern hingen alte Ventilatoren, die ein ratterndes, windiges Geräusch machten. Es war kein Geld für eine Klimaanlage vorhanden. Der Teppich für die Betenden war alt und zerlumpt. Ich befand mich in einem der bedeutendsten Gebäude der Welt, aber Baugerüste und Gerümpel verhinderten, dass ich das Zentrum des Felsendoms sehen konnte.

Undichte Stellen, ungepflegte Schuhregale und unsaubere, altertümliche Kacheln brachten ein Gefühl der Disharmonie in die drittheiligste Stätte des Islam. Nein, das war kein Fehler der Juden oder des Westens, sondern von uns Muslimen, die behaupten täglich an der „Befreiung Jerusalems“ zu arbeiten und ausgerechnet das Herz dieser Stadt vernachlässigen. Warum? Und wie kann sich das ändern?

Vor kurzem besuchte ich zum ersten Mal Israel und die Westbank. Ich bin Muslim; und in muslimischen Gemeinden rund um die Welt bedeutet Israel zu besuchen „das zionistische Gebilde“ zu unterstützen und daher soziale Isolation zu riskieren. Dieses Denken ist nicht nur veraltet, es ist kontraproduktiv.

Die Arabische Liga begann ihren Boykott zionistischer Waren schon 1945 und schuf ein Zentrales Boykott-Büro, um minimalen arabischen Kontakt mit Israel sicherzustellen. In der Realität umgehen die Golfstaaten und andere diese Politik, aber die arabischen und muslimischen Massen müssen sich noch von diesem Denken lösen, alles Israelische zu boykottieren.

Der prominente Kleriker Yusuf al-Qaradawi schreibt zusätzlich zur Rechtfertigung von Selbstmord-Bombenanschlägen gegen Israelis regelmäßig seine Fatwas fort, mit denen er sein Podium bei Al-Jazira nutzt die Muslime zu drängen, Kontakte mit Israel zu meiden. Jüngste Versuche europäischer marxistischer Akademiker Israel zu boykottieren haben diese kontraproduktive Haltung unterstützt.

In vielen Moscheen und Universitäten dürfte diese Sichtweise den Überlegenheitskomplex einiger Akademiker und muslimischer Kleriker stärken. Doch die Hauptopfer dieses Boykotts sind nicht die Israelis, sondern die Palästinenser. Israels Wirtschaft boomt, während die Palästinenser in jämmerlicher Armut stagnieren. Der Jahrzehnte alte arabische Boykott ist elendig gescheitert. Geschätzte 70 Prozent der palästinensischen Familien in Ostjerusalem leben unter der Armutsgrenze.

Araber aus Nachbarstaaten besuchen Jerusalem wegen des Boykotts nicht, aber viele arabische Männer haben diesen Luxus nicht: Sie finden Arbeit als Reinigungskräfte und Gepäckträger in den Hotels der Stadt oder in jüdischen Betrieben oder fahren in die Westbank, um dort Arbeit zu suchen.

Viele Menschen verurteilen die israelischen Siedlungen und fordern einen Wirtschaftsboykott ihrer Produkte, doch ich sah, dass es arabische Bauarbeiter, Klempner, Taxifahrer und andere Arbeiter waren, die israelischen Lebensstil pflegen. Separatismus im Heiligen Land hat nicht funktioniert und es ist an der Zeit ihn zu beenden. Wie viel länger noch werden wir die Palästinenser bestrafen, um ein freies Palästina zu schaffen?

Ich gab das muslimische Gruppendenken auf und reiste nach Israel, weil es neuen Schwung in der Region gibt. Der frühere ägyptische Großmufti Ali Gomaa und der prominente Gelehrte Habib Ali a-Jifri traten aus dem Glied Qaradawis und reisten im letzten April nach Jerusalem. Sie rechtfertigten ihren Besuch auf Grundlage der heiligen Schriften und zitierten die Ermutigung der Gläubigen durch den Propheten Mohammed das Heilige Land zu besuchen. Ihre Reise wurde durch Prinz Ghazi bin Muhammad bin Talal von Jordanien vermittelt, dem wichtigsten religiösen Ratgeber König Abdallahs II.

Muslimische Führer in Jerusalem hießen beide Männer willkommen und palästinensische Imame forderten auf Al-Jazira (Arabisch) und in anderen Medienorganen ein Ende des arabischen Boykotts. Das war eine direkte Herausforderung der Radikalen wie Qaradawi und seiner Unterstützer in der Muslimbruderschaft in Kairo und der islamistischen Ennahda-Partei in Tunis. Warum wollen sie den Boykott fortsetzen?

Das Freihandelsabkommen der Türkei mit Israel, das beiden Seiten Erträge bringt, Jordaniens freundliche Beziehungen zum jüdischen Staat und dass zwei prominente Wissenschaftler neuerdings Führungsqualitäten zeigen, zeigt uns, dass nicht alle Araber und Muslime sich der Konfrontation verschrieben haben.

Präsident Obama wird diesen Monat Israel und Jordanien besuchen. Einmal mehr liegt Gerede von der Erneuerung der Friedensverhandlungen in der Luft, doch die Gespräche werden wieder fehlschlagen, wenn es keine weiter gehenden Haltungsveränderungen gibt. Premierminister Benjamin Netanyahu hat – bei all seinen Fehlern – Recht, wenn er eine breitere Neigung zur Intoleranz gegenüber Israel feststellt. Die Staaten des Arabischen Frühlings können es nicht Ernst damit meinen Demokratie zu wollen, wenn sie ihren Bürgern den Besuch muslimischer (und jüdische und christlicher) heiliger Stätten verbieten.

Die Stimme der palästinensischen Imame, die ein Ende des Boykotts sehen wollen, müssen verstärkt werden. Religiöse Leiter des Al-Azhar-Seminars in Ägypten oder der Universität von Medina in Saudi-Arabien, die für Frieden werben, werden von politischen Entscheidungsträgern oft ignoriert, obwohl sie enormen öffentlichen Einfluss haben. Eine von solchen moderaten Imamen unterschriebene Friedensvereinbarung würde breiten politischen und religiösen Einfluss haben.

Ohne eine Veränderung in der Haltung werden Israels Sicherheitsbedenken niemals vermindert werden. Für Araber Israel menschlich zu machen – indem man Amerikas muslimische Verbündete zusammenbringt, indem man Antisemitismus in Schulbüchern und Predigten in Moscheen angeht, indem man arabischen Bürgern erlaubt Israel zu besuchen und Handel mit ihm zu treiben – sind notwendige erste Schritte.

Um in muslimischen Augen glaubwürdig zu sein, muss jede Friedensvereinbarung den Rückhalt wichtiger sunnitischer Mächte haben, darunter Saudi-Arabiens, der Türkei und Ägyptens. Mit islamistischen Organisationen verschiedener Färbungen an der Macht in Ankara, Tunis, Gaza, Kairo und im Aufstieg in Libyen, dem Jemen, Syrien und Jordanien, kann der Westen nicht weiter die religiösen Dimensionen des arabisch-israelischen Konflikts ignorieren.

Wenn wir den islamistischen Tiger nicht zähmen, werden wir in einem Jahrzehnt zurückblicken und jammern.

Ed Husain ist Senior Fellow für Nahost-Studien beim Council on Foreign Relations.

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