Wie Jimmy Carter zur Dämonisierung Israels ermutigt

Manfred Gerstenfeld interviewt Alex Safian (direkt vom Autor)

Vorbemerkung heplev: Ich habe 2007 einen Vortrag des langjährigen Leiters des Carter Centers und Carter-Vertrauten Kenneth W. Stein erlebt. Der Mann war wegen Carters Lügenbuch „Palestine: Peace Not Apartheid“ von seinem Posten zurückgetreten und beschrieb den Irren in allen Einzelheiten: seine Lügen, seine Halsstarrigkeit, wenn man ihn auf Unwahrheiten hinwies und sein stures Beharren auf den eigenen – verlogenen, unwahren und verleumderischen – Darstellungen der Geschichte. Da er das schon länger erlebte, fragte man sich, wieso er sich erst 2006 von Carter trennte. Fazit: Was Alex Safian beschreibt, ist fast noch zurückhaltend.

Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter hat eindeutig ein Problem mit Israel und sogar mit den Juden. Seine Sympathien liegen fast immer bei den Feinden Israels und denen der Juden. Viele seiner abwegigen Äußerungen im Verlauf der Jahre zielten gegen Israel.

Die Art, wie Carter vorgeht, ist am besten in seinem Buch „Palestine: Peace Not Apartheid“ (Palästina: Frieden, nicht Apartheid) erkennbar, das 2006 erstmals veröffentlicht wurde. Er behauptet weiterhin, dass alles, was er schrieb, vollkommen fehlerfrei ist, selbst nachdem die zahlreichen Faktenfehler des Buches öffentlich aufgedeckt und weithin verbreitet wurden.

Alex SafianAlex Safian ist Associate Director von CAMERA (Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America).

Er fügt an: Mit derart vielen ungeheuerlichen Fehlern und Fehldarstellungen ist es fast unmöglich die offensichtlichsten falschen Abschnitte des Buchs auszuwählen. Man kann jedoch Abschnitte wählen, die Carters typischen Modus operandi bei der Täuschung seiner Leser illustriert. Zum Beispiel behauptete er 2006 in einem Interview mit Larry King: „Seit August 2004 … hat sich die Hamas keines Terroraktes mehr schuldig gemacht, der ein israelisches Leben forderte.“ Dieselbe Behauptung findet sich auf den Seiten 179 und 184 in seinem Buch.

Dies war auf mehreren Ebenen eine falsche Behauptung. Am 31. August 2004 wurden bei zwei fast simultanen Selbstmord-Bombenanschlägen in Linienbussen in Beer Sheva 16 Menschen getötet und 100 verletzt. Am 29. September 2004 wurden zwei Vorschulkinder von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Qassam-Rakete getötet. Am 13. Januar 2005 griffen palästinensische Terroristen die Karni-Kreuzung zwischen dem Gazastreifen und Israel an, wobei sie 6 Zivilisten töteten. Am 13. Juli 2005 wurde eine Frau von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Qassam-Rakete getötet. Die Hamas beanspruchte die volle Verantwortung für all diese Anschläge.

Carter konnte nur deshalb behaupten die Hamas halte den Waffenstillstand ein, indem er diese tödlichen Angriffe verschwieg. Natürlich sollen solche fingierten Darstellungen der Hamas als „moderat“ sein Publikum dazu bringen zu glauben, dass die „halsstarrigen Israelis“ das Friedenshindernis sind.

Carter log auch durch Auslassung, als er 2006 in der Caplis & Silverman-Show aus Denver interviewt wurde. Silverman fragt ihn: „Reiste nicht letzte Woche der Chef der Hamas, der gewählte Führer der Palästinenser, nach Teheran und sagte: ‚Wir werden die zionistische Usurpatoren-Regierung niemals anerkennen … und wir werden mit unserer Jihad-Bewegung weiter machen … bis zur Befreiung Jerusalems“? Carter stritt wiederholt ab, dass dies stattgefunden habe, doch die von PA-Premier Ismail Haniyeh getätigten Äußerungen waren von der Associated Press, der Chicago Tribune, der Detroit Free Press, dem Guardian und natürlich anderen zitiert worden.

Offensichtlich geht Carters Arroganz so weit, dass er zu glauben scheint, wenn er selbst etwas nicht weiß, dann muss es falsch sein. Und selbst nachdem er gezwungen wurde zuzugeben, dass einige seiner antiisraelischen Lieblingsbehauptungen unwahr waren, wiederholte er sie später wieder. Ein typisches Beispiel betrifft Menachem Begins angebliches Versprechen während der Verhandlungen in Camp David, er würde einen unbefristeten Siedlungsbaustopp verhängen.

Carter behauptet auf Seite 50 seines Buches: „Die vielleicht gravierendste Auslassung in den Gesprächen von Camp David 1978 war das Versäumnis Begins mündliches Versprechen bezüglich des Siedlungsbaustopps in den folgenden Friedensgesprächen schriftlich abzuklären.“ In einem früheren Op-Ed beschuldigte er Begin sein Wort gebrochen zu haben. Das war nicht wahr. Begin hatte sich nur zu einem dreimonatigen Siedlungsbaustopp verpflichtet und Carter wusste das.

Das wurde 2003 auf einem Symposium in Washington offenkundig, auf dem der 25. Jahrestag der Camp David-Abkommen gefeiert wurde. Der ehemalige Vorsitzende des Obersten Israelischen Gerichtshofs, Richter Aharon Barak, der zur Zeit von Camp David Generalstaatsanwalt war, erklärte, dass er der einzige war, der sich während des damaligen Treffens Notizen machte; diese zeigten, dass Begin nur einem Baustopp von nicht mehr als drei Monaten zugestimmt hatte. Abseits der Kamera wurde Carter gehört, wie er sagt: „Ich bestreite das nicht.“ Obwohl er dies 2003 eingestand, kehrte Carter später in Op-Eds und in seinem Buch dazu zurück Begin zu beschuldigen, er habe sein Versprechen eines Siedlungsbaustopps nicht eingelöst.

Wer nur den Titel von Carters Buch oder Nachrichten darüber liest, bekommt den Eindruck, dass Israel eine Apartheid- und damit extrem rassistische Gesellschaft ist. Unter Druck sagte Carter jedoch, er habe damit nur auf Israels angebliche Behandlung der Palästinenser in den Gebieten Bezug genommen, nicht z.B. darauf, wie Israel mit seinen arabischen Bürgern umgeht. Carter gibt außerdem regelmäßig die Definition des Wortes „Apartheid“ falsch an; er sagt, sie basiere nicht auf Rassismus. Das Römische Statut des Internationalen Kriminalgerichtshofs definiert aber Apartheid als „unmenschliche Handlungen … die von einer rassischen Gruppe im Zusammenhang mit einem institutionalisierten Regime der systematischen Unterdrückung und Beherrschung einer oder mehrerer anderer rassischer Gruppen…“

Es gibt einen weiteren Fall, der erwähnt werden muss: 1987 appellierte Carter „aus humanitären Gründen“ im Interesse des ehemaligen Nazi-Wachmanns Martin Bartesch beim US-Justizministerium. Bartesch verlor seine US-Staatsbürgerschaft und wurde ausgewiesen, nachdem Informationen ans Tageslicht kamen, dass er im KZ Mauthausen einen jüdischen Gefangenen getötet hatte.

Safian schließt: Ob es die Hamas ist, die PLO, Arafat höchstselbst, saudische Prinzen oder beliebige Nazi-Kriegsverbrecher – Carter scheint immer leidenschaftliches Mitgefühl für die Feinde der Juden zu haben. Mitgefühl für die Juden selbst oder Israel ist scheinbar nur schwer zu bekommen.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.