Kerrys fürchterliche Analogie

Ruthie Blum, 23. April 2013

Als US-Verteidigungsminister Chuck Hagel am Sonntag in Israel ankam, um einen Waffenhandel zu besiegeln und die Plattitüden der Obama-Administration darüber zu wiederholen, dass dem Iran nicht erlaubt werde Atomwaffen zu erlangen, befand sich US-Außenminister John Kerry in Ankara und versuchte die Aussöhnung zwischen der Türkei und Israel auf die Schnelle in Gang zu bekommen.

Israel ist bereit und willens. Nicht entschuldigte sich Premierminister Benjamin Netanyahu letzten Monat beim türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdoğan, er schickte auch am Montag eine Delegation in die Türkei, um die Einzelheiten des Entschädigungspakets auszuhandeln, das Israel bereit ist den Familien der von israelischen Soldaten während des Angriffs auf die „Free Gaza-Flottille“ von 2010 getöteten Aktivisten zahlen will.

Es sind die türkischen Offiziellen, die unversöhnlich sind, trotz der Tatsache (oder vielleicht weil) nicht eine einzige Person auf der Mavi Marmara getötet wurden wäre, hätten die türkischen und andere Aktivisten die israelischen Soldaten nicht brutal angegriffen, die entsandt wurden, um die Flottille daran zu hindern die Seeblockade des Gazastreifens zu verletzen.

Weder die türkischen Behörden noch ein größerer Teil der türkischen Öffentlichkeit sieht das so. Erdoğan ist durch und durch Islamist, weshalb er in naher Zukunft eine Reise in den Gazastreifen plant, um seinen Hamas-Kumpeln einen Schlag auf den Rücken zu geben.

Das ist für Kerry ein Problem, der es nicht will, dass es so offensichtlich ist, dass sein amerikanischer „Verbündeter“ einer Terrororganisation minütlich näher kommt. Und für PA-Präsident Mahmud Abbas ist das eine Quelle der Bestürzung, denn er spielt zweihändig: sich selbst stellt er als einzig legitimen Führer des palästinensischen Volks dar und versucht außerdem das Kriegsbeil mit der Hamas zu begraben.

Abbas mag zwar Anzug und Krawatte tragen, wenn er nicht auf einer Matte in der Moschee kniet, doch der einzige Grund, dass er die Hamas bekämpft, besteht darin, dass diese eine Bedrohung seiner Herrschaft darstellt. In anderer Hinsicht sind seine Organisation und die Hamas einer Meinung, so wenn es um das ultimative Ziel der Beseitigung Israels geht. Ihre Meinungsverschiedenheit besteht zu Zeitpunkt und Methode, ganz ähnlich der Meinungsverschiedenheit zwischen den USA und Israel darüber, wie mit dem Iran umgegangen werden soll.

Weil Kerry es sich zum Auftrag gemacht hat bis Ende 2014 einen Palästinenserstaat zu schaffen, versucht er hektisch die Türkei an Bord zu holen. Auch Abbas beäugt derzeit die Türkei. Und auch er reiste diese Woche nach Ankara, wo er Kerry privat traf, bevor er Erdoğan bat ihm zu helfen, dass die Fatah und die Hamas sich zusammentun.

Das ist dieselbe Hamas, die den Gazastreifen beherrscht, die Terror-Enklave, die letzte Woche die Bomben von Boston feierte, indem man jubelte, auf der Straße tanzte und Passanten Kuchen und Süßigkeiten spendierte. Es war genauso wie beim 9/11 und die Einwohner des Gazastreifens frohlockten.

Das hielt Kerry, der sich einer „ausgedehnten und konstruktiven“ Diskussion mit dem türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu über die Erneuerung der Verbindungen mit Israel erfreute, nicht davon ab die Ereignisse auf der Mavi Marmara mit den Bomben von Boston zu vergleichen:

„Ich weiß, dass ist für einige Leute eine emotionale Sache“, betonte er. „Insbesondere sage ich den Familien der Menschen, die bei dem Vorfall verloren wurden, dass wir diese Tragödien absolut verstehen und wir mit ihnen mitfühlen … Ich habe gerade die Woche in Boston durchgemacht und habe tiefe Gefühle für das, was geschieht, wenn man Gewalt vorfindet und etwas geschieht und man Menschen verliert, die einem nahe stehen und lieb sind. Das beeinflusst eine Gemeinschaft, das beeinflusst ein Land. Wir sind dafür sehr sensibel.“

Dies falsche und widerliche Analogie hätte die vom nationalen Sicherheitsberater Yaakov Amidror geleitete israelische Delegation veranlassen sollen die Reise von Montag zu streichen. Weil aber Hagel in Jerusalem ist, um israelisch äußerst wichtige militärische Ausrüstung für einen potenziellen Schlag gegen Irans Atomanlagen ist und wohl den türkischen Luftraum für den Fall eines Angriffs braucht, flogen sie natürlich los, um über die vielen Millionen Dollar zu verhandeln, die Israel gezwungen werden wird an die Täter des Flottillengemetzels zu zahlen.

Jemand anderes, der eine geplante Reise nicht absagen wird, ist Erdoğan. Er plant im Mai nach Gaza zu reisen, um des dritten Jahrestages des Mavi Marmara-Vorfalls zu gedenken, wozu ein Antiisrael-Hassfest gehört.

Das ist der Grund, dass Kerry forderte, er solle seinen Besuch verschieben, denn er hat Angst, dass dieser die Möglichkeit „den Friedensprozess“ zwischen Israel und den wieder in Schwung zu bringen „in Gefahr bringen“ könnte.

Wo wir von den Palästinensern reden: Auch Abbas bat Erdoğan nicht in den Gazastreifen zu reisen, bis die Fatah und die Hamas ihre Differenzen beigelegt haben.

Angesichts von Kerrys Buckeln ist es kein Wunder, dass Erdoğan nicht die Absicht hat seiner Bitte nachzukommen. Für Islamisten ist Buckeln ein Zeichen der Schwäche und Amerika zeigt ihnen ständig, dass sie mit dieser Sichtweise recht haben.

Während Washington weiterhin behauptet es wisse immer noch nicht sicher, was die beiden Brüder aus Tschetschenien zum Massenmord beim Boston-Marathon „motivierte“ und amerikanische Experten darüber argumentieren ob die verfassungsgemäßen Rechte des überlebenden Bruders aufrecht erhalten werden sollten, bejubeln radikale Muslime überall den Erfolg des Jihad gegen den Westen.

Schande über Kerry.