Norwegens jährlicher Tag des Hasses

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die jährlichen Feiern zum 1. Mai haben in Norwegen nicht nur mit dem Internationalen Tag der Arbeit zu tun. Man könnte sagen, dass er für die norwegischen Gewerkschaften eine Zweitrolle als Israelhass-Tag hat. Hauptkoordinator der Veranstaltungen ist LO, die Dachorganisation der norwegischen Gewerkschaften. Vor jeder großen Zusammenkunft wird lokal über Texte und Themen entschieden. Dann erschienen diese gewöhnlich auf Transparenten oder Postern. Die meisten stellen Norwegens innenpolitische Probleme heraus. Was Auslandsthemen angeht, konzentriert man sich überwiegend auf Israelhass.

Premierminister Jens Stoltenberg sprach auf der Hauptfeier zum 1. Mai in Oslo. Unmittelbar vor ihm sprach als Gastrednerin Salma Abudahi von der Union der Landwirtschaftlichen Arbeitskomitees in Gaza. Sie nannte Raketen ein „Symbol des Widerstands“ und sagte, besetzte Völker hätten das Recht sich zu verteidigen. Abudahi fügte an: „Es ist wichtig die Proportionen zu verstehen. Die Israelis töten ständig unsere Angehörigen.“1 Bei dieser Versammlung war das einzige internationale Thema, das sich auf ein Land bezog: „Unterstützt den Staat Palästina – Boykottiert Israel“.2

In Bergen, Norwegens zweitgrößter Stadt, gehörte zu den Plakaten der Demonstration. „Der israelische Staat = Apartheid“, „Hebt die Gaza-Blockade auf – Boykottiert Israel!“ und „Syrien blutet – Die UNO muss den Frieden sicherstellen“. In der drittgrößten Stadt, Trondheim, hieß es auf einem Transparent: „Boykottiert Israel – brecht die Verbindung zur Histadrut ab“. Bilder junger Kinder, die dieses Hass-Poster halten, stehen im Internet. In Norwegens viertgrößter Stadt, Stavanger, lautete ein Demonstrationsplakat: „Befreit Palästina – Reißt die Mauern nieder – Boykottiert Israel“. Nur in Kristiansand, der fünftgrößten Stadt des Landes, die im südlichen Bibelgürtel liegt, gab es keine antiisraelischen Texte.

In Oslo fand vor dem Parlament auch eine Demonstration zugunsten Israels statt. Sie wurde vom norwegischen Zweig der Internationalen Christlichen Botschaft in Israel organisiert. Politiker der Fortschrittspartei und der Christlichen Volkspartei hielten Reden. Beide Parteien befinden sich in der Opposition. Auf den Plakaten stand: „JA zu Israel, Freiheit und Demokratie“ und „NEIN zum Boykott“. Es nahmen mehrere Hundert Personen teil.

Gewerkschaftliche Hasspropaganda gegen Israel reicht viele Jahre zurück. In ihrer Rede zum 1. Mai 2002 befürwortete die damalige Gewerkschaftsführerin Gerd Liv Valla bereits einen Boykott israelischer Handelsgüter, „solange der Konflikt weiter geht“.3

LOs größte angeschlossene Gewerkschaft ist die Union der Städtischen und Allgemein Bediensteten mit mehr als 300.000 Mitgliedern. Auf einem wichtigen Treffen im Jahr 2011 begegnete den Teilnehmern bei ihrer Ankunft Stacheldraht, Checkpoints und Soldaten. Das sollte ihnen ein Gefühl dessen vermitteln, was „ein Palästinenser tagtäglich durchmacht“.

Letztes Jahr sprach Stoltenberg am 1. Mai in Bergen. Israel war das einzige Land des Auslands, das von den dortigen Teilnehmern heftig angegriffen wurde. Stoltenberg reagierte darauf in seiner Rede nicht. Israel auf diese Weise herauszuheben wie kein anderes Land, ist – nach Angaben der europäischen Arbeitsdefinition für Antisemitismus – eine antisemitische Handlung.5 Als die norwegische Botschaft in Tel Aviv mich fragte, warum ich veröffentlichte, dass Stoltenberg Teilzeitantisemit sei, gab ich das in meiner mit Fußnoten versehenen Antwort als eines von mehreren Beispielen an.6

In Norwegen gibt es regelmäßig Hetze gegen Israel durch Minister der Regierung, Gewerkschaften, Medien, NGOs, Akademiker usw. 2012 zeigte eine von der Regierung finanzierte und vom Oslo Holocaust Center durchgeführte Studie, dass 38% der Norweger der Äußerung zustimmen: „Israel verhält sich gegenüber den Palästinensern wie die Nazis sich gegenüber den Juden verhielten.“ Daraus darf man ableiten, dass rund eineinhalb Millionen erwachsene Norweger glauben, Israel repräsentiere das „absolut Böse“.7

Die Forscher, die diesen Bericht zusammenstellten und diese Daten veröffentlichten, „vergaßen“ aber zu erwähnen, dass Israel als Nazistaat zu bezeichnen antisemitisch ist. Dadurch, dass sie dies in den Antisemitismus-Statistiken nicht einbezogen schufen sie die falsche Vorstellung, dass Antisemitismus sich in Norwegen auf niedrigem Niveau befindet. Diese „Auslassung“ wird von der norwegischen Regierung genutzt, um genau diese falsche Vorstellung zu fördern.

Viele Jahrhunderte lang förderte die katholische Kirche weltweit die Lüge, die Juden begingen Gottesmord, was aus ihrer Sicht das absolut Böse war. Die Nazis nannten die Juden ausdrücklich „Untermenschen“, was zu ihrer Zeit das Symbol des absolut Bösen war.

Norwegens „progressive“ Antiisrael-Hassverbreiter haben dasselbe Ziel erreicht: zu vermitteln, dass Israel auf eine andere Weise das derzeit absolut Böse ist. Sie benutzen die Methode der „tausend Schnitte“. Fast fast täglich werden negative Nachrichten über Israel veröffentlicht. Das wird von verschiedenen weiteren Taten begleitet. Eine der jüngsten ist die Verleihung der höchsten norwegischen Auszeichnungen durch König Harald V. an zwei Hamas-Unterstützer, die Ärzte Mads Gildbert und Erk Fosse.8 Alleine verursacht keiner dieser „Schnitte“ viel Schaden, doch alle zusammen führen zu Israels Dämonisierung.

Diese Methode wird von einer zweiten Manipulation begleitet – der Auslassung vieler positiver Nachrichten zu Israel. Kombiniert wird das dann damit, dass die oft extrem negativen Nachrichten über Palästinenser, andere Araber und Muslime weggelassen werden. Dahinter steht, was am besten als „humanitärer Rassismus“ beschrieben werden kann. Es bedeutet, dass z.B. Farbige oder Schwache nicht für ihre kriminellen Taten verantwortlich gemacht werden. Verantwortung ist aber einer der wesentlichen Teile des Unterschieds zwischen Mensch und Tier. Die logische Schlussfolgerung ist: Es gibt viele solcher Rassisten im selbst erklärten „antirassistischen Lager“ Norwegens.

 

1 http://www.frifagbevegelse.no/arbeidslivet/article6632887.ece
2 http://www.aktivioslo.no/hvaskjer/feiring-og-markering-av-1-mai-pa-youngstorget/
3 LO-lederen vil ha fredsstyrker til Midtøsten. Aftenposten, 1. Mai 2002 (in Norwegisch)
4 http://www.fagforbundet.no/?article_id=67207
5 fra.europa.eu/fraWebsite/material/…/AS-WorkingDefinition-draft.pdf
6 s. auch: Manfred Gerstenfeld: Mer antisemittisme in Norge. Dagen, 16. Juli 2012.
7
Antisemittisme i Norge? Den norske befolkningens holdninger til jøder og andre minoriteter. HL-senteret, 20. Mai 2012 (http://www.hlsenteret.no/publikasjoner/antisemittisme-i-norge)
8 Tildeling av ordener og medaljer. In: Det Norske Kongehus (http://www.kongehuset.no/tildelinger.html?tid=28028&sek=27995&q=&type=27118&aarstall= [12 May .2013])

4 Gedanken zu “Norwegens jährlicher Tag des Hasses

  1. Ich boykottiere Norwegen (also keinen Lachs..); ebenso die anderen nordischen (natürlich auch die mohammed. Länder). In letzter Konsequenz bedeutet dies, daß man nur noch Israel. Produkte kaufen kann. Tipp (darüber hinaus): Wenn z.B. die Großtante des Nachbarn keinen Erben hat, dann überzeugen, daß sie ihre Preziosen einer israel. Organisation vermachen soll und nicht dem Hundezüchter- verein von nebenan oder gar unserem korrupten Staat. FG M.K.

  2. an heplev: Apropos Haß: Wie geht´´s der kleinen Adele Biton, die von einem dieser Barbaren schwer- oderr lebensgefährlich verletzt wurde? Hoffentlich mittlerweile gut oder zumindest besser. m.k.

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