Unterschiede bereichern das Leben: Ein gewöhnlicher Tag in Israel

Diana Bletter, Huffington Post blogs, 20. Mai 2013

Meine Freundin Nasra Hussein kam gerade von einer wissenschaftlichen Konferenz in Österreich zurück. Dort traf sie Wissenschaftler aus Gegenden wie Saudi-Arabien und Südafrika, die angesichts der Entdeckung geschockt waren, dass eine muslimische Araberin mit Juden in Israel lebt und arbeitet. Nasra, die gerade unter der Aufsicht eines jüdischen Mentors ihren Doktortitel erhielt, erklärte, dass sie im Krankenhaus von Nahariya arbeitet (das von der Hisbollah während des Krieges mit Israel 2006 bombardiert wurde). Die Belegschaft des Krankenhauses besteht aus äthiopischen Juden, Drusen, Muslimen, Christen und Juden.

Nach meinem Gespräch mit Nasra kam mir ein Gedanke. Ich habe in New York City gelebt, in London und in Paris. In jeder Stadt gibt es verschiedene ethnische Viertel. Paris hat seine afrikanischen Viertel, New York seine spanischen und asiatischen Viertel; London hat seine arabischen Viertel. An einem Durchschnittstag in Ihrer Stadt oder Gemeinde: Wie viele Menschen anderer Religionen und Rassen treffen Sie da?

Ich leben im westlichen Galiläa in Israel, Heimat für rund eine Million Menschen, die sich fast in der Rate von 50 zu 50 auf Araber und Juden verteilen.

Neulich – es war ein ganz ein gewöhnlicher Tag – stand ich auf und brachte mein Auto in die Werkstatt in unserem Dorf; sie gehört Nasser, einem Muslim, der sie auch betreibt. Nasser beschäftigt etwa 15 Personen in seinem Laden, darunter meine Freundin Jasmine (gleich mehr zu ihr), mehrere Mechaniker (Muslime und Juden) und eine rumänischen Christin, die beim Medizinstudium in Bukarest einen Muslim traf, ihn heiratete und nach Israel zog.

Von dort ging es nach Akko – mit rund 500.000 Einwohnern, von denen 30 Prozent Araber sind – um meine Freundin Janan zu besuchen. Sie war die erste Drusin in Israel (wenn nicht im gesamten Nahen Osten), die einen Doktortitel erhielt. Janan ist Gründerin von Akko Vision, einer Dialoggruppe, die aus jüdischen, muslimischen, christlichen und drusischen Frauen besteht. (Ich gehöre der Gruppe an.) Es gibt auch eine Bahai-Frau. (Anders als im Iran, wo die Bahai verfolgt werden.) Die letzte Initiative der Gruppe war ein Besuch von Frauen aus Bethlehem.

Nach dem Treffen mit Janan ging ich auf den Markt in der Altstadt von Akko, wo ich durch sich uralte, sich schlängelnde Gassen ging, arabische Musik spielte, Weihrauch verbrannte, Wasserpfeife geraucht wurde, der Geruch von Koriander und frischem Pitabrot hing. Ich hielt an, um bei einem christlichen Paar, dem einer der größten Touristenläden der Altstadt gehört, von armenischen Handwerkern hergestelltes Ton-Geschirr zu kaufen. Ich erfuhr, dass es nur ein Land im Nahen Osten gibt, in dem die christliche Bevölkerung zunimmt – und das ist Israel. (Im Irak, dem Libanon und Libyen sind Christen die Opfer religiöser Verfolgung geworden. Es hat eine Steigerung der Angriffe auf Christen gegeben, seit die Muslimbruderschaft in Ägypten an die Macht kam. Im Gazastreifen sehen sich Christen täglich Angriffen ausgesetzt.)

Dann rief ich Jasmine an, Nassers Schwester, die die Autowerkstatt managt und gerade herausfand, dass sie schwanger ist. Sie wird über Israels Versicherungsprogramm volle Schwangerschaftsvorsorge – alles – bekommen. Wäre sie nicht in der Lage gewesen schwanger zu werden, hätte sie über von der der Regierung finanzierte Einrichtungen Behandlungen dazu erhalten können, die alle religiösen Sektoren des Landes dienen.

Am Nachmittag ging ich zur Arbeit an der Easy English Academy, wo ich arabische und jüdische Schüler Englisch lehre. Eine meiner Studentinnen ist Nasra, die daran arbeitet ihr Englisch aufzupolieren. Sie bringt ihre Forschungsarbeit mit einer weiteren Krankenschwester voran; sie ist aus Ramallah, direkt über der Grenze, in Palästina.

Schließlich, nach dem Abendessen sprach ich mit meiner inoffiziellen äthiopischen Adoptivtochter, die seit rund 20 Jahren in Israel lebt. Sie kam mit ihrer Familie nach Israel, um weiterer religiöser Verfolgung durch die äthiopische Regierung zu entgehen. In Äthiopien wusste sie, dass es Zeit war zur Schule zu gehen, wenn die Sonne einen Baum einen bestimmten Schatten werfen ließ; jetzt arbeitet sie in einer israelischen Bank im Bereich Computersicherheit. Sie heiratete einen Mann, dessen Eltern aus Afghanistan und Rumänien stammen; ihre Hochzeit war eine wilde Feier ausgeprägter und lebhafter Kulturen.

Unterschiedlichkeit bereichert das Leben. Mit wie vielen unterschiedlichen Menschen haben Sie heute gesprochen?

9 Gedanken zu “Unterschiede bereichern das Leben: Ein gewöhnlicher Tag in Israel

  1. Super schöne Geschichte. Ich werde heute sicher viele unterschiedliche Menschen sprechen! 🙂 Der Unterschied liegt für mich nicht in ihrer Religion oder Rasse, sondern schlichtweg in ihr Wesen. Und das ist so spannend. Ich freue mich darauf.

  2. Vielen Dank für diese wunderschöne Schilderung des Alltags in Israel, die gleichzeitig Information und Aufklärung ist. Umso weniger verstehe ich diejenigen, die Israel mit allerhand hässlichen Attributen bedenken (z.B. Apartheid, – wobei diejenigen damit nur ihr eigenes hässliches Denken demonstrieren)

  3. „Unterschiede bereichern das Leben“ sagte der Kannibale, dann aß er den weißen Großwildjäger zum Frühstück.

  4. Hmm….. Männer und Frauen sind unterschiedlich, Gott sei Dank! Von wegen
    Gender! 👿

    Die Kulturen sind unterschiedlich und das ist auch gut so!
    Jedes Land hat seine EIGENE Kultur und das ist auch gut so!
    Um es ganz klar zu sagen, ich bin gegen Multikulti, weil, man verliert seine eigene
    Identität!
    Wenn ich fremde Kulturen kennen lernen möchte, dann reise ich in fremde Länder!
    Aber ich muß nicht fremde Kulturen in meinem Land haben! 😉

    Unterschiede findet man schon genug, von Bundesland zu Bundesland!

    Ich bin Hamburgerin und ich komme nicht immer mit der rheinländischen
    Mentalität klar, muß ich aber, weil ich am Niederrhein lebe!

    WIE soll ich da erst mit Moslems klar kommen?? 🙄

    • Rheinländische Mentalität – am Niederrhein? Oh Heimchen, lass das nicht die falschen Leute hören. (PS: Kennst du Konrad Beikircher? Mal anhören, der ordnet das gut ein. 🙂 )

      • Ach, Heplev…mein Lieber… 🙂
        Für mich als Hamburgerin, sind irgendwie alle gleich. 🙄

        Aber ich weiß schon… Du bist Rheinländer und der ist wieder anders,
        als der Niederrheiner!
        Er war echter Niederrheiner…

        Hanns Dieter Hüsch – der Niederrheiner

  5. Natürlich kenne ich Konrad Beikircher, ein Südtiroler, der das Rheinland liebt!
    Wenn ich genau hinhöre, verstehe ich alles.
    Aber dafür kann ich Hamburger Platt, ätsch! 😀
    Kannst Du sie verstehen??

  6. Letztendlich geht es in dem Artikel gar nicht um Unterschiede, geschildert werden nur Menschen, die sich an Deine „Leitkultur“ angepasst haben. Daß sie andere Sprachen sprechen, anders aussehen oder verschiedenen Geschlechts sind, unterscheidet sie zwar, macht aber im Grunde keinen Unterschied, da sie sich offensichtlich den allgemein herrschenden Moralvorstellungen unterwerfen. Trifft das nicht mehr zu dann guckst Du ganz schön blöd aus der Wäsche. 🙂

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