Frankreichs empörendes zweierlei Maß zu Hisbollah und Terrorismus

Evelyn Gordon, Commentary Magazine, 23. Mai 2013

Für jeden, der immer noch glaubt, Europas weit verbreitete antiisraelische Stimmung sei lediglich eine Reaktion auf Israels Politik, völlig unberührt von Antisemitismus, sollte über diese schamlose Bekanntgabe des französischen Außenministers Laurent Fabius nachdenken: Frankreich, sagte er, ist jetzt bereit den militärischen Arm der Hisbollah als Terrororganisation zu führen, weil „Fakt ist, dass sie extrem hart gegen die syrische Bevölkerung gekämpft hat“; das hat Paris veranlasst seinen langjährigen Widerstand gegen den Schritt aufzugeben.

Natürlich bin ich heilfroh, dass Frankreich endlich bezüglich der Hisbollah zur Erkenntnis kommt. Doch Frankreich hatte während all der Jahre kein Problem mit der Organisation, in denen sie grenzüberschreitende Anschläge auf die israelische Bevölkerung betrieb. Damit es niemand vergisst: Diese Anschläge gingen selbst nach dem Israel von der UNO bescheinigten Rückzug von jedem Quadratzentimeter libanesischen Territoriums im Jahr 2000 weiter; es war ein solcher grenzüberschreitender Überfall, der den Krieg zwischen Israel und der Hisbollah 2006 auslöste. Mit anderen Worten: Frankreich hat gerade erklärt, dass grenzüberschreitendes Eindringen, um in Israel Juden zu töten, absolut in Ordnung geht, grenzüberschreitendes Eindringen, um Muslime in Syrien zu töten aber völlig inakzeptabel sind. Wenn das kein antisemitisches zweierlei Maß ist, dann weiß ich nicht, was es sein soll.

In der Tat hat Frankreich bisher die Hisbollah als legitime politische Kraft angepriesen, die zur Stabilität in der Levante beiträgt. Das war immer widersinnig: Einen Krieg mit dem südlichen Nachbarn anzufangen, der große Bereiche des eigenen Landes verwüstet, wie es die Hisbollah 2006 machte, ist nicht unbedingt ein stabilisierender Faktor. Doch offensichtlich ist Israel zu bekämpfen aus der Sicht Frankreichs doch ein Beitrag zur Stabilität des Nahen Ostens: Denn nur, weil die Hisbollah stattdessen jetzt Syrer bekämpft, betrachtet Paris die Organisation als destabilisierende Kraft.

Wenn andere europäische Länder dasselbe denken, dann hatten sie den Anstand das nicht laut zu sagen. Deutschland z.B. sagte, es habe seinen langjährigen Widerstand gegen die Listung der Hisbollah wegen der Beweise aufgegeben, dass die Organisation hinter dem Terroranschlag vom letzten Sommer in Bulgarien steckte, bei dem fünf israelische Touristen und ein Bulgare getötet wurden, sowie dass sie auf Zypern Informationen zur Vorbereitung weiterer Terroranschläge gegen Israels und Juden auf europäischem Boden gesammelt hat. Ich bin kein Fan des deutschen Ansatzes, der praktisch sagt Terrorismus sei in Ordnung, solange sie ihn aus Europa heraushalten, aber daran ist nichts Antisemitisches; es ist absolut normal, dass Europäer sich mehr um Anschläge auf europäischem Boden sorgen als um Anschläge im Nahen Osten.

Frankreich hat im Gegensatz dazu gesagt, es mache sich enorm große Sorgen wegen Anschlägen im Nahen Osten – aber nur, wenn sie gegen (nicht israelische) Muslime gerichtet sind. Du willst Juden im Nahen Osten töten? Nur zu, sagt Frankreich: Wir werden dir sogar dabei helfen, indem wir dich von der EU-Liste der Terrororganisationen herunter halten und damit sicherstellen, dass du auf unserem Territorium ungehindert Spenden sammeln kannst. Mach nur nicht den Fehler deine Waffen stattdessen gegen Muslime zu richten.