Die Ehre des Mörders

Daniel Greenfield, Sultan Knish, 29. Januar 2013

Die Geschichte des Islam ist ein mörderisches Rätsel. Es ist nicht die Art Mordrätsel, wo man sich fragt, wer ihn beging, sondern wann er enden wird. Der Detektiv, der mit seiner Lupe auf ein Stück auf dem Teppich zurückgebliebenen Faser oder ein lockiges Stück Haar, das in einer Tür hängen blieb, äugt, versucht nicht wirklich herauszufinden, wer das tat. Er weiß, wer es war. Das große Rätsel, das ihn verzehrt, besteht darin, wie man den Killer zum Aufhören bringt.

Hier geht es nicht um richtig oder falsch. Richtig und Falsch sind keine ernsten Aussagen in den dürren Wüsten, aus denen der Mörder kommt. Richtig bedeutet Macht zu haben. Falsch bedeutet keine Macht zu haben. Ein Mann hat Recht, weil er Macht hat. Eine Frau hat nicht Recht, weil sie keine Macht hat. Ein Muslim hat Recht, weil er Macht hat. Ein Christ nicht, weil er keine hat.

Wenn eine Frau Macht hat und ein Mann nicht, dann ist der Mann entehrt. Wenn ein Christ Macht hat und ein Muslim nicht, dann ist der Muslim entehrt. Es gibt nur eine Antwort für Ehrlosigkeit: den Tod. Töte denjenigen, der dich entehrt hat, damit du dich wieder mächtig fühlen kannst. Die Männer mit den Lupen werden das Extremismus nenne, aber es ist viel einfacher und viel komplizierter.

Die Mächtigen müssen keine Kompromisse eingehen. Sie haben Ehre. Diejenigen, die keine Macht haben, aber keine Kompromisse eingehen, haben auch Ehre. Der Extremist geht keine Kompromisse ein, ob er nun an der Macht ist oder nicht. Daher hat er immer Ehre. Der Extremist ist bereit für die Macht und Ehre des Islam zu sterben.

Der Islam ist niemals machtlos, sondern ist immer irgendwie kurz vor der Perfektion in Frage gestellt. Vielleicht versagt er dabei alle Nichtmuslime zu vertreiben und zwingt Frauen nicht ihre Augen zu bedecken. Oder vielleicht toleriert er Schach und Drachenfliegen. Selbst der krudeste Salafist findet irgendeine Norm, die noch nicht voll und ganz extremistisch ist. Er macht Kompromisse und die Saat dieses Kompromisses gebiert eine Bewegung, die nicht einmal hier Kompromisse macht. Jede islamische Bewegung trägt diese Samen ihrer eigenen, extremistischen Gegenbewegung in sich und diese Bewegung wird ihre eignen Todessamen in sich tragen. Um der Ehre willen frisst die islamische Revolution frisst auf ewig ihre Kinder.

Absolute Macht korrumpiert absolut. Absolute Ehre ist das Streben nach absoluter Macht. Eine Macht, die derart rein ist, dass sie die menschlichen Mittel übersteigt, die notwendig sind dieses ruhmreiche Ziel zu erreichen. Eine Reinheit, die so total ist, dass sie Kokainschmuggel, Vergewaltigung und Mord, Folter und gebrochene Eide zur goldenen Wahrheit erheben wird, das Ziel des Islam rechtfertige all seine verstümmelnden Mittel.

Der Mörder tötet, weil er Macht will. Er tötet weiter um der Ehre willen. Wenn die Klinge abrutscht oder das Opfer eine Schusswaffe zieht, dann schleicht sich der Mörder in die Nacht weg und pflegt seine Missgunst und schwört, dass er zurückkehren wird oder seine Kinder zurückkehren werden oder deren Kinder, immer und immer weiter so durch die Generationen.

All das mag begonnen haben, weil der Mörder eine Ziege, eine Goldmünze oder eine Ehefrau haben wollte, doch es geht weiter, weil es inzwischen eine Frage der Ehre ist. Vor einem Moment wollte der Mörder nur eine Goldmünze, aber weil er es nicht schaffte sie zu bekommen, ist es jetzt eine Frage, die nun für alle Goldmünzen der Welt nicht weggehen wird. Mord verwandelt die Goldmünze in Ehre. Das Motiv spielt keine Rolle mehr. Es geht jetzt nur um das Ende.

Je mehr dem Mörder Widerstand geleistet wird, desto wütender wird er. Der Fehlschlag, nicht getötet zu haben, zwingt ihn im Mythos Zuflucht zu nehmen. Er beginnt ruhmreiche Geschichten seiner Schlachten zu erfinden, samt einigen Gedichten und epischen Schlachten. Es gibt heilige Tode, bei denen Bluttropfen wie Juwelen fallen und Tauben in den Himmel aufsteigen. Jeder Man wird zum Löwen und jeder Feind ist ein monströser Kinderfresser. Irgendwann wird diese Geschichte sein kompletter Daseinsgrund. Sie ist eine Erzählung, die an den gesamten Stamm weitergegeben wird, bis zahllose Nachkommen des Mörders ihre Identität aus dieser Geschichte ableiten. Bis sie alle Mörder sind.

Dass ihm ein Strich durch die Rechnung gemacht wurde, kann den Mörder nicht aufhalten. Das Versagen zu töten hat ihn machtlos zurückgelassen, nicht besser als eine Frau oder ein Ungläubiger. Es verursacht bei ihm Zweifel am Wert seiner Religion und seines Volkes. Es raubt dem Leben seine Süße. Die einzige Möglichkeit sein Trauma zu heilen ist zu beenden, was er begann. Der einzige Weg, dass er Frieden findet, ist Krieg zu führen.

Sprich zu ihm vom Frieden und er wird nicht zuhören, außer als List, um die nicht zu Ende geführten Mord zu Ende zu bringen. Frieden ist etwas für die Machtlosen. Mit dem Wunsch nach Frieden gibt man Schwäche zu. Damit gibt man gibt man der prosaischen Sterblichkeit des gewöhnlichen Lebens nach. Bevor er zu töten begann, könnte den Mörder das gewöhnliche Leben zufrieden gestellt haben, doch das reicht ihm nicht länger. Nichts wird reiche, außer dem Messer und dem Blut und den Schreien.

Der Mörder wird lügen, er wolle Friede, aber er wird keinen Frieden schließen. Zu lügen um zu töten ist ehrenhaft, aber in Frieden zu leben ist nicht ehrenhaft. Frieden beschränkt die Grenzen und schließt Horizonte. Was einst ein grünes Territorium war, das die Enkel und Urenkel in hundert Jahren überrennen könnten, ist auf einmal für immer verloren und für immer fremdes Eigentum. Wie kann man ihn auffordern ein so furchtbares Zugeständnis zu machen?

Genauso gut könnte man den Matrosen auffordern an Land zu bleiben und den Entdecker, seine Füße vor das Feuer zu stellen. Der Mörder ist nur ein Mörder, er ist im Herzen Romantiker und ob er in einer Lehmhütte lebt oder in einem protzigen Palst, der mit gigantischen Porträts seiner selbst dekoriert ist, insgeheim stellt er sich selbst als Sultan oder Emir vor. Und wenn nicht er, dann seine Kinder oder Enkel.

Das Land, auf dem er sitzt, ist nur Land; er verschwendet es zum größten Teil für das, was gut für ihn ist. Er könnte Gedichte über das geliebte Land schreiben, aber es ist nicht das Land, das er liebt, sondern der Gedanke es zu erobern, dafür zu töten und dafür zu sterben. Und wenn es keine Notwendigkeit gibt eines der drei zu tun, dann sucht er wie ein verliebter Ehebrecher des Bodens nach anderem Land, das er erobern und für das er töten und sterben kann.

Das ist seine Geschichte und der Mythos, der sein Leben regiert. Er ist keiner, der baut. In seinem Teil der Welt sind es die Sklaven, die bauen. Es sind die Männer, die keine Macht und keine Ehre haben, die nach einem festgelegten Zeitplan arbeiten, Ziegelsteine heben und Trägerbalken anbringen. Er ist auch kein Bauer, auch das ist Arbeit, die nur für Leibeigene geeignet ist. Er gibt einen geeigneten Händler ab, der in einem rituellen Händler-Kampf betuppt und im Gegenzug betuppt wird. Notfalls könnte er Hirte sein, der ziellos durch die Hügel streift und seine Herde die spärlichen Wüstengräser knabbern, bis sie eine Einöde ist, tötet und isst sie, wenn es ihm passt, wie ein kleiner, schmuddeliger Gott.

Was immer er beruflich tut, er hält sich für einen Krieger und die von ihm bevorzugte Art von Krieg ist der Überfall. Dorf gegen Dorf. Reiter gegen Karawanen. Entführte Flugzeuge gegen Wolkenkratzer. Wenn er gewinnt, dann gewinnt er Ehre. Wenn verliert, gewinnt er dadurch Ehre, dass er Rache schwört, den selbst der schlimmste Loser kann immer an seiner Ehre festhalten, indem er droht die Gewinner zu töten.

Und das ist der Punkt, an dem die Morde ein Rätsel werden, jedenfalls für diese Detektive, deren kleine Lupen die Rillen eines Fadens sichtbar machen können, aber nicht die verzerrte Wut auf dem Gesicht eines Mörders. Je mehr sie versuchen den Mörder zu überzeugen aufzuhören, desto mehr tötet er. Es gibt hier ein Muster, doch anders als Teppichfäden und Fußspuren ist es eines, das sie nicht verstehen können.

Die Männer mit den Lupen wollen ihr Leben zurück. Das will auch der Mörder. Und der einzige Weg, um es zurückzubekommen, ist darüber ihre Tränen zu schöpfen. Die Institution der Fehde ist in ihrer Welt verfallen, doch sie ist in seiner das definierende Element. Beide, Detektiv und Mörder, sind in einem Kreislauf gefangen, doch der Mörder hat einen Ausweg. Alles, was er tun muss, ist sie zu töten. Die Detektive können nicht dasselbe tun. Es gibt in ihrer rationalen Welt keinen Raum für eine solch krude Lösung. Sie versuchen den Kreislauf mit Worten zu durchbrechen. Er versucht ihn mit Bomben und Kugeln zu durchbrechen. Und der Kreislauf der Gewalt geht weiter.

Fehlschläge treiben den Mörder an. Je mehr er beim Töten versagt, desto mehr strebt er danach. Bei seinem zehnten Versuch ist er zehnmal so motiviert wie beim ersten. Wie alle Menschen hat er seine Höhen und Tiefen, aber er versucht sich mehr anzustrengen.

Jedes Mal, wenn er versagt, sagt er sich, dass das Spiel nicht fair war, die andere Seite die Regeln verletzt hat, den Wettstreit manipuliert und ihn unterhöhlt hat. Er spinnt komplexe Verschwörungstheorien von Spionen und Saboteuren, in denen das Gemüt des Feindes so verschwurbelt ist wie sein eigenes und das schürt seine Empörung nur noch. Wie kann sein Opfer es wagen so clever Ränke zu spinnen, um seine Ermordung zu untergraben! Empört spinnt er seine eigenen verschlungenen Komplotte, spielt Wiley E. Coyote gegen einen vergesslichen Roadrunner, der gelegentlich verdutzt ist, wenn er erfährt, dass ihm vorgeworfen wird jede wichtige Persönlichkeit der Öffentlichkeit des Nahen Ostens kontrolliert oder trainierte Haie in den Nil gesetzt zu haben.

„Sicher“, sagt der Mörder“, du hast doch nicht erwartet, dass er das zugibt, oder? An seiner Stelle hätte ich das auch nicht getan.“

Auf diese Weise nimmt das Mordopfer eine übergroße Bedeutung an, bis er, sie oder es jedes Hindernis repräsentiert, dem der Mörder in seinem Leben jemals gegenüber stand, jedem Albtraum oder nächtlicher Angst. Welches Verbrechen auch immer der Mörder begeht, er ist sicher, dass das Mordopfer mehr davon begangen hat. Die dunkle Seite des Mörders tritt aus dem Schatten und nimmt die Rolle seines Opfers an, damit der Akt des Mordes ein Akt der Reinigung wird, der für die Mächte des Dunklen, die der Mörder zu töten versucht, nichts reinigt; sie sind weiter in ihm, selbst während sein Opfer am Boden verblutet.

Irgendwann füllt das Mordopfer seine Welt aus. Rushdie war nur ein unwichtiger Autor, bis eine Reihe zufälliger Ereignisse dafür sorgten, dass eine wackelige iranische Führung auf seinen Namen aufmerksam wurde, die nach einem Sündenbock suchte. Und dann wurde Rushdie für das iranische Regime zur Besessenheit. Rushdie füllte ihre Welt aus. Ähnlich verbrachte der Durchschnittsmuslim seine Zeit nicht damit über die Juden nachzudenken, die immer verachtet wurden, aber wie die meisten Nichtmuslime nicht von Bedeutung waren. Nachdem sie ihre Land und ihre Menschen erobert hatten, konnten sich sie ignorieren, abgesehen von den üblichen Diebstählen, Morden und allerlei Grausamkeiten. Doch dann, nachdem sie zahlreiche Kompromisse eingingen, besiegten die ehrlosen Juden, die Söhne von Affen und Schweinen, Armeen, die der ihren überlegen waren. Die Mörder wurden ihrer Ehre beraubt. Und wenn der Mörder ein Muslim und das Opfer ein Nichtmuslim ist, dann ist die Ehre des Mörders die Ehre der gesamten muslimischen Welt.

Und es kann jetzt keinen Frieden geben. Nicht morgen oder in tausend Jahren. Nicht mit den Golanhöhen, der Westbank, dem Gazastreifen, Ostjerusalem, Galiläa und den schmutzigeren Teilen Tel Avivs. Nichts wird reichen, außer wenn die Mörder beenden, was sie anfingen, den abgebrochenen Mord, das nicht beendete Verbrechen und den nicht vollzogenen Ehrenmord, der alle Ehrenmorde beendet. Nichts außer dem Tod wird genügen.

Ein Mörder wird vieles vergeben. Du kannst seinen Sohn töten und seine Tochter vergewaltigen, so lange der Blutpreis oder der Ehrenpreis von einer Hand in die andere geht. Du kannst dasselbe mit all seinen vielen Verwandten und deren Verwandten tun, wie es in diesen schmutzigen kleinen Kriegen so oft der Falls ist, die in Wirklichkeit Meuten an Mördern sind, die umherstreunen und überfallen, einander beschießen und zurückweichen und dann darauf warten, dass die trauernden Frauen herauskommen und über den Leichen klagen. Du kannst ihn sogar so viel betrügen, wie du magst, denn er wird dich wahrscheinlich weit heftiger betrügen, selbst während du dir einbildest, dass du am Ende vorne liegen wirst. Aber du darfst ihm seine Ehre nicht nehmen.

Mach dich nicht über die Götter des Mörders lustig, denn sie sind seine Macht; lehne seine Gastfreundschaft nicht ab, denn damit zeigt er, dass er mehr hat als du; oder lass ihn sich nicht klein und schwach fühlen. Er mag danach lächeln, doch er wird es dir nie vergeben, die Beleidigung wird sein Herz wund scheuern, bis es mit dieser Art schwarzen Blutes überfließt, das nach Verbitterung und Tod schmeckt.

Das Haus Saud hat dem Haus Washington niemals vergeben, dass dieses seiner Stärke half. Es zieht jedes Jahr einen Blutpreis daraus, kann aber nicht ruhen, bis das Weiße Haus Washington stürzt. So müssen auch alle Bündnisse eines Tages in Verrat oder Tod enden. Es gibt keinen Raum für zwei Stämme, die im grünen Land des Horizonts herrschen. Es gibt in den inneren Palästen der Ehre mit ihren Juwelen tragenden Tapeten und arabesken Kurven auch keinen Raum für eine helfende Hand. Der Sultan und Emir kann, wie Allah, Vorläufer haben. Wie Mohammed muss er die endgültige Offenbarung der Macht über eine machtlose Welt sein.

Und der Mörder? Er kann nicht schlafen. Der Mann, den er zu töten versuchte, hat seine Welt ausgefüllt. Früher einmal wollte er Gold oder Ziegen, doch jetzt will er Ehre. In seinem Bett träumt der Mörder davon einen Mann zu töten, dessen einziges Verbrechen es war ihn zu demütigen, indem er sich weigerte zu sterben. Der Mörder dreht sich um und lächelt. Morgen wird er töten. Morgen wird er seine Ehre wiedergewinnen.

Ein Gedanke zu “Die Ehre des Mörders

  1. Vielleicht sollte mal jemand den Mörder aufklären, denn ein Mörder besitzt
    KEINE EHRE!!! Er verwechselt Ehre mit Niedertracht!
    Ich bin mir sicher, er weiß überhaupt NICHT, was EHRE bedeutet!

    Für ihn ist EHRE = Hass…Rachsucht….Gewalt…Mord…Niedertracht!
    Der Mörder kann NICHT wiedergewinnen…was er NIEMALS besessen hat!
    Er ist KRANK…. doch er hält sich für gesund! Seine Ideologie ist KRANK,
    doch er hält sie für richtig und wahr!
    Der Mörder muß für immer und alle Zeit, UNSCHÄDLICH gemacht werden!!!

    Wir hatten es fast schon mal geschafft! 😉

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